E-Book, Deutsch, 1331 Seiten
Ebers Die Nilbraut
1. Auflage 2017
ISBN: 978-80-272-1737-3
Verlag: Musaicum Books
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Bereicherte Ausgabe.
E-Book, Deutsch, 1331 Seiten
ISBN: 978-80-272-1737-3
Verlag: Musaicum Books
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
In 'Die Nilbraut' beschreibt Georg Ebers die Geschichte einer ungewöhnlichen Liebesgeschichte im historischen Ägypten. Der Roman zeichnet sich durch seinen detailreichen historischen Hintergrund aus und zeigt das Leben und die Kultur entlang des Nils auf beeindruckende Weise. Ebers' literarischer Stil ist sanft und einfühlsam, wodurch er die Gefühle und Gedanken seiner Charaktere mit großer Tiefe darstellt. Dieses Werk ist ein Meisterwerk der historischen Romane des 19. Jahrhunderts und bietet einen faszinierenden Einblick in das alte Ägypten. Georg Ebers, ein deutscher Ägyptologe und Schriftsteller, war bekannt für seine detaillierten Darstellungen des antiken Ägypten. Sein Fachwissen und seine Leidenschaft für die Geschichte dieses faszinierenden Landes spiegeln sich in 'Die Nilbraut' wider, einem Werk, das sowohl unterhaltsam als auch lehrreich ist. Ebers' Hingabe an historische Genauigkeit sowie seine einfühlsame Charakterentwicklung machen dieses Buch zu einem einzigartigen literarischen Werk. 'The Nil Bride' ist ein absolutes Muss für Liebhaber historischer Romane und für alle, die sich für die Geschichte des antiken Ägypten interessieren. Mit seiner fesselnden Handlung, dem reichen historischen Hintergrund und den gut ausgearbeiteten Charakteren bietet dieses Buch ein Lesevergnügen, das sowohl anspruchsvoll als auch unterhaltsam ist.
Weitere Infos & Material
Zweites Kapitel.
Die Herberge, in welche der Kaufmann Haschim mit den Seinen einzog, lag, rings von Palmen umgeben, an einer erhöhten Stelle des Weges. Vor der Zerstörung der heidnischen Altertümer im Nilthal war sie ein Tempel Imhoteps, des ägyptischen Aeskulap, des freundlichen Gottes der Heilkunde, gewesen, welcher auch in der Totenstadt seine besondere Verehrungsstätte besessen. Diese war halb zerstört, halb vom Wüstensande begraben worden, während ein unternehmender Wirt den hübschen Imhoteptempel in der Stadt samt dem dazu gehörenden heiligen Hain für billiges Geld angekauft hatte. Seitdem war er von einer Hand in die andere gegangen, an die massiv gebauten Tempelräume hatte sich ein großes hölzernes Haus für die Aufnahme von Reisenden geschlossen, und in dem Palmenhain, welcher bis zu dem schlecht erhaltenen Uferdamm reichte, erhoben sich Ställe und sah man eingezäunte Plätze für angetriebene Herden. So glich das Ganze einem Viehmarkt, und in der That kamen die Metzger und Roßkämme der Stadt gern hieher, um ihren Bedarf zu befriedigen. Dagegen zog der Palmenhain, einer der wenigen, die in der Nähe der Stadt stehen geblieben waren, die Bürger von Memphis an, um »Lüftchen zu riechen« und sich in seinem Schatten eine Güte zu thun. Hart am Strome hatte der Wirt Tische und Bänke aufstellen lassen, und in dem kleinen Hafen auf seinem Grundstück gab es Boote zu mieten. Auch wer zu seinem Vergnügen von der Stadt aus Wasserfahrten machte, der legte hier gern an und nahm unter den Palmen des Nesptah eine Erfrischung.
Die beiden Häuserreihen, welche diesen Sammelplatz für vernünftige und unvernünftige Wesen früher von der Straße getrennt und sich nach dem Nil hin neben ihm erhoben hatten, waren längst eingestürzt und von den Wirten der Erde gleich gemacht worden. Jetzt sah man unter Leitung von arabischen Vögten einige hundert Arbeiter beschäftigt, eine gewaltige Ruine aus der Zeit der ptolemäischen Könige, die kaum zweihundert Schritte von dem Palmenhain entfernt lag, abzutragen und die großen, schön behauenen Kalk-und Marmorquadern, sowie die zahlreichen hohen Säulen, welche das Dach des Zeustempels von Memphis getragen hatten, trotz der brennenden Hitze des Nachmittags aus Ochsenkarren zu laden und sie dem Damme und von dort aus auf flachen Kähnen dem östlichen Nilufer zuzuführen.
