E-Book, Deutsch, Band 15
Reihe: Im Zeichen der Musketiere
Dumas Der Graf von Bragelonne. Band VII
Neue und überarbeitete Ausgabe der ursprünglichen Übersetzung
ISBN: 978-3-96130-312-0
Verlag: apebook Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Historischer Roman in zehn Bänden
E-Book, Deutsch, Band 15
Reihe: Im Zeichen der Musketiere
ISBN: 978-3-96130-312-0
Verlag: apebook Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
DER GRAF VON BRAGELONNE Ludwig XIV. ist weit über das Alter hinaus, in dem er regieren sollte, aber der kränkelnde Kardinal Mazarin weigert sich, die Zügel der Macht abzugeben. In der Zwischenzeit reist Karl II., ein König ohne Land, durch Europa und bittet seine Mitmonarchen um Hilfe. 'Der Graf von Bragelonne' umfasst den Zeitraum von 1660 bis 1673. Die Reihe beginnt mit der Ankunft der Prinzessin Henrietta im Jahr 1660, schildert das Drama der eifersüchtigen, lüsternen und skandalträchtigen Mitglieder des französischen Hofes und das Liebesdreieck zwischen Louis, Louise und Raoul, dem Sohn von Athos. D'Artagnan, noch immer Leutnant bei den Musketieren, sieht für sich kein Fortkommen mehr im Dienste des Königs und bittet daher um seinen Abschied. Sein Ziel ist es, in England Karl II. zum Thron zu verhelfen. Auch Athos macht sich auf den Weg nach England, weil er Karl I. kurz vor dessen Tod seine Ergebenheit gegenüber Karl II. geschworen hatte. Währenddessen arbeiten Aramis und Porthos am Sturz Ludwigs XIV. Sie wollen an seiner Statt seinen inhaftierten Zwillingsbruder, den 'Mann in der eisernen Maske', auf den Thron setzen... Dieses ist der siebte von zehn Bänden. Der Umfang des siebten Bandes entspricht ca. 330 Buchseiten. Die Reihe IM ZEICHEN DER MUSKETIERE Die zehnbändige Reihe DER GRAF VON BRAGELONNE ist die dritte eigenständige Sequenz der übergeordneten und insgesamt 18 Teile umfassenden Reihe IM ZEICHEN DER MUSKETIERE, die insgesamt aus drei solchen eigenständigen Sequenzen besteht: DIE DREI MUSKETIERE (4 Teile), ZWANZIG JAHRE NACHHER (4 Teile) und DER GRAF VON BRAGELONNE (10 Teile). Die Geschichte um die drei Musketiere wurde häufig verfilmt. Bekannt ist auch die Verfilmung eines Handlungsstrangs aus dem GRAF VON BRAGELONNE unter dem Titel »Der Mann mit der eisernen Maske«. Die Geschichte rankt um einen möglichen Zwillingsbruder des Königs Ludwig XIV., der in der Bastille gefangen gehalten wurde und eine eiserne Maske tragen musste, um seine wahre Identität zu verbergen. Insgesamt umfasst die komplette Reihe etwa 5.500 Seiten voller Abenteuer, Liebe und Heldenmut. Diese Reihe präsentiert die ungekürzte Übersetzung aus dem Französischen von August Zoller in einer sprachlich überarbeiteten und modernisierten Neuausgabe.
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I.
Das Abendbrot des Königs. Der König hatte sich mittlerweile zu Tische gesetzt und das nicht sehr zahlreiche Gefolge der Eingeladenen des Tags hatte an seinerSeite, nach der gewöhnlichen Gebärde, welche sitzen hieß, Platzgenommen. Schon zu dieser Zeit, obgleich die Etiquette noch nicht geordnet war, wie sie es später wurde, hatte der französische Hof mit den alten Überlieferungen von Gemütlichkeit und patriarchalischer Leutseligkeit gebrochen, wie man sie noch unter Heinrich III. fand, und der argwöhnische Geist von Ludwig XIII. hatte sie allmälig ausgetilgt, um sie durch prunkhafte, großartige Gebräuche zu ersetzen, die er nicht erreichen zu können in Verzweiflung war. Der König speiste also an einer kleinen, abgesonderten Tafel, welche, wie das Bureau eines Präsidenten, die benachbarten Tafeln beherrschte; eine kleine Tafel haben wir gesagt, wir müssen indessen sogleich bemerken, daß diese kleine Tafel die größte von allen war. Es war überdies diejenige, auf welcher man eine reichliche Zahl von verschiedenartigen Gerichten, Fische, Wildbret, zahmes Fleisch, Früchte, Gemüse und Conserven aufhäufte. Jung und kräftig, ein großer Jäger, allen gewaltigen Leibesübungen