Ebel / Kleve / Strecker | Systemische Supervision in Lehre und Praxis | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 324 Seiten

Reihe: Beratung, Coaching, Supervision

Ebel / Kleve / Strecker Systemische Supervision in Lehre und Praxis


1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-8497-8399-0
Verlag: Carl Auer Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 324 Seiten

Reihe: Beratung, Coaching, Supervision

ISBN: 978-3-8497-8399-0
Verlag: Carl Auer Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



In den meisten psychosozialen, pädagogischen und therapeutischen Arbeitsfeldern gehört Supervision heute zu den professionellen Standards. Im Idealfall folgt sie systemischen Grundsätzen, d. h. mit einem weiten Blick auf die diversen Einflussfaktoren, die die Arbeitswelt tangieren. Für die Praxis bedeutet das u. a., dass sich Supervision immer wieder an veränderte gesellschaftliche Bedingungen anpassen, ihre Settings erweitern und ihre Arbeitsweisen ausbauen muss, z. B. durch Online-Varianten. Von den Supervisor:innen selbst wird erwartet, dass sie angemessen Veränderungen anregen und das eigene Tun professionell reflektieren können. Die Grundlagen für beides werden in der Aus- oder Weiterbildung vermittelt. Das wiederum macht die Lehrsupervision zu einer besonders verantwortungsvollen Aufgabe. Dieses Buch bietet einen der besten Überblicke über das weite Feld der systemischen Supervision. Peter Ebel, Julia Strecker, Heiko Kleve und ihre Mitautor:innen stellen die relevanten Arbeitsfelder, Techniken und Settings aktuell, ausführlich und anschaulich dar. Die Beiträge decken neben den Anforderungen der einschlägigen Verbände auch die der ambulanten kassenärztlichen Psychotherapie und des Approbationsstudiums ab. org.editeur.onix.v21.shorts.Br@7192f201 Mit Beiträgen von: Barbara Bräutigam · Valérie Bubendorff · Gunda Busley · Michaela Gelke · Andreas Hampe · Josua Handerer · Cornelia Hennecke · Björn Enno Hermans · Till Jansen · Martina Kaiser · Carla von Kaldenkerken · Christopher Klütmann · Cornelia Krönes · Lennart Krönes · Maurice Malten · Haja Molter · Carla Ortmann · Jürgen Singer · Wiebke Stelling · Anne Valler-Lichtenberg · Annika Wiegold

Peter Ebel, Dipl.-Soz.Wiss./Klinische Psychologie, Institutsleiter (M7 Institut für Paartherapie, Supervision & Coaching, Berlin), Lehrtherapeut (SG), Lehrender Supervisor (SG, DGSF), Lehrender Coach (SG, DGSF), Lehrsupervisor (DGSv). Wissenschaftlicher Leiter der Weiterbildung Systemische Supervision am M7 Institut. Studium der angewandten Sozialwissenschaften und Soziale Arbeit, Klinische Psychologie, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut: Klientenzentrierte Psychotherapie (Zertifikat GwG), Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (BAP/SAP), Traumatherapie mit EMDR (Zertifikat iT, Berlin), Systemischer Therapeut (SG), Systemischer Supervisor (SG), Supervisor und Coach (DGSv). Dozent in berufsbegleitenden SG-Weiterbildungen. Seit 2000 tätig in privater Praxis. Arbeitsschwerpunkte: Supervision in klinischen und psychosozialen, multidisziplinären Kontexten, Coaching, Paartherapie. Mitgründer und Sprecher der berufspolitischen Berliner Liste 'Systemische Perspektiven'; Delegierter der Psychotherapeutenkammer Berlin; Vorsitz im Prüfungsausschuss Systemische Therapie, Mitglied im Ausschuss Aus,- Fort- und Weiterbildung, Bundesdelegierter Deutscher Psychotherapeutentag. Heiko Kleve, Univ.-Prof., Dr. phil.; Sozialpädagoge und Soziologe sowie Systemischer Berater (DGSF), Supervisor/Coach (DGSv), Systemischer und Lehrender Supervisor (SG), Case-Manager (DGCC) und Konflikt-Mediator (ASFH); Inhaber des Stiftungslehrstuhls für Organisation und Entwicklung von Unternehmerfamilien am WIFU - Wittener Institut für Familienunternehmen, Wirtschaftsfakultät, Universität Witten/Herdecke. Autor zahlreicher Bücher und einschlägiger Fachbeiträge zur systemisch-konstruktivistischen, systemtheoretischen und postmodernen Theorie und Praxis in den Sozialwissenschaften. Julia Strecker, Dr. phil, Dipl.-Theologin; arbeitet als Pastorin in diversen Projekten mit dem Schwerpunkt Seelsorge und Beratung, u. a. in der Evangelischen Studierendengemeinde Köln; Gestalttherapeutin, Systemische Familientherapeutin, Supervisorin (DGSv/ SG/ DGSF), Paartherapeutin (DGSF) und Lehrende Familientherapeutin (DGSF), MBSR-Trainerin und Coach (Center for Mindfulness Massachusetts). Seit 2009 eigene Praxis in Köln für Systemische Beratung, Supervision, Paartherapie, Coaching und Achtsamkeit. Lehrende für Systemische Familientherapie, Beratung und Supervision an verschiedenen Instituten.
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Zielgruppe


