Duran | Im Land des Safranmondes | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 378 Seiten

Duran Im Land des Safranmondes

Roman | Liebe und Gefahr im Indien des 19. Jahrhunderts
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-96655-790-0
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman | Liebe und Gefahr im Indien des 19. Jahrhunderts

E-Book, Deutsch, 378 Seiten

ISBN: 978-3-96655-790-0
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Sie scheint alles verloren zu haben - auch ihre Hoffnung auf Glück? Der Exotikroman »Im Land des Safranmondes« von Meredith Duran als eBook bei dotbooks. Indien, 1857. Auf dem Weg zu ihrem Verlobten erleidet die junge Emmaline Schiffbruch und verliert ihre Eltern an die raue See. Und nicht nur das: Ihr Verlobter, für den sie die gefährliche Reise ins schillernde Delhi auf sich nahm, erweist sich als Frauenheld und Mitgiftjäger. Kann das Land des leuchtenden Safrans und des duftenden Sandelholzes noch etwas Gutes für sie bereithalten? Als sie auf einem Ball Julian Sinclair kennenlernt, den Marquess of Holdensmoor, scheint das Glück ihr endlich hold: Julian verliebt sich ebenso heftig in Emmaline, wie sie in ihn. Doch während die beiden noch gemeinsame Pläne schmieden, bricht in Indien der Sepoy-Aufstand aus, in dessen Wirren sie sich verlieren ... Wird es zwischen Emmaline und Julian je ein Wiedersehen geben? Jetzt als eBook kaufen und genießen: Der Indien-Roman »Im Land des Safranmondes« von Meredith Duran voller Gefahr und Sehnsucht ist eine köstliche Mischung aus Liebes- und historischem Roman. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Meredith Duran hatte schon immer ein reges Interesse an englischer Geschichte. Sie hat einen Doktortitel in Anthropologie und begeistert sich besonders für das Schicksal unerschrockener Frauen aus dem 19. Jahrhundert. Ihr Roman »Im Land des Safranmondes« wurde als einer der besten historischen Liebesromane des Jahres ausgezeichnet. Die Website der Autorin: meredithduran.com Von Meredith Duran erscheint bei dotbooks: »Im Land des Safranmondes«
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Kapitel 2


Nachdem Emma sich während der ersten Wochen in Delhi an die unausgesprochene Übereinkunft gehalten hatte, so zu tun, als hätte man England nie verlassen, beschloss sie, das Land besser kennenzulernen. Allerdings fürchtete sich Lady Metcalfe, die Frau des Ministerresidenten und ihre Gastgeberin, vor der einheimischen Kultur und weigerte sich, den Basar zu betreten. »Ich könnte Ihnen doch etwas vorlesen«, hatte sie an diesem Morgen vorgeschlagen. »Ich habe eine neue Ausgabe von ›Des Pilgers Wanderschaft‹ da.«

Aber Emma konnte die Vorstellung nicht ertragen, wieder einen Tag in dem stickigen Haus herumzusitzen. Mama hätte ihr empfohlen, Besuche zu machen oder Lady Metcalfe auf ihrem Spaziergang durch den Maidan-Park und zu den Zusammenkünften ihres Nähkränzchens zu begleiten. Doch beim bloßen Gedanken daran fühlte sich Emma, als würde ihr die Luft abgeschnürt, und ihr wurde flau im Magen. So ging es nun schon seit ihrer Ankunft. Die aufdringliche Besorgnis ihrer neuen Bekannten raubte ihr den Atem, denn sie wusste nicht, was sie auf die Fragen antworten sollte, die aus ihren Blicken sprachen. Außerdem hatte sie zunehmend weniger Lust, es überhaupt zu versuchen. Deshalb hörte sie dem Geplauder nur mit halbem Ohr zu und verlor mitten im Gespräch den Faden, weil sie nicht mehr wusste, was sie hatte sagen wollen.

Marcus nahm sie in Schutz und erzählte seinen Freunden, sie müsse sich noch von der langen Reise, dem Schock und dem Verlust ihrer Eltern erholen. Selbstverständlich war das richtig, erklärte jedoch nicht ihre Ungeduld und Rastlosigkeit. Den Grund für ihre Gefühle bekam sie einfach nicht zu fassen, und ihr fiel auch keine Lösung ein. Natürlich war sie dankbar; es war wirklich ein Wunder, dass sie überlebt hatte. Aber sie konnte deshalb doch nicht den Rest ihres irdischen Daseins damit zubringen, sich über die hiesige Laienspielgruppe oder die Pferderennen der letzten Saison zu unterhalten.

Deshalb hatte Emma Lady Metcalfes Angebot höflich abgelehnt und zum Entsetzen ihrer Gastgeberin ihre Ayah, eine Hindufrau namens Usha, gebeten, sie ins Eingeborenenviertel zu begleiten. Als die Straßen in Chandni Chowk zu eng für die Kutsche wurden, erbot sich Usha, sie zu Fuß zu führen. Und so schlängelten sie sich nun durch das Menschengewühl auf der Straße, wobei Emma darauf achten musste, nicht auf Kuhdung oder die Tonscherben zerbrochener Teetassen zu treten. Rechts erhob sich ein Tempel aus weißem Marmor, in dem die Betenden dröhnende, an der Decke baumelnde Glocken läuteten. Rechts hasteten einige Frauen in bunten Saris im Gänsemarsch vorbei. Ihre schlanken braunen Arme stützten die Säcke auf ihren Köpfen. Armreifen und Fußkettchen mit Glöckchen daran funkelten in der Sonne.

Noch nie im Leben hatte Emma eine quirligere und buntere Szene gesehen. Die Aquarellfarben, die sie in Bombay gekauft hatte, hätten nicht gereicht, um sie auch nur annähernd einzufangen. Dazu hätte es üppiger, greller Ölfarben bedurft. Mit etwas Glück hatte ihre Cousine in London die bestellten Farben bereits abgeschickt. Ansonsten würde sie versuchen müssen, die bunten Farben aufzutreiben, wie man sie zum Bemalen der hübschen Schilder an den Hauswänden benutzte, zum Beispiel jenes über dem Laden, der Gefäße aus Messing im Angebot hatte. Es stellte einen Gott mit blauer Haut dar, der die Passanten mit seinen vielen Armen heranwinkte.

Emma seufzte auf. Marcus würde einen Wutanfall bekommen, wenn sie sich einheimische Farben beschaffte. Er stand ihrem »kleinen Steckenpferd« ohnehin ablehnend gegenüber. »Du zeichnest ausgesprochen unpassende Dinge«, hatte er am Vortag angemerkt, nachdem er ihr Skizzenbuch durchgeblättert und anschließend achtlos weggelegt hatte. Sie war klug genug gewesen, ihm nicht zu widersprechen. Blumen, ländliche Idylle, Kinder – das waren Themen, die sich für eine Dame schickten. Fakire, Mahouts und andere interessante Modelle waren den Herren vorbehalten, die wahre Kunstwerke, nicht nur schmückendes Beiwerk, schufen.

»Memsahib, stört Sie die Sonne?«

Emma wurde jäh in die Wirklichkeit zurückgeholt. »Nein, Usha, ich fühle mich ausgezeichnet. Es ist nur so …« Als sich hinter Usha etwas bewegte, merkte sie auf. Eine weiße Kuh, einen Kranz aus Ringelblumen um den Hals, trottete vorbei. Es zuckte um Emmas Lippen. Ein prachtvolles Tier und sicherlich von großer Bedeutung, denn es trabte sehr zielstrebig dahin. Sie lachte auf. »Es ist wundervoll, Usha. Wirklich beeindruckend.«

Usha lächelte schüchtern. »Im Gali ist mehr Schatten. Wollen wir hingehen?«

Sie schlängelten sich durch die Passanten, bis sie eine weniger belebte Gasse erreichten, die von der Hauptstraße abzweigte. Hier drängten sich die Häuser – Usha nannte sie »havelis« – dicht aneinander. Die Fenster waren mit Gitterwerk aus rotem Stein versehen, das über die Straße ragte und den Weg in Schatten tauchte. Da dieses Gitterwerk den Blick ins Innere der Häuser versperrte, bemerkte Emma erst nach einiger Zeit, dass hinter dem Fenster, das sie gerade betrachtete, eine Frau stand. Das Gesicht der Frau war mit einem Schleier bedeckt, sodass Emma sie zunächst für einen Vorhang gehalten hatte.

Emma berührte das Dienstmädchen am Handgelenk. »Usha, warum verhüllt die Frau ihr Gesicht?«

Usha schaute hinauf zum Fenster. »Ach, das ist Parda, Memsahib. Die Muselmaninnen und auch die Brahmaninnen, die Frauen und Töchter unserer Priester, verschleiern sich, um zu zeigen, dass sie …« Sie hielt inne und suchte nach dem richtigen Wort. »Um ihre Izzat zu schützen. Ihre Ehre.«

»Sogar im Haus?«

»Überall, wo fremde Männer sie sehen könnten.«

»Und wie sehen sie selbst etwas, wenn sie das Haus verlassen?«

»Die Schleier sind durchsichtig. Außerdem geht eine Frau in Parda nicht oft aus dem Haus.«

Emma nickte langsam und blickte noch einmal zur Frau im Fenster hinüber. Beobachtete sie sie ebenfalls? War sie neugierig, wer sie waren und wohin sie wollten?

