E-Book, Deutsch, 1319 Seiten
Ebers Eine ägyptische Königstochter
Verbesserte Ausgabe
ISBN: 978-80-7484-196-5
Verlag: e-artnow
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ägypten im sechsten Jahrhundert vor unserer Zeit
E-Book, Deutsch, 1319 Seiten
ISBN: 978-80-7484-196-5
Verlag: e-artnow
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Dieses eBook: 'Georg Ebers: Eine ägyptische Königstochter' ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen. Ägypten im sechsten Jahrhundert vor unserer Zeit: Der Pharao Amasis verwaltet umsichtig das Reich am Nil. Um den Frieden mit den immer mächtiger werdenden Persern zu besiegeln, will Amasis seine hübsche Tochter Nitetis dem persischen Thronfolger zur Frau geben. Aber sein Sohn, der Wachs in den Händen der fremdenfeindlichen Priester ist, arbeitet diesem Plan mit aller Macht entgegen... Georg Moritz Ebers (1837 - 1898) war ein deutscher Ägyptologe und Schriftsteller. Mit seinen historischen Romanen und populärwissenschaftlichen Büchern trug er zur großen Popularität der Ägyptologie im ausgehenden 19. Jahrhundert bei. Beginnend mit Eine ägyptische Königstochter (1864) verfasste Ebers zahlreiche historische Romane, die auf großes Leserinteresse stießen. Neben Felix Dahn gilt er als der bedeutendste Vertreter des 'Professorenromans'. Die Themen der Romane wählte er teilweise aus dem Umfeld seiner wissenschaftlichen Arbeit, also der ägyptischen Geschichte, aber auch aus anderen Epochen (Mittelalter).
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Erster Band
Erstes Kapitel.
Der Nil hatte sein Bett verlassen. Weit und breit dehnte sich da, wo sonst üppige Saatfelder und blühende Beete zu sehen waren, eine unermeßliche Wasserfläche. Nur die von Dämmen beschützten Städte mit ihren Riesentempeln und Palästen, die Dächer der Dörfer so wie die Kronen der hochstämmigen Palmen und Akazien überragten den Spiegel der Fluth. Die Zweige der Sykomoren und Platanen hingen in den Wellen, während die hohen Silberpappeln mit aufwärts strebenden Aesten das feuchte Element meiden zu wollen schienen. Der volle Mond war aufgegangