E-Book, Deutsch, 186 Seiten
E. M. Bulenda / Kastenholz / Ap Cwanderay Ein diabolischer Verrat
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7487-9296-3
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, 186 Seiten
ISBN: 978-3-7487-9296-3
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Es tut sich was in der Hölle: Beelzebub hat ein gigantisches Einkaufszentrum erbaut, und im neuen Colosseum finden römische Wagenrennen statt. Mittendrin erhält Eva-Devliana eine Nachricht des Seraph Jehoel. Jetzt müssen Hölle und Himmel zusammenarbeiten, denn »die Alten, Mächtigen, die niemals waren und doch sind« planen einen Angriff. Nur einer kennt ihre Pläne: Mephistopheles. Und nur Eva-Devliana ist in der Lage, ihn zu finden und mehr darüber zu erfahren. Von ihr hängt die Zukunft der Reiche ab. So behauptet es jedenfalls Jehoel. Aber kann sie dem Seraph wirklich vertrauen? Oder verfolgt er eigene, dunkle Pläne? Kann ein Engel lügen und betrügen? Schnell stellt die Teufelsdame fest, dass nicht alles so ist, wie es zu sein scheint. Und dann geht es für sie ums nackte Überleben ...
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HÖLLENFREUNDE
Der Körperbastel-Teufel Baliot-viertausendzweihundertdreiundneunzig hob sein Glas mit scharf gewürztem Höllenwein und prostete mir zu. Ich hob mein Glas ebenfalls und nahm einen Schluck von dem starken, aromatischen Getränk, das so schön heiß in der Kehle brannte. Wir lagen in einer nachgebauten, aber absolut stilechten römischen Villa auf ebenfalls typisch römischen Liegen, fest gemauert, aber bequem mit dicken Auflagen gepolstert. Zwischen uns stand eine niedrige Tafel, auf der Luigi, der Besitzer des Restaurants »Luigis höllisch-heiße Osteria« uns in Kürze eine riesige, superscharfe Pizza »From Hell« servieren würde. Momentan warteten wir nur noch darauf, dass mein Sklave Bartholmes, Hilfsteufel-eine-Million-vierhundertneunzig und unsere gemeinsame Freundin Sukkubus Lilith-zweiundneunzig auftauchen würden, um sich mit uns das Essen schmecken zu lassen. »Hoffentlich kommen Barti und Lilith rechtzeitig, sonst ist von der Pizza nicht mehr viel übrig … Ich habe teuflischen Hunger!«, bemerkte Baliot, nachdem er einen großen Schluck getrunken hatte. »Na, zumindest muss man bei uns in der Hölle keine Angst haben, dass das Zeug kalt wird. Und das ganz ohne Warmhalte-Platten.« Es hatte durchaus seine Vorteile, hier unten zu sein … Baliot lachte genauso laut wie ich. Langsam drehte ich den Kopf und ließ meinen Blick über das riesige Einkaufs- und Vergnügungszentrum ringsum schweifen. Die römische Villa war ein Bestandteil dieses Komplexes. Gigantisch und beeindruckend, was hier in kürzester Zeit alles entstanden war. Mein Gegenüber hatte meinen Blick bemerkt und meinte amüsiert: »Wenn man bedenkt, dass wir das alles nur der Raffinesse unserer Sukkubus-Freundin Lilith zu verdanken haben … Wer hätte aber auch gedacht, dass sich Beelzebub so von ihr reinlegen lässt?