Dyster | Nightmare | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 408 Seiten

Reihe: Nightmare

Dyster Nightmare

Fürchte mich
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7568-6788-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Fürchte mich

E-Book, Deutsch, Band 1, 408 Seiten

Reihe: Nightmare

ISBN: 978-3-7568-6788-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Als die 21-jährige Nea erwacht, befindet sie sich in einem fensterlosen Raum, eingesperrt hinter einer massiven Stahltür. Sie weiß weder, wo sie ist, noch hat sie Erinnerungen an ihre Entführung, doch sie muss voller Angst feststellen, dass es für sie kein Entkommen gibt. Die Männer, die sie gefangen halten, sind unheimlich und sonderbar, vor allem ihr Anführer Sixten. Er ist auf eine wilde Art attraktiv, doch auch düster und beängstigend und verfügt über seltsame Fähigkeiten, die Nea gleichermaßen erschrecken und faszinieren. Je mehr sie über seine Identität herausfindet, desto mehr gerät sie in Gefahr und wird schließlich zur Gejagten in einer Welt der Albträume und Schatten, wo nicht nur eine unsterbliche Liebe auf sie wartet, sondern auch eine finstere Wahrheit. Ein düsterer Romantasy Roman voller Geheimnisse und verbotener Sehnsüchte.

Die Autorin S. M. Dyster lebt in der Nähe von Hannover und ist promovierte Biologin. Sie schreibt bereits seit ihrer Kindheit Romane und Kurzgeschichten und kann dabei am besten entspannen.
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Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Ein Tag zuvor, als die Welt noch fast
in Ordnung war


Samuel Jack – Feels Like Summer

Die Sonne scheint von einem tiefblauen, wolkenlosen Himmel herab. Ihre Hitze lässt die dunklen Terrassenfliesen glühen, sodass man nicht mehr barfuß darüber laufen kann, ohne sich die Fußsohlen zu verbrennen. Ein leichter Wind streicht über meine nackte Haut und bringt Düfte von Blumen und den Geruch des Meeres mit sich. Es ist so sehr Sommer, dass die Wärme und das Licht in jede Zelle meines Körpers zu dringen scheinen, um dort hormonelle Jubelstürme auszulösen, die mich fast über meine miese Laune hinwegtäuschen könnten. Ich liege entspannt am Pool, nur mit einem Bikini bekleidet, aber selbstverständlich unter einem großen Sonnenschirm und dick mit Sonnencreme eingeschmiert. Mit meinen weißblonden Haaren, der blassen Haut und den Sommersprossen kann ich leider keine direkte Sonneneinstrahlung riskieren, da ich sonst sofort verglühe wie ein Meteorit beim Eintritt in die Erdatmosphäre. Meine Freundin Lina sagt gerne, dass sie für mein Aussehen töten würde, denn sie findet, dass meine Haare beim richtigen Lichteinfall leuchten wie flüssiges Silber. Ich denke, sie übertreibt maßlos, weil sie einfach ein netter Mensch ist und mir ein gutes Gefühl geben will, aber ich kann mir kaum vorstellen, dass sie tatsächlich gern mit mir tauschen würde. Also, meine superempfindliche helle Haut kann sie gerne geschenkt haben, denn mein Schicksal ist es, für immer wie ein blasser Käse auszusehen. Wenn man mich auf Klassenfotos mit meinen braun gebrannten, langbeinigen Freundinnen vergleicht, die alle aussehen wie Malibu Barbie, wirke ich dagegen wie ein kränklicher kleiner Junge. Mittlerweile lasse ich mein Haar lang wachsen, und seit ich festgestellt habe, dass Brüste enorm helfen, wenn man weiblicher aussehen möchte, sind Pushup-BHs meine besten Freunde.

