E-Book, Deutsch, Band 12
Reihe: Im Zeichen der Musketiere
Dumas Der Graf von Bragelonne. Band IV
Neue und überarbeitete Ausgabe der ursprünglichen Übersetzung
ISBN: 978-3-96130-309-0
Verlag: apebook Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Historischer Roman in zehn Bänden
E-Book, Deutsch, Band 12
Reihe: Im Zeichen der Musketiere
ISBN: 978-3-96130-309-0
Verlag: apebook Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
DER GRAF VON BRAGELONNE Ludwig XIV. ist weit über das Alter hinaus, in dem er regieren sollte, aber der kränkelnde Kardinal Mazarin weigert sich, die Zügel der Macht abzugeben. In der Zwischenzeit reist Karl II., ein König ohne Land, durch Europa und bittet seine Mitmonarchen um Hilfe. 'Der Graf von Bragelonne' umfasst den Zeitraum von 1660 bis 1673. Die Reihe beginnt mit der Ankunft der Prinzessin Henrietta im Jahr 1660, schildert das Drama der eifersüchtigen, lüsternen und skandalträchtigen Mitglieder des französischen Hofes und das Liebesdreieck zwischen Louis, Louise und Raoul, dem Sohn von Athos. D'Artagnan, noch immer Leutnant bei den Musketieren, sieht für sich kein Fortkommen mehr im Dienste des Königs und bittet daher um seinen Abschied. Sein Ziel ist es, in England Karl II. zum Thron zu verhelfen. Auch Athos macht sich auf den Weg nach England, weil er Karl I. kurz vor dessen Tod seine Ergebenheit gegenüber Karl II. geschworen hatte. Währenddessen arbeiten Aramis und Porthos am Sturz Ludwigs XIV. Sie wollen an seiner Statt seinen inhaftierten Zwillingsbruder, den 'Mann in der eisernen Maske', auf den Thron setzen... Dieses ist der vierte von zehn Bänden. Der Umfang des vierten Bandes entspricht ca. 370 Buchseiten. Die Reihe IM ZEICHEN DER MUSKETIERE Die zehnbändige Reihe DER GRAF VON BRAGELONNE ist die dritte eigenständige Sequenz der übergeordneten und insgesamt 18 Teile umfassenden Reihe IM ZEICHEN DER MUSKETIERE, die insgesamt aus drei solchen eigenständigen Sequenzen besteht: DIE DREI MUSKETIERE (4 Teile), ZWANZIG JAHRE NACHHER (4 Teile) und DER GRAF VON BRAGELONNE (10 Teile). Die Geschichte um die drei Musketiere wurde häufig verfilmt. Bekannt ist auch die Verfilmung eines Handlungsstrangs aus dem GRAF VON BRAGELONNE unter dem Titel »Der Mann mit der eisernen Maske«. Die Geschichte rankt um einen möglichen Zwillingsbruder des Königs Ludwig XIV., der in der Bastille gefangen gehalten wurde und eine eiserne Maske tragen musste, um seine wahre Identität zu verbergen. Insgesamt umfasst die komplette Reihe etwa 5.500 Seiten voller Abenteuer, Liebe und Heldenmut. Diese Reihe präsentiert die ungekürzte Übersetzung aus dem Französischen von August Zoller in einer sprachlich überarbeiteten und modernisierten Neuausgabe.
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I.
Worin sich die Anfangs sehr trüben Gedanken
von d'Artagnan aufzuklären anfangen. D'Artagnan ergriff sogleich die Offensive. »Nun, da ich Euch Alles gesagt habe, lieber Freund, oder da Ihr vielmehr Alles erraten habt, sagt mir, was Ihr, mit Staub und Koth bedeckt, hier macht?« Porthos wischte sich die Stirne ab, schaute stolz umher und erwiderte: »Mir scheint, Ihr könnt sehen, was ich hier mache!« «Gewiß! gewiß! Ihr hebt Steine auf.« »Oh! um diesen Faulenzern zu zeigen, was ein Mann ist!« sagte Porthos mit Verachtung, »doch Ihr begreift…« »Ja! es ist nicht Euer Gewerbe, Steine aufzuheben, obgleich es Viele gibt, die ihr Gewerbe daraus machen und sie nicht aufheben, wie Ihr. Dies bewog mich, Tuch so eben zu fragen: Was macht Ihr hier, Baron?« »Ich studire die Topographie, Chevalier.« »Ihr studiert die Topographie?« »Ja; doch Ihr, was macht Ihr unter dieser bürgerlichen Kleidung hier?« D'Artagnan erkannte, es sei ein Fehler von ihm gewesen, daß er sich zu einem Erstaunen habe hinreißen lassen. Porthos hatte dies benützt, um einen Gegenschlag durch eine Frage zu tun. Zum Glück war d'Artagnan auf diese Frage gefaßt, und er erwiderte: , »Ihr wißt wohl, daß ich ein Bürger bin, und man darf sich also nicht über den Anzug wundern, da er mit der Eigenschaft im Einklang steht.« »Geht doch, Ihr, ein Musketier!« »Ihr habt nicht Recht, mein Freund, ich habe meinen Abschied genommen.« »Bah!« »Ah! mein Gott, ja!« »Und Ihr habt den Dienst verlassen?« »Ich habe quittiert.« »Ihr habt den König verlassen?« »Ganz und gar.« Porthos streckte die Arme zum Himmel empor, wie ein Mensch, der eine unerhörte Neuigkeit erfährt. »Oh! das bringt mich ganz in Verwirrung,« sagte er. »Es ist dennoch so.« »Und was vermochte Euch hierzu zu bestimmen?« »Der König hat mir mißfallen, Mazarin war mir schon seit langer Zeit widerwärtig»und so warf ich meine Kasake in die Nesseln.« »Aber Mazarin ist tot.« »Ich weiß es, bei Gott! wohl, nur war zur Zeit seines Todes die Entlassung schon seit zwei Monaten erbeten und angenommen. Da ich sodann meine Freiheit hatte, eilte ich nach Pierrefonds, um meinen lieben Porthos zu sehen. Ich hörte von der glücklichen Einteilung sprechen, die Ihr mit Eurer Zeit getroffen habt, und wollte auf vierzehn Tage die meinige nach der Eurigen einteilen.« »Mein Freund, Ihr wißt, daß Euch das Haus nicht nur für vierzehn Tage geöffnet ist, sondern für ein Jahr, für zehn Jahre, für das Leben.« »Ich danke, Porthos.« »Ah! sprecht, braucht Ihr nicht Geld?« fragte Porthos, indem er etliche und fünfzig Louis d'or klingen ließ, die seine Hosentasche enthielt. »Ihr wißt, daß ich bereit bin?« »Nein, ich brauche nichts: ich habe meine Ersparnisse bei Planchet angelegt, der mir den Zins darauf bezahlt.« »Eure Ersparnisse?« «Allerdings; warum wollt Ihr, daß ich nicht Ersparnisse gemacht habe, wie ein Anderer, Porthos?« »Ich! ich will das nicht; im Gegenteil, ich hegte immer den Verdacht, das heißt, Aramis hegte immer den Verdacht, Ihr habet Ersparnisse. Doch seht, ich' mische mich nicht in häusliche Angelegenheiten; aber ich denke, Ersparnisse eines Musketiers, das kann nicht schwer in die Wage fallen?« »Ihr habt Recht, im Verhältnis zu Euch, der Ihr ein Millionär seid, Porthos; aber ich will Euch selbst zum Richter machen. Ich hatte einmal fünfundzwanzig tausend Livres …« »Das ist hübsch,« sagte Porthos mit leutseliger Miene. »Und,« fuhr d'Artagnan fort, »und ich fügte am 25, des vergangenen Monats zweimal hundert tausend Livres bei.« Porthos riß die Augen so ungeheuer weit auf, daß diese den Musketier zu fragen schienen: »Wo des Teufels habt Ihr eine solche Summe gestohlen, teurer Freund?« »Zweimal hunderttausend Livres!« rief er endlich. »Ja, die mir mit fünfundzwanzigtausend, die ich hatte, und mit zwanzigtausend, die ich bei mir trage, eine Summe von zweimal hundert und fünfzig tausend Livres voll machen.« »Aber sagt, sagt, woher kommt dieses Vermögen?« »Ah! ich werde Euch das später erzählen, teurer Freund; doch da Ihr mir zuvor selbst viele Dinge mitzuteilen habt, stellen wir meine Erzählung in die ihr gebührende Reihenfolge zurück.« »Bravo!« rief Porthos, »wir sind also nun Alle reich; doch was hatte ich Euch denn zu erzählen?« »Ihr habt mir zu erzählen, wie Aramis ernannt worden ist…« »Ah! zum Bischof von Vannes.« »So ist es, zum Bischof von Vannes. Wißt Ihr, daß dieser liebe Aramis sein Glück macht?« »Ja, ja, abgesehen davon, daß es nicht dabei bleiben wird.« »Wie! glaubt Ihr, er werde sich nicht mit den veilchenblauen Strümpfen begnügen, und er müsse den roten Hut bekommen?« »St! das ist ihm versprochen.« »Bah! vom König?« »Von Einem, der noch mächtiger ist, als der König.« »Ah, Teufel! was für unglaubliche Dinge sagt Ihr mir da, mein Freund!« »Warum unglaublich? Hat es in Frankreich nicht immer Einen gegeben, der mächtiger war, als der König?« »Oh! doch, zur Zeit von König Ludwig XIII. war es der Herzog von Richelieu; zur Zeit der Regentschaft war es der Kardinal Mazarin; zur Zeit von Ludwig XIV. ist es M …« «Geht doch!« »Es ist Herr Fouquet.