E-Book, Deutsch
Dützer Morgen bist du tot
3. Auflage 2023
ISBN: 978-3-98778-566-5
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch
ISBN: 978-3-98778-566-5
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Er weiß alles. Er irrt sich niemals. Und er ist immer einen Schritt voraus.
Der spannende Stalking-Psychothriller von Bestsellerautor Volker Dützer
Valerie de Crécy, eine renommierte Journalistin, ist außer sich vor Freude, als der mysteriöse Star-Wahrsager Gabriel Nexx ihr ein exklusives Interview gewährt. Doch sie ahnt nicht, dass sie damit einem psychopathischen Stalker die Tür zu ihrem Leben öffnet. Eine erschreckende Serie von bizarren Todesfällen in Valeries Umfeld lässt sie erahnen, dass Nexx dafür verantwortlich ist. Doch ihm etwas nachzuweisen, erweist sich als nahezu unmöglich. Er dagegen scheint alles über sie zu wissen und kann jede ihrer Entscheidungen vorhersagen. In ihrer Verzweiflung wendet sich Valerie an den Polizisten Lenny Koriatis. Kurz darauf kündigt Nexx ihren nahenden Tod an – und bisher ist noch keine seiner düsteren Prophezeiungen unerfüllt geblieben. Valerie und Lenny bleiben nur wenige Tage, um das Geheimnis des psychopathischen Nexx zu enthüllen und sich gegen einen Gegner zu behaupten, der immer einen Schritt voraus zu sein scheint …
Dies ist eine überarbeitete Neuausgabe des bereits erschienenen Titels Morgen bist du tot.
Erste Leser:innenstimmen
„Rasanter, unterhaltsamer, aber auch schockierender Stalking-Thriller.“
„Durchgehend spannend und unmöglich wegzulegen!“
„Flüssiger Schreibstil, fesselnde Handlung – ein Krimi der Extraklasse!“
„Für Fans von Psychothrillern ein absolutes Muss.“
Volker Dützer, geboren 1964, lebt und arbeitet im Westerwald. Die Bandbreite seiner Romane reicht vom lupenreinen Kriminalroman über Science-Thriller bis zur Horror-Kurzgeschichte.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
2
„Du bist auf allen Kanälen!“
Henning Lehner griff nach der Fernbedienung und schaltete den Fernseher ein, der an der Wand gegenüber dem Krankenhausbett hing.
„Dank des beherzten Eingreifens der Fernsehjournalistin Valerie de Crécy entging der bekannte Hellseher Gabriel Nexx knapp einem Attentat“, berichtete ein atemloser Reporter.
Szenen der mittäglichen Aufzeichnung flimmerten über den Bildschirm. Valerie konnte sehen, wie sie selbst Nexx zu Boden riss. Es sah tatsächlich so aus, als hätte sie ihm mit ihrer schnellen Reaktion das Leben gerettet.
Erschöpft ließ sie den Kopf wieder auf das Kissen sinken. Auf diese Art von Reklame hätte sie liebend gerne verzichtet. Wenn ein Klatschreporter tief genug im Dreck wühlte, würde er schnell herausfinden, dass sie es gewesen war, die Schäfer den Zutritt zum Saal ermöglicht hatte. Ohne ihre Hilfe hätte es kein Attentat gegeben.
„Ich habe Schäfers Verbitterung unterschätzt“, sagte sie kopfschüttelnd. „Woher hatte er nur die verdammte Pistole?“
„Die Polizei hat herausgefunden, dass die Waffe von seinem Großvater stammt – eine alte Luger aus Wehrmachtsbeständen.“
„Na großartig.“
„He, du hast nur deinen Job gemacht. Keiner konnte wissen, dass er vorhatte, auf Nexx zu schießen.“
Valerie fühlte sich schuldig an dem, was passiert war. Wie immer in der Hoffnung auf eine knallige Enthüllungsstory, hatte sie sich zu sehr auf den Suizid der Frau konzentriert. Dabei hatte sie übersehen, wie sehr deren Mann unter ihrem Freitod gelitten und wie viel Zorn sich in ihm aufgestaut hatte.
„Man hat auf Schäfers Computer eine Erklärung gefunden, die er über das Internet verbreiten wollte“, sagte Henning.
„Hat er überlebt?“
„Nein, er war sofort tot. Zwei Schüsse ins Herz.“
Valerie blickte auf das Display ihres Smartphones. Es war kurz nach 17:00 Uhr. Der Anschlag im Ballsaal lag erst vier Stunden zurück. Die Nachricht hatte sich wie ein Buschbrand in den Medien verbreitet. Henning schaltete auf einen anderen Kanal. Wieder riss Valerie Nexx zu Boden und bewahrte ihn vor Schäfers Rache.
