E-Book, Deutsch, 415 Seiten
Reihe: Lübbe
Duncan Love Sick
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7517-7469-7
Verlag: Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman | Enemies-to-Lovers trifft 'Grey's Anatomy'
E-Book, Deutsch, 415 Seiten
Reihe: Lübbe
ISBN: 978-3-7517-7469-7
Verlag: Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Noch bevor Grace als Assistenzärztin in der Gynäkologie beginnt, kursiert das Gerücht, sie habe den begehrten Ausbildungsplatz nur bekommen, weil sie mit jemandem aus der Chefetage geschlafen habe. Gerade sie, die nach dem traumatischen Ende ihrer letzten Beziehung alle potenziellen Partner auf Abstand hält. Grace geht fest davon aus, dass auch ihr unverschämter, aber attraktiver Kollege Julian das Gerede glaubt. Erst als beide feststellen, dass sie sich in der toughen Ausbildung gegenseitig helfen können, beginnt das Eis zu schmelzen. Doch während Grace Gefühle für Julian entwickelt, fragt sie sich, ob sie sich öffnen kann - und ob das unter diesen Umständen wirklich eine gute Idee wäre ...
Deidra Duncan ist praktizierende Ärztin mit Schwerpunkt Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Damit lebt sie ihren Traum, auch wenn ihr Arbeitsalltag oft einer emotionalen Achterbahnfahrt gleicht. Sie trägt genauso gern Kittel wie Glitzer und wünscht sich, man könnte beides auf magische Weise miteinander kombinieren. Ihre Freizeit widmet sie am liebsten dem Lesen und Schreiben, LOVE SICKist ihr erster Roman. Sie lebt mit ihrer Familie in Florida.
Weitere Infos & Material
Julian
Juni, erstes Ausbildungsjahr
Wer macht in der schwülen Junihitze von Texas zum Vergnügen Lagerfeuer – Folterfanatiker? Zu Hause käme niemand auf die Idee, und ich stamme aus Florida, dem Land der Verrückten. Während ich in die Flammen starre, summen um mich herum die Gespräche. Mit dem Daumen reibe ich langsam am Hals meiner Bierflasche entlang. Ich nehme einen Schluck und runzele die Stirn.
Warmes IPA.
Yummy.
»Hey, Santini.« Maxwell DeBakey hält mir eine kalte Flasche hin. »Brauchst du Nachschub?«
Ich gieße den Rest meines Biers aus und nehme das neue entgegen. »Danke.«
Maxwell setzt sich neben mich, das Licht des Feuers flackert golden über seine dunkle, verschwitzte Haut. »Kein Problem.«
»Warum machen wir im Juni Lagerfeuer?«
Er grinst mich an. »Tradition unter Gyn-Bros.«
Weil das so witzig klingt, hält die Flasche auf halbem Weg zu meinem Mund inne. »Gyn-Bros?«
Er lacht leise und zuckt eine seiner breiten Schultern. »Männliche Fachärzte halten zusammen. Sonst würden uns die Frauen lebendig auffressen.«
Hmm. Würden sie das? Tatsächlich?
Ich presse die Lippen aufeinander, um den instinktiven Sarkasmus für mich zu behalten. Wahrscheinlich wäre es nicht besonders schlau, die Klappe aufzureißen, bevor ich überhaupt in der Klinik angefangen habe. Aber das teuflische Grinsen kann ich nicht unterdrücken, denn in meinem Kopf klingt es ironisch: Hütet euch vor der Versammlung von Frauen, denn sie werden die Welt zerstören!
Ich trinke noch einen Schluck, und kühler Hopfen prickelt meine Kehle hinunter. Für Maxwell beginnt in ein paar Tagen das vierte Jahr – sein Jahr als Chef –, wohingegen ich ganz unten anfange. Als niederer Assistenzarzt. Mein erstes Jahr der Facharztausbildung zusammen mit vier weiteren, die in das Geburtshilfe- und Gynäkologie-Programm des Lehrkrankenhauses an der kleinen Texas University aufgenommen wurden.
Keine Ahnung, wie ich es geschafft habe, hier einen Platz zu ergattern. Das Programm ist renommiert, und ich war ein Wackelkandidat. Meine Noten ließen zu wünschen übrig, und auch die Buchstaben hinter meinem Namen sind nicht die von allen ersehnten »MD«.
Julian Santini, DO.
