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E-Book, Deutsch, Band 30, 1000 Seiten

Reihe: Sophienlust

E-Book 301-310

Sophienlust Staffel 30 - Familienroman
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-98757-410-8
Verlag: Blattwerk Handel GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Sophienlust Staffel 30 - Familienroman

E-Book, Deutsch, Band 30, 1000 Seiten

Reihe: Sophienlust

ISBN: 978-3-98757-410-8
Verlag: Blattwerk Handel GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die Idee der sympathischen, lebensklugen Denise von Schoenecker sucht ihresgleichen. Sophienlust wurde gegründet, das Kinderheim der glücklichen Waisenkinder. Denise formt mit glücklicher Hand aus Sophienlust einen fast paradiesischen Ort der Idylle, aber immer wieder wird diese Heimat schenkende Einrichtung auf eine Zerreißprobe gestellt. Diese beliebte Romanserie der großartigen Schriftstellerin Patricia Vandenberg überzeugt durch ihr klares Konzept und seine beiden Identifikationsfiguren. E-Book 1: Spät erwachte Mutterliebe E-Book 2: Unerwartetes Wiedersehen E-Book 3: Eine auswegslose Flucht E-Book 4: Dem Vater eine Last E-Book 5: Teddy weiß sich zu helfen E-Book 6: Mutters kleiner Goldschatz E-Book 7: Nur Simon überlebte E-Book 8: Unerwünscht und doch geliebt E-Book 9: Verwaist zu sein ist bitter E-Book 10: Komm bald wieder, Papi!

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Vorsichtig schloß Melanie Bingel die Tür des Wohnzimmers hinter sich. Sie wollte ihren Mann nicht stören.

Thilo Bingel hatte ihr Weggehen jedoch bemerkt. Sein Gesang brach ab, und schon ertönte sein Ruf: »Melanie!«

Melanie seufzte.

»Melanie! Wohin gehst du?« Die Stimme des Sängers klang gereizt.

Melanie hielt es deshalb für besser, die Tür wieder zu öffnen. Sanft sagte sie: »Ich wollte nur nach Petra sehen.«

»Ich übe doch.« Anklagend sah Thilo sie an. »Kannst du nicht einmal während dieser Zeit bei mir bleiben?«

Ich bin doch sowieso die ganze Zeit bei dir, wollte Melanie sagen, schluckte es aber hinunter. Ihr Mann übte, und das war wichtig. Sie hatten ja extra auf eine Urlaubsreise verzichtet und dieses kleine Häuschen in der Nähe der Kreisstadt Maibach gemietet, damit Thilo ungestört üben konnte. In vierzehn Tagen hatte er bereits wieder einen Auftritt in Salzburg. Er mußte also üben.

Melanie setzte sich wieder still auf einen Stuhl und faltete die Hände im Schoß.

Zufrieden sah Thilo zu ihr hin. Dann stellte er sich in Positur und fing an zu singen. Voll und rein kamen die Töne aus seinem Mund. Seine Stimme fesselte Melanie noch immer. Sie vergaß ihre Tochter Petra und hörte ihrem Mann zu.

Abrupt brach Thilo nach einiger Zeit ab. »Ich weiß nicht, irgend etwas stimmt mit meiner Stimme nicht. Ich werde mich doch nicht erkältet

haben?« Ängstlich sah er seine Frau an.

Melanie lächelte. Sie wußte, was nun von ihr erwartet wurde. »Ich finde, du hast wunderschön gesungen.«

Sekundenlang lächelte Thilo selbstgefällig, dann meinte er:

»Trotzdem! Ich muß etwas für meinen Hals tun. Kannst du mir nicht ein rohes Ei in ein Glas Milch schlagen? Ich muß vorbeugen. In vierzehn Tagen stehe ich in Salzburg auf der Bühne.«

Melanie erhob sich sofort. »Natürlich. Das wird dir sicher guttun«, stimmte sie ihm zu und ging in die Küche.

Vom Küchenfenster aus sah Melanie ihre neunjährige Tochter. Petra saß auf der Gartenmauer und ließ ihre Füße baumeln. Die Schultern hatte sie vorgeneigt. Sie sah nicht gerade glücklich aus.

Melanie seufzte, aber ihr schlechtes Gewissen konnte sie mit diesem Seufzer nicht wegwischen. Sie wußte, daß sie sich viel zu wenig um ihre Tochter kümmerte. Vielleicht wäre es vernünftiger gewesen, sie hätte Thilos Wunsch entsprochen und Petra während der großen Ferien in ein Ferienlager gegeben. Dort hätte das Kind zumindest Spielgefährten und Unterhaltung gehabt.