« »Gut! Ihr habt ihn mit dem ersten Schlag genannt.« »Herr Fouquet hat also Aramis den Hut versprochen?« Porthos nahm eine zurückhaltende Miene an und erwiderte: »Teurer Freund, Gott behüte mich, daß ich mich mit den Angelegenheiten Anderer beschäftige, und besonders, daß ich Geheimnisse offenbare, welche zu bewahren in ihrem Interesse liegen mag. Wenn Ihr Aramis seht, wird er Euch sagen, was er Euch sagen zu müssen glaubt.« »Ihr habt Recht, Porthos, und Ihr seid ein wahres Sicherheitsschloß. Kommen wir also auf Euch zurück.« »Ja,« sprach Porthos. »Ihr habt mir gesagt, Ihr wäret hier, um die Topographie zu studieren.« »Richtig.« »Alle Teufel! mein Freund, was für schöne Dinge werdet Ihr machen!« »Wie so?« »Diese Festungswerke sind bewunderungswürdig.« »Ist das Eure Ansicht?« »Gewiß. Wahrhaftig, wenn nicht eine ganz regelmäßige Belagerung stattfindet, ist Belle-Isle uneinnehmbar.« Porthos rieb sich die Hände, und sprach: »Das ist auch meine Meinung.« »Aber wer Teufels hat dieses Nest so befestigt?« Porthos warf sich in die Brust. »Habe ich es Euch nicht gesagt?« »Nein.« »Ihr vermutet es nicht?« »Nein: ich kann Euch nur sagen, daß es ein Mensch ist, der alle Systeme studiert hat und bei dem besten stehen geblieben zu sein scheint.« »Stille!« sagte Porthos, »schont meine Bescheidenheit, lieber d'Artagnan.« »Wahrhaftig! solltet Ihr es sein … der … oh!« »Ich bitte, mein Freund.« »Habt Ihr sie ersonnen, entworfen und mit einander verbunden, diese Basteien, diese Sägewerke, diese Mittelwälle, diese Halbmonde, und bereitet Ihr diesen bedeckten Weg?« »Ich bitte Euch.« »Habt Ihr diese Lunette mit ihren einwärts gehenden und vorspringenden Winkeln erbaut?« »Stille!« »Mein Freund, habt Ihr diese Neigung den Wänden Eurer Schießscharten gegeben, durch die Ihr die Leute, die Eure Kanonen bedienen, so wirksam beschützt?« »Ei, mein Gott, ja.« »Oh! Porthos, Porthos, man muß sich vor Euch verbeugen, man muß Euch bewundern; doch Ihr habt uns stets dieses herrliche Genie verborgen. Ich hoffe, mein Freund, Ihr werdet mir dies Alles im Einzelnen zeigen.« »Nichts kann leichter sein. Hier ist mein Plan.« »Zeigt.« Porthos führte d'Artagnan zu dem Stein, der ihm als Tisch diente und auf dem der Plan ausgebreitet war. Unten an diesem Plan stand mit jener furchtbaren Handschrift von Porthos, von der wir schon zu sprechen Gelegenheit gehabt haben, geschrieben: »Statt Euch des Vierecks oder des Rechtecks zu bedienen, wie man es bis heute gemacht hat, betrachtet Eueren Platz als von einem regelmäßigen Sechseck umschlossen; denn dieses Vieleck hat den Vorteil, daß es eine größere Anzahl Winkel bietet, als das Viereck. Jede Seite Eures Sechsecks, deren Länge Ihr nach dem Verhältnis der auf dem Platze aufgenommenen Messungen bestimmt, wird in zwei Teile geteilt, und in dem Halbirungspunkt errichtet Ihr ein Perpendikel gegen den Mittelpunkt des Vielecks, welches in der Länge dem sechsten Teil einer Seite gleichkommen soll. Von den äußersten Punkten jeder Seiten zieht Ihr Linien, die das Perpendikel schneiden. Solche zwei Geraden bilden die Vertheidungslinien.« »Teufel!« sagte d'Artagnan, bei diesem Punkte der Auseinandersetzung anhaltend, »das ist ein völliges System, Porthos.« »Ein völliges System,« sprach Porthos. »Wollt Ihr fortfahren« »Nein, ich habe genug gelesen; doch wenn Ihr es seid, mein lieber Porthos, der die Arbeiten leitet, warum braucht Ihr Euer System so schriftlich aufzusetzen?« »Oh! mein Lieber, der Tod!« »Wie! der Tod?« »Ja, wir sind alle sterblich!« «Es ist wahr … Ihr habt auf Alles eine Antwort, mein Freund,« sagte d'Artagnan, Und er legte den Plan auf den Stein nieder. Doch so kurze Zeit er auch diesen Plan in seinen Händen gehabt, so war d'Artagnan doch im Stande gewesen , unter der ungeheuren Handschrift von Porthos eine viel feinere Schrift zu unterscheiden, welche ihn an gewisse Briefe an Marie Michon erinnerten, die ihm in...




