E-Book, Deutsch, Band 17
Reihe: Im Zeichen der Musketiere
Dumas Der Graf von Bragelonne. Band IX
Neue und überarbeitete Ausgabe der ursprünglichen Übersetzung
ISBN: 978-3-96130-314-4
Verlag: apebook Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Historischer Roman in zehn Bänden
E-Book, Deutsch, Band 17
Reihe: Im Zeichen der Musketiere
ISBN: 978-3-96130-314-4
Verlag: apebook Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
DER GRAF VON BRAGELONNE Ludwig XIV. ist weit über das Alter hinaus, in dem er regieren sollte, aber der kränkelnde Kardinal Mazarin weigert sich, die Zügel der Macht abzugeben. In der Zwischenzeit reist Karl II., ein König ohne Land, durch Europa und bittet seine Mitmonarchen um Hilfe. 'Der Graf von Bragelonne' umfasst den Zeitraum von 1660 bis 1673. Die Reihe beginnt mit der Ankunft der Prinzessin Henrietta im Jahr 1660, schildert das Drama der eifersüchtigen, lüsternen und skandalträchtigen Mitglieder des französischen Hofes und das Liebesdreieck zwischen Louis, Louise und Raoul, dem Sohn von Athos. D'Artagnan, noch immer Leutnant bei den Musketieren, sieht für sich kein Fortkommen mehr im Dienste des Königs und bittet daher um seinen Abschied. Sein Ziel ist es, in England Karl II. zum Thron zu verhelfen. Auch Athos macht sich auf den Weg nach England, weil er Karl I. kurz vor dessen Tod seine Ergebenheit gegenüber Karl II. geschworen hatte. Währenddessen arbeiten Aramis und Porthos am Sturz Ludwigs XIV. Sie wollen an seiner Statt seinen inhaftierten Zwillingsbruder, den 'Mann in der eisernen Maske', auf den Thron setzen... Dieses ist der neunte von zehn Bänden. Der Umfang des neunten Bandes entspricht ca. 330 Buchseiten. Die Reihe IM ZEICHEN DER MUSKETIERE Die zehnbändige Reihe DER GRAF VON BRAGELONNE ist die dritte eigenständige Sequenz der übergeordneten und insgesamt 18 Teile umfassenden Reihe IM ZEICHEN DER MUSKETIERE, die insgesamt aus drei solchen eigenständigen Sequenzen besteht: DIE DREI MUSKETIERE (4 Teile), ZWANZIG JAHRE NACHHER (4 Teile) und DER GRAF VON BRAGELONNE (10 Teile). Die Geschichte um die drei Musketiere wurde häufig verfilmt. Bekannt ist auch die Verfilmung eines Handlungsstrangs aus dem GRAF VON BRAGELONNE unter dem Titel »Der Mann mit der eisernen Maske«. Die Geschichte rankt um einen möglichen Zwillingsbruder des Königs Ludwig XIV., der in der Bastille gefangen gehalten wurde und eine eiserne Maske tragen musste, um seine wahre Identität zu verbergen. Insgesamt umfasst die komplette Reihe etwa 5.500 Seiten voller Abenteuer, Liebe und Heldenmut. Diese Reihe präsentiert die ungekürzte Übersetzung aus dem Französischen von August Zoller in einer sprachlich überarbeiteten und modernisierten Neuausgabe.
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II.
Wunden auf Wunden. Fräulein de la Vallière, denn sie war es, machte einen Schritt vorwärts. »Ja, Louise,« murmelte sie. Doch in diesem Zwischenraum, so kurz er war, hatte Raoul Zeit gehabt, sich zu erholen. »Ihr, mein Fräulein,« sagte er. Dann fügte er mit einem unbeschreiblichen Tone bei: »Ihr hier?« »Ja, Raoul,« erwiderte das Mädchen, »ich, die ich aus Euch wartete.« »Verzeiht, als ich nach Hause kam, erfuhr ich nicht …« »Ja, ich hatte Olivain empfohlen, Euch in Unwissenheit zu lassen …« Sie zögerte; und da sich Raoul nicht beeilte, ihr zu antworten, so trat einen Augenblick Stillschweigen ein, ein Stillschweigen, bei dem man das Geräusch von zwei Herzen, welche, nicht mehr im Einklang, sondern eines so heftig als das andere schlugen, hören konnte. Es war an Louise, zu sprechen. Sie strengte sich an und sagte: »Ich hatte mit Euch zu reden; ich mußte Euch notwendig sehen … ich selbst … allein. Ich bin nicht vor einem Schritte zurückgewichen, der geheim bleiben muß, denn Niemand außer Euch, Herr von Bragelonne, würde ihn begreifen.