Melanie wandte sich vom Fenster ab. Sie füllte ein Glas mit Milch, schlug ein Ei hinein und verquirlte es. In Gedanken war sie dabei noch immer bei Petra, ihrer Tochter aus erster Ehe. Sie hatte gehofft, daß Thilo die Ferien dazu benutzen würde, dem Kind etwas näherzukommen. Doch nichts dergleichen geschah. Thilo hatte nur seinen Gesang und seine Karriere im Kopf. Wenn sie ehrlich war, dann mußte sie sich eingestehen, daß Petra ihm in gewissem Sinne sogar lästig war. Er hatte sie zum Beispiel nach Salzburg, wo er vier Konzerte geben mußte, nicht mitnehmen wollen.

Schwere Sorgenfalten standen auf Melanies Stirn. Sie dachte an ihren ersten heftigen Streit mit Thilo vor Beginn der Ferien. Nun, sie hatte sich durchgesetzt. Petra war nicht ins Ferienlager gekommen und durfte in vierzehn Tagen auch mit nach Salzburg fahren. Hatte sie damit aber richtig gehandelt? Auf alle Fälle war es allein damit nicht getan. Sie mußte sich mehr um das Kind kümmern.

Melanie trug das Glas ins Zimmer, stellte es auf den Tisch und verließ, ohne ein Wort zu sagen, rasch wieder den Raum. Sie eilte hinaus in den Garten.

Petras Miene hellte sich auf, als sie die Mutter kommen sah. Sie sprang von der Mauer. Mit einer Kopfbewegung wies sie hinüber zum Haus und fragte: »Ist er fertig?«

»Ich glaube nicht.«

»Und dann bist du da?« Der altkluge Blick, den Petra ihrer Mutter zuwarf, schmerzte diese.

»Ich wollte nur rasch nach dir sehen«, sagte Melanie und legte ihrer Tochter kameradschaftlich den Arm um die Schultern. »Was treibst du so den ganzen Vormittag?«

Petra schob ihre Unterlippe vor und warf den Kopf zurück, so daß ihr langes braunes Haar nur so flog. »Das siehst du doch! Ich langweile mich.«

»Kannst du nicht irgend etwas unternehmen? Mach einen kleinen Spaziergang«, schlug Melanie vor.

»Allein?» Kopfschüttelnd sah Petra ihre Mutter an. »Das ist doch langweilig.«

»Dann lies etwas. Du hast doch eine Menge Bücher dabei.«

»Das habe ich gestern fast den ganzen Tag getan.« Herausfordernd sah Petra ihre Mutter an.

Melanie dachte nach. »Wie wär’s, wenn du etwas bauen würdest? Auf der anderen Seite des Hauses ist doch ein sehr schöner Sandkasten.«

»Bin ich ein Baby?« Petras Unterlippe schob sich noch weiter nach vorn.

Melanie hob die Achseln und ließ sie wieder sinken. Es war wirklich nicht einfach. »Vielleicht willst du etwas essen? Obstsalat ist noch im Kühlschrank.«

»Danke, ich warte bis zum Mittagessen.« Petra steckte die Hände in die Hosentaschen ihrer Jeans und meinte: »Mach dir um mich keine Sorgen. Ich weiß ja, daß er es keine Minute ohne dich aushält.«

Petra nannte ihren Stiefvater selten Vater, sondern bevorzugte das unpersönliche »Er«. Melanie duldete das stillschweigend.

»Du, ich habe eine Idee«, meinte Melanie nun plötzlich. »Was hältst du davon, daß wir nach dem Essen schwimmen gehen?«

Petras Augen leuchteten auf. »Das wäre prima!« Dann warf sie einen skeptischen Blick zum Haus hin. Sie wußte, ihre Mutter hatte in der letzten Zeit viel versprochen, aber wenig gehalten.

In diesem Moment wurde das Wohnzimmerfenster aufgerissen. Thilo beugte sich heraus.

»Melanie, wo steckst du denn?« rief er ungeduldig.