zugetan, hatte der König überdies jene allen Bourbonen gemeinschaftliche natürliche Wärme des Blutes, welches rasch die Verdauung bewerkstelligt, und den Appetit erneuert. Ludwig XIV. war ein furchtbarer Tischgenosse; er liebte es, seine Köche zu kritisieren, doch wenn er ihnen Ehre widerfahren ließ, so war diese Ehre riesig. Der König fing damit an, daß er mehrere Suppen entweder zusammen, in einer Art von Macedoin oder abgesondert aß. Er vermischte oder trennte vielmehr jede von diesen Suppen durch ein Glas alten Wein. Er aß rasch und ziemlich gierig. Porthos, der Anfangs aus Respekt auf einen Ellenbogenstoß von d'Artagnan gewartet hatte, wandte sich, als er den König so zugreifen sah, gegen den Musketier um und sagte mit halber Stimme: »Mir scheint, man kann anfangen. Seine Majestät ermutigt. Seht doch.« »Der König speist,« erwiderte d'Artagnan, »doch er spricht zu gleicher Zeit; richtet es so ein, daß er Euch, sollte er Euch zufällig anreden, nicht mit vollem Munde trifft, das wäre mißfällig.« »Dann ist das Beste, nicht zu speisen,« sagte Porthos. »Ich habe jedoch Hunger, das muß ich gestehen, und es riecht hier Alles so köstlich, daß man immer mehr Appetit bekommt.« »Laßt es Euch nicht einfallen, nicht zu essen, Ihr würdet den König ärgern. Seine Majestät pflegt zu sagen, derjenige arbeite gut, welcher gut speise, und er steht es nicht gern, wenn man an seiner Tafel fastet.« »Wie soll man es aber vermelden, den Mund voll zu haben, wenn man ißt?« »Ihr habt nur einfach die Aufgabe, zu verschlingen, wenn Euch der König die Ehre erweist, das Wort an Euch zu richten.« »Sehr gut.« Und von diesem Augenblick speiste Porthos mit einem artigen Enthusiasmus. Der König schlug von Zeit zu Zeit die Augen zu der Gruppe auf, und schätzte als Kenner die Anlagen seines Gastes. »Herr du Vallon!« sagte er. Porthos war bei einem Salmis von Hasen und verschluckte ein halbes Rückenstück davon. So ausgesprochen machte ihn sein Namen beben, und mit einem kräftigen Zug des Schlundes verschlang er Alles, was er im Munde hatte. »Sire,« erwiderte Porthos mit erstickter, aber doch hinreichend verständlicher Stimme. »Man gebe Herr du Vallon diese Hammelsfilets,« sagte der König; »liebt Ihr das junge Fleisch, Herr du Vallon?« »Sire, ich liebe Alles,« antwortete Porthos. d'Artagnan blies ihm aber ein: »Alles, was mir Euer Majestät schickt.« Porthos wiederholte: »Alles, was mir Euer Majestät schickt.« Der König machte mit dem Kopf ein Zeichen der Befriedigung. »Man ißt gut, wenn man gut arbeitet,« sagte der König ganz entzückt, sich gegenüber von einem Esser von der Stärke von Porthos zu sehen. Porthos empfing die Platten mit Lammfleisch und ließ einen Teil davon auf seinen Teller gleiten. »Nun?« fragte der König. »Vortrefflich!« erwiderte Porthos ruhig. »Hat man eben so zarte Lämmer in Eurer Provinz, Herr du Vallon?« fuhr der König fort. »Sire,« erwiderte Porthos, »ich glaube, daß in meiner Provinz, wie überall, das, was es Bestes gibt, dem König zukommt, sodann aber esse ich das Lammfleisch nicht, wie es Euer Majestät ißt.« »Ah! ah! wie eßt Ihr es denn?« »Gewöhnlich lasse ich mir ein ganzes Lamm zurichten.« »Ein ganzes?« »Ja, Sire.« »Auf welche Art?« »Mein Koch, der Bursche, ist ein Deutscher, Sire, mein Koch füllt das Lamm mit Würstchen, die er von Straßburg, mit Kalbfleischklöschen, die er von Troyes, mit Lerchen, die er von Pithiviers kommen läßt; ich weiß nicht, durch welche Mittel er das Lamm ausbeint, wie er es mit einem Stück Geflügel machen würde, wobei er ihm die Haut läßt, was eine braune Kruste um das Tier macht; wenn man es sodann in schöne Schnitten zerschneidet, wie man es bei einer ungeheuren Wurst thäte, läuft ein ganz rosenfarbiger Saft heraus, der zugleich angenehm für das Auge und köstlich für den Gaumen ist.« Hierbei ließ Porthos die Zunge schnalzen. Der König riß die Augen vor Entzücken weit auf, und sagte, während er zugleich gedämpfte Fasanen in Angriff nahm: »Herr du Vallon, das ist eine Speise, nach der es mich gelüsten würde. Wie, das ganze Lamm?