E-Book, Deutsch, Band 8
Reihe: Im Zeichen der Musketiere
Dumas Zwanzig Jahre nachher. Band IV
Neue und überarbeitete Ausgabe der ursprünglichen Übersetzung
ISBN: 978-3-96130-305-2
Verlag: apebook Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Historischer Roman in vier Bänden
E-Book, Deutsch, Band 8
Reihe: Im Zeichen der Musketiere
ISBN: 978-3-96130-305-2
Verlag: apebook Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
ZWANZIG JAHRE NACHHER D'Artagnan, Athos, Porthos und Aramis sind wieder vereint im Kampf gegen das Unrecht. Zu Beginn von 'Zwanzig Jahre nachher' ist es 1648: die Rote Sphinx, Kardinal Richelieu, ist tot, Frankreich befindet sich im Bürgerkrieg, und jenseits des Ärmelkanals hängt die Monarchie von König Karl I. am seidenen Faden. Wie d'Artagnan feststellen wird, sind dies Probleme, die sich nicht mit einem Schwerthieb lösen lassen. In 'Zwanzig Jahre nachher' sind die Musketiere gereift und stehen vor ihrer größten Herausforderung, nämlich der schmerzlichen Erkenntnis, dass man manchmal scheitert. In der Art und Weise, wie die vier Genossen auf das Scheitern reagieren und sich über das Scheitern erheben, beginnen wir, die wahren Charaktere der großen Helden von Dumas zu erkennen. Die Zeit hat ihre Entschlossenheit geschwächt und ihre Loyalitäten zerstreut. Aber Verrat und List schreien immer noch nach Gerechtigkeit: Der Bürgerkrieg gefährdet den Thron Frankreichs, während in England Cromwell damit droht, Karl I. aufs Schafott zu schicken. Dumas holt sein unsterbliches Quartett aus dem Ruhestand, um die Schwerter mit der Zeit, der Böswilligkeit der Menschen und den Kräften der Geschichte zu kreuzen. Doch ihre größte Bewährungsprobe ist ein titanischer Kampf mit dem Sohn von Lady de Winter, Mordaunt, der das Antlitz des Bösen trägt. Dieses ist der vierte von vier Bänden. Der Umfang des vierten Bandes entspricht ca. 300 Buchseiten. Die Reihe IM ZEICHEN DER MUSKETIERE Die vierbändige Reihe ZWANZIG JAHRE NACHHER ist die zweite eigenständige Sequenz der übergeordneten und insgesamt 18 Teile umfassenden Reihe IM ZEICHEN DER MUSKETIERE, die insgesamt aus drei solchen eigenständigen Sequenzen besteht: DIE DREI MUSKETIERE (4 Teile), ZWANZIG JAHRE NACHHER (4 Teile) und DER GRAF VON BRAGELONNE (10 Teile). Die Geschichte um die drei Musketiere wurde häufig verfilmt. Bekannt ist auch die Verfilmung eines Handlungsstrangs aus dem GRAF VON BRAGELONNE unter dem Titel »Der Mann mit der eisernen Maske«. Die Geschichte rankt um einen möglichen Zwillingsbruder des Königs Ludwig XIV., der in der Bastille gefangen gehalten wurde und eine eiserne Maske tragen musste, um seine wahre Identität zu verbergen. Insgesamt umfasst die komplette Reihe etwa 5.500 Seiten voller Abenteuer, Liebe und Heldenmut. Diese Reihe präsentiert die ungekürzte Übersetzung aus dem Französischen von August Zoller in einer sprachlich überarbeiteten und modernisierten Neuausgabe.
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I.
