E-Book, Deutsch, 334 Seiten
Durbridge Paul Temple und der Fall Max Lorraine
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-95988-215-6
Verlag: PIDAX
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, 334 Seiten
ISBN: 978-3-95988-215-6
Verlag: PIDAX
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Die Midlands im Jahr 1938: Eine unheimliche Serie von Juwelenrauben hält die Region in Atem. Die skrupellose Bande schreckt auch vor Mord nicht zurück. Die Polizei tappt im Dunkeln und die Presse fordert, endlich den bekannten Schriftsteller und Detektiv Paul Temple einzuschalten. Sir Graham Forbes von Scotland Yard will aber nichts davon hören. Doch dann wird der Chefermittler Superintendent Gerald Harvey in einem alten Gasthof erschossen. Seine Schwester Louise, die unter dem Reporternamen Steve Trent arbeitet, bittet Paul Temple daraufhin um Hilfe. Temple schaltet sich in den Fall ein und findet heraus, dass er es mit einer gefährlichen Verbrecherorganisation zu tun hat, deren Kopf ein Mann namens Max Lorraine zu sein scheint und der überall nur als 'Der Diamantenfürst' bekannt ist. Wer von den zahlreichen Verdächtigen ist der große Unbekannte? Gefährliche Ermittlungen für Paul Temple, bei denen er mehr als einmal nur mit Glück dem Tode ein Schnippchen schlagen kann ... Mehr als 83 Jahre nach seiner Veröffentlichung im Juni 1938 erscheint hiermit erstmals eine deutsche Fassung des allerersten Romans von Francis Durbridge. Der durch zahlreiche Hörspiele, Romane, Kurzgeschichten, Comics, Filme, TV-Serienfolgen und ein Theaterstück bekannte schreibende Detektiv Paul Temple löst hier seinen ersten Fall und begegnet auch seiner späteren Frau Steve auf schicksalhafte Art und Weise. Die Geschichte ist geprägt von Durbridges Leidenschaft für Edgar Wallace, dessen Einfluss hier wie in keinem späteren Werk zu spüren ist. Unterirdische Geheimgänge, Falltüren, Wandverkleidungen, Verbrecherorganisationen mit großen Unbekannten und Südafrikabezüge sind hier nämlich en masse vorhanden. Das Buch beinhaltet ein interessantes Vorwort von Nicholas Durbridge mit vielen neuen unbekannten Details aus dem Leben und Werk seines Vaters sowie umfassende Vor- und Nachbemerkungen des Übersetzers und Durbridge-Experten Dr. Georg Pagitz, die u. a. auch auf die Wallacebezüge und die zahlreichen multimedialen Auswertungen eingehen.
Francis Henry Durbridge (25.11.1912-11.04.1998) gilt als einer der erfolgreichsten Kriminalautoren des 20. Jahrhunderts. Der Durchbruch gelang dem glühenden Bewunderer von Edgar Wallace im Alter von nur 25 Jahren mit einem mehrteiligen Hörspiel, das den Amateurdetektiv Paul Temple zum Protagonisten hatte. Durch seine geschickten Wendungen und Cliffhanger am Ende jeder Episode bannte Durbridge die Zuhörerinnen und Zuhörer jede Woche neu vor die Radiogeräte. 1968 ging die letzte mehrteilige Paul-Temple-Reihe auf Sendung. Die Hörspiele wurden erfolgreich übersetzt und in viele Dutzend Länder verkauft. In Deutschland gelangten sie mit der Stimme von René Deltgen zum Kult. Nach Etablierung des Fernsehens in Großbritannien war Durbridge ab 1952 derjenige Autor, der das Potenzial von serieller Erzählweise erkannte. In Deutschland, wo er mit Reißern wie Das Halstuch, Melissa, Tim Frazer oder Das Messer besonders populär war, wurde durch und für ihn der Begriff »Straßenfeger« geprägt. Er erreichte Einschaltquoten von bis zu 93 Prozent. In den 1970ern wandte sich Durbridge mehr und mehr dem Theater zu und wurde zu einem erfolgreichen Dramatiker. Wie bei all seinen anderen Werken agierte er auch hier nach seinem Leitmotiv »Jeder lügt - nichts ist, wie es scheint«. Durbridge hinterlässt ein großes OEuvre, darunter 21 Paul-Temple-Hörspiele, 39 Romane, 20 mehrteilige Fernsehspiele und 12 Theaterstücke.