Supervisor:innen in Praxis, Lehre, Aus- und Weiterbildung

Weitere Infos & Material


Einleitung


Peter Ebel, Heiko Kleve, Julia Strecker

Grundintention und Idee dieses Buches


Supervision ist aus den Feldern der psychosozialen, klinischen und multiprofessionellen Praxen des Gesundheits- und Sozialbereichs nicht mehr wegzudenken. Inzwischen ist es obligatorisch, dass Organisationen in diesen Kontexten ihren Mitarbeiter·innen supervisorische Begleitung anbieten oder ihre Beschäftigten gar zur Supervision verpflichten. Denn wer in komplexen zwischenmenschlichen Zusammenhängen professionell agiert, sich mit biopsychosozialen Themen auseinanderzusetzen hat und die Nutzer·innen der entsprechenden Dienstleistungen kompetent zu unterstützen sucht, muss eine hohe Kompetenz der Selbstreflexion realisieren. Diese kann jedoch nicht in einsamer individueller Abgeschiedenheit erreicht werden, sondern setzt andere Menschen voraus, mindestens geschulte Supervisor·innen, die etwas von ihrer Sache verstehen, die in der Lage sind, Professionelle – in welchen Arbeitsfeldern auch immer – konstruktiv zu irritieren.

Es ist die konstruktive Irritation, die im Denken, Fühlen und Handeln von Professionellen einen Unterschied macht, die die Supervision als Praxis auszeichnet. Wer eigenverantwortlich, im Team oder in interdisziplinären Gruppen arbeitet, benötigt regelmäßige Reflexionszeiten, in denen der Alltag zumindest hinsichtlich der eigenen kognitiven, emotionalen und aktionalen Prozesse temporär angehalten werden kann, um zu bewerten, ob die eingeschlagenen Wege in der Arbeit mit Menschen noch passen oder ob sie eventuell zu korrigieren sind, und – im Falle eines Korrekturbedarfs – zu überlegen, wie dies, sensibel und für alle beteiligten Akteur·innen passend, geschehen kann. Dabei hilft Supervision; sie ermöglicht das, was wir bereits mit dem Titel dieses Buches in dreierlei Hinsicht postulieren: erstens Weitsicht, zweitens das Einnehmen unterschiedlicher Blickwinkel und drittens die Anregung zur Vielstimmigkeit.

Wer im Alltag so nah an den Menschen ist wie die Professionellen im Gesundheits- und Sozialbereich, um die Nutzer·innen der entsprechenden biopsychosozialen Dienstleistungen in herausfordernden Situationen zu begleiten, benötigt Unterstützung dabei, regelmäßig Weitsicht einzuüben. Wir meinen damit ein relationales Denken, das Beziehungen zwischen unterschiedlichen relevanten Aspekten einer gerade relevanten Fragestellung zu betrachten erlaubt. Da die Beobachter·innen Teil der Beobachtung sind, gibt es niemals die eine objektive Wahrheit, sondern von uns abhängige Weltperspektiven, die uns zur Hypothesenbildung und zur Integration von harten und weichen Daten herausfordern. Diese relationale, systemische Perspektive ermöglicht es, den jeweiligen Menschen in seinen kontextuellen Abhängigkeiten zu sehen und die körperlichen, psychischen und sozialen Prozesse sowohl in ihrer gegenseitigen Verbindung als auch in ihren jeweils eigenständigen, und zwar lebendigen, gedanklich-emotionalen sowie zwischenmenschlichen und gesellschaftlichen Unabhängigkeiten und Eigendynamiken zu betrachten. Nur so können im Rahmen supervisorischer Prozesse die Möglichkeiten und Grenzen von Beratungen und Therapien sowie von allen anderen Arten der professionellen Unterstützung realistisch eingeschätzt werden. Wer wirksam helfen will, sollte wissen, wo die Unabhängigkeit der Menschen und Systeme beginnt, die es konstruktiv zur Eigenaktivität anzuregen gilt.

