E-Book, Deutsch, Band 2
Reihe: Die Hand Gottes
Dumas Der Graf von Monte Christo. Band 2
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-96130-570-4
Verlag: apebook Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Illustrierte und ungekürzte Neuausgabe in fünf Bänden
E-Book, Deutsch, Band 2
Reihe: Die Hand Gottes
ISBN: 978-3-96130-570-4
Verlag: apebook Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Der junge Edmond Dantès ist glücklich verlobt mit der schönen Mercedes, und ihm wird vom Reeder Morell die Position des Kapitäns eines Segelschiffs in Aussicht gestellt. Alle seine Wünsche scheinen sich zu erfüllen. Doch er wird vom höchsten Glück in den tiefsten Abgrund geschleudert, als es zu einem hinterhältigen Komplott gegen ihn kommt. Jeder der Verschwörer hat einen anderen Grund, Dantès aus dem Weg räumen zu wollen. Durch einen schnellen und willkürlichen Prozess wird er zu Einzelhaft im Inselgefängnis Château d´If veruteilt. Alles scheint verloren. Doch im Kerker lernt er durch Zufall den alten Geistlichen und Mitgefangenen Abbé Faria kennen, der zu seinem Lehrmeister wird und ihm das Versteck eines enormen Schatzes verrät. Schließlich, nach vierzehn Jahren unverschuldeter Kerkerhaft, gelingt es Dantès, durch Glück und eigene Entschlossenheit, von der Gefängnisinsel zu flüchten. Einige Monate später erscheint in der französischen Gesellschaft ein mysteriöser Graf von sagenhaftem Reichtum, der schnell ins Zentrum der gesellschaftlichen Aufmerksamkeit gerät. Hinter seiner undurchsichtigen Fassade verfolgt dieser jedoch nur ein Ziel: Vergeltung zu üben an den Schuldtragenden, die einst Edmond Dantès um sein Glück brachten. Er ist die Hand Gottes, die gekommen ist, um Rechenschaft zu fordern... Der mehrfach verfilmte Abenteuer-Klassiker liegt hier in einer fünfbändigen und reichhaltig illustrierten Neuausgabe in der ungekürzten Übertragung von August Zoller vor. Dieses ist der zweite Band.
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I.
Die Register der Gefängnisse.
Einen Tag, nachdem die von uns erzählte Szene auf der Straße von Bellegarde nach Beaucaire vorgefallen war, erschien ein Mann von dreißig bis zwei und dreißig Jahren in blauem Frack, Rankinbeinkleidern und weißer Weste, mit britischer Tournure und britischem Accent, bei dem Maire von Marseille und sprach: »Mein Herr, ich bin der erste Commis des Hauses Thomson und French in Rom; wir stehen seit zehn Jahren in Verbindung mit dem Hause Morrel und Sohn in Marseille, haben uns hierbei auf etwa hunderttausend Franken eingelassen, und sind nicht ganz ohne Unruhe da man behauptet, dieses Haus sei seinem Ruin nahe. Ich komme daher ausdrücklich von Rom, um mir von Ihnen Auskunft über Morrel und Sohn zu erbitten.« »Mein Herr«, antwortete der Maire, »ich weiß bestimmt, daß seit Vier bis fünf Jahren das Unglück Herrn Morrel zu Verfolgen scheint: er hat hinter einander vier Schiffe verloren und drei Bankrotte erlitten; aber obgleich ich selbst sein Gläubiger für ein Dutzend tausend Franken bin, geziemt es mir doch nicht, irgend eine Auskunft über den Zustand seines Vermögens zu geben. Fragen Sie mich als Maire, was ich von Herrn Morrel denke, so antworte ich Ihnen, er sei ein streng rechtlicher Mann und habe bis jetzt alle seine Verbindlichkeiten äußerst pünktlich erfüllt. Das ist Alles, was ich Ihnen sagen kann, mein Herr. Wollen Sie mehr wissen, so wenden Sie sich an Herrn von Boville, Inspektor der Gefängnisse, Rue de Noailles Nro. 15; er hat, so viel ich weiß, zweimal hunderttausend Franken bei dem Hause Morrel angelegt, und wenn wirklich etwas zu fürchten wäre, so würden Sie ihn, da diese Summe beträchtlicher ist, als die meinige, wahrscheinlich über diesen Punkt besser unterrichtet finden, als ich es bin.