Weitere Infos & Material
Einleitung von Dr. Georg Pagitz
Mehr als 83 Jahre nach seiner Veröffentlichung im Juni 1938 im John-Long-Verlag erscheint hiermit erstmals eine deutsche Fassung des allerersten Romans von Francis Durbridge. Der durch zahlreiche Hörspiele, Romane, Kurzgeschichten, Comics, Filme, TV-Serienfolgen und ein Theaterstück bekannte schreibende Detektiv Paul Temple löst hier seinen ersten Fall und begegnet auch seiner späteren Frau Steve auf schicksalhafte Art und Weise. Bei Timothy! – Übersetzungsprobleme
Die Lücke des fehlenden ersten Falls klaffte über viele Jahrzehnte hinweg und ich hegte den Wunsch, diese zu schließen, schon über viele Jahre. Davon abgehalten hatte mich stets ein Detail, das mir selbst während der Übersetzung noch großes Kopfzerbrechen bereitete. Francis Durbridge nennt den großen Unbekannten, der sich hinter dem Namen Max Lorraine verbirgt, im englischen Original ›Knave of Diamonds‹. Wie ich hier noch ausführen werde, ist das nur eine von vielen Anspielungen auf sein großes Vorbild Edgar Wallace. Die Schwierigkeit bestand darin, für ›Knave of Diamonds‹ im Deutschen eine adäquate Übersetzung zu finden, denn im Englischen ist dieser Ausdruck doppeldeutig. Den Ausdruck 1:1 ohne Verlust zu übertragen war daher nicht möglich. So bezeichnet ›Knave of Diamonds‹ im Englischen einerseits eine Spielkarte, nämlich den Karobuben, andererseits hat ›Knave‹ im älteren Englisch aber auch die Bedeutung ›Schuft‹, ›Halunke‹ oder ›Schurke‹. In Verbindung mit dem Wort ›Diamonds‹ (also ›Diamanten‹) bedeutet der Ausdruck daher auch in etwa ›Diamantenschuft‹. Angesichts der Tatsache, dass der große Unbekannte in dem Roman große Diamantenraubzüge organisiert und ein Krimineller ist, ist diese Bezeichnung natürlich ein wunderbares Wortspiel, zumal im Roman auch einmal eine Spielkarte eine Rolle spielt, die ausgerechnet ein Karobube ist. Für die deutsche Übersetzung war es also notwendig, ein ähnliches Bild zu finden. Nun klingt ›Diamantenschuft‹ oder ›Diamantenhalunke‹ kaum furchteinflößend, dabei ist Max Lorraine doch ein besonders gefährlicher Verbrecher. ›Diamantenhalunke‹ hätte sich wohl eher wie der Bösewicht aus einem Kasperletheater angehört. Ich habe daher lange über einen adäquaten Ausdruck für ›Knave‹ nachgedacht und ihn in ›Fürst‹ schließlich gefunden. Meine Wahl fiel aus mehreren Gründen darauf: einerseits spiegelt sich darin die (adelige) Hierarchie wieder, die durch den Buben im Kartenspiel suggeriert wird (der Bube steht unter dem König), andererseits ist der Begriff ›Fürst‹ im Deutschen nicht ausschließlich positiv besetzt. In der Geschichte gab es zahllose Herren dieses Ranges, die prunksüchtig und verschwenderisch und sogar kriminell waren. Von daher schien mir dieser Ausdruck am besten geeignet, auch weil Durbridge im Original oft nur von ›The Knave‹ spricht, und in der deutschen Übersetzung dann auch einfach der Ausdruck ›der Fürst‹ zu verwenden war. Nicht nur diesbezüglich hatte ich stets die italienische Redewendung traduttore traditore (etwa »Der Übersetzer ist ein Verräter«) im Hinterkopf, denn häufig ist es einfach nicht