London. Als das Geräusch der Pferde sich in der Ferne verloren hatte, stieg d’Artagnan wieder zu dem Rande des Flüßchens hinauf und fing an die Ebene zu durchlaufen, wobei er so gut als möglich die Richtung von London in das Auge zu fassen suchte. Die drei Freunde folgten ihm schweigend, bis sie, nachdem sie einen großen Halbkreis beschrieben, das Städtchen weit hinter sich gelassen hatten. »Diesmal,« sagte d’Artagnan, als er sich ferne genug von dem Ausgangspunkte meinte, um vom Galopp in den Trab überzugehen, »diesmal glaube ich, daß entschieden Alles verloren ist und daß wir nichts Besseres tun könnten, als uns nach Frankreich wenden. Was sagt Ihr zu dem Vorschlage, Athos, findet Ihr ihn nicht vernünftig.« »Ja, teurer Freund,« erwiderte Athos, »aber Ihr habt einst ein edleres, vernünftigeres Wort ausgesprochen, Ihr sagtet: ›Wir werden hier sterben.‹ Ich erinnere Euch an dieses Wort.« »Oh!« rief Porthos, »der Tod ist nichts, und er soll uns auch nicht beunruhigen, weil wir nicht wissen, was er ist, aber der Gedanke einer Niederlage peinigt mich. Nach der Wendung der Dinge sehe ich ein, daß wir mit London, mit den Provinzen, mit ganz England zu kämpfen haben und am Ende kann es nicht fehlen, daß wir geschlagen werden.« »Wir müssen diesem großen Trauerspiele bis zum Schlüsse beiwohnen,« sprach Athos, »und werden, was auch kommen mag, vor seiner völligen Entwickelung England nicht verlassen. Denkt Ihr wie ich, Aramis?« »In jeder Beziehung, Graf; dann gestehe ich Euch auch, es wäre mir nicht unangenehm, Mordaunt wiederzufinden; es scheint mir, wir haben eine Rechnung mit ihm in Ordnung zu bringen, und es ist nicht unsere Gewohnheit, ein Land zu verlassen, ohne solche Schulden zu bezahlen.« »Oh! das ist etwas Anderes,« sprach d’Artagnan, »dieser Grund leuchtet mir ganz ein. Ich bekenne, daß ich, um den fraglichen Mordaunt wieder zu finden, wenn es sein soll, ein ganzes Jahr in London bleiben werde. Nur müssen wir uns bei einem sichern Manne und so einquartieren, daß kein Verdacht dadurch erregt wird, denn Herr Cromwell muß uns zu dieser Stunde suchen lassen, und so viel ich zu beurteilen vermag, spaßt Herr Cromwell nicht. Athos, kennt Ihr in der ganzen Stadt eine Herberge, wo man weiße Leintücher, vernünftig gekochtes Rostbeef’ und Wein findet, der nicht von Hopfen oder Wachholder bereitet ist?« »Ich glaube hierfür sorgen zu können,« erwiderte Athos. »Lord Winter hat uns zu einem Manne geführt, von dem er sagte, er wäre ein ehemaliger Spanier und nur durch die Guineen seiner Landsleute naturalisierter Engländer. Was meint Ihr, Aramis?« »Der Gedanke, unser Qnartier bei Sennor Perez zu nehmen, scheint mir äußerst vernünftig; ich trete demselben also für meine Person bei. Wir berufen uns auf den armen Winter, für den er eine große Verehrung zu hegen schien; wir sagen, wir kommen als Liebhaber, um zu sehen, was vorgehe; wir geben bei ihm jeder eine Guinee im Tage aus und mit Hilfe dieser Vorsichtsmaßregeln können wir, glaube ich, ziemlich ruhig bleiben.« »Ihr vergeßt eine Vorsicht, Aramis, und zwar eine wichtige.« »Welche?« »Wir müssen die Kleider wechseln.« »Bah!« sprach Porthos, »warum die Kleider wechseln? wir sind ganz bequem in diesen.« »Um nicht erkannt zu werden,« versetzte d’Artagnan. »Unsere Kleider haben einen Schnitt und beinahe eine gleichmäßige Farbe, wodurch sich der Franchman beim ersten Blicke verrät. Es ist mir aber nicht so viel an dem Schnitte meines Wamses und an der Farbe meiner Beinkleider gelegen, daß ich ihnen zu Liebe mich der Gefahr aussetzen sollte, in Tyburn gehängt zu werden oder eine Reise nach Indien zu machen. Ich will mir ein kastanienbraunes Kleid kaufen, denn, ich habe gesehen, daß alle die Dummköpfe von Puritanern diese Farbe wahnsinnig lieben.« »Aber werdet Ihr Eueren Mann wiederfinden?« sagte Aramis. »Oh! gewiß, er wohnte Green-Hall-Street, Bedford’s Tavern; überdies gehe ich mit geschlossenen Augen in die Cité.« »Ich wollte, wir wären schon dort,« versetzte d’Artagnan, »und meiner Meinung nach wäre es das Beste, wenn wir London vor Tag erreichten, und sollten wir auch unsere Pferde zu Tode reiten.« »Vorwärts!« rief Athos, »denn wenn mich meine Berechnung nicht täuscht, sind wir höchstens acht bis zehn Stunden davon entfernt.