« Der Engländer schien diese Zartheit zu würdigen, grüßte, verließ den Maire, und wanderte mit dem den Söhnen Großbritanniens eigentümlichen Gange nach der bezeichneten Straße. Herr von Boville war in seinem Kabinett: als ihn der Engländer erblickte, machte er eine Bewegung des Erstaunens, welche anzudeuten schien, daß er nicht zum ersten Male diesem Manne gegenüber stand. Herr von Boville aber war so verzweiflungsvoll, daß, gleichsam Verfehlungen von dem Gedanken, der ihn in diesem Augenblick beschäftigte, die Fähigkeiten seines Geistes weder seinem Gedächtnis, noch seiner Einbildungskraft Muße ließen, sich in die Vergangenheit zu verirren. Der Engländer legte ihm mit dem Phlegma seiner Nation beinahe in denselben Ausdrücken dieselbe Frage vor, die er dem Maire von Marseille vorgelegt hatte. »Oh! mein Herr«, rief Herr von Boville, »Ihre Befürchtungen sind leider nur zu sehr gegründet, und Sie sehen einen verzweifelnden Mann in mir. Ich hatte zwei mal hunderttausend Franken bei dem Hause Morrel angelegt: diese zwei mal hunderttausend Franken waren die Mitgift meiner Tochter, welche ich in vierzehn Tagen zu verheiraten gedachte: diese zweimal hunderttausend Franken waren rückzahlbar, hunderttausend am 15. dieses Monats, hunderttausend am 15. des nächsten. Ich hatte Herrn Morrel von meinem Wunsche, daß diese Zahlung pünktlich stattfinden möchte, benachrichtigt, und nun ist er vor kaum einer halben Stunde zu mir gekommen. um mir zu sagen, wenn sein Schiff die Pharao bis am 15. nicht einliefe, wäre er außer Stands, seine Verbindlichkeit zu erfüllen.« »Aber das gleicht ganz einer Zahlungsfristverlängerung«, sagte der Engländer. »Sagen Sie, es gleiche einem Bankrotte«, rief Herr von Boville außer sich. Der Engländer schien einen Augenblick nachzudenken, und sprach sodann: »Also flößt Ihnen diese Schuldforderung Angst ein?« »Das heißt, ich betrachte sie als verloren.« »Wohl, ich kaufe sie Ihnen ab.« »Sie?« »Ja, ich.« »Aber ohne Zweifel zu einem ungeheuren Rabatt?« »Nein, um zweimal hunderttausend Franken: unser Haus«, fügte der Engländer lachend bei, »macht keine solche Geschäfte.« »Und Sie bezahlen?« »Baar.« Der Engländer zog aus seiner Tasche ein Päckchen Bankbilletts, die das Doppelte der Summe betragen mochten, welche Herr von Boville zu verlieren befürchtete. Ein Blitz der Freude zog über das Gesicht von Herrn von Boville hin, doch er suchte sich zu bemeistern und sprach: »Mein Herr, ich muß Sie davon in Kenntnis setzen, daß Sie aller Wahrscheinlichkeit noch nicht sechs Prozent von dieser Summe bekommen werden.« »Das geht mich nichts an«, erwiderte der Engländer, »das geht das Haus Thomson und French an, in dessen Namen ich handle. Es liegt vielleicht in seinem Interesse, ein rivales Haus zu Grunde zu richten. Ich weiß nur, daß ich bereit bin, Ihnen diese Summe gegen Übertragung zu bezahlen, wobei ich mir indessen einen Mäklerlohn erbitten werde.« »Das ist nicht mehr als billig!« rief Herr von Boville. »Die Kommission beträgt gewöhnlich anderthalbe wollen Sie zwei? wollen Sie drei? wollen Sie fünf? wollen Sie noch mehr? sprechen Sie!« »Mein Herr«, antwortete der Engländer lachend, ich bin wie mein Haus, ich mache keine solche Geschäfte; mein Mäklerlohn ist ganz anderer Natur.« »Reden Sie, mein Herr, ich höre.« »Sie sind Inspektor der Gefängnisse?« »Seit vierzehn Jahren.« »Sie halten Eintritts- und Abgangs-Register?« »Allerdings.« »Diesen Registern müssen Noten bezüglich auf die Gefangenen beigefügt sein?« »Jeder Gefangene hat seinen Fascikel.