Duhm / Temmen | Wenn Träume Beine bekommen | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 376 Seiten

Duhm / Temmen Wenn Träume Beine bekommen

Das Leben ist eine Einbahnstraße, immer vorwärts, niemals zurück
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7407-0432-2
Verlag: TWENTYSIX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Das Leben ist eine Einbahnstraße, immer vorwärts, niemals zurück

E-Book, Deutsch, 376 Seiten

ISBN: 978-3-7407-0432-2
Verlag: TWENTYSIX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ein verrücktes Leben. All inclusive Mein Privatleben und ich. War es eine Sucht geworden, war es eventuell Flucht? Ich wusste es nicht. Nur eines fühlte ich, Reisefieber. Nicht kurz vor einer Reise, nein schon dann, wenn ich gerade in Deutschland aus Asien gelandet war. So schnell wie möglich wieder aufbrechen. Dieses Verlangen trieb mich wie die Feder in einem Spielzeugauto an. Der Schlüssel verbarg sich unter meinen Traumata aus der Kindheit. Angst bestimmte mein Leben. Ängste allein, verlassen leben zu müssen. Niemand merkte es. Ich lachte fort was mich belastete. Wer würde mich schon verstehen. Irgendwie irre. Das war eben so, konnte ich nicht ändern. Ein lachender, kuscheliger, jedoch tiefgefrorener Eisbär. Das schrie mir eines Tages eine Freundin entgegen. Auch gut. An Eis perlt viel Dreck ab. Und wie begann diese Lust, dieser Drang zu reisen? Sicherlich hatte sich ein Satz meines Großvaters in mir festgesetzt. Junge, sagte er eines Tages: Man kann dir in deinem Leben alles nehmen, nur deine Erinnerungen nicht. Das hatte er als Sozialdemokrat in der NS-Zeit gelernt. Dieses Buch soll einen Einblick geben, wie man leben kann, wie man beruflichen Erfolg haben will, ohne Internet, ohne Computer, ohne Handy und Smartphone. Heute unvorstellbar und doch war es real. Und ich reiste Ende der 80er Jahren schon zwanzig Jahre um die Welt. Also schreibe ich vieles auf, alles ist nicht möglich, so viel wie ich denke, dass es lesenswert ist. Wie begann ich zu reisen? Ohne Geld, ohne Kontakte. Im Ausland erfolgreich tätig zu werden? Ganz einfach. Risiko, Fehler, Rock und Roll akzeptieren. Auch wenn ich wieder heim nach Norddeutschland wollte, die Abenteuerlust trieb mich weiter. Wie fremdgesteuert! Das Leben ist eine Einbahnstraße, immer vorwärts, niemals zurück. Mein Leben gestaltete sich so irre, als hätte ich Fliegen mit Essstäbchen fangen wollen. Und das in über sechzig Ländern dieser schönen Welt. Diese Bücher sollen als Feature, als Reportage über ein ganzes Leben verstanden werden. Teil 1

H. Peter Duhm schreibt über sein aufregendes Leben und über Verbrechen aus der Nachkriegszeit. In seiner neuen Heimat, Elten, Ortsteil von Emmerich am Rhein schreibt und recherchiert er. Neue, interessante Themen lassen sich überall finden. Man muss sehen und hören können. Auch am Niederrhein, der ihn seit Jahren begeistert. Sport und Arbeit haben ihn lebenslang motiviert, sich nicht unterkriegen zu lassen. 1942 in Hamburg geboren, überlebte er die Vernichtungsangriffe der britischen und amerikanischen Bombenangriffe. Das Trauma dieser Bombennächte blieb. Vielleicht ist er deshalb jahrzehntelang in der Modebranche tätig gewesen, weil er dort seine Kreativität und Reiselust, seinen Drang nach Neuem, insbesondere während der zahlreichen und ausgedehnten Auslandsreisen, die häufig zu asiatischen Bekleidungsherstellern führten, ausleben konnte. Der Hamburger Modemacher und Professor für Fashion-Management gab nie auf Neues zu entdecken. Sein Schreibstil ist kurz und direkt, sein Auftreten überzeugend. In seinen weiteren Büchern vereint er sorgfältige Recherche und Tatsachen mit einem prägnanten Schreibstil. Das zeichnet alle seine Bücher aus. Er selbst bezeichnet diesen neuesten Roman als ein Feature, als eine Reportage. Elten am Niederrhein im Juli 2020
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In Los Angeles


In meinem Apartment in Marina del Rey, dem eleganten Yachthafen von Los Angeles, beginnt meine Reise zurück in die Zukunft.