« »Das ganze, ja, Sire.« »Gebt doch diese Fasanen Herrn du Vallon, ich sehe, daß er ein Liebhaber ist.« Der Befehl wurde vollzogen. Dann kam Ludwig XIV. wieder auf das Lamm zurück und fragte: »Und das ist nicht zu fett?« »Nein, Sire, das Fett fällt zu gleicher Zeit mit dem Saft und schwimmt oben auf; mein Vorschneider schöpft es sodann mit einem silbernen Löffel ab, den ich eigens dazu habe machen lassen.« »Und Ihr wohnt?« fragte der König. »In Pierrefonds.« »In Pierrefonds; wo ist das, Herr du Vallon, in der Gegend von Belle-Isle?« »Oh! nein, Sire, Pierrefonds liegt im Soissonnais.« »Ich glaubte, Ihr sprächet mir von diesen Hammeln wegen der salzigen Wiesen.« »Nein, Sire, meine Wiesen sind nicht salzig, aber darum nicht weniger wert.« Der König ging zu den Zwischengerüchten über, jedoch ohne Porthos aus dem Blick zu verlieren, der nach Kräften zu arbeiten fortfuhr. »Ihr habt einen schönen Appetit, Herr du Vallon,« sagte der König, »und Ihr seid ein guter Tischgenosse.« »Ah! meiner Treu, Sire, wenn Euer Majestät je nach Pierrefonds käme, wir würden wohl unsern Hammel zu zwei verspeisen, denn es fehlt Euch auch nicht an Appetit.« d'Artagnan gab Porthos unter dem Tisch einen guten Stoß mit dem Fuß. Porthos errötete, und fuhr dann, um sich zu verbessern, fort: »Im glücklichen Alter Eurer Majestät war ich bei den Musketieren, und Keiner konnte mich sättigen. Euer Majestät hat einen schönen Appetit, wie ich zu sehen die Ehre hatte, aber sie wählt mit zu viel Delicatesse, um ein großer Esser genannt zu werden.« Der König schien entzückt von der Artigkeit seines Gegners. »Werdet Ihr von diesen Cremes kosten?« sagte er zu Porthos. »Sire, Euer Majestät behandelt mich zu gut, als daß ich ihr nicht die volle Wahrheit sagen sollte.« »Sprecht, Herr du Vallon, sprecht.« »Nun wohl! was das Zuckerwerk betrifft, so kenne ich nur das Gebackene, und dieses muß noch sehr compact sein; all dieser Schaum schwillt mir den Magen auf, und nimmt einen Platz ein, der mir zu kostbar dünkt, um ihn so schlecht auszufüllen.« »Ah! meine Herren!« sprach der König, auf Porthos deutend, »das ist ein wahres Muster der Gastronomie. So speisten unsere Väter, welche so gut zu speisen wußten, während wir picken.« Und indem er diese Worte sprach, nahm er einen Teller mit Geflügelbrustfleisch, vermischt mit Schinken. Porthos griff seinerseits eine Schüssel mit jungen Feldhühnern und Rallen an. Der Mundschenk füllte freudig das Glas Seiner Majestät. »Gebt Herrn du Vallon von meinem Wein,« sagte der König. Dies war eine der größten Ehren der königlichen Tafel. D'Artagnan preßte seinem Freunde das Knie und flüsterte ihm zu: »Könnt Ihr nur die Hälfte von dem Wildschweinskopf verschlingen, den ich dort sehe, so seid Ihr meines Erachtens in einem Jahr Herzog und Pair.« »Ich werde mich sogleich daran machen,« erwiderte Porthos phlegmatisch. Die Reihe kam wirklich bald an den Wildschweinskopf, denn der König fand ein Vergnügen daran, diesen schönen Gast anzustacheln; er ließ Porthos kein Gericht ankommen, ohne zuvor davon gekostet zuhaben, er kostete also von dem Schweinskopf. Porthos zeigte sich als ein wackerer Kämpe: statt die Hälfte davon zu essen, wie d'Artagnan gesagt hatte, aß er drei Viertel. Der König sagte mit halber Stimme: »Ein Kavalier, der alle Tage so gut und mit so kräftigem Appetit ißt, muß notwendig der ehrlichste Mann meines Reiches sein.« »Höret Ihr?« sagte d'Artagnan seinem Freund ins Ohr. »Ja, ich glaube, ich stehe ein wenig in Gunst.« erwiderte Porthos, sich auf seinem Stuhle wiegend. »Und Ihr habt guten Wind.« »Ja! ja! ja!« Der König und Porthos fuhren fort, so zu essen, zur großen Zufriedenheit der Gäste, von denen einige, aus Nacheiferung ihnen zu folgen versuchten, aber sie mußten unter Weges verzichten. Der König errötete, und die Reaction des Blutes in seinem Gesäß verkündigte den Anfang der...