« »Nun wohl, ich bin in Rom von einem armen Teufel von Abbé erzogen worden, welcher plötzlich von dort verschwunden ist. Seitdem habe ich erfahren, daß man ihn in dem Castell If gefangen gehalten, und ich möchte wohl gern etwas Näheres über seinen Tod wissen.« »Wie hieß er?« »Abbé Faria.« »Oh! ich erinnere mich seiner ganz genau«, rief Herr von Boville, »er war ein Narr.« »Man sagte es.« »Oh! er war es ganz gewiss.« »Es ist möglich; was war seine Narrheit?« »Er behauptete Kenntnis von einem unermeßlichen Schatze zu haben, und bot der Regierung tolle Summen, wenn man ihn in Freiheit setzen wollte.« »Armer Teufel! Und er ist tot?« »Ja, mein Herr, er starb ungefähr vor fünf oder sechs Monaten, im vergangenen Februar.« »Sie haben ein glückliches Gedächtnis, mein Herr, daß Sie sich so der einzelnen Umstände erinnern.« »Ich erinnere mich dieser Geschichte, weil der Tod des armen Teufels von einem seltsamen Ereignis begleitet war.« »Dürfte man dieses Ereignis erfahren?« fragte der Engländer mit einem Ausdrücke von Neugierde, welchen auf seinem phlegmatischen Gesichte zu finden, ein tiefer Beobachter erstaunt gewesen wäre. »Oh! mein Gott, ja, mein Herr; das Gefängnis des Abbé war ungefähr fünf und vierzig bis fünfzig Fuß von dem eines ehemaligen bonapartistischen Agenten entfernt, eines sehr entschlossenen und gefährlichen Menschen von der Zahl derjenigen, welche am meisten zu der Rückkehr des Usurpators im Jahre 1815 beigetragen haben.« »Wirklich!« sagte der Engländer. »Ja, ich hatte selbst Gelegenheit, diesen Menschen im Jahre 1816 oder 1817 zu sehen; man stieg in seinen Kerker nur mit einem Piquet Soldaten hinab; er machte einen tiefen Eindruck auf mich, und ich werde sein Gesicht nie vergessen.«
Monte Christo und M. de Boville Der Engländer lächelte unmerklich. »Und Sie sagen«, versetzte er, »die zwei Kerker . . . « »Waren durch eine Entfernung von fünfzig Fuß getrennt, aber es scheint, dieser Edmond Dantes . . . « »Der gefährliche Mensch hieß . . . « »Edmond Dantes. Ja, mein Herr, es scheint dieser Edmond Dantes hatte sich Werkzeug verschafft oder verfertigt, denn man fand einen Gang, durch welchen die Gefangenen mit einander in Verbindung standen.« »Dieser Gang war ohne Zweifel in der Absicht zu entweichen gemacht worden?« »Allerdings; aber zum Unglück für die Gefangenen wurde der Abbé, von der Starrsucht befallen und starb.« »Ich begreife, das mußte die Entweichungspläne kurz abschneiden.« »Für den Toten, ja«, antwortete Herr von Boville, »für den Lebenden nicht; dieser Dantes sah im Gegenteil darin ein Mittel, seine Flucht zu beschleunigen; er dachte ohne Zweifel, die im Castell If gestorbenen Gefangenen würden in einem gewöhnlichen Friedhofe begraben, trug den Hingeschiedenen in seine Zelle, nahm seinen Platz in dem Sacke ein, in welchen man jenen genäht hatte, und erwartete den Augenblick des Begräbnisses.« »Das war ein gewagtes Mittel, woraus sich auf einigen Mut schließen ließ«, bemerkte der Engländer. »Ich habe Ihnen bereits gesagt, mein Herr, daß es ein sehr gefährlicher Mensch war, zum Glück befreite er die Regierung selbst von der Furcht, die sie seinetwegen hegte.« »Wie dies?« »Sie begreifen nicht?« »Nein.« »Das Castell If hat keinen Friedhof; man wirft die Toten ganz einfach in das Meer, nachdem man ihnen zuvor eine Kugel von sechs und dreißig Pfund an die Füße gebunden hat.« »Nun?« fragte der Engländer, als ob er schwer begriffe. »Man befestigte ihm die Kugel von sechs und dreißig Pfund an die Füße und warf ihn in das Meer.« »Ja der Tat!« rief der Engländer. »Ja, mein Herr«, fuhr der Inspektor fort. »Sie können sich denken, wie groß das Erstaunen des Flüchtlings gewesen sein muß, als er fühlte, daß man ihn von dem Felsen herabstürzte. Ich hätte sein Gesicht in diesem Augenblick sehen mögen.« »Das wäre schwierig gewesen.« »Gleich...