Dort errichtete Amr, der Feldherr und Stellvertreter des Chalifen, seine neue Residenz. Die Tempel der alten Götter wurden dabei als Steinbrüche benützt, und es fanden sich in ihnen nicht nur sorgsam behauene Werkstücke vom festesten Gestein, sondern auch griechische Säulen jeder Ordnung in Menge, die man jenseits des Stromes nur wieder auszustellen hatte; denn die Araber verschmähten kein Material, ja sie verwandten sorglos beim Bau ihrer Gotteshäuser Quadern und Säulen, auch wenn sie aus heidnischen Tempeln oder christlichen Kirchen kamen.
In dem Herbergentempel des Imhotep waren Wände und Decken ursprünglich über und über mit Götterbildern und hieroglyphischen Inschriften bedeckt gewesen; aber der Rauch des Herdfeuers hatte sie längst geschwärzt, glaubenseifrige Hände waren nicht müde geworden, sie zu verstümmeln, und über manche hatte man Kalk geworfen und ihn mit christlichen Symbolen oder sehr weltlichen Kritzeleien in griechischer oder der Volksschrift der Aegypter bedeckt.
In der früheren großen Tempelhalle nahm der Araber mit den Seinen die Mahlzeit ein, und alle enthielten sich dabei des Weines, mit Ausnahme des Karawanenführers, der kein Muslim war, sondern zu der persischen Sekte der Masdakiten gehörte.
Nachdem der alte Herr sich an einem besonderen Tischchen gesättigt, rief er jenen an und befahl ihm, den Ballen mit dem Teppich sicher, aber leicht ablösbar auf die Sänfte zwischen den beiden großen Lastkamelen zu legen.
»Ist schon geschehen,« versetzte der Perser, ein Prachtmensch, groß und breit wie eine Eiche, und mit einem Kopfe, den das blonde Haupthaar wie eine Löwenmähne umwallte, indem er sich den mächtigen Schnurrbart wischte.
»Desto besser,« entgegnete Haschim. »Komm mit mir ins Freie!«
Damit ging er dem Masdakiten in den Palmenhain voran.
Das Tagesgestirn war hinter den Pyramiden, der Totenstadt und der libyschen Bergkette zur Rüste gegangen, und sein Widerschein bemalte nun den östlichen Himmel und das nackte Kalkgebirge von Babylon jenseits des Stromes mit Farben von unbeschreiblich wechselvoller Schönheit. Es war, als hätten alle Rosenarten, die der erfahrenste Gärtner in Arsinoë oder Naukratis züchtete, von der goldgelben an bis zu der purpurnen und der mit tiefem violettlichem Schwarzrot gesättigten, die Farben hergegeben, um die Flächen, die Vorsprünge und Schluchten des Gebirges gedankenschnell mit zauberhaften Tinten zu übergießen.
Dem alten Manne schwoll die Brust bei diesen. Anblick, und indem er tief aufatmete, legte er die zarte Hand auf den Riesenarm des Persers und sagte: »Euer Meister Masdak lehrt, es sei Gottes Wille, daß der eine nicht mehr und nicht weniger sein eigen nenne als der andere und daß es weder Arme noch Reiche gebe auf Erden; denn jeder Besitz gehöre allen gemeinsam. Nun schau einmal mit mir hieher! Wer dies nicht gesehen, hat gar nichts gesehen; es gibt nichts Schöneres hienieden, und wem gehört es? Dem armen, einfältigen Salech dort, den wir aus Gnade halb nackt den Kamelen nachtraben lassen, ist sie so gut zu eigen wie Dir und mir und dem Chalifen. Seinen großen Werken gegenüber hat Gott uns alle so gestellt, wie es euer Meister begehrt. Wie viel Schönes ist doch im allgemeinen Besitz unseres Geschlechts! Seien wir dankbar dafür, Rustem; denn wahrlich, es ist nicht wenig. – Das Eigentum, welches der Mensch erwirbt oder verliert, damit ist es freilich etwas ganz anderes. Auf der gleichen Rennbahn stehen wir alle, und was ihr begehrt, das fordert nur, dem Schnelleren Blei an die Füße hängen, damit keiner dem andern zuvorkommt, das würde . . . Aber weiden wir jetzt lieber die Augen an der wundervollen Schönheit da drüben! Sieh nur, was vorhin wie diese purpurfarbene Glockenblume erschien, das wird jetzt zum Rubin, was wie Veilchen schimmerte, zum dunklen Amethyst. Der goldene Rand dort an den Wolken, der faßt die Juwelen zusammen, und das alles ist mein, ist Dein, ist unser, so lange sich Auge und Herz daran ergötzt und erhebt.«