« Wir lachten beide wieder so laut und unmelodisch wie Fabriksirenen auf, als wir an die Vorgeschichte dieses genauso überraschend entstandenen wie höchst willkommenen Shopping-Centers dachten. Als ich von meinem letzten erfolgreichen Auftrag, meine geizige, verhasste Patentante Mathilde auf den Weg des Bösen zurückzuleiten und für die Hölle zu sichern, zurückgekommen war, hatte ich allen Teufeln ausführlich von den Innenstädten der Erde mit ihren Shops, Boutiquen, Kaufhäusern, Cafés und Restaurants vorgeschwärmt. Auch die Shopping-Center hatte ich ihnen euphorisch in den höchsten Tönen geschildert. Natürlich hatte ich dabei ab und zu ganz beiläufig erwähnt, dass ich so etwas gerne auch bei uns hier unten haben würde. Ein höllisches Einkaufs- und Amüsierviertel, sozusagen. Das konnte doch nicht schwierig sein, so etwas aufzubauen, oder? Vor allem die Sukkuben und Inkuben waren begeistert gewesen, sie erinnerten sich ebenfalls gerne an ihre Erfahrungen mit Shopping-Centern bei Einsätzen auf der Erde. Viele andere Teufel lauschten meinen Ausführungen ebenfalls oft und gerne und waren genauso wie ich interessiert daran, ein teuflisches Einkaufszentrum zu bekommen. Die meiste Zeit war das Leben in der Hölle, vor allem für die große Masse ihrer Einwohner, nicht sehr spannend oder abwechslungsreich, sodass jede Art der Unterhaltung und Abwechslung freudig begrüßt wurde. Die früheren Kaufleute unter uns Teufeln waren sowieso sofort Feuer und Flamme für meine Idee gewesen. Eine Reaktivierung ihrer irdischen Geschäfte war ganz in ihrem Sinne. So wurde ich von vielen Seiten bestürmt, diese Bitte doch bei Satan vorzutragen – nachdem es schließlich meine Idee war, hieß es, könnte ich sie ihm doch bestimmt am besten nahebringen. Deshalb erbat ich zusammen mit Barti, Lilith und ein paar befreundeten Teufeln eine Audienz bei unserem ungnädigen, gewaltigen Höllenherrscher, um ihm unseren Wunsch vorzutragen. Leider lehnte er ihn kategorisch ab, für so einen Mist gäbe es in der Hölle keinen Platz, wies er uns kurz und knapp ab und fauchte uns noch einmal zur Bekräftigung heftig an. Protest oder Ungehorsam waren hier einfach nicht gestattet. Wenn der Höllenfürst »Nein« sagte, war es das gewesen. Wir durften nicht widersprechen oder diskutieren, und zogen deshalb alle sehr geknickt und auch ein wenig angesäuert ab. Vor allem die Sukkuben und Inkuben waren es, die sich mit dieser abschlägigen Antwort nicht abfinden wollten und eifrig Pläne schmiedeten, um doch noch zu einem Shopping-Center zu kommen. Egal, wie und mit welchen Mitteln, sie hatten sich in die Idee verliebt und zerbrachen sich gemeinsam die Köpfe, ob es nicht doch irgendeine Möglichkeit gab, Satan umzustimmen. Der Zufall kam uns kurz danach zu Hilfe: Lilith erfuhr über geheime höllische Kanäle, dass Beelzebub stocksauer war. Da hatte ihn doch glatt ein tückischer, raffinierter und hinterhältiger Mensch geleimt. Er hatte von ihm diverse materielle und nicht-materielle Vorteile ergaunert, ihm eine Menge Gold abgeluchst und dann sein Versprechen, ihm seine Seele dafür zu übereignen, nicht gehalten. Mit einem ganz primitiven, bösen Trick im Pakt hatte er ein hohes Mitglied der höllischen Geschäftsleitung geleimt. Anscheinend hatte Beelzebub in seiner Begeisterung, nach langer Zeit wieder einmal eine Seele zu ergattern, den ganzen Kontrakt nur flüchtig gelesen und das berühmte Kleingedruckte übersehen – eine echte Schande für den hohen Höllenherrscher. Schon damit waren ihm der Spott und der Hohn der meisten Teufel sicher gewesen. Natürlich amüsierte man sich nur hinter seinem Rücken darüber, ihm ins Gesicht zu lachen war viel zu gefährlich, das würde auch der furchtloseste Höllenbewohner nicht riskieren. Er konnte in seinem