« Die Freunde gaben ihren Pferden die Sporen und kamen wirklich gegen fünf Uhr Morgens nach London. Bei dem Tore hielt man sie an und Athos antwortete in vortrefflichem Englisch, sie wären von dem Obersten Harrison abgeschickt, um seinen Kollegen, Herrn Pridge, von der nahe bevorstehenden Ankunft des Königs zu benachrichtigen. Diese Antwort hatte einige Fragen über die Gefangennehmung des Königs zur Folge; Athos gab jedoch die Umstände so genau und so bestimmt an, daß, wenn die Torwächter einen Verdacht gehabt hätten, derselbe völlig verschwunden sein müßte. Der Durchgang wurde also den vier Freunden mit allen Arten puritanischer Glückwünsche geöffnet. Athos hatte die Wahrheit gesagt: er ritt gerade auf Bedford’s Tavern zu und gab sich dem Wirt zu erkennen, der so sehr erfreut war, ihn in so zahlreicher und so schöner Gesellschaft wiederzusehen, daß er sogleich seine besten Zimmer in Bereitschaft setzen ließ. Obgleich es noch nicht Tag war, so hatten die vier Freunde doch die ganze Stadt in größter Bewegung gefunden. Das Gerüchts daß sich der König, von dem Obersten Harrison geführt, der Hauptstadt nähere, hatte sich schon am Abend verbreitet und viele waren noch nicht zu Bette gegangen, aus Furcht, der Stuart, wie sie ihn nannten, würde bei Nacht ankommen, und sie könnten seinen Einzug verfehlen. Der Plan, die Kleider zu wechseln, war, wie man sich erinnert, abgesehen von dem kleinen Widerspruche von Porthos, allgemein angenommen worden. Man beschäftigte sich also damit, denselben in Ausführung zu bringen. Der Wirt ließ sich Kleider von allen Sorten bringen, als wollte er seine Garderobe neu ausstatten. Athos nahm ein schwarzes Kleid, das ihm das Aussehen eines ehrbaren Bürgers verlieh; Aramis, der sich nicht vom Schwerte trennen wollte, wählte ein dunkelgrünes Kleid von militärischem Schnitte; Porthos ließ sich durch ein rotes Wams und grüne Hosen verführen; d’Artagnan, dessen Farbe zum Voraus bestimmt war, hatte sich nur noch um die Nuance zu bekümmern und stellte unter dem kastanienbraunen Rocke, den er sich aussuchte, ziemlich genau einen Zuckerhändler vor, der sich vom Geschäfte Grimaud und Mousqueton trugen keine Livree mehr und waren auf diese Art völlig verkleidet. Grimaud bot den ruhigen, steifen Typus des umsichtigen Engländers, Mousqueton den des dickbäuchigen, aufgedunsenen, trägen Engländers. »Nun zur Hauptsache,« sagte d’Artagnan; »schneiden wir die Haare, um nicht von dem Pöbel beschimpft zu werden. Da wir keine Edelleute mehr durch das Schwert sind, so wollen wir Puritaner durch den Schnitt unserer Haare sein. Das ist, wie Ihr wißt, der wichtige Punkt, der den Convenanter von dem Ritter unterscheidet.« D’Artagnan fand Aramis in dieser Sache sehr unnachgiebig; er wollte mit aller Gewalt seine schönen Haupthaare behalten, auf die er die größte Sorgfalt verwandte, und Athos, für den alle diese Fragen gleichgültig waren, mußte das Beispiel geben. Porthos überließ ohne Widerstreben seinen Kopf dem getreuen Mousqueton, der mit voller Scheere in das dicke, rauhe Haar fuhr. D’Artagnan schnitt sich selbst einen Phantasiekopf, wonach er ziemlich viel Ähnlichkeit mit einer Medaille aus der Zeit von Franz I. und Karl IX. hatte. »Wir sehen abscheulich aus,« sagte Athos. »Mir kommt es vor, als ob wir nach dem Puritaner röchen, daß es einem übel werden könnte,« versetzte Aramis. »Mich friert in den Kopf,« rief Porthos. »Und ich bekomme Lust zu predigen,« sagte d’Artagnan. »Nun, da wir uns selbst nicht mehr erkennen.« sprach Athos, »und folglich nicht bange haben, wir könnten von Andern erkannt werden, wollen wir den König einziehen sehen; ist er die ganze Nacht marschiert, so muß er unweit von London sein.« Die vier Freunde hatten sich wirklich nicht zwei Stunden unter die Menge gemischt, als ein gewaltiges Geschrei und eine große Bewegung die Ankunft des Königs verkündigten. Man hatte ihm einen Wagen entgegengeschickt, und der riesige Porthos, welcher alle Köpfe um einen Kopf überragte, kündigte von ferne an, er sehe die königliche Carrosse kommen; d’Artagnan erhob sich auf den Fußspitzen, während Athos und Aramis horchten, um die öffentliche Stimmung zu erforschen. Man erblickte Harrison an einem Kutschenschlage und Mordaunt an dem andern. Das Volk, dessen Eindrücke Athos und Aramis studierten, ergoß sich in tausenderlei Verwünschungen gegen den König. Athos kehrte in Verzweiflung zurück. »Mein Lieber,« sagte d’Artagnan zu ihm, »Euere Beharrlichkeit ist vergeblich, ich schwöre Euch, die Lage der Dinge ist sehr schlimm. Ich meiner Seits halte nur Eueretwegen und aus einem gewissen Standesinteresse als Musketier bei der Sache aus, denn ich finde, es wäre lustig, allen diesen Brüllern ihre Beute zu entreißen und sie zu verhöhnen. Ich werde mir die Sache überlegen.« Schon am andern Morgen hörte Athos an dem Fenster stehend, das nach den volkreichsten Quartieren der City ging, die Bill des Parlaments ausrufen, welche den Exkönig Karl I. angeblich des Verrats und des Mißbrauchs der Gewalt schuldig, vor die Schranken zog. D’Artagnan war in seiner Nähe, Aramis betrachtete eine Karte, Porthos wurde von den letzten Leckerbissen eines saftigen Frühstücks in Anspruch genommen. »Das...




