Dumas | Der Graf von Monte Christo. Band 3 | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 3

Reihe: Die Hand Gottes

Dumas Der Graf von Monte Christo. Band 3

Illustrierte und ungekürzte Neuausgabe in fünf Bänden
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-96130-571-1
Verlag: apebook Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Illustrierte und ungekürzte Neuausgabe in fünf Bänden

E-Book, Deutsch, Band 3

Reihe: Die Hand Gottes

ISBN: 978-3-96130-571-1
Verlag: apebook Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Der junge Edmond Dantès ist glücklich verlobt mit der schönen Mercedes, und ihm wird vom Reeder Morell die Position des Kapitäns eines Segelschiffs in Aussicht gestellt. Alle seine Wünsche scheinen sich zu erfüllen. Doch er wird vom höchsten Glück in den tiefsten Abgrund geschleudert, als es zu einem hinterhältigen Komplott gegen ihn kommt. Jeder der Verschwörer hat einen anderen Grund, Dantès aus dem Weg räumen zu wollen. Durch einen schnellen und willkürlichen Prozess wird er zu Einzelhaft im Inselgefängnis Château d´If veruteilt. Alles scheint verloren. Doch im Kerker lernt er durch Zufall den alten Geistlichen und Mitgefangenen Abbé Faria kennen, der zu seinem Lehrmeister wird und ihm das Versteck eines enormen Schatzes verrät. Schließlich, nach vierzehn Jahren unverschuldeter Kerkerhaft, gelingt es Dantès, durch Glück und eigene Entschlossenheit, von der Gefängnisinsel zu flüchten. Einige Monate später erscheint in der französischen Gesellschaft ein mysteriöser Graf von sagenhaftem Reichtum, der schnell ins Zentrum der gesellschaftlichen Aufmerksamkeit gerät. Hinter seiner undurchsichtigen Fassade verfolgt dieser jedoch nur ein Ziel: Vergeltung zu üben an den Schuldtragenden, die einst Edmond Dantès um sein Glück brachten. Er ist die Hand Gottes, die gekommen ist, um Rechenschaft zu fordern... Der mehrfach verfilmte Abenteuer-Klassiker liegt hier in einer fünfbändigen und reichhaltig illustrierten Neuausgabe in der ungekürzten Übertragung von August Zoller vor. Dieses ist der dritte Band.

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I.