Lustig klimperten die Stahlseile gegen die vielen Masten der Segelboote, die genau unter meinem Fenster im leichten Wind des Pazifiks dümpelten. Sie stimmte mich jeden Morgen fröhlich, diese Musik aus Ozean, Freiheit und Meeresbrise.

Nach einem Frühstück mit Muffins, kackenden Spatzen und Ami-Kaffee machte ich mich an diesem Vormittag daran in einer Holzkiste zu kramen. In meiner Kindheit war sie stets verschlossen und stand oben auf dem Kleiderschrank meiner Großeltern in Hamburg, auf der vierten Etage. Für mich und meinen Cousin unerreichbar, was uns mächtig nervte. Wir wollten wissen was sich darin verbarg. In diesem Kasten – wie es in meiner Familie offensichtlich üblich gewesen war, wurden die wichtigsten Papiere aufbewahrt und durch den Ersten und Zweiten Weltkrieg gerettet.

In einem großen Paket, innen verpackt in die neuesten Tageszeitungen aus Hamburg, brachte der US-Parcelservice diesen Holzkasten. Meine Tante Anneliese liebte solche Überraschungen. Selbst wenn ich tausende Kilometer entfernt wohnte. Sie schickte immer Pakete. Klar mit einem Laib Schwarzbrot, Leberwurst und einigen Franzbrötchen aus der Bäckerei „Nur Hier“.

In Hamburg Lokstedt, direkt hinter den Studios vom NDR hatte sie eine öffentliche Quelle neben ihrem Verkaufsraum eingebaut.

