E-Book, Deutsch, Band 14
Reihe: Im Zeichen der Musketiere
Dumas Der Graf von Bragelonne. Band VI
Neue und überarbeitete Ausgabe der ursprünglichen Übersetzung
ISBN: 978-3-96130-311-3
Verlag: apebook Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Historischer Roman in zehn Bänden
E-Book, Deutsch, Band 14
Reihe: Im Zeichen der Musketiere
ISBN: 978-3-96130-311-3
Verlag: apebook Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
DER GRAF VON BRAGELONNE Ludwig XIV. ist weit über das Alter hinaus, in dem er regieren sollte, aber der kränkelnde Kardinal Mazarin weigert sich, die Zügel der Macht abzugeben. In der Zwischenzeit reist Karl II., ein König ohne Land, durch Europa und bittet seine Mitmonarchen um Hilfe. 'Der Graf von Bragelonne' umfasst den Zeitraum von 1660 bis 1673. Die Reihe beginnt mit der Ankunft der Prinzessin Henrietta im Jahr 1660, schildert das Drama der eifersüchtigen, lüsternen und skandalträchtigen Mitglieder des französischen Hofes und das Liebesdreieck zwischen Louis, Louise und Raoul, dem Sohn von Athos. D'Artagnan, noch immer Leutnant bei den Musketieren, sieht für sich kein Fortkommen mehr im Dienste des Königs und bittet daher um seinen Abschied. Sein Ziel ist es, in England Karl II. zum Thron zu verhelfen. Auch Athos macht sich auf den Weg nach England, weil er Karl I. kurz vor dessen Tod seine Ergebenheit gegenüber Karl II. geschworen hatte. Währenddessen arbeiten Aramis und Porthos am Sturz Ludwigs XIV. Sie wollen an seiner Statt seinen inhaftierten Zwillingsbruder, den 'Mann in der eisernen Maske', auf den Thron setzen... Dieses ist der sechste von zehn Bänden. Der Umfang des sechsten Bandes entspricht ca. 480 Buchseiten. Die Reihe IM ZEICHEN DER MUSKETIERE Die zehnbändige Reihe DER GRAF VON BRAGELONNE ist die dritte eigenständige Sequenz der übergeordneten und insgesamt 18 Teile umfassenden Reihe IM ZEICHEN DER MUSKETIERE, die insgesamt aus drei solchen eigenständigen Sequenzen besteht: DIE DREI MUSKETIERE (4 Teile), ZWANZIG JAHRE NACHHER (4 Teile) und DER GRAF VON BRAGELONNE (10 Teile). Die Geschichte um die drei Musketiere wurde häufig verfilmt. Bekannt ist auch die Verfilmung eines Handlungsstrangs aus dem GRAF VON BRAGELONNE unter dem Titel »Der Mann mit der eisernen Maske«. Die Geschichte rankt um einen möglichen Zwillingsbruder des Königs Ludwig XIV., der in der Bastille gefangen gehalten wurde und eine eiserne Maske tragen musste, um seine wahre Identität zu verbergen. Insgesamt umfasst die komplette Reihe etwa 5.500 Seiten voller Abenteuer, Liebe und Heldenmut. Diese Reihe präsentiert die ungekürzte Übersetzung aus dem Französischen von August Zoller in einer sprachlich überarbeiteten und modernisierten Neuausgabe.
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I.
Nachtfahrten. Monsieur hatte die Prinzessin in der schönsten Laune der Welt verlassen, und da er am Tag sehr ermüdet worden war, so kehrte er in seine Wohnung zurück und ließ Jeden die Nacht nach seinem Belieben beschließen. Wieder in seiner Wohnung, nahm der Prinz seine Nachttoilette mit einer Sorgfalt vor, die sich noch in seinem Paroxismus der Freude verdoppelte. Er sang auch, während der ganzen Arbeit seiner Kammerdiener, die Hauptmelodie des Balletts, das die Musikanten gespielt und der König getanzt hatten. Dann rief er seine Schneider, ließ sich seine Kleider für den andern Tag zeigen, und da er sehr mit ihnen zufrieden war, so teilte er einige Gnadengeschenke unter sie aus. Endlich, da der Chevalier von Lorraine, der ihn hatte zurückkehren sehen, ebenfalls zurückkehrte, überhäufte er ihn mit Freundschaftsbezeugungen. Der Chevalier, nachdem er sich vor dem Prinzen verbeugt hatte, schwieg einen Augenblick, wie ein Anführer vom Tirailleurs, der studiert, um zu wissen, auf welcher Seite das Feuer beginnen werde; dann, indem er sich zu entschließen schien, sagte er: »Habt Ihr einen seltsamen Umstand bemerkt, Monseigneur?« »Nein, welchen?« »Den schlimmen Empfang, der scheinbar Herr von Guiche von Sr. Majestät zu Teil wurde.