„Mach das aus“, sagte sie.
„Freust du dich denn gar nicht über die kostenlose Publicity?“
„Nein. Ich habe nicht vorsätzlich eingegriffen, sondern bin gestolpert, weil ich entsetzliche Angst hatte. Schäfer zielte zunächst auf mich und schoss dann auf Nexx.“
Henning grinste. „Na und? Von mir erfährt es niemand. Du bist eine Heldin, Val. werden weitermachen. Jacobi kann dich jetzt unmöglich feuern. Du bist so beliebt wie das Christkind, weil du das Attentat verhindert hast.“
Auch das noch. Sie hatte Nexx auseinandernehmen wollen, stattdessen hatte sie ihm das Leben gerettet.
„Wie viele Opfer hat es gegeben?“
„Drei. Björn Reinhard und den dicken Journalisten, der hinter mir saß, hat’s erwischt. Und natürlich Schäfer. Es grenzt an ein Wunder, dass Nexx keinen Kratzer abbekommen hat. Er scheint wirklich mit dem Teufel im Bund zu stehen.“ Henning wurde ernst. „Wie geht’s dir?“
Sie tastete nach dem Pflaster an ihrem Hals. „Die Ärzte sagen, ich hätte großes Glück gehabt. Die Kugel hat meinen Hals nur gestreift und die Halsschlagader knapp verfehlt. Es wird nur eine kleine Narbe zurückbleiben.“
„Gönn dir ein paar Tage Ruhe.“
„Den Teufel werde ich tun. Ich will hier raus, so schnell wie möglich.“
„Du stehst unter Schock.“
„Ach was.“
„Du musst ja wissen, was du tust.“ Henning schaltete den Fernseher aus. „Sag mal, was stand eigentlich in dem dritten Umschlag?“
„Irgend so ein krudes Zeug, ich hab’s vergessen. Es sollte wohl eine Retourkutsche auf unsere Reportage über ihn sein.“
Es sollte belanglos klingen, doch es verging keine Sekunde, in der sie sich nicht mit der geheimnisvollen Prophezeiung beschäftigte. Nexx hatte sich noch nie geirrt. Bis zum 18. September waren es noch zehn Tage. Würde sie wirklich bald sterben?
„Immerhin hat Nexx mit seinen ersten beiden Vorhersagen richtiggelegen. Wie konnte er nur von dem bevorstehenden Flugzeugabsturz wissen?“ Henning schüttelte den Kopf. „Das ist unheimlich.“
„Wir werden schon noch hinter seinen Trick kommen.“
„Und wenn es kein Trick ist? Wenn er wirklich das zweite Gesicht hat?“
Ärgerlich schlug Valerie die Bettdecke zurück. „Fängst du jetzt auch noch mit diesem Hokuspokus an?“ Sie sprang auf die Füße und spürte sofort, wie sehr ihr der Schock in den Knochen steckte. Das Zimmer drehte sich um sie herum. Sie biss die Zähne zusammen und widerstand der Versuchung, sich wieder hinzulegen.
„Auf alle Fälle hat Nexx Nerven wie Drahtseile. Er blieb völlig cool in dem Chaos“, sagte Henning.
„Kein Wunder. Er wusste, was geschehen würde.“
„Sag ich doch.“
„Hör schon mit diesem übersinnlichen Quatsch auf. Ich bin überzeugt, dass er den Anschlag auf sich selbst geplant hat.“
„Wie denn? Und warum sollte er sich absichtlich in Gefahr begeben?“
Valerie zuckte mit den Schultern, was einen neuen Schwindelanfall auslöste. „Geltungsdrang? Aufmerksamkeitsbedürfnis? Vielleicht hat er nicht geglaubt, dass es wirklich gefährlich werden könnte. Doch dann ist die Sache aus dem Ruder gelaufen.“
„Na, du wirst ihn fragen können.“
„Wie meinst du das?“
„Das Beste weißt du noch gar nicht. Nexx will sich persönlich bei dir bedanken. Ich musste ihm deine Handynummer geben.“
Kaum war Henning die Neuigkeit losgeworden, klingelte auch schon ihr Smartphone auf dem Nachttisch neben dem Bett.
„Okay, ich mach mich dann mal unsichtbar“, sagte Henning.
Valerie wischte über das Display und meldete sich.