Emma hätte ihr antworten können, dass es keine Rolle spielte. Ganz gleich, ob Inderin oder Britin, so viele Frauen waren zur Zeit ans Haus gefesselt. Einigen schien es zu gefallen, dort herumzusitzen und zum fünfzigsten Mal »Des Pilgers Wanderschaft« zu lesen. »Wie halten sie das aus?«

»Sie wollen ihren Familien eben keine Schande machen, Memsahib.«

Ja, natürlich. Wie gut erinnerte sie sich an Marcus’ gequälten Gesichtsausdruck, als ihm klar geworden war, wie sie Bombay erreicht hatte. Als ob der Tatsache, dass sie ihr Leben der Besatzung eines Frachters verdankte, ihre wundersame Rettung entwertete. Offenbar hing die Ehre einer Frau hier mehr von der Meinung irgendwelcher Hohlköpfe ab als von ihren eigenen Grundsätzen. »Das ist uns gegenüber ziemlich ungerecht, findest du nicht?«

»Uns?« Usha musterte sie prüfend. »Aber Memsahib kann doch kommen und gehen, wie sie möchte, oder?«

Emmaline wollte ihr gerade eine scherzhafte Antwort geben, als ein heftiger Schlag ihren Rücken traf, sodass sie gegen eine Hauswand taumelte. Sie drehte sich um und stellte fest, dass ein gedrungener, rotgesichtiger Mann in Armeeuniform ihren Arm umklammert hielt.

»Hallo, Missus«, sagte der Angreifer in starkem Herfordshire-Akzent. »Ein hübscher Tag für einen Spaziergang, richtig?«

»Lassen Sie mich los!« Sie versuchte, sich zu befreien. Als er lachte, stieg ihr sein stinkender Atem in die Nase.

»Was macht eine nette Memsahib wie Sie denn ganz allein im Basar?«, fragte er, ohne sich darum zu kümmern, dass sie sich bemühte, ihm ihre behandschuhte Hand zu entreißen.

»Ich bin nicht allein, sondern in Begleitung meines Dienstmädchens!«

»Die da?« Er sah Usha an, die zu Emmas Entsetzen vom Kumpanen des Mannes festgehalten wurde. »Eine Eingeborene ist doch keine richtige Anstandsdame.«

»Und Sie sind kein richtiger Gentleman«, zischte sie. »Eine Dame zu überfallen!«

»Ich habe Sie doch noch gar nicht überfallen«, höhnte er. Mit der freien Hand fuhr er unter ihre Haube, packte die Haarnadel in ihrem Dutt und zerrte ihr den Kopf nach hinten. »Ist aber keine schlechte Idee. Denn eine wirkliche Dame würde nicht wie Sie alleine auf die Straße gehen, sich mit den Eingeborenen herumtreiben und ihnen Flausen in den Kopf setzen.«

»Genau das hat sie getan«, stimmte der andere mit abscheulich schriller Stimme zu. »Sie wiegelt die Schwarzen zum Aufstand auf, indem sie vor ihnen herumspaziert, als ob sie eine von ihnen wäre.«

»Weißt du, Harry, ich habe gehört, eine neue Schiffsladung Flittchen für die Offiziersmesse sei eingetroffen. Vielleicht ist sie ja eine von denen.« Er presste die Hüften an sie und zerdrückte ihr den Reifrock. Als sie sich wegdrehte, biss er sie in die zarte Haut am Hals.

»Du Schwein!« Sie holte mit dem Arm aus und rammte ihm den Ellbogen ins Gesicht. Mit einem Aufschrei schleuderte er sie zur Seite, sodass sie auf den Unterarmen landete und ihr die Haube vom Kopf fiel. Benommen rang sie nach Luft. Steh auf, steh auf! Stöhnend stützte sie sich hoch.

»Jetzt beschimpft mich die Schlampe auch noch! Harry, der werde ich eine Lektion erteilen!«

Hinter Emma ertönte ein metallisches Klicken. Der Angreifer erstarrte. »Verdammt«, murmelte er und wich einen Schritt zurück.

»Keine Bewegung«, befahl eine ruhige Stimme. »Zumindest nicht, wenn Ihnen Ihr Leben lieb ist.«

Emma erkannte den kultivierten Akzent sofort. Sie atmete tief durch und rappelte sich auf. Ihre Ellbogen fühlten sich an wie verbrannt. Sie raffte die Röcke, stülpte sich die Haube auf den Kopf, hievte sich auf die Füße und versetzte dem Dreckskerl, der sie festgehalten hatte, aus Rache noch einen kräftigen Schubs. Der...



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