Doktor der Osteopathie. In der Welt der Ärzte das rothaarige Stiefkind, dem unterstellt wird, Osteopathie gewählt zu haben, weil es nicht in die traditionelleren allopathischen Schulen aufgenommen wurde.
Ich bin der einzige DO im Programm. Einer von dreien im gesamten Krankenhaus.
Vor drei Monaten, im März, konkurrierten dreitausendfünfhundert Ärzte um eintausendfünfhundert Gynäkologie-Plätze im Land, und irgendwie ist es mir gelungen, einen davon zu bekommen. Lag es an meinem Bewerbungsgespräch? Meinen Empfehlungsschreiben? Oder war es einfach Glück? Das starke Gefühl, es nicht verdient zu haben, signalisiert mir, dass ich vorsichtig sein sollte. Ich muss mich beweisen und bin wenig zuversichtlich, dass ich es schaffe.
»Bist du bereit für nächste Woche?«, fragt Maxwell. »Geburtshilfe ist wild. Bis zum ersten Juli ist es nicht mehr lang.«
Mein Blick schweift zum Feuer. »Ich denke schon. Wer will den Schwächsten im Wurf bestrafen, indem er mich zuerst in die Geburtshilfe schickt?«
Ich frage mich ernsthaft, ob sie mich testen wollen. Die Stationen – Entbindungsstation, Chirurgie und so weiter – werden monatlich im Rotationsprinzip zugeteilt. Und aus irgendeinem Grund muss ich als erster Assistenzarzt in die Geburtshilfe. Es ist nicht nur die anstrengendste Abteilung, sondern auch die mit den meisten Überstunden. Feuertaufe.
Maxwell schnaubt. »Der Schwächste im Wurf? Bezweifle ich. Abgesehen davon bin ich dein leitender Facharzt. Das ist keine Strafe, Bro. Das wird lustig.«
Wegen der glühenden Hitze des Feuers erkenne ich die Männer auf der anderen Seite nur undeutlich, alle haben ein Bier in der Hand und unterhalten sich. Zu meiner Linken erfreut ein Facharzt zwei andere mit einem chirurgischen Fall der vergangenen Woche. Zu meiner Rechten lässt Maxwell sich tiefer in seinen Stuhl sinken.
Haus und Garten gehören Asher Foley, der bald ins dritte Jahr kommt und eindeutig Single ist. Ich vermute, dass er irgendwann einer Verbindung angehörte. Alles ist total aufgemotzt – eine schicke Veranda, von der er behauptet, sie selbst gebaut zu haben, ein Gaming-Zimmer mit Surround-Sound, eine komplett ausgestattete Bar, die die halbe Küche einnimmt, und oben auf dem Kühlschrank ein Glas voller Kondome.
Subtil.
Ein Poster mit dem kunstvollen bunten kursiven Schriftzug Ich bin kein Gynäkologe, ich bin Vagier dominiert sein Wohnzimmer. Darunter befindet sich eine comicartige bunte Zeichnung einer Hand, die einen Uterus aus einem Zylinder hervorzaubert. Als ich mit hochgezogener Augenbraue darauf zeigte, behauptete Asher steif und fest, dass er es letztes Jahr zu Weihnachten geschenkt bekommen habe. Maxwell schüttelte kaum merklich den Kopf und beschuldigte ihn dann, es auf Etsy gekauft zu haben.
Mir fehlten die Worte.
Von den zwanzig Fachärzten im Programm sind nur sechs männlich. Vier der Oberärzte – unsere Vorgesetzten – sind heute Abend auch zu der traditionellen Feier erschienen. Ich bin hergekommen, ohne zu wissen, dass Frauen gewohnheitsmäßig ausgeschlossen werden. Maxwell sagt, sie haben ihre eigenen Traditionen, aber das bezweifle ich. Was meine Schwestern wohl zu diesem leicht misogynen Ritual sagen würden?
Das ist abstoßend, Julian. Wie konntest du nur an so etwas teilnehmen?
Wenn ich später mit ihnen spreche, werde ich ihnen erklären müssen, dass man mich hereingelegt hat. Hoffentlich werden sie es verstehen. Mit vier älteren Schwestern aufzuwachsen, ist genauso nervig wie lustig. Was sie mir in meiner Kindheit beigebracht haben, hat sich in mein Hirn gegraben, mich geprägt. Eins ihrer Lieblingsthemen: Männer, die Frauen von Arbeitstreffen ausschließen, sind wahrscheinlich Chauvinisten und haben vermutlich kleine Schwänze.