« »Scheinbar?« »Ja, gewiß, denn in Wirklichkeit hat er ihm seine Gunst wieder zugewendet.« »Ich habe das nicht gesehen,« sagte der Prinz. »Wie! Ihr habt nicht gesehen, daß er ihn, statt ihn wieder in seine Verbannung zu schicken, wie dies natürlich war, in seinem sonderbaren Widerstand bestätigt hat, indem er ihm seinen Platz im Ballett einzunehmen gestattete.« »Und ihr findet, der König habe Unrecht gehabt?« »Seid Ihr nicht meiner Ansicht, Prinz?» »Nicht ganz, mein lieber Chevalier, und ich billige es, daß der König nicht gegen einen Unglücklichen getobt hat, der mehr Narr als böswillig ist.« »Meiner Treue,« sagte der Chevalier, »ich meinerseits gestehe, daß diese Großmut mich im höchsten Grad in Erstaunen setzt.« »Und warum dies?« fragte Philipp. »Weil ich den König für eifersüchtig gehalten hätte,« erwiderte boshaft der Chevalier. Seit einigen Augenblicken fühlte Monsieur etwas Aufreizendes sich unter den Worten seines Günstlings rühren; sein letztes Wort entzündete das Pulver. »Eifersüchtig!« rief der Prinz, »eifersüchtig! was soll dieses Wort bedeuten? eifersüchtig, auf was, wenn's beliebt, auf wen?« Der Chevalier bemerkte, daß er eines von den boshaften Worten, wie er sie zuweilen machte, hatte entschlüpfen lassen. Er suchte es also wieder zu erhaschen, so lange es noch im Bereiche seiner Hand war. »Eifersüchtig auf seine Autorität,« antwortete er mit einer geheuchelten Naivetät, »worauf soll denn ein König eifersüchtig sein?« »Oh!« machte Monsieur, »sehr gut.« »Sollte Eure Königliche Hoheit die Begnadigung des lieben Grafen von Guiche verlangt haben?« fuhr der Chevalier fort. »Meiner Treue, nein! Guiche ist ein Junge von Geist und Mut, aber er ist leichtfertig gegen Madame gewesen, und ich will ihm weder wohl noch übel.« Der Chevalier war im Begriff, Gift über Guiche zu ergießen, wie er über den König zu ergießen versucht hatte, aber er glaubte zu bemerken, daß das Wetter auf Nachsicht oder sogar auf Gleichgültigkeit stand, und daß er, um die Frage zu erhellen, dem Gatten die Lampe gerade unter die Nase zu halten genötigt sei. Mit diesem Spiel brennt man zuweilen die Andern, sehr häufig brennt man aber auch sich selbst. »Es ist gut, es ist gut,« sagte er in seinem Zimmer, »ich werde auf Wardes warten; er wird in einem Tag mehr tun, als ich in einem Monat, denn ich glaube, Gott verzeihe mir! oder vielmehr, Gott verzeihe ihm! er ist noch eifersüchtiger als ich. »Und dann ist es nicht Wardes, was ich notwendig haben muß, sondern ein Ereignis, und in dem Allem sehe ich keines.« »Daß Guiche zurückgekommen ist, während man ihn weggejagt hat, ist allerdings sehr ernst; doch jeder Ernst verschwindet, wenn man bedenkt, daß Guiche in dem Augenblick zurückkam, wo Madame sich nichts mehr um ihn bekümmerte.« »Madame bekümmerte sich in der Tat um den König, das ist klar.« »Aber abgesehen davon, daß meine Zähne nicht in den König zu beißen vermöchten, und dies zu tun auch nicht nöhig haben, wird sich Madame nicht länger mit dem König beschäftigen können, wenn sich der König, wie man sagt, nicht mehr um Madame bekümmert.« »Aus Allem dem geht hervor, daß wir ruhig bleiben und die Ankunft einer neuen Laune abwarten müssen; diese wird über das Resultat entscheiden.« Und hiernach streckte sich der Chevalier in dem Lehnstuhl aus, in dem ihm Monseigneur sich in seiner Gegenwart zu setzen erlaubte, und da er keine Bosheiten mehr zu sagen hatte, so fand es sich, daß der Chevalier von Lorraine keinen Geist mehr hatte. Zum Glück hatte Monsieur, wie gesagt, Vorrat an guter Laune, und er hatte sogar für zwei bis zu dem Augenblick, wo er Kammerdiener und Hausoffizianten entließ und in sein Schlafzimmer ging. Während er sich zurückzog, beauftragte er den Chevalier, Madame seine Komplimente zu machen und ihr zu sagen, der Mond sei frisch, Monsieur, der für seine Zähne befürchte, werde den Rest der Nacht nicht mehr in den Park hinabgehen. Der Chevalier trat gerade in dem Augenblick bei Madame ein, wo diese in ihre Gemächer