Dumas | Der Graf von Monte Christo. Band 1 | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 1

Reihe: Die Hand Gottes

Dumas Der Graf von Monte Christo. Band 1

Illustrierte und ungekürzte Neuausgabe in fünf Bänden
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-96130-569-8
Verlag: apebook Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Illustrierte und ungekürzte Neuausgabe in fünf Bänden

E-Book, Deutsch, Band 1

Reihe: Die Hand Gottes

ISBN: 978-3-96130-569-8
Verlag: apebook Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Der junge Edmond Dantès ist glücklich verlobt mit der schönen Mercedes, und ihm wird vom Reeder Morell die Position des Kapitäns eines Segelschiffs in Aussicht gestellt. Alle seine Wünsche scheinen sich zu erfüllen. Doch er wird vom höchsten Glück in den tiefsten Abgrund geschleudert, als es zu einem hinterhältigen Komplott gegen ihn kommt. Jeder der Verschwörer hat einen anderen Grund, Dantès aus dem Weg räumen zu wollen. Durch einen schnellen und willkürlichen Prozess wird er zu Einzelhaft im Inselgefängnis Château d´If veruteilt. Alles scheint verloren. Doch im Kerker lernt er durch Zufall den alten Geistlichen und Mitgefangenen Abbé Faria kennen, der zu seinem Lehrmeister wird und ihm das Versteck eines enormen Schatzes verrät. Schließlich, nach vierzehn Jahren unverschuldeter Kerkerhaft, gelingt es Dantès, durch Glück und eigene Entschlossenheit, von der Gefängnisinsel zu flüchten. Einige Monate später erscheint in der französischen Gesellschaft ein mysteriöser Graf von sagenhaftem Reichtum, der schnell ins Zentrum der gesellschaftlichen Aufmerksamkeit gerät. Hinter seiner undurchsichtigen Fassade verfolgt dieser jedoch nur ein Ziel: Vergeltung zu üben an den Schuldtragenden, die einst Edmond Dantès um sein Glück brachten. Er ist die Hand Gottes, die gekommen ist, um Rechenschaft zu fordern... Der mehrfach verfilmte Abenteuer-Klassiker liegt hier in einer fünfbändigen und reichhaltig illustrierten Neuausgabe in der ungekürzten Übertragung von August Zoller vor. Dieses ist der erste Band.

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I.

MARSEILLE. - DIE ANKUNFT.


Am 25. Februar 1815 signalisierte die Wache von Notre-Dame de la Garde den Dreimaster, die Pharao, von Smyrna, Triest und Neapel kommend.

Wie gewöhnlich lief ein Lotse sogleich aus dem Hafen aus, fuhr rasch an dem Castell If hin und gelangte zwischen dem Cap Morgiou und der Insel Rion zu dem Schiffe.

Ebenfalls wie gewöhnlich war die Plattform des Fort Saint-Jean mit Neugierigen bedeckt; denn die Ankunft eines Schiffes ist in Marseille immer eine große Angelegenheit, besonders wenn dieses Schiff wie die Pharao auf den Wersten der phocäischen Stadt gebaut und aufgerhedet worden ist und einem Reeder der Stadt gehört.

Inzwischen näherte sich das Schiff. Es hatte sich glücklich durch die Meerenge gearbeitet, welche durch irgend eine vulkanische Erschütterung zwischen der Insel Calasareigne und der Insel Jaros ausgehöhlt worden ist. Es hatte Pomègue umfahren und rückte unter seinen drei Marssegeln, seinem großen Focksegel und seiner Brigantine heran, aber so langsam und mit einem so traurigen Gange, daß die Neugierigen mit dem Instinkte, der ein Unglück vorhersieht, sich fragten, was für ein Unfall sich am Bord ereignet haben könnte. Nichtsdestoweniger erkannten die Erfahrenen der Schifffahrt, daß, wenn sich ein Unfall ereignet hätte, dies nicht auf dem Schiffe selbst der Fall sein könnte, denn es nahte mit allen Bedingungen eines vollkommen gesteuerten Schiffes. Sein Anker war zum Grundfassen gerichtet, seine Bogsprietwände waren los gehakt, und neben dem Lotsen, der die Pharao durch den schmalen Eingang des Hafens von Marseille zu lenken sich anschickte, stand ein junger Mann mit rascher Gebärde und lebhaftem Auge, überwachte jede Bewegung des Schiffes und wiederholte jeden Befehl des Lotsen.