Sie übertreiben oft, liegen aber selten falsch.
Zumindest in puncto Chauvinisten. Was den anderen Teil der Hypothese angeht … darüber will ich nicht nachdenken.
»Es ist nicht nur ein Gerücht«, sagt jemand hinter mir.
Maxwell und ich drehen uns um, und Dr. Levine und Dr. Kulczycki, zwei unserer Oberärzte, kommen mit frischen Getränken vom Haus zu uns herüber.
»Was ist kein Gerücht?«, fragt Maxwell.
»Das mit der Assistenzärztin.« Dr. K wedelt mit einer Hand. »Ihr wisst schon, die Frau.«
Maxwell macht große Augen. »Oh. Das.« Er wendet sich dem Feuer zu. »Woher wissen Sie das?«
Dr. Levine, die schmalen Wangen rosa von der Hitze oder vom Alkohol, lächelt mich ausdruckslos an. Der Feuerschein tanzt in seinen blauen Augen, und das kurz geschnittene graue Haar kann den Schweißfilm auf seiner immer lichter werdenden Stirn nicht verdecken. »Chen hat es sozusagen bestätigt.«
Dr. Chen, unser Ausbildungsleiter? Meine Neugier ist geweckt, und ich blicke zwischen Levine und K hin und her.
Dr. K schnaubt und fährt sich durch die dunklen Haare; die Brille rutscht auf seiner schweißnassen Hakennase nach unten. »Chen hat gesagt, dass er dem nachgehen wird. Bestätigt hat er gar nichts.«
Levine verdreht die Augen. »Wir wussten schon vor zwei Tagen, dass es stimmt.«
»Dass was stimmt?«, frage ich.
Die anderen verstummen und schauen zu uns.
Maxwell nimmt einen tiefen Zug aus seiner Bierflasche. »Vor ein paar Tagen haben wir gehört, dass eine der Assistenzärztinnen ins Programm gekommen ist, weil sie mit jemandem aus dem GME geschlafen hat.«
Wie bitte?
Das Graduate Medical Education Office fungiert als Verbindung zwischen dem Lehrkrankenhaus und dem Akkreditierungsgremium. Die Mitglieder des GME sind für die Auswahl der Fachärzte verantwortlich.
Ein fieses Stechen sorgt dafür, dass sich meine Muskeln verspannen, während mir die letzten acht Jahre durch den Kopf gehen: all die teuren Nachhilfestunden und schlaflosen Nächte, all die illegalen Ritalintabletten, die ich meinen Freunden abkaufte, weil ich nicht die Zeit hatte, mich offiziell mit ADHS diagnostizieren zu lassen, all die Freundinnen, die sich beschwerten, dass ich zu viel lernte, und mich für jemand anderen verließen.
Die Theorie fällt mir nicht in den Schoß. Es war nicht leicht für mich, bis hierher zu kommen. Wahrscheinlich gilt das für alle, aber in den letzten Jahren gab es düstere Tage, an denen ich mir nicht sicher war, ob ich es schaffen würde. Weil ein paar fehlende Punkte bei einer Prüfung den Unterschied machten, ob ich meinen Traum erreichen oder die Uni ohne Abschluss und mit einem riesigen Schuldenberg verlassen würde. Falls sich eine Frau ihren Platz erschlichen haben sollte …
Ich verstärke den Griff um die feuchte Bierflasche.
Eine andere Lieblingsweisheit meiner Schwestern lautet: Unehrliche Menschen sind das Letzte.
»Ich versuche immer noch, herauszufinden, wer es ist«, sagt einer der beiden aus dem zweiten Jahr, Liam Heaney.
Mein Assistenzarztkollege Kai zieht meine Aufmerksamkeit auf sich und formt mit den Lippen: Hast du das gewusst?
Ich schüttele den Kopf. Kai Campisi ist dünn, größer als ich mit meinen ein Meter sechsundachtzig und hat sandblonde Haare, die perfekt zu einer Seite gestylt sind. Irgendein Produkt hält sie in Form, sodass selbst die tausendprozentige Luftfeuchtigkeit ihnen nichts anhaben kann. Ich habe Kai vor zwei Stunden kennengelernt – er hat einen trockenen Humor, ist...