möglich, Wörter und Wendungen von einer Sprache in eine andere zu übertragen, ohne dabei etwas zu verlieren. Da die wörtliche Übersetzung aber oft auch die schlechteste ist, musste ich manchmal zugunsten des Wohlklangs im Deutschen einen Kompromiss eingehen. Abschließend hierzu möchte ich noch bemerken, dass der Roman im Jahr 1938 geschrieben, die Übersetzung aber im Jahr 2021 angefertigt wurde. Ich habe mich deshalb explizit darum bemüht, die Sprache dem Entstehungsjahr anzugleichen und manchmal bewusst altmodischere Ausdrücke und Wendungen gebraucht. Natürlich würde man heutzutage den leitenden Beamten von Scotland Yard, den Chiefcommissioner, nicht mehr übersetzen. Im Jahre 1938 hätte man daraus aber sicherlich, so wie ich hier, den Chefkommissar gemacht. Ebenfalls hätte man den C. I. D. einfach C. I. D. seien lassen und daraus nicht die Kriminalpolizei gemacht. Bei manchen zu altmodischen Ausdrücken habe ich mich nach langem Abwiegen dennoch für die englische Variante entschieden (etwa bei ›Constable‹ statt ›Konstabler‹). Andererseits sind Wendungen mit Dativ-e wie in ›im Werte‹ (statt ›im Wert‹), der Genitivus Partitivus wie in ›ein Glas guten Brandys‹ (statt ›ein Glas mit gutem Brandy‹) oder Ausdrücke wie ›ob dieser Frage‹ ganz bewusst gewählt, um die Sprache wie aus dem Jahr 1938 erscheinen zu lassen. Auch Längenangaben und Maßeinheiten wurden von mir konsequent angepasst, so etwa Inch auf Meter umgerechnet und vor allem heute so unverständliche Ausdrücke wie Acren durch die entsprechenden Quadratmeter ersetzt. Schließlich noch eine Bemerkung zur Übersetzung eines Ausdrucks, die eingefleischte deutschsprachige Temple-Hörspielfans vielleicht etwas verwundern wird. Es handelt sich dabei um Temples Ausruf ›Bei Timothy!‹ (im Original ›By Timothy!‹). In sämtlichen deutschen Hörspielproduktionen wurde daraus »Bei Morpheus!‹. Es kann wohl nur so sein, dass man damals aus Timothy Morpheus machte, weil dieser leichter zu sprechen war. Immerhin enthält Timothy den englischen th-Laut, der damals von den meisten Sprechern wohl nicht korrekt ausgesprochen worden wäre. Timothy hätte in den 1950ern und 1960ern auf Deutsch wohl so ähnlich wie ›Timosy‹ geklungen. Ich habe mich bewusst dazu entschieden, diese Änderung nicht weiter zu kopieren, sondern wie bereits in meiner 2018 bei Pidax erschienenen Übersetzung der Temple-Kurzgeschichten den Originalnamen Timothy zu verwenden. Dies auch deshalb, weil – und dies ist wohl ein bisher unbekanntes Detail – am Ende des fünften Paul-Temple-Falls Steve schwanger ist. Im sechsten Fall erfahren wir, dass die Temples einen Sohn haben und im Fall Curzon (allerdings nur im Manuskript zur englischen Fassung, in der deutschen wurde diese Passage eliminiert) wird dem Publikum auch der Name des Sprösslings nähergebracht: wenig überraschend heißt Paul und Steves Sohn Timothy Temple! Er tritt danach nie wieder in Erscheinung, wohl aus offensichtlichen Gründen: die Temples sind nie zu Hause und keine Eltern der Welt würden ihr Kind ständig allein lassen und sich permanent den wildesten Gefahren aussetzen. Der Co-Autor