Die unbestimmte Unruhe, welche über der Menge schwebte, hatte besonders einen von den Zuschauern der Saint-Jean-Esplanade so stark berührt, daß er die Einfahrt des Schiffes in den Hafen nicht erwarten konnte. Er sprang in eine kleine Barke und befahl der Pharao entgegenzurudern, die er vor der Bucht, Anse de la Reserve genannt, erreichte.

Als der junge Seefahrer diesen kommen sah, verließ er seinen Posten neben dem Lotsen, nahm den Hut in die Hand und legte sich über die Brüstung des Schiffes.

Es war ein junger Mann von achtzehn bis zwanzig Jahren, mit schwarzen Augen und Haaren wie Ebenholz. In seiner ganzen Person war der Charakter der Ruhe und Entschlossenheit sichtbar, der den Menschen eigentümlich ist, welche seit ihrer Kindheit mit der Gefahr zu kämpfen gewohnt sind.

»Ah, Sie sind es, Dantes!« rief der Mann in der Barke, »was ist denn geschehen, und was bedeutet das traurige Wesen, das an Ihrem ganzen Bord verbreitet zu sein scheint?«

»Ein großes Unglück. Herr Morrel.« antwortete der junge Mann. »Auf der Höhe von Civita Becchia haben wir den braven Kapitän Leclère verloren.«

»Und die Ladung?« fragte lebhaft der Reeder.

»Ist glücklich angelangt, Herr Morrel, und ich glaube, Sie werden in dieser Hinsicht zufrieden sein; aber dieser arme Kapitän Leclère . . . «

»Was ist ihm denn geschehen?« fragte der Reeder sichtbar erleichtert, »was ist ihm denn geschehen, diesem braven Kapitän?«

»Er ist tot.«

»In das Meer gefallen?«

»Nein, Herr, er ist unter furchtbaren Qualen an einer Hirnentzündung gestorben.« Dann, sich gegen seine Leute umwendend, rief er:

»Holla, he! Jeder an seinen Posten zum Ankern!«

Die Mannschaft gehorchte. In demselben Augenblicke eilten die acht bis zehn Matrosen, aus denen sie bestand, die Einen zu den Schoten, die Andern zu den Brassen, wieder Andere zu den Hißtauen oder zu den Geitauen.

Der junge Seemann warf einen raschen Blick auf den Anfang dieses Manoeuvre, und da er sah, daß seine Befehle vollführt wurden, kehrte er zu dem Manne in der Barke zurück.

»Und wie ist dieses Unglück gekommen?« fragte der Reeder, das Gespräch wieder aufnehmend, wo es der Seemann verlassen hatte.

»Mein Gott, Herr, ganz unversehens. Nach einer langen Unterredung mit dem Hafencommandanten verließ der Kapitän Leclère Neapel in sehr aufgeregtem Zustande. Nach vierundzwanzig Stunden faßte ihn das Fieber, drei Tage nachher war er tot . . . «

»Wir haben seine Leiche auf die gewöhnliche Weise bestattet, und er ruht anständig eingehüllt in eine Hängematte, mit einer Kugel von sechsunddreißig Pfund an den Füßen und einer eben so schweren an dem Kopf, auf der Höhe der Insel Giglio. Wir werden der Witwe sein Ehrenkreuz und seinen Degen zurückbringen. Es war wohl der Mühe wert«, fuhr der junge Mann mit einem schwermütigen Lächeln fort, »zehn Jahre gegen die Engländer Krieg zu führen, um endlich wie Jedermann in seinem Bette zu sterben.«


Edmont Dantes

»Verdammt! was wollen Sie, Herr Edmond«, versetzte der Reeder, der sich immer mehr zu trösten schien, »wir sind Alle sterblich, und die Alten müssen wohl den Jungen Platz machen; sonst gäbe es kein Vorrücken, und von dem Augenblicke an, wo Sie mich versichern, die Ladung . . . «

»Befindet sich in gutem Zustande, Herr Morrel, dafür stehe ich. Das ist eine Reise, die ich Ihnen nicht für 25.000 Franken Nutzen zu diskontieren rate.«

Dann, als man um den runden Turm fuhr, rief er:

»Die Marssegel, den Fock und die Brigantine aufgegeit.«

Der Befehl wurde mit derselben Geschwindigkeit ausgeführt, wie auf einem Kriegsschiffe.

»Alle Segel gestrichen!«

Bei dem letzten Kommando fielen alle Segel herab, und das Schiff rückte auf eine beinahe unmerkliche Weise, gleichsam nur durch den Anstoß, den man ihm gab, vorwärts.