„Hier spricht Gabriel Nexx. Guten Tag, Frau de Crécy. Ich hoffe, ich störe nicht.“
„Nein, nein … das ist schon okay.“ Valerie ließ sich auf das Bett zurücksinken. Sie fühlte sich ausgepumpt und überrumpelt.
„Wie geht es Ihnen? Ich hörte, Sie sind verletzt worden.“
Seine Stimme klang warm und freundlich. Ganz anders als in der Show. War sein Auftreten dort nur Maskerade? Eine Rolle, die er in der Öffentlichkeit spielte? Vielleicht lernte sie nun den wahren Gabriel Nexx kennen. Zum ersten Mal kam ihr der Gedanke, dass er vielleicht Kontaktlinsen trug, um die unterschiedliche Farbe seiner Augen zu erzeugen. Nichts weiter als ein Bühneneffekt.
„Es geht mir gut.“
„Das freut mich zu hören. Immerhin verdanke ich Ihnen mein Leben. Wer weiß, was geschehen wäre, hätten Sie nicht so schnell reagiert.“
„Ich hatte nicht geplant, die Heldin zu spielen. Es war nicht mehr als ein unbewusster Abwehrreflex.“
„Sie sind zu bescheiden. Ich stehe in Ihrer Schuld. Leider hatte ich noch keine Gelegenheit, Ihnen zu danken.“
dachte sie.
„Wenn es Ihnen an irgendetwas mangelt, lassen Sie es mich wissen. Darf ich fragen, wann Sie die Klinik verlassen werden?“
„Noch heute. Außer einer Gehirnerschütterung und einem Kratzer habe ich nichts abbekommen. Ich packe gerade meine Sachen.“
„Wie kann ich mich erkenntlich zeigen?“
„Verraten Sie mir, woher Sie wussten, dass das Flugzeug abstürzen würde.“
„In wenigen Worten kann ich das am Telefon nicht erklären. Es ist kompliziert.“
„Dann geben Sie mir ein Interview. Ich biete Ihnen eine Exklusivstory an.“
„In Ihrer Sendung kam ich bisher nicht gerade gut weg.“
„Das lässt sich ändern. Ich garantiere Ihnen eine faire Reportage. Ich gebe zu, Sie haben mich … beeindruckt.“
„Sie haben den dritten Umschlag geöffnet.“
„Ja. Ein ziemlich mieser Scherz, absolut unter Ihrem Niveau. Finden Sie nicht auch?“
„Ein Scherz?“ Er lachte leise. „Eine interessante Vorstellung.“
Valerie widersprach ihm nicht. Wenn sie ihn jetzt vergraulte, brächte sie sich um eine einmalige Chance. „Also?“
„Passt Ihnen heute Abend?“
Sie kämpfte gegen einen neuen Schwindelanfall an.
„Ausgezeichnet. Ich muss nur noch meinen Kameramann informieren.“
„Den lassen Sie besser zu Hause.“
„Ich brauche ihn. Schließlich kann ich nicht gleichzeitig Fragen stellen und filmen.“
„Keine Kamera. Nur wir beide. Sie und ich. Hört sich das nicht nach einem romantischen Abend an?“
Valerie biss sich auf die Unterlippe. Sie würde wohl zum Schein nachgeben und nach seinen Regeln spielen müssen. Henning musste sich etwas einfallen lassen.
„In Ordnung.“
„Ich lasse Sie um 19:00 Uhr abholen. Mein Fahrer bringt Sie nach Marienburg, in mein bescheidenes Domizil im Kölner Süden.“ Er legte auf.
Valerie fuhr sich mit der Hand über die Augen. Trotz der Schmerzmittel hatte sie leichte Kopfschmerzen. Sie fühlte sich zittrig und unkonzentriert. Nicht gerade ideale Voraussetzungen für ein wichtiges Interview. Doch sie musste die Sache irgendwie durchstehen, eine solche Gelegenheit kam so schnell nicht wieder. Außerdem war Nexx ihr eine Erklärung schuldig. Wenn er wirklich so gut war, wie er behauptete, musste er wissen, was am 18. September geschehen würde.
Die gruselige Todesprophezeiung war also kein Scherz von ihm gewesen. Vielleicht war sie nichts weiter als ein Köder. Nun, er sollte sich täuschen. So leicht würde sie nicht anbeißen.
Es war jetzt 17:20 Uhr. Es blieb ihr noch Zeit genug, um nach Hause zu fahren, sich frisch zu machen und einen Schlachtplan auszuarbeiten. Und dabei würde ihr Henning helfen. Sein Talent, sich unsichtbar zu machen, war...