« »In der Tat, mein Fräulein,« stammelte Raoul bestürzt, keuchend, »und ich selbst, trotz der guten Meinung, die Ihr von mir habt, muß gestehen …« »Wollt die Güte haben, Euch zu setzen und mich anzuhören,« unterbrach ihn Louise mit ihrem weichsten Tone. Bragelonne schaute sie einen Augenblick an, schüttelte dann traurig den Kopf, setzte sich oder sank vielmehr aus einen Stuhl, und sagte: »Sprecht.« Sie warf einen verstohlenen Blick umher: dieser Blick war eine Bitte und forderte viel besser Geheimhaltung, als es eine Minute früher ihre Worte getan hatten. Raoul stand aus, ging nach der Tür, öffnete sie und rief: »Olivain, ich bin für Niemand zu Hause.« Dann sich gegen la Vallière umwendend, fragte er: »Ist es das, was Ihr wünschtet?« Nichts kann den Eindruck schildern, den auf Louise dieses Wort hervorbrachte, welches bezeichnete: Ihr seht, ich verstelle Euch noch. Sie fuhr mit ihrem Sacktuch über ihre Augen, um eine widerspänstige Träne zu trocknen; dann, nachdem sie sich ein wenig gesammelt hatte, sprach sie: »Raoul, wendet Euren so guten und treuherzigen Blick nicht von mir ab; Ihr seid keiner von den Männern, die eine Frau verachten, weil sie ihr Herz verschenkt hat, und sollte ihnen diese Liebe auch zum Unglück gereichen oder ihren Stolz verletzen.« Raoul antwortete nicht. »Ach!« fuhr la Vallière fort, »es ist nur zu wahr, meine Sache ist schlimm, und ich weiß nicht, wie ich anfangen soll. Höret, ich glaube, ich werde am Besten daran tun, wenn ich Euch ganz einfach erzähle, was mir begegnet. Da ich die Wahrheit sagen werde, so werde ich immer meinen rechten Weg in der Finsternis, in der Stockung, in den Hindernissen finden, die ich zu überwinden habe, um mein Herz zu erleichtern, das überströmt und sich zu Euren Füßen ergießen will.« Raoul schwieg fortwährend. La Vallière schaute ihn mit einer Miene an, welche besagen wollte: »Ermutigt mich! habt Mitleid! nur ein Wort!« Aber Raoul schwieg und das Mädchen mußte fortfahren: »So eben ist Herr von Saint-Aignan im Auftrage des Königs bei mir gewesen,« sagte, sie. Und sie schlug die Augen nieder. Raoul wandte die seinigen ab, um nichts zu sehen. »Herr von Saint-Aignan ist im Auftrage des Königs bei mir gewesen,« wiederholte sie, »und hat mir gesagt, Ihr wüßtet Alles.« Und sie suchte demjenigen, welcher diese Wunde nach so vielen Wunden empfing, ins Gesicht zu schauen; aber es war ihr unmöglich, den Augen von Raoul zu begegnen. »Er sagt mir, Ihr habet einen gerechten Zorn gegen mich gefaßt.« Diesmal schaute Raoul das Mädchen an, und ein verächtliches Lächeln hob seine Lippen in die Höhe. »Ob!« fuhr sie fort, »ich flehe Euch an, behauptet nicht, Ihr habet gegen mich etwas Anderes, als Zorn empfunden. Raoul wartet, bis ich Euch Alles gesagt, bis ich ausgesprochen habe.« Die Stirne von Raoul klärte sich durch die Macht seines Willens aus; die Falte seines Mundes verschwand. »Und vor Allem,« sagte la Vallière, die Hände gefaltet, die Stirne gesenkt, »vor Allem bitte ich Euch, als den großmütiqsten, als den edelherzigsten Menschen, um Verzeihung. Wenn ich Euch unbekannt mit dem ließ, was in meinem Innern vorging, so hätte ich doch nie eingewilligt. Euch zu hintergehen! Ah! ich flehe Euch an, Raoul, ich bitte Euch kniefällig, antwortet mir, und wäre es auch mit einer Beleidigung. Eine Beleidigung Eurer Lippen ist mir lieber, als ein Verdacht Eures Herzens.« »Ich bewundere Eure Feinheit, mein Fräulein,« sprach Raoul, der sich anstrengte, um ruhig zu bleiben, »nicht wissen lassen, daß man hintergeht, ist redlich; aber hintergehen, es scheint, das wäre schlimm, und Ihr würdet das nicht tun.« »Mein Herr, lange glaubte ich, ich liebe Euch mehr, als Alles, und so lange ich an meine Liebe für Euch glaubte, sagte ich Euch, daß ich Euch liebte. In Blois liebte ich Euch. Der König kam nach Blois. Ich glaubte Euch noch zu lieben. Ich hätte es auf einen Altar geschworen; doch es kam ein Tag, der mich enttäuschte.« »Wohl! an diesem Tag, mein Fräulein, da Ihr sahet, ich liebe Euch fortwährend, mußte Euch die Redlichkeit gebieten, mir zu sagen, Ihr liebet mich nicht mehr.