Ideologie.
  Hätte der Graf von Monte Christo seit langer Zeit in der Pariser Welt gelebt, so würde er den Schritt von Herrn von Villefort seinem ganzen Werte nach zu schätzen gewußt haben. Wohlgelitten bei Hofe, ob der regierende König der älteren oder der jüngeren Linie angehörte, ob der erste Minister doktrinär, liberal oder konservativ war, überall wegen seiner Gewandtheit gerühmt, wie man überhaupt diejenigen Leute gewandt nennt, welche nie eine politische Niederlage erlitten haben; von Vielen gehaßt, aber von Einigen warm beschützt, ohne jedoch von irgend Jemand wirklich geliebt zu sein, nahm Herr von Villefort eine von den hohen Stellungen des Beamtenstandes ein und erhielt sich auf dieser Höhe wie ein Harlay oder Molé. Durch eine junge Frau und durch eine kaum achtzehn Jahre alte Tochter aus erster Ehe wiederverjüngt, war sein Salon nichtsdestoweniger einer von jenen strengen Salons in Paris, in denen man den Kultus der Überlieferungen und die Religion der Etiquette bewahrt. Kalte Höflichkeit und unumschränkte Anhänglichkeit an die Grundsätze der Regierung, tiefer Haß gegen die Ideologen, dies waren die von Herrn von Villefort zur Schau gestellten Elemente seines inneren und öffentlichen Lebens. Herr von Villefort war nicht allein ein Staatsbeamter, sondern beinahe auch ein Diplomat. Seine Beziehungen zu dem alten Hofe, von dem er stets mit Würde und Ehrfurcht sprach, machten ihn bei dem neuen geachtet, und er wußte so viele Dinge, daß man ihn nicht nur beständig schonte, sondern auch bisweilen zu Rate zog. Vielleicht wäre dem nicht so gewesen, wenn man sich seiner hätte entledigen können, aber Herr von Villefort bewohnte, wie jene gegen ihren Oberherrn rebellischen Lehensträger, eine unüberwindliche Feste. Diese Feste war sein Amt als Staatsanwalt, dessen Vorteile er insgesamt vortrefflich auszubeuten wußte, und das er nur aufgegeben hätte, um sich zum Deputierten wählen zu lassen und die Neutralität durch die Opposition zu ersetzen. Herr von Villefort machte in der Regel wenig Besuche und gab auch wenige zurück. Seine Frau besuchte für ihn; es war dies einmal in der Welt so angenommen, wo man ernsten und zahlreichen Geschäften des öffentlichen Beamten das zuschrieb, was in Wirklichkeit nur eine Berechnung des Stolzes, eine Quintessenz von Aristokratie, die Anwendung des Axioms endlich war: Gib dir den Anschein, als schätztest du dich, und man wird dich schätzen, ein Axiom, welches in unserer Gesellschaft tausendmal nützlicher ist, als das der Griechen: Lerne dich selbst kennen, denn das letztere ersetzt sich in unseren Tagen durch die minder schwierige und viel vorteilhaftere Kunst, Andere kennen zu lernen. Für seine Freunde war Herr von Villefort ein mächtiger Beschützer, für seine Feinde ein stummer und dumpfer, aber erbitterter Gegner: für die Gleichgültigen war er die Statue des als ein Mensch erscheinenden Gesetzes: das Wesen seines Empfangs hochmütig, Physiognomie unempfindlich, Blick matt und glanzlos oder unverschämt durchdringend und forschend, so war der Mensch, dessen Piedestal vier geschickt auf einander gehäufte Revolutionen von Anfang aufgebaut und dann fest und dauerhaft gemacht hatten. Herr von Villefort stand im Rufe des am mindesten neugierigen Mannes von Frankreich; seine Ungezwungenheit wurde von allen Seiten gerühmt; er gab jedes Jahr einen Ball und erschien dabei nur eine Viertelstunde, das heißt fünfundvierzig Minuten weniger, als dies der König bei den seinigen tut; niemals sah man ihn in den Theatern oder in den Concerten, noch an irgend einem andern öffentlichen Orte; zuweilen, jedoch selten, machte er eine Partie Whist, und man war dann besorgt, seiner würdige Spieler für ihn zu wählen: irgend einen Botschafter, einen Erzbischof, einen Fürsten, einen ersten Präsidenten, oder eine verwitwete Herzogin. So war der Mann beschaffen, dessen Wagen vor der Türe des Grafen von Monte Christo hielt. Der Kammerdiener meldete Herrn von Villefort in dem Augenblick, wo der Graf, über einen großen Tisch gebeugt, auf einer Landkarte den Weg von St. Petersburg nach China verfolgte. Der Staatsanwalt trat mit demselben ernsten, abgemessenen Schritte ein, mit welchem er im Tribunal erschien; es war derselbe Mensch oder vielmehr die Fortsetzung desselben Menschen, den wir einst als Substitut in Marseille gesehen haben. In ihren Grundsätzen folgerecht, hatte die Natur bei ihm nichts an dem Laufe verändert, den sie sich vorgezeichnet. Von schlank war er mager, von bleich gelb geworden; seine tiefliegenden Augen waren hohl und seine Brille mit der goldenen Fassung schien, auf der Augenhöhle liegend, nunmehr einen Teil seines Gesichtes zu bilden; mit Ausnahme seiner weißen Halsbinde war sein ganzer Anzug schwarz, und diese Trauerfarbe wurde nur durch den leichten Streifen eines roten Bandes unterbrochen, der unmerklich durch sein Knopfloch ging und eine mit dem Pinsel gezogene Blutlinie zu sein schien.