Da lachte der Masdakit mit einem quellfrischen, wohltönenden Lachen laut auf und rief: »Ja, Meister, wer Deine Augen hätte! Es sieht freilich bunt genug aus dort am Himmel und an den Bergen, und so rote Farben hat's daheim selten; doch was nützt uns der Zauber? Du siehst Rubinen und Amethyste da oben, aber ich? – Die Juwelen in Deinem Teppich, die bedeuten was anderes als das lustige Gefunkel! Nichts für ungut, Meister, aber für den Ballen dort gäb' ich alle Sonnenuntergänge auf Erden, und es sollt' mich nicht reuen!« Dabei lachte er wieder hell auf und fuhr fort: »Doch Du, Väterchen, Du würdest Dich hüten, den Handel zu schließen! – Was uns Masdakiten betrifft, so ist die Zeit für uns noch nicht gekommen!«
»Und wenn sie da wäre, und Du bekämst den Teppich?«
»Dann verkaufte ich ihn und legte den Erlös zu meinem Ersparten und ginge nach Hause und kaufte mir Land, und nähm' mir ein hübsches Weib und züchtete Kamele und Rosse.«
»Aber übermorgen kämen die Armen, die nichts zurückgelegt und kein gutes Geschäft mit dem Abendrote gemacht haben, und jeder verlangte ein Stück Deines Landes, ein Kamel und ein Fohlen, Du bekämest nie wieder einen herrlichen Sonnenuntergang zu sehen, und Dein hübsches Weibchen würde mit Dir in die Welt ziehen, um Dir zu helfen, mit anderen zu teilen. Lassen wir's nur beim alten, mein Rustem, und der Höchste bewahre Dir Dein braves Herz, Du närrischer Querkopf.«
Da beugte sich der Riese auf den Arm seines Herrn, und während er ihn dankbar küßte, kehrte der Fremdenführer mit langem Gesichte zurück; denn er hatte zu viel versprochen. Der Mukaukas Georg war – ein ganz unerhörtes Ereignis – gerade als er um Gehör für den Araber bitten wollte, in die Gondel getragen worden, um mit seinem Sohne und den Frauen des Hauses eine Wasserfahrt zu unternehmen. – Die Heimkehr Orions, hatte der Hausmeister gesagt, habe den alten Herrn wie verjüngt. Haschim müsse nun bis morgen warten, und er, der Führer, rate ihm, in der Stadt, in der Herberge des Sostratus, wo es an nichts fehle, zu übernachten.
Aber der Kaufherr zog es vor, hier zu bleiben. Der Aufschub bekümmerte ihn wenig, zumal er ohnehin einen ägyptischen Arzt wegen eines alten Leidens um Rat fragen wollte, und einen tüchtigeren und gelehrteren als den berühmten Philippus, versicherte der Hermeneut, könne er im ganzen Lande nicht finden. Hier draußen sei es ja schön, und von den Bänken am Ufer aus lasse sich der Komet beobachten, der sich seit einigen Tagen zeige und gewiß schlimme Zeiten verkünde. Die ganze Stadt sei wie gelähmt von Besorgnis; das zeige sich recht deutlich hier in der Wirtschaft des Nesptah; denn sonst füllten sich, wenn die abendliche Kühlung eintrete, die Tische und Bänke unter den Palmen mit Wasserfahrern und Spaziergängern, aber jetzt, wer getraue sich in diesen Angsttagen an Vergnügen zu denken?
Damit bestieg er wiederum den Esel, um den Arzt zu rufen, der alte Haschim aber begab sich am Arm des Masdakiten zu den Bänken unter den Palmen und schaute von dort aus gedankenvoll zum Sternenhimmel empor, während sein junger Gefährte von der Heimat träumte und sich dort auch ohne den kostbaren Teppich und nur für sein Erspartes Weideland kaufen, ein Haus bauen und ein hübsches...