Francis Durbridge war 25 Jahre alt, als er mit dem Hörspiel Send for Paul Temple einen riesigen Erfolg landete. Bereits wenige Tage nach der letzten Folge, die am 27. Mai 1938 ausgestrahlt wurde, erschien der vorliegende Roman. Durbridges Stärke waren die Konstruktion komplexer Handlungen, das Erfinden von packenden Cliffhangern und Wendungen und ein außerordentliches Gespür für Dialog. Er war jedoch kein beschreibender Erzähler. Deshalb (und wohl auch, weil das Buch knapp nach Ausstrahlung des Hörspiels erscheinen sollte) half ihm John Thewes dabei, das Hörspielmanuskript in einen Roman zu verwandeln. Wer das Skript neben den Roman legt, wird sehen, dass die dialogischen Teile beinahe 1:1 identisch sind. Der Roman enthält zusätzlich zahlreiche, seitenlange Beschreibungen, in denen der Leserschaft viele andere Details über Paul Temple nähergebracht werden oder die einfach Szenen und Geschehnisse näher illustrieren. Diese wurden von John Thewes auf Basis von Durbridges Ideen verfasst. Der Unterschied zwischen den von Thewes auf sehr hohem sprachlichen Niveau verfassten beschreibenden Teile und den von Durbridge stammenden dialogischen Parts sind im Original frappant. Ansonsten folgt der Roman dem Hörspiel Szene für Szene und auch die Cliffhanger sind wie im Original. In den Nachbemerkungen wird erklärt, welche Kapitel welchen Folgen des Hörspiels entsprechen. In der im Juni 1938 erschienen Erstauflage des Romans, in dem auch die Besetzung der Hörspielrollen aufgeführt ist, dankt Francis Durbridge John Thewes explizit für dessen Unterstützung bei der Umwandlung des Radioskripts in einen Roman. Edgar Wallace lässt grüßen
Wie bereits von Nicholas Durbridge in seinem Vorwort erwähnt, war der englische Kriminalschriftsteller Edgar Wallace, der hierzulande vor allem durch die langlebige Kinofilmserie zu Ruhm gelangt ist, ein großes Vorbild von Francis Durbridge. Wie kein späteres Werk ist die Geschichte von Paul Temple und der Fall Max Lorraine ganz besonders stark vom wallace’schen Geist geprägt. Viele der Zutaten, die auch der 1932 verstorbene Erfinder des Hexers verwendet hatte, finden sich in diesem allerersten Durbridge-Krimi wieder. Obwohl in den kommenden Zeilen natürlich keine Täter oder sonstigen handlungsentscheidenden Dinge verraten werden, möchte ich sicherheitshalber all diejenigen, die unvoreingenommen in den Roman gehen wollen, darauf hinweisen, nicht weiterzulesen. Die typischen Wallace-Zutaten in Paul Temple und der Fall Max Lorraine sind (in Klammer stets beispielhaft entsprechende Romane von Edgar Wallace, in denen dies auch vorkommt): – ein unterirdischer Geheim- bzw. Verbindungsgang (vgl. etwa Der grüne Bogenschütze (The Green Archer), John Flack (Terror Keep), Der schwarze Abt (The Black Abbot)) – der Einsatz von Brieftauben (Der grüne Brand (The Green Ribbon)) – eine Wandverkleidung, hinter der sich ein geheimer Raum/ein Versteck befindet (Der Banknotenfälscher (The Forger), Die Tür mit den sieben Schlössern (The Door with Seven Locks), Der leuchtende Schlüssel (The Clue of the Silver Key)) – eine Falltür (Der Rächer (The Avenger), Das Gasthaus an der Themse (The...