Zorn und seiner Wut verheerend sein, seine Tobsuchtsanfälle waren berühmt-berüchtigt in der ganzen Hölle. Wie nicht anders zu erwarten, hatte er schon die ganze Zeit nach dem Verrat alles Mögliche versucht, die ihm zustehende Seele doch noch zu erwischen, aber er war mit all seinen Verführungs- und sonstigen Versuchen kläglich gescheitert. Dieser Mensch schien so gar keine Laster zu haben und bot ihm somit nicht den geringsten Angriffspunkt. Er lachte sich nur ins Fäustchen über seine beim Pakt gezeigte Raffinesse und hatte für die vergeblichen Angriffe auf ihn und Beelzebubs Unvermögen, ihm die Seele zu rauben, nur laute Verachtung übrig. Überall in schwarzmagischen Kreisen tönte er herum, wie raffiniert er einen hohen Höllenherrscher hereingelegt hatte. Der Beifall seiner Kollegen war ihm sicher, und alle amüsierten sich königlich über diese Geschichte. Das hatte Lilith ein bösartiges Grinsen auf das wunderschöne Gesicht gezaubert. Sie hatte mich, Barti, Baliot, die beiden Inkuben Ramon und Pedro und noch ein paar andere Teufel als Zeugen zu Beelzebub mitgenommen und ihm gegenüber erst nur ein wenig gespöttelt und ihn mit spitzer Zunge lächerlich gemacht wegen des peinlichen Vorfalls. Als er dann erwartungsgemäß knurrig wurde, höhnte sie sehr ausführlich darüber, wie primitiv er doch übertölpelt worden war. Ein Hilfsteufel hätte diese »List« des Menschen vorhersehen können, behauptete sie. Und ob er vielleicht noch lesen lernen müsste oder eine Brille fürs Kleingedruckte bräuchte, fragte sie ihn mit ihrem schönsten Lächeln. Als er sie stinksauer anblaffte und fast auf sie losgegangen wäre, nur davon zurückgehalten, dass sie uns als Zeugen dabeihatte und wir sehr interessiert beobachteten, ob er die Contenance verlieren würde, beeindruckte das den Sukkubus keineswegs. Ganz im Gegenteil, Lilith schlug ihm mit zuckersüßer Stimme und strahlend lächelnd eine Wette vor. Sie behauptete, sie könne diesen raffinierten Menschen verführen und in ihren Bann schlagen, sodass er ihr freiwillig in die Hölle folgen würde. Beelzebub musterte sie natürlich erst einmal abwertend von Kopf bis Fuß und lachte dann hämisch auf. Das sei weit außerhalb ihrer Möglichkeiten, behauptete er. Er sei überzeugt davon, dass dieser heimtückische Mensch nie im Leben auf einen einfachen Sukkubus hereinfallen würde. Nicht einmal auf einen so wundervollen wie sie … Aber als die großartige, superschöne Lilith ihm als Wetteinsatz, falls sie verlieren sollte, eine Nacht mit ihr anbot, wurde er nachdenklich. Vor allem, da Lilith schon des Öfteren seine Avancen und Verführungsversuche strikt abgelehnt hatte. Sie hatte Beelzebub ein paar Mal ziemlich energisch erklärt, dass er keine Chance bei ihr habe. Kein Teufel, der seine höllischen Sinne halbwegs beieinanderhatte, würde eine heiße Nacht mit ihr ausschlagen. Also nickte er zögernd, wiegte sinnierend - und natürlich auch ziemlich geil - den Kopf hin und her und stimmte schon halb zu, als er bemerkte: »Gut, so eine Wette ist natürlich eine Überlegung wert.« »Aber wenn ich gewinne, wenn ich dir diese spezielle Seele bringe, dann habe ich einen Wunsch frei, Beelzebub! Wetten wir also, gilt die Sache – vor Zeugen?« Im sicheren Bewusstsein, dass er eine heiße Nacht mit dem schönsten Sukkubus der Hölle praktisch bereits in der Tasche hatte, hatte er vor uns allen einen...