»Ich unterhalte mich mit Petra.« Etwas wie Trotz erschien auf Melanies hübschem Gesicht. »Wir haben gerade beschlossen, daß wir am Nachmittag baden gehen werden.«

»Baden«, echote Thilo. »Aber das geht doch nicht.«

»Warum nicht?« Melanie sah ihre Tochter an. Sie dachte nicht daran, wieder klein beizugeben. »Wenn du Angst hast, daß es deiner Stimme schadet, mußt du ja nicht ins Wasser gehen. Nicht weit von hier ist ein Waldsee. Er ist nicht überlaufen, aber sehr romantisch. Dort können wir uns einen schönen Nachmittag machen. Ich richte ein kleines Picknick für uns. Dann können wir bis zum Abend bleiben.«

»Ausgeschlossen. Ich muß auch am Nachmittag mindestens zwei Stunden üben.«

»Gut. Dann übst du, während ich mit Petra schwimmen gehe.« Aus den Augenwinkeln heraus sah Melanie Petras erstauntes Gesicht. Die Kleine war nicht gewohnt, daß ihre Mutter sich ihrem Stiefvater gegenüber so energisch benahm.

»Spitze, Mutti.« Petra zögerte sekundenlang, dann flog sie der Mutter an den Hals.

»Es ist schon gut, Kleines.« Melanie strich ihrer Tochter über das Haar. »Du kannst schon einmal die Badesachen hervorholen. Vergiß die Luftmatratzen nicht. Ein Spiel kannst du auch mitnehmen. Wir beide machen uns einen gemütlichen Nachmittag.«

»Danke«, flüsterte Petra überwältigt und stürmte davon.

Thilo stand noch immer unbeweglich am Fenster. Seine Miene zeigte deutlich Mißbilligung.

»Muß das sein? Kann sich das Kind nicht selbst beschäftigen?«

»Thilo, Petra ist erst neun Jahren alt. Und was soll sie hier tun? Weit und breit gibt es keine Kinder.«

»Da hast du es!« Anklagend streckte Thilo seine Hand aus. »Ich habe ja gleich gesagt, daß sie in ein Ferienlager soll.«

Mit der gleichen Bewegung wie zuvor ihre Tochter, warf Melanie ihren Kopf in den Nacken. »Ich bin froh, daß sie hier ist. So kann ich mich wenigstens ein wenig um sie kümmern. Petra braucht mich doch.« Sie wollte noch hinzufügen: »Sie braucht auch dich. Sie braucht einen Vater.« Aber wie schon so oft unterließ sie es auch diesmal.

Dafür sagte Thilo: »Und ich, ich brauche dich auch.«

Melanie könnte sich nicht verkneifen zu sagen: »Du bist erwachsen.«

Beleidigt zog Thilo die Augenbraue hoch.

»Ich komme ja schon.« Melanie quälte sich ein Lächeln ab. »Eine Stunde habe ich noch Zeit, dann muß ich mich ums Essen kümmern.«

Obwohl Thilo sie länger als erwartet aufhielt, schaffte Melanie es, das Essen pünktlich auf den Tisch zu bringen. Petra aß hastig, dann rutschte sie ungeduldig auf dem Stuhl hin und her.

»Mutti, kann ich dir noch irgendwie helfen? Hast du den Picknickkorb schon gepackt?«

»Es ist alles fertig.« Melanie lächelte ihrer Tochter zu.

Petra sprang auf. »Dann kann ich die Sachen ja ins Auto bringen.«

Thilo sah hoch. Seine Augenbrauen zogen sich empor. »Ihr fahrt also wirklich?«

»Natürlich.« Melanie lachte, aber es klang gekünstelt. »Wir haben es doch ausgemacht.«

»Deine Tochter kann zumindest sitzen bleiben, bis ich mit dem Essen fertig bin.«

»Du bist doch fertig, bis auf den Apfel. Ich nehme meinen Apfel mit zum Baden.« Petra griff nach ihrem Apfel und schob ihn in ihre Hosentasche.

»Soll ich den Apfel für dich schälen?« erbot sich Melanie und sah ihren Mann an.

»Danke. Ich sehe, auch du hast es eilig. Laß dich nur nicht aufhalten.«

»Also los, Mutti! Komm!« Petra übersah geflissentlich den ärgerlichen Blick ihres Stiefvaters. Unbekümmert begann sie das Geschirr zusammenzustellen. »Ich räume die Sachen noch in den Geschirrspüler, falls du mit Vater noch etwas zu besprechen hast.« Sie sah ihre Mutter dabei an. ihre Augen baten darum, daß sie sich beeilen möge.

»Gut«, sagte Melanie, und diesmal fiel ihr Lächeln herzlich aus.

Kaum hatte sich die Tür hinter Petra geschlossen, hob Thilo...



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