« »An diesem Tage, Raoul, an dem Tag, wo ich bis im Grunde meines Herzens las, wo ich mir selbst gestand, Ihr erfüllet nicht meinen ganzen Geist, an diesem Tag, wo ich eine andere Zukunft erblickte, als die, Eure Freundin, Eure Geliebte, Eure Gattin zu sein, an diesem Tag, Raoul, waret Ihr leider nicht bei mir.« »Ihr wußtet, wo ich war, mein Fräulein, Ihr mußtet mir schreiben.« »Raoul, ich habe das nicht gewagt, Raoul, ich bin feige gewesen! Was wollt Ihr, Raoul, ich kannte Euch so gut, ich wußte so wohl, daß Ihr mich liebtet, daß ich schon bei dem Gedanken an den Schmerz, den ich Euch machen sollte, zitterte; und das ist so wahr, Raoul, daß in diesem Augenblick, wo ich, vor Euch gebeugt, das Herz gepreßt, die Stimme voll Seufzer, die Augen voll Tränen, mit Euch spreche, so wahr, daß ich wie ich keine andere Verteidigung habe, als meine Offenherzigkeit, auch keinen andern Schmerz habe, als den, welchen ich in Euren Augen lese.« Raoul suchte zu lächeln. »Nein,« sagte das Mädchen mit einer tiefen Überzeugung, »nein, Ihr werdet mir die Beleidigung nicht antun, daß Ihr Euch vor mir verstellt. Ihr liebtet mich, Ihr waret sicher, daß Ihr mich liebtet, Ihr täuschtet Euch nicht über Euch selbst, Ihr beloget nicht Euer eigenes Herz, während ich …« Und ganz bleich, die Arme über ihrem Kopfe ausgestreckt, sank sie aus ihre Kniee. »Während Ihr mir sagtet, Ihr liebet mich, und einen Andern liebtet,« sprach Raoul. »Ach! ja,« rief das arme Kind; »ach! ja, ich liebe einen Andern, und dieser Andere… mein Gott! laßt es mich Euch sagen, denn das ist meine einzige Entschuldigung, Raoul… . Diesen Andern liebe ich mehr, als ich mein Leben liebe, mehr, als ich Gott liebe! Verzeiht mir meinen Fehler, oder strafet meinen Verrat, Raoul. Ich bin hierher gekommen, nicht, um mich zu verteidigen, sondern um Euch zu sagen: Ihr wißt, was lieben heißt? wohl! ich liebe! ich liebe, um mein Leben, um meine Seele demjenigen zu geben, welchen ich liebe! Hört er je aus, mich zu lieben, so werde ich vor Schmerz sterben, wenn Gott mich nicht unterstützt, wenn sich der Herr nicht meiner erbarmt! Raoul, ich bin hier, um mich Eurem Willen zu unterwerfen, welcher es auch sein mag, um zu sterben, wenn Ihr wollt, daß ich sterbe! Tötet mich also, Raoul, wenn Ihr glaubt, ich verdiene den Tod!« »Nehmt Euch in Acht, mein Fräulein,« erwiderte Raoul, »die Frau, welche den Tod verlangt, ist diejenige, welche dem verratenen Liebhaber nur noch ihr Blut geben kann.« »Ihr habt Recht,« sagte sie. Raoul stieß einen tiefen Seufzer aus. »Und Ihr liebet, ohne vergessen zu können!« rief Raoul. »Ich liebe, ohne vergessen zu wollen, ohne den Wunsch, je anderswo zu lieben,« antwortete la Vallière. »Gut,« sprach Raoul, »Ihr habt mir in der Tat Alles gesagt, was Ihr mir zu sagen hattet, Alles, was ich zu wissen wünschen konnte. Und nun, mein Fräulein, bin ich es, der Euch um Verzeihung bittet, ich, der ein Hindernis in Eurem Leben gewesen, ich, der Unrecht gehabt hat, ich, der ich, indem ich mich täuschte, Euch Euch selbst täuschen half.» »Oh!« rief la Vallière, »ich verlange nicht so viel von Euch, Raoul.« »Dies Alles ist mein Fehler, mein Fräulein,« fuhr Raoul fort.. »In den Schwierigkeiten des Lebens mehr unterrichtet, als Ihr, hatte ich die Aufgabe, Euch aufzuklären. Ich mußte mich nicht aus das Ungewisse verlassen, ich mußte Euer Herz sprechen machen, während ich kaum Euren Mund sprechen gemacht habe. Ich wiederhole Euch, mein Fräulein, ich bitte um Verzeihung.« »Das ist unmöglich! das ist unmöglich! Ihr spottet meiner!« rief sie. »Wie, unmöglich?« »Ja, es ist unmöglich, in diesem Grade gut, vortrefflich, vollkommen zu sein!« »Nehmt Euch in Acht,« entgegnete Raoul mit einem bitteren Lächeln, »denn Ihr werdet vielleicht sogleich sagen, ich liebe Euch nicht.« »Oh! Ihr liebet mich wie ein zärtlicher Bruder, laßt mich das hoffen, Raoul.« »Wie ein zärtlicher Bruder? Ihr täuscht Euch, Louise. Ich liebte Euch wie ein Liebhaber, wie ein Gatte, wie der Zärtlichste der Menschen, welche lieben.« »Raoul! Raoul!« »Wie ein Bruder! Oh! Louise, ich liebte Euch, um für Euch all mein Blut Tropfen für Tropfen, all mein...




