E-Book, Deutsch, Band 2296, 144 Seiten
Reihe: Baccara
Dunlop Harter Cowboy, weiches Herz
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7515-1567-2
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 2296, 144 Seiten
Reihe: Baccara
ISBN: 978-3-7515-1567-2
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Wie hilft man jemandem, der jede Hilfe ablehnt? Vor dieser Herausforderung steht Wellnesscoach Sierra auf der Ranch von Dallas Hawkes. Seine Familie hat die Expertin heimlich engagiert, damit sie dem verletzten Rodeo-Cowboy hilft, sein Karriere-Aus zu verkraften. Als Rancharbeiterin getarnt, stellt sich Sierra besonders ungeschickt an, um dem harten Cowboy näherzukommen. Schon bald geht die Entspannungstherapie weit über Massagen hinaus ... Doch wie wird Dallas reagieren, wenn Sierras Tarnung auffliegt?
Barbara Dunlop hat sich mit ihren humorvollen Romances einen großen Namen gemacht. Schon als kleines Mädchen dachte sie sich liebend gern Geschichten aus, doch wegen mangelnder Nachfrage blieb es stets bei einer Auflage von einem Exemplar. Das änderte sich, als sie ihr erstes Manuskript verkaufte: Mittlerweile haben die Romane von Barbara Dunlop weltweit eine begeisterte Leserschaft gefunden.
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1. KAPITEL
Dallas Hawkes ging über den knochentrockenen Pferdekorral der Hawkes Cattle Ranch. Bei jedem Schritt wirbelten kleine Staubwolken auf. Als ein stechender Schmerz durch seine rechte Schulter fuhr, zuckte er zusammen. Der Schmerz war nichts Neues, aber mittlerweile war er wesentlich ungeduldiger, was diese Verletzung anging, als noch vor drei Wochen, als er nach Colorado zurückgekommen war.
Er biss die Zähne fest zusammen und fluchte nur innerlich, denn er wollte seinen Rotschimmel, Jayden, nicht verschrecken. Das Tier stand bereits gesattelt am Zaun und sah Dallas aus dunklen Augen neugierig entgegen. Ohne langsamer zu werden, öffnete Dallas seine Hemdstasche, holte die Pillendose daraus hervor und warf eine Tablette ein. Eigentlich hätte er lieber gleich zwei genommen; das war letzte Woche noch die vorgeschriebene Dosis gewesen. Aber er würde ganz sicher nicht in die Schmerzmittel-Falle tappen. Mittlerweile sollte er vier Mal am Tag nur noch eine Tablette nehmen, und er war fest entschlossen, die Dosis ab Montag sogar noch weiter zu reduzieren.
Er klopfte Jayden fest auf die Schulter. Dann hob er das gebräunte Gesicht zur Mittagssonne, richtete sich den Stetson und atmete tief durch. Er hatte schon so manche Verletzung überstanden. Die hier war auch nicht viel schlimmer. Es fühlte sich bloß so an, weil er gerade mitten in der Genesung steckte. Noch ein paar Wochen, vielleicht ein Monat, dann wäre der stechende Schmerz abgestumpft. Bald wäre diese Wunde nichts als eine ferne Erinnerung, genau wie all seine bisherigen Knochenbrüche und Kratzer.
Er nahm die Zügel in die Hand und wappnete sich fürs Aufsitzen. Egal wie sehr es auch schmerzen mochte, er war fest entschlossen, heute zu reiten. Er brauchte die Arbeit, um seine Gedanken zu sortieren. Und er vermisste das Reiten, vermisste die Stärke des Tiers unter ihm und das Band, das durch die wortlose Kommunikation zwischen ihnen geknüpft wurde. Doch am allermeisten vermisste er den Nervenkitzel des Rodeos. Die anderen waren mittlerweile sicher in Tulsa, beim Kälberfangen oder Rinderringen. So früh am Tag wurde noch nicht ohne Sattel geritten.
Jayden trat auf der Stelle und erinnerte Dallas daran, dass er nur das Unvermeidliche hinauszögerte.
„Kommst du jetzt?“, rief Dallas’ älterer Bruder Austin vom Stall aus.
„Schon unterwegs.“ Er legte eine Hand auf das Sattelhorn und steckte den linken Stiefel in den Steigbügel. Dann schwang er sich nach oben und atmete scharf ein. Verdammt, tat das weh.
Zum Glück wartete Jayden geduldig ab, bis Dallas richtig im Sattel saß. Als er soweit war, legte er sich die Zügel über die Handflächen und bedeutete Jayden, im Schritt zu gehen. Er spürte jede einzelne Bewegung; hoffentlich wirkte die Tablette bald.
„Bist du sicher, dass du hierfür fit genug bist?“, fragte Austin, als Dallas näherkam. Er runzelte unter seinem Stetson die Stirn.
„Was, bist du jetzt meine Krankenschwester?“, fragte Dallas schroff.
„Bis zum Hebewerk brauchen wir eine Stunde.“
„Ich weiß, wie weit es ist.“
„Ist schon ’ne Weile her, seit du das letzte Mal hier warst.“ Austin brachte seinen schwarz gefleckten Hengst Pepper auf Jaydens Höhe.
Dallas ignorierte den kritischen Tonfall seines Bruders und antwortete bemüht ruhig. „So lange nun auch wieder nicht.“
Austin lachte trocken. „Es waren fast zehn Jahre.“
„Ich habe nun mal lieber andere Dinge beigesteuert als meine Zeit und Arbeit.“ Die Rodeo-Wettkämpfe hatten Dallas die meiste Zeit des Jahres von Colorado ferngehalten. Schließlich heimste man mehr Gewinne ein, je mehr Wettkämpfe man bestritt. So hatte er sich regelmäßige Einnahmen gesichert. Den Großteil des Geldes schickte er nach Hause, um die Familienranch zu unterstützen. Unterwegs brauchte er nicht viel: nur Benzin, billige Motelzimmer, Fast Food und hin und wieder eine Flasche Bourbon.
Er rollte die Schulter; ein Glas Bourbon klang gar nicht schlecht.
„Niemand behauptet, du hättest nichts beigesteuert“, sagte Austin.
„Ja, genau“, erwiderte Dallas gedehnt.
„Du bist paranoid. Ich habe die Schecks gesehen, die du geschickt hast. Glaub mir, hier beschwert sich niemand.“
Das überraschte Dallas. Er hatte die Schecks eigentlich an seinen Vater Garrett geschickt. Woher wusste Austin davon?
Sein Bruder sprach weiter. „Ich wollte bloß sagen, dass es schon eine Weile her ist, seit du tatsächlich mal für längere Zeit hier warst.“
„Jetzt bin ich da.“ Dabei wünschte er, es wäre anders.
„Und es ist schön, dass du da bist.“
Dallas schnaubte laut – und bereute es sofort, als Jayden unter ihm tänzelte und seine Schulter damit noch mehr quälte.
„Du wärst vielleicht lieber woanders, aber du bist jetzt nun mal hier.“ Austin zeigte keinerlei Mitgefühl. „Das lässt sich nicht ändern, Brüderchen.“
„Immerhin hat Dad gute Laune.“ Dallas hatte es satt, über sich zu sprechen. Sein Vater drängte ihn schon seit Jahren, sein Leben als Rodeo-Reiter aufzugeben und sich auf der Ranch niederzulassen. Nur dass Dallas schon bei dem Gedanken rastlos wurde, das ganze Jahr in diesen beiden Tälern zu verbringen.
„Es geht nicht immer nur um Dad.“
„Wann geht es denn bitte nicht um ihn?“
Austin sah ihn von der Seite an. „Du musst echt dringend an deiner Einstellung arbeiten.“
„Ich muss vor allem …“ Dallas unterbrach sich. Er wollte vor allem, dass seine Schulter heilte, damit er wieder an Wettkämpfen teilnehmen konnte. Und selbst, wenn Rodeo nicht mehr infrage kam, wollte er doch irgendetwas anderes machen. Etwas Neues, etwas, das nicht … hier war, wo ihn Erinnerungen heimsuchten und er das Gefühl bekam, in die Vergangenheit zu reisen.
Ein schriller Pfiff ertönte, und beide Pferde hoben die Köpfe, die Ohren gespitzt. Oben auf dem Hügel wedelte Hardy Rawlings mit seinem Hut, ehe er in ihre Richtung galoppierte.