Immer habe ich dort meine Franzbrote gekauft und Wasser in Plastikflaschen abgefüllt. Es war gutes Wasser. Immer. Weil die Brötchen so vom vielen Zucker und Honig klebten. Das Quellwasser schmeckte gut dazu. Klebrige Frische eben, echt lecker. Schlecht für die Zähne, gut für die Laune. Ich kramte zwischen zerknüllten Zeitungen, selbstverständlich hatte die Tante die neueste Ausgabe vom Hamburger Abendblatt verwendet. War mit auch klar. Der muss in den USA Kontakt zur Heimat halten, dachte sie sich wohl dabei. In diesem mysteriöse, alten, nach osteuropäischer Kunstschnitzerei aussehenden Deckelkasten tauchten plötzlich völlig gruselige Bilder auf. Ich erschrak vor dem, was ich entdecken würde. Meinen Kopf schüttelnd, blickte ich lächelnd durch meine großen Fenster auf die vorbeifliegenden Pelikane, die mich mitzunehmen schienen, in eine längst vergangene Zeit. Mit den großen weiß-rosa Vögeln verschwand ich hinter dem Horizont in meiner eigenen Vergangenheit. Der Bescheid über die Höhe der Kriegsrente meines Stiefvaters, ließ an den brutalen Mann mit seiner Krallenhand denken. Meine Angst als Kind vor dieser Kriegserinnerungskralle fand ich jetzt lustig. Der Mann hatte einen Durchschuss seines Handgelenks aus Russland mitgebracht. Das geschah ihm Recht, diesem Sadisten. Ich drehte mich um, meine Balkonblumen lachten mich an und die Palmen standen dort Draußen wie jeden Tag. Diese verdammte, verkrüppelte Hand griff nicht nach mir. Nee, tat sie nicht mehr. Mehr und mehr versank ich in meiner Vergangenheit. Die Sterbeurkunde meines Urgroßvaters, den sorgfältig ausgeschnittenen Zeitungsartikel über die Gratulation des Kreisleiters, die meiner Urgroßmutter galt, als sie hundert Jahre alt geworden war, die Bescheinigung über das Sorgerecht für mich als Kriegswaise, das Abschlusszeugnis meines Stiefvaters vom Alten Gymnasium in Bremen und die Bestätigung, dass ich bei Leuten in Bremen von nun an zu leben hatte. Ich musste laut lachen. Wie man damals in der Nachkriegszeit über Menschenleben entschied, unglaublich. Lustig, weil es so lange her war. Zwischen diesen und vielen anderen Papieren, fand ich kleinformatige Totenzettel mit Namen und Todesdatum von angeblichen Verwandten, die ich nie kennengelernt hatte. Ich stand auf, diese vielen Gruftys, dachte ich dabei und lächelte. Die hätten bestimmt auch gern einen leckeren Kaffee mit Milchschaum gehabt, den ich mir jetzt machte. Ein vergilbtes, mehrfach gefaltetes Papier bescheinigte meinem Großvater, dass er entscheiden konnte, wo ich zu leben hatte. Welche Perspektiven im Leben räumte man damals herrenlosen Hunden, pardon Kindern ein. Ich lachte laut auf. Mensch war es hier in Marina del Rey am Pazifik schön, wunderbar. Plötzlich hatte ich den Geruch nach frischen Muffins in der Nase. Gestern, auf dem Wochenmarkt in Santa Monica ließ ich mir von einer netten deutschen Dame aus Hamburg, das passte zu mir, riesige Dahlien – Blüten einpacken. Sie freute sich, weil ich mich mit Dahlien auskannte. Ich freute mich an den herrlichen Farben und ungewöhnlichen Formen. Die Farben leuchten in der Sonne, die in mein Wohnzimmer fiel. Entweder sollte ich ins Waisenhaus, eines in Bordesholm, das liegt bei Kiel, oder ins Raue Haus in Hamburg. Ich war in beiden .. An Hamburg erinnere ich mich nicht. An Bordesholm sehr wohl. Verdreckt und durchgeprügelt stand ich eines Tages vor meiner Tante Anna, die mit dem Zug gekommen war. Ich weinte, sie weinte. Sie nahm mich an die Hand, ich trottete neben ihr her. Sie sprach nicht, ich ließ ihre Hand nicht los. Wir fuhren mit den Zug nach Hamburg. Opa und Oma warteten bereits. Das Sorgerecht sei ihm hiermit übertragen worden, stand von Hand geschrieben auf dem Zettel. Na wunderbar, so einfach war es eine Familie zu bekommen. Prima. Nur mitten in der Küche nackt in einer Zinkwanne zustehen, fand ich schrecklich. Weil mich alle von oben bis unten anguckten. Meine vielen blauen Flecke taten weh. Ich sah bunt aus, manche verfärbten sich grün oder gelb. Damals begann wohl mein Leben als bunter Vogel, der durch die Welt jettet. Dann, beim Blättern durch eine Art Brieftasche, die mit einem farbigen Band fest verschnürt war, fand ich die Scheidungsurkunde meines Stiefvaters. Der Typ hatte nie über seine erste Frau gesprochen. Typisch nur nichts an sich selbst kleben lassen. Immer auf die Kleinen einprügeln. Scheidung war ein Makel, den konnte der Mann nie von sich abwischen. Das meinte er, als Hanseat jedenfalls. Nach Außen fein, nach Innen verrottet. Ich blickte versonnen auf die Segelboote, die Palmen und die blauen, sich kräuselnden Wellen des weiten Ozeans. Nur sehr langsam kam mir zum Bewusstsein, dass ich dabei war viel über die eigene Kindheit, das Schicksal meiner Familie aus offiziellen Papieren, Dokumenten und Zeitungsausschnitten zu erfahren. Mein anfänglich neugieriges, wahlloses, nebensächliches Suchen, wich langsam purer Neugierde. Vielleicht hatte ich etwas geerbt oder hatte Geschwister, auf die ich mich freuen konnte. Es musste etwas Wichtiges in dieser Kiste verborgen sein, warum hätte mir meine einzige und Lieblingstante sonst den ganzen Kram geschickt. Das handschriftlich vermerkte <



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