Dabei helfen Blickwinkel, die sich im Alltag oft nicht von selbst erschließen. Wir können nur dann kreativ werden, Lösungen für brennende Herausforderungen suchen und Strategien zu deren Umsetzung entwickeln, wenn wir lernen, die uns belastenden Ereignisse aus unterschiedlichen Betrachtungsperspektiven zu sehen. Dabei kann in der Supervision auch die Provokation als angemessen ungewöhnliche Intervention gelten. Denn oft erst dann wird ein Unterschied zum bisherigen Denken, Fühlen und Handeln deutlich, der zu etwas führt, was bestenfalls in der jeweils infrage stehenden Praxis einen Unterschied macht, etwas Neues zutage fördert, was für alle Beteiligten gewinnbringend ist.

Dass wir alle Beteiligten fokussieren, dass wir nicht auf Kosten von Einzelnen arbeiten wollen, sondern die Bedürfnisse sämtlicher Akteur·innen gleichermaßen achten und zur Geltung kommen lassen, setzt Akzeptanz von Vielstimmigkeit nicht nur voraus, sondern fordert sie in der Supervision geradezu ein. Sie entsteht dann, wenn wir die Wechselwirkungen zwischen System und Umwelt anerkennen, zu Gehör bringen und auch in unseren Handlungen sichtbar machen. Die viel beschworene Allparteilichkeit lässt sich nur dann entfalten, wenn wir zunächst alle Stimmen, die einen berechtigten Beitrag zum Geschehen leisten, vernehmen, auf sie hören. Wie wir dann dazu einladen, das Einbeziehen der vielen Stimmen und das Begrenzen ihrer Ansprüche in eine Balance zu bringen, steht auf einem anderen Blatt. Bevor das geschehen kann, ist die jeweilige biopsychosoziale Welt in ihrer Vielfalt nicht nur anzuerkennen, sondern auf dem kaleidoskopischen Monitor der Supervision sichtbar zu machen.

Mit unserem Buch intendieren wir, die systemische Supervision in der eben geschilderten Weise in Augenschein zu nehmen. Der Begriff systemisch signalisiert für uns sowohl die Verbindung der wissenschaftlichen Grundlegung unserer Form von Supervision mit der Systemtheorie als auch die Verknüpfung mit dem Konstruktivismus. Die Erkenntnis, dass die Beobachter·innen nicht außerhalb des beobachteten Systems stehen, sondern Teil der Beobachtung sind, ist hier bedeutsam und hat Auswirkungen auf die Herangehensweise, Methodenvielfalt und Haltung. Die Haltung, also die innere Einstellung der Supervisor·innen, bildet die Basis des Handelns und der Interventionen. Die Allparteilichkeit, der uneingeschränkte Respekt, die Offenheit und Neugier, die Ressource des Nicht-Wissens und die Idee, dass immer alles auch ganz anders beobachtet, beschrieben, erklärt und bewertet werden könnte, führen zu vielfältigen Handlungsoptionen und leiten uns durch die Supervisionsprozesse. Die Supervisand·innen gelten als Expert·innen für ihre Fragestellungen, und die Supervisor·innen tragen die Verantwortung für den Kommunikationsprozess. Das Nicht-Wissen der Supervisor·innen in Bezug auf das, was die »richtige« Lösung ist, wird dadurch zur Ressource für die supervisorische Kommunikation. Dadurch anerkennen wir in äußerst konsequenter Weise die Supervisand·innen mit ihrer inhaltlichen Expertise.

Wir wollen Praktizierende innerhalb dieser Profession ermuntern, sich selbst Rechenschaft über die eigene Arbeit abzulegen und sich an dem professionellen Anspruch zu messen, den Supervision kennzeichnet und den sie pflegen sollte. Auch wenn das knapp skizzierte Ideal der Weitsicht, der vielen Blickwinkel und der zu Gehör zu bringenden Vielstimmigkeit niemals in seiner Gänze erreichbar ist, so kann es doch ein Ansporn sein, diesen Weg mit einem klaren Blick auf das nie vollständig einzunehmende Ziel weiterzuverfolgen. Die Nutzer·innen der Supervisionsprozesse, die Supervisand·innen, werden es mit Sicherheit danken. Denn dies ist der ungewöhnliche Luxus, den die psychosozialen, klinischen und multiprofessionellen Arbeitsfelder im Gesundheits- und Sozialbereich bieten: bezahlte Zeiten für Selbstreflexionsprozesse.