Austin brachte Pepper zum Traben, um dem langjährigen Rancharbeiter entgegenzureiten. Dallas hob automatisch die Fersen an, um bei Jayden das Gleiche zu tun, doch er hielt sich gerade noch rechtzeitig davon ab.
„Der Wind hat den Zaun zur Golden Ridge teilweise umgeweht“, rief Hardy, als er näher kam. Er brachte sein Pferd vor Austin zum Stehen, der Wallach tänzelte auf der Stelle. „Entlang der Weide unterhalb von Signal Peak.“
Austin ließ Pepper einen engen Kreis laufen, damit die Unruhe sich nicht auf ihn übertrug. „Wie schlimm ist es?“
„Schlimm genug. Ein Teil der Herde ist ausgebüxt und hat sich entlang des Bachs verteilt, bis hoch nach Woody Springs.“
„Na toll.“ Der Sommer war bisher furchtbar trocken; Wassermangel konnte den Tieren schnell zur Gefahr werden.
„Willis ist bereits unterwegs, um noch mehr Helfer zu holen“, sagte Hardy und warf Dallas einen Blick zu, als dieser sich endlich zu ihnen gesellte.
„Ich begleite dich.“ Nun sah Austin ebenfalls zu Dallas. „Kommst du allein klar?“
Dallas runzelte die Stirn. Diesmal konnte er sich die sarkastische Antwort nicht verkneifen. „Wenn du mich gleich zurücklässt wie ein kleines Kind? Sicher doch.“
Austin hob die Augenbrauen. „Heißt das, du willst uns begleiten?“
Das wollte er definitiv. Die Tablette wirkte endlich und schenkte ihm das nötige Selbstbewusstsein. „Ja.“
Hardy sah ihn fragend an.
Kurz herrschte Schweigen, ehe Austin die Schultern zuckte. „Ganz wie du willst.“ Er wendete sein Pferd und ritt neben Hardy in hohem Tempo den Hügel hinauf.
Dallas brachte Jayden zum Traben, und der Schmerz in seiner Schulter verdoppelte sich. Schnell wechselte er in Galopp. Dabei wurde er weniger durchgeschüttelt, sodass die Schmerzen erträglicher waren. Er wusste nur zu gut, dass er später den Preis hierfür zahlen würde. Aber jetzt gerade, in diesem Moment, fühlte sich alles herrlich vertraut an. Was juckte es ihn, wie es ihm heute Abend oder morgen früh gehen würde? Für den Moment war er zurück im Sattel.
Unwirsch zerrte Sierra Armstrong an ihrem Verlobungsring. Ihr Finger war in der feuchten kalifornischen Juli-Hitze furchtbar angeschwollen. Sie stand ihrem Verlobten – falsch, ihrem Ex-Verlobten – gegenüber auf dem Gehweg der Innenstadt von Carmel, direkt vor Opuntia Lifestyles. Nur drei Blocks vom Strand entfernt, hier kamen immer jede Menge Touristen und Anwohner vorbei – und an einem Freitagnachmittag war es natürlich besonders voll.
Sie zog eine Grimasse. „Eventuell muss ich ihn behalten.“
Roger wurde ungeduldig. „Sierra.“
„Lass das.“ Sie zog weiter an dem Ring, auch wenn ihr Finger allmählich wehtat. Wahrscheinlich machte sie es gerade alles nur schlimmer. „Dieser Ring war ein Versprechen. Und du hast dieses Versprechen gebrochen, als du mich betrogen hast.“
„Du weißt ganz genau, dass das keine Absicht war.“
Ihre Wut erreichte ihren Höhepunkt. „Dann war es also ein Versehen? Ups, du bist gestolpert und dabei glatt ins Bett deiner Rezeptionistin gefallen?“
Roger knirschte mit den Zähnen.
Sie war nicht stolz auf ihren Ausbruch. Und auch nicht auf ihren nächsten Gedanken: Wie viel sie wohl für den Diamanten bekäme? Der Stein war nicht besonders groß, aber auch nicht gerade klein.
Seufzend gab sie auf. „Ich krieg ihn nicht ab.“
„Lass mich …“ Roger griff nach ihrer linken Hand.
Sie wich einen Schritt zurück. Er sollte sie...