Madame de Villefort So sehr Monte Christo seiner Herr war, so prüfte er doch mit sichtbarer Neugierde, seine Begrüßung erwidernd, den Beamten, welcher, aus Gewohnheit mißtrauisch und besonders in sehr geringem Grade gläubig in Beziehung aus gesellschaftliche Wunder, mehr geneigt war, in dem edlen Fremden, so nannte man bereits Monte Christo, einen zur Ausbeutung eines neuen Theaters nach Paris gekommenen Industrieritter oder einen bannbrüchigen Missetäter, als einen Fürsten des heiligen Stuhles oder einen Sultan aus Tausend und eine Nacht zu erblicken. »Mein Herr«, sprach Villefort mit dem kreischenden Tone, welchen öffentliche Beamte bei ihren rednerischen Perioden anzunehmen pflegen, und von dem sie sich auch im Gespräch nicht losmachen können oder wollen, »mein Herr, der ausgezeichnete Dienst, den Sie gestern meiner Frau und meinem Sohne geleistet haben, macht es mir zur Pflicht, Ihnen zu danken. Ich komme daher, um mich dieser Pflicht zu entledigen und Ihnen meine ganze Erkenntlichkeit auszudrücken.« Während der Staatsbeamte sprach, verlor sein strenges Auge nichts von seiner gewöhnlichen Anmaßung. Er artikulierte seine Worte mit seiner Staatsanwalts-Stimme, mit jener unbiegsamen Steifheit von Hals und Schultern, welche, wir müssen es wiederholen, seine Schmeichler zu dem Aussprache veranlaßte, er wäre die lebendige Bildsäule des Gesetzes. »Mein Herr.« erwiderte der Graf ebenfalls mit einer eisigen Kälte, »ich fühle mich sehr glücklich, daß ich im Stande gewesen bin, einen Sohn seiner Mutter zu erhalten, denn man sagt, das Gefühl der Mütterlichkeit sei das mächtigste von allen, wie es auch das heiligste von allen ist, und das Glück, welches mir begegnet, mein Herr, überhob Sie der Verbindlichkeit, einer Pflicht nachzukommen, deren Erfüllung mich allerdings ehrt, denn ich weiß, daß Herr von Villefort nicht verschwenderisch mit der Gunst ist, die er mir erzeigt, welche jedoch, so kostbar sie auch sein mag, für mich nicht den Wert der inneren Befriedigung hat.« Erstaunt über diesen Ausfall, auf den er durchaus nicht gefaßt war, bebte Villefort wie ein Soldat, der den Schlag fühlt, welchen man ihm versetzt, obgleich ihn eine eherne Rüstung bedeckt, und ein verächtliches Zucken seiner Lippe deutete an, daß er den Grafen von Monte Christo nicht für einen sehr artigen Edelmann hielt. Er schaute umher, um an irgend einen Gegenstand das Gespräch anzuknüpfen, das gefallen war und bei seinem Falle sich zerbrochen zu haben schien. Er sah die Karte, welche Monte Christo im Augenblick seines Eintrittes betrachtet hatte und sprach: »Sie beschäftigen sich mit Geographie, mein Herr. Das ist ein reiches Studium, für Sie besonders, der Sie, wie man mich versichert, so viele Länder gesehen haben, als in diesem Atlas sich gezeichnet finden.« »Ja, mein Herr«, antwortete der Graf, »ich wollte an dem Menschengeschlechte in Masse genommen das machen, was Sie täglich an Ausnahmen treiben, nämlich ein physiologisches Studium. Ich dachte, es wäre mir dann leichter, vom Ganzen auf den Teil herab, als vom Teile zu dem Ganzen hinaufzusteigen. Ein algebraisches Axiom verlangt, daß man vom Bekannten zum Unbekanntem und nicht vom Unbekannten zum Bekannten fortschreite . . . Aber setzen Sie sich doch, mein Herr, ich bitte Sie.« Monte Christo bezeichnete dem Staatsanwalt ein Fauteuil, das dieser selbst vorzurücken sich die Mühe nehmen mußte, während sich der Graf nur in demjenigen niederlassen durfte, worauf er bei dem Eintritte des Staatsanwaltes gekniet hatte. Auf diese Art fand sich der Graf halb seinem Besuche zugewendet; um dem Rücken war er an das Fenster und mit dem Ellbogen auf die geographische Karte gelehnt, welche für den Augenblick den Gegenstand des Gespräches bildete. »Ah! Sie philosophieren«, versetzte Villefort nach einem kurzen Stillschweigen, während dessen er, wie ein Athlet, der einen mächtigen Gegner trifft, Vorrat an Kräften gesammelt hatte. »Nun, mein Herr, bei meinem Ehrenworte, wenn ich, wie Sie, nichts zu tun hätte, so würde ich mir wenigstens eine minder traurige Beschäftigung suchen.« »Es ist wahr«, erwiderte Monte Christo. »der Mensch ist eine häßliche Raupe für denjenigen. welcher ihn unter dem Sonnenmikroskope betrachtet. Doch Sie sagten, glaube ich, ich hätte nichts zu tun; . . . denken Sie zufällig, Sie hätten etwas zu tun, mein Herr? oder um deutlicher zu sprechen, wähnen Sie was Sie tun, sei der Mühe wert, sich etwas zu nennen?« Das Erstaunen von Herrn von Villefort verdoppelte sich bei diesem zweiten, von seinem seltsamen Gegner auf eine so harte Weise geführten Schlage; seit langer Zeit hatte der Staatsbeamte nicht gehört, daß ihm irgend Jemand...



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