Entstehungsgeschichte


Die Ideen für die Entstehung dieses Sammelbandes wurden bei der Vorbereitung auf Seminare, während deren Durchführung und in deren Nachgang, im Rahmen der Weiterbildung und Aufbauweiterbildung Systemische Supervision am Berliner M7 Institut entwickelt. Sowohl in Gesprächen mit am Institut Lehrenden als auch mit Weiterbildungsteilnehmer·innen wurde eine Co-Produktionsabsicht kreiert. Dazu wurden weitere seit Jahren in der Praxis und/oder der Lehre tätige Kolleg·innen eingeladen, sich als Autor·innen an diesem Buchprojekt zu beteiligen.

Als Auftakt für die konzeptionellen, thematischen und kooperativen Absprachen fand am 26. Januar 2021 pandemiebedingt eine Online-Redaktionskonferenz statt, an der insgesamt 31 Systemische Supervisor·innen, Lehrende Supervisor·innen und Ausbilder·innen für Systemische Supervision, Lehrsupervisor·innen, Systemische Berater·innen, Systemische Therapeut·innen und Psychotherapeut·innen teilnahmen. Im Nachgang dieser Videokonferenz entschieden sich die in diesem Band versammelten Kolleg·innen für die Mitarbeit an der Publikation. Weitere Autor·innen konnten im Nachgang gewonnen werden.

Am 20. April 2021 hatten wir als Herausgeber·innen mit den Lektor·innen vom Carl-Auer Verlag eine redaktionelle Sitzung, ebenso online, in der die Richtlinien für eine Veröffentlichung vereinbart wurden. Zehn weitere Online- Videokonferenzen der Herausgeber·innen folgten, zahlreiche E-Mails wurden zwischen uns ausgetauscht, nicht gezählte Telefonate und einige wenige Gespräche zum Buchprojekt in Präsenz geführt. Außerdem fanden Online-Supervisionen für und mit den...


Peter Ebel, Dipl.-Soz.Wiss./Klinische Psychologie, Institutsleiter (M7 Institut für Paartherapie, Supervision & Coaching, Berlin), Lehrtherapeut (SG), Lehrender Supervisor (SG, DGSF), Lehrender Coach (SG, DGSF), Lehrsupervisor (DGSv). Wissenschaftlicher Leiter der Weiterbildung Systemische Supervision am M7 Institut. Studium der angewandten Sozialwissenschaften und Soziale Arbeit, Klinische Psychologie, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut: Klientenzentrierte Psychotherapie (Zertifikat GwG), Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (BAP/SAP), Traumatherapie mit EMDR (Zertifikat iT, Berlin), Systemischer Therapeut (SG), Systemischer Supervisor (SG), Supervisor und Coach (DGSv). Dozent in berufsbegleitenden SG-Weiterbildungen. Seit 2000 tätig in privater Praxis. Arbeitsschwerpunkte: Supervision in klinischen und psychosozialen, multidisziplinären Kontexten, Coaching, Paartherapie. Mitgründer und Sprecher der berufspolitischen Berliner Liste „Systemische Perspektiven“; Delegierter der Psychotherapeutenkammer Berlin; Vorsitz im Prüfungsausschuss Systemische Therapie, Mitglied im Ausschuss Aus,- Fort- und Weiterbildung, Bundesdelegierter Deutscher Psychotherapeutentag.

Heiko Kleve, Univ.-Prof., Dr. phil.; Sozialpädagoge und Soziologe sowie Systemischer Berater (DGSF), Supervisor/Coach (DGSv), Systemischer und Lehrender Supervisor (SG), Case-Manager (DGCC) und Konflikt-Mediator (ASFH); Inhaber des Stiftungslehrstuhls für Organisation und Entwicklung von Unternehmerfamilien am WIFU – Wittener Institut für Familienunternehmen, Wirtschaftsfakultät, Universität Witten/Herdecke. Autor zahlreicher Bücher und einschlägiger Fachbeiträge zur systemisch-konstruktivistischen, systemtheoretischen und postmodernen Theorie und Praxis in den Sozialwissenschaften.

Julia Strecker, Dr. phil, Dipl.-Theologin; arbeitet als Pastorin in diversen Projekten mit dem Schwerpunkt Seelsorge und Beratung, u. a. in der Evangelischen Studierendengemeinde Köln; Gestalttherapeutin, Systemische Familientherapeutin, Supervisorin (DGSv/ SG/ DGSF), Paartherapeutin (DGSF) und Lehrende Familientherapeutin (DGSF), MBSR-Trainerin und Coach (Center for Mindfulness Massachusetts). Seit 2009 eigene Praxis in Köln für Systemische Beratung, Supervision, Paartherapie, Coaching und Achtsamkeit. Lehrende für Systemische Familientherapie, Beratung und Supervision an verschiedenen Instituten.



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