»Und nun, wenn Sie heraufkommen wollen, Herr Morrel«, sagte Dantes, die Unruhe des Reeders wahrnehmend, »hier ist Ihr Rechnungsführer, Herr Danglars. Er kommt eben aus seiner Kajüte und wird Ihnen jede Auskunft geben, die Sie wünschen mögen. Ich meines Teils muß für die Ankerung sorgen und das Schiff in Trauer versetzen.«

Der Reeder ließ sich das nicht zweimal sagen. Er ergriff ein Kabel, das ihm Dantes zuwarf, und erstieg mit einer Behendigkeit, welche einem Seemann Ehre gemacht hätte, die an die Seite des Schiffes genagelten Stufen, während jener, an seinen Posten zurückkehrend, die Unterredung demjenigen überließ, welchen er unter dem Namen Danglars angekündigt hatte, und der aus seiner Kajüte hervorkommend wirklich dem Reeder entgegenging.

Danglars war ein Mann von fünfundzwanzig bis sechsundzwanzig Jahren, unterwürfig gegen seine Obern, barsch gegen die ihm Untergeordneten. Abgesehen von seinem Titel als Rechnungsführer, der immer ein Grund des Widerwillens für die Matrosen ist, war er allgemein von der Mannschaft eben so schlimm angesehen, als Edmond Dantes im Gegenteil von derselben geliebt wurde.

»Nun, Herr Morrel«, sagte Danglars, »Sie wissen bereits das Unglück, nicht wahr?«

»Ja, ja, der arme Kapitän Leclère. Es war ein braver ehrlicher Mensch!«

»Und besonders ein vortrefflicher Seemann, ergraut zwischen Himmel und Wasser, wie es sich geziemt für einen Mann, dem die Interessen eines so wichtigen Hauses, wie das Haus Morrel und Sohn, anvertraut sind.«

»Aber«, versetzte der Reeder, mit den Augen dem jungen Dantes folgend, der seinen Untergrund suchte, »aber es scheint mir, man braucht nicht gerade ein so alter Seemann zu sein, wie Sie sagen, Danglars, um sein Handwerk zu kennen, und unser Freund Edmond hier treibt das seinige, wie mir dünkt, als ein Mensch, der Niemand um Rat zu fragen nötig hat.«

»Ja«, antwortete Danglars, auf Dantes einen schiefen Blick werfend, in welchem ein Blick des Hasses zuckte, »ja, der ist jung und fürchtet nichts. Kaum war der Kapitän tot, so übernahm er das Kommando, ohne Jemand um Rat zu fragen, und ließ uns anderthalb Tage auf der Insel Elba verlieren, statt unmittelbar nach Marseille zurückzukehren.«

»Was das Übernehmen des Kommandos vom Schiffe betrifft«, sprach der Reeder, »so war dies seine Pflicht als Second; was aber das Verlieren von anderthalb Tagen auf der Insel Elba betrifft, so hatte er Unrecht: wenn er nicht das Schiff im Hafen ausbessern mußte.«


Die Pharao

»Das Schiff befand sich, wie ich mich befinde, und wie ich wünsche, daß Sie sich befinden mögen, Herr Morrel; und diese anderthalb Tage gingen in Folge von bloßen Launen, um das Vergnügen zu haben, an das Land zu steigen, verloren.«

»Dantes«, sagte der Reeder, sich gegen den jungen Mann umwendend, »kommen Sie hierher.«

»Ich bitte um Vergebung, mein Herr«, erwiderte Dantes, »ich stehe sogleich zu Dienst;« dann sich an die Mannschaft wendend, sprach er:

»Anker geworfen!«

Sogleich fiel der Anker und die Kette wurde mit Geräusch nachgelassen. Dantes blieb an seinem Posten, trotz der Gegenwart des Lotsen, bis dieses letzte Manoeuvre beendigt war. Dann rief er:

»Laßt den Wimpel halb herab! Hißt die Flagge auf! Kreuzt die Segelstangen!«

»Sie sehen,« sagte Danglars, »auf mein Wort, er hält sich bereits für den Kapitän.«

»Und er ist es wirklich«, versetzte der Reeder.

»Ja, mit Ausnahme Ihrer Unterschrift und der Ihres Associé, Herr Morrel.«

»Gott verdamme mich, warum sollen wir ihn nicht an diesem Posten lassen?« entgegnete der Reeder; »ich weiß wohl, er ist jung, aber er scheint mir ganz bei der Sache und in seinem Stande sehr erfahren zu sein.«

Eine Wolke zog über die Stirne von Danglars hin.

»Um Vergebung, Herr Morrel,« sagte Dantes, sich ihm nähernd, »nun, da das Schiff geankert hat, stehe ich ganz zu Befehl. Sie haben mich, glaube ich,...



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