zurückkehrte. Er entledigte sich seines Auftrags als getreuer Bote und bemerkte sogleich die Gleichgültigkeit, die Unruhe sogar, mit der Madame die Mitteilung ihres Gemahls aufnahm. Das schien ihm eine Neuigkeit in sich zu schließen. Wäre Madame mit dieser seltsamen Miene aus ihrer Wohnung weggegangen, so würde er ihr gefolgt sein. Doch Madame kehrte zurück, es war also nichts zu machen. Er pirouettierte auf seinen Absätzen wie ein müßiger Reiher, befragte die Luft, die Erde, das Wasser, schüttelte den Kopf und nahm maschinenmäßig seine Richtung nach dem Blumenbeete. Er hatte nicht hundert Schritte gemacht, als ihm zwei junge Leute begegneten, die sich am Arm hielten, den Kopf gesenkt, einhergingen, und die kleinen Kieselsteine, die sich vor ihnen fanden, fortstießen, eine unbestimmte Belustigung, mit der sie ihre Gedanken begleiteten. Es waren die Herren von Guiche und Bragelonne. Ihr Anblick brachte auf den Chevalier von Lorraine, wie immer, die Wirkung eines instinktartigen Widerwillens hervor. Er machte nichtsdestoweniger eine tiefe Verbeugung vor ihnen, die ihm mit Zinsen erwidert wurde. Dann, als er sah, daß der Park sich entvölkerte, daß die Beleuchtung allmälig erlosch, daß der Morgenwind zu wehen anfing, drehte er sich links und kehrte durch den kleinen Hof in das Schloß zurück. Sie zielten rechts und setzten ihren Gang nach dem großen Park fort. In dem Augenblick, wo der Chevalier die kleine Treppe hinaufstieg, die zu dem Geheimeingang führte, sah er eine Frau, gefolgt von einer andern Frau, unter der Arcade erscheinen, welche den Durchgang vom kleinen in den großen Hof gewährte. Diese zwei Frauen beschleunigten ihren Marsch, den das Rauschen ihrer seidenen Kleider in der schon finsteren Nacht verriet. Die Form der Mantille, die zierliche Taille, der geheimnisvolle und zugleich stolze Gang, was Alles die zwei Frauen und besonders diejenige, welche voranschritt, auszeichnete, fielen dem Chevalier auf. «Das sind zwei Frauen, die ich sicherlich kenne,« sagte er zu sich selbst, indem er auf der letzten Stufe der kleinen Irrtreppe stehen blieb. Dann, als er sich mit seinem Spürhundsinstinkt anschickte, ihnen zu folgen, hielt ihn einer von seinen Lakaien, der ihm seit einigen Augenblicken nachlief, zurück und sagte: »Gnädiger Herr, der Courier ist angekommen.« »Gut, Gut,« erwiderte der Chevalier, »wir haben Zeit, morgen.« »Es sind pressante Briefe, die der Herr Chevalier vielleicht gern lesen wird.« »Ah!« machte der Chevalier, »und woher kommen sie?« »Einer kommt von England, der andere von Calais, der letztere kommt mit Estafette und scheint sehr wichtig zu sein.« »Von Calais! Ei! wer Teufels schreibt mir von Calais?« »Ich glaubte die Handschrift Eures Freundes, des Herrn von Wardes zu erkennen.« »Oh! dann gehe ich hinauf,« rief der Chevalier, der sogleich sein Spähereivorhaben vergaß. Und er ging in der Tat hinauf, während die zwei unbekannten Damen am Ende des Hofes, dem entgegengesetzt, durch welchen sie eingetreten waren, verschwanden. Diesen wollen wir folgen, während wir den Chevalier ganz seiner Korrespondenz überlassen. Als sie zur Allee kamen, hielt die erste ein wenig atemlos an, schlug vorsichtig ihren Schleier zurück und fragte: »Sind wir noch weit von dem Baum entfernt?« »Oh! ja, Madame, wenigstens noch fünfhundert Schritte; doch Madame bleibe ein wenig stille stehen, sie könnte nicht lange so hastig gehen.« »Ihr habt Recht,« sprach die Prinzessin, denn sie war es. Und sie lehnte sich an einen Baum an. Nachdem sie einen Augenblick Atem geholt hatte, fuhr sie fort: »Sprecht, mein Fräulein, verbergt mir nichts, sagt mir die volle Wahrheit.« »Oh! Madame, nun seid Ihr schon streng,« erwiderte das Mädchen mit bewegter Stimme. »Nein, meine liebe Athenais, beruhigt Euch, denn ich bin Euch durchaus nicht böse. Das sind im Ganzen nicht meine Angelegenheiten. Ihr seid unruhig über das, was Ihr unter dieser Eiche gesagt haben mochtet; Ihr befürchtet, den König verletzt zu haben, und ich will Euch beruhigen, indem...