Ich blicke auf das glitzernde Wasser des Pools und überlege, ob ich eine Runde schwimmen soll, entscheide mich aber dagegen. Eigentlich möchte ich nur hier herumliegen und mit meinem Leben hadern. Mein Handy habe ich extra im Haus gelassen, weil ich dann nicht ständig die nervigen Nachrichten in den diversen Gruppenchats meiner ehemaligen Klasse lesen muss. Alle sind in Aufbruchstimmung in diesem Sommer, im Fünf-Minuten-Takt kommen Infos rein, wo wer in ein paar Monaten hingeht, an welcher Uni jemand angenommen wurde, dass XY sich einen VW-Bus gekauft hat und damit nun erst mal ein Jahr lang um die Welt gondelt. Alle fliegen raus aus dem Nest und rein ins echte Leben. Alle bis auf mich. Bis jetzt jedenfalls.

Ich habe im Juni mein Abitur gemacht und will im Herbst anfangen zu studieren, und zwar in Berlin, weit weg von zu Hause. Ich will Abenteuer erleben und endlich mein eigenes Leben führen: in einer eigenen Wohnung, mit Studentenpartys und Freunden und vielleicht sogar der ersten Liebe. Davon müsste ich nur noch meinen Vater überzeugen, der all meine Pläne bis jetzt vehement ablehnt. Heute ist Sonntag, daher hätte er eigentlich zu Hause sein müssen, und ich wollte noch einmal in Ruhe mit ihm darüber reden, doch natürlich ist er mal wieder nicht da. Er musste für irgendeine wichtige Sache noch einmal ins Büro, und das heißt so viel wie: Niemand weiß, wann er wieder zurückkommt, das könnte heute sein oder auch erst in zwei Wochen. Bei meinem Vater weiß man das nie. Deshalb bin ich schon den ganzen Tag mies drauf und frustriert über mein Leben, denn die Anmeldefrist für meinen Traumstudiengang läuft in wenigen Tagen ab. Es ist zwar nicht so, dass es für mich eine neue Erfahrung wäre, wegen der Arbeit meines Vaters auf etwas verzichten zu müssen, das ist sozusagen mein Alltag. Aber dennoch ist es diesmal schlimmer als sonst. Ich meine, hier geht es schließlich wirklich um etwas Wichtiges, das ist immerhin mein Leben, und ich will endlich die Kontrolle darüber haben. Schließlich habe ich schon genug verpasst. Wegen der ständigen Schulwechsel bin ich zwei Jahre älter als alle anderen in meinem Abschlussjahrgang und habe trotzdem nicht halb so viel erlebt, wie meine ehemaligen Mitschüler.

Mein Vater, Karl van den Berg, ist so eine Art Diplomat, ich weiß nicht, was er eigentlich genau macht, aber wir sind sehr oft umgezogen. Ich habe schon fast überall auf der Welt gelebt, aber so gut wie nichts von all den Ländern und Städten gesehen, weil ich stets die meiste Zeit in dem jeweiligen sicheren Haus verbringe, das mein Vater für unseren Aufenthalt eingerichtet hat. Ich hocke hinter Mauern und Stacheldraht, werde in schwarzen Limousinen zur Schule gefahren und vor meinem Klassenraum steht die ganze Zeit ein Bodyguard. Der ist übrigens auch immer dabei, wenn ich mich nachmittags mal mit Freunden treffe, was selten genug vorkommt, denn wenn man gesichert ist wie die Kronjuwelen der Queen, ist es schwer, überhaupt Freunde zu finden. Ich hasse mein Leben im goldenen Käfig, aber mein Vater besteht darauf. Allerdings ist er auch viel zu selten da, um überhaupt mitzubekommen, wie es mir geht. Seiner Meinung nach ist all das notwendig, weil ich seine Schwachstelle bin. Er nennt mich gerne seine Achillesferse, ist das nicht schmeichelhaft? Er berät Politiker auf der ganzen Welt und ist nach eigener Aussage eine sehr wichtige Persönlichkeit, weshalb er sich und seine Familie permanent schützen muss. Mir drohen Anschläge und sogar der Tod, davon ist er jedenfalls überzeugt, aber was mir tatsächlich am allermeisten droht, ist, hilflos dabei zusehen zu müssen, wie mir mein Leben zwischen den Fingern zerrinnt, ohne dass ich irgendetwas davon gehabt habe. Und das versteht er einfach nicht. Ich glaube, es ist ihm auch ziemlich gleichgültig, denn er ist nicht die liebevolle Art von Vater, jedenfalls nicht, soweit ich mich erinnern kann. Ich bin ihm nur wichtig, weil ich ein Teil seines Besitzes bin, und den schützt er, koste es, was es wolle.

Aber was meine Pläne für das Studium angeht, werde ich nicht klein beigeben. Ich muss einfach hier raus. Mein Vater ist der Meinung, ein Fernstudium würde vollkommen ausreichen, aber das tut es nicht. Er kann mich nicht bis in alle Ewigkeit beschützen und einsperren. Ich bin gerade einundzwanzig geworden, und habe bisher noch nicht einmal einen Freund gehabt. Was ja auch kein Wunder ist. Welcher Junge würde sich an ein Mädchen heranwagen, an dessen Seite permanent zwei bis unter die Zähne bewaffnete Typen so groß wie Kühlschränke stehen? Und ich meine nicht die kleine Studentenbuden-Ausführung von Kühlschränken, sondern die große, protzige mit Doppeltüren, Gefrierfach und Eiswürfelbereiter.

Über meine Sonnenbrille hinweg werfe ich einen Blick auf Christian und Kurt, meine beiden heutigen Beschützer, die in voller Bodyguard-Montur und kugelsicheren Westen links und rechts neben meiner Poolliege aufmarschiert sind und bei 32 Grad seit einer Stunde in der prallen Sonne schwitzen. Ich habe Mitleid mit ihnen und beschließe, nach drinnen zu gehen. Seufzend schnappe ich mir ein Handtuch, wickele es um meinen schlanken Körper, schlüpfe in meine Sneakers und steige auf mein grünes Skateboard, das ich im Garten des Hauses fast immer bei mir habe. Wenigstens eine kleine Runde will ich damit noch drehen, bevor ich der Hitze des Gartens für heute entfliehe. Ich hole kräftig Schwung mit dem rechten Fuß, und schon sause ich um den langen Pool herum. Der Fahrtwind kühlt meine heiße Stirn, und wie immer schafft es das Skaten, mir trotz meiner schlechten Laune ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Ich drehe eine Runde auf dem ordentlich betonierten Gartenweg, der eine exzellente Rennstrecke abgibt, komme dabei an den Hundezwingern vorbei, in denen ein halbes Dutzend Malinois mich wütend anbellen, obwohl sie mich eigentlich langsam kennen sollten. Sie gehören ebenfalls zu den Schutzmaßnahmen meines Vaters und sind beim besten Willen keine Kuscheltiere. Ich nehme ordentlich Schwung und gleite schnell und elegant weg von ihrem nervigen Gekläffe. Das Geräusch der sich drehenden Rollen auf dem Pflaster ist Musik in meinen Ohren, darum gehe ich in die Knie und gebe noch etwas mehr Gas. Ich zische an der zwei Meter hohen Mauer entlang, die das ganze Grundstück umgibt, ganz oben glänzen die in den Beton eingelassenen Metallspitzen martialisch in der Sonne. Heute verzichte ich, wegen der Hitze und weil ich nur einen Bikini und ein Handtuch trage, ausnahmsweise darauf, meiner selbstgebauten Halfpipe im hinteren Teil des Gartens einen Besuch abzustatten, drehe stattdessen noch zwei Runden um den Pool und sause dann zum Gartenhaus, wo ich abspringe und das Skateboard mit einem gekonnten Flip in meine Hand fliegen lasse. Ich verstaue es auf einem kleinen Regal, versteckt hinter dem Aufsitzrasenmäher und der Gartensprenganlage, denn Pa hasst das Skateboard und will es nicht im Haus haben. Es war ein Geschenk von Willi, einem Wachmann, der mittlerweile nicht mehr für Pa arbeitet. Er hat mir auch geholfen, die Halfpipe zu bauen, und mir meine ersten Tricks gezeigt. Seitdem habe ich viel geübt und bin immer besser geworden. Beim Skaten habe ich das Gefühl, ich könnte meinen ganzen Problemen einfach davonsausen. Zum Glück ist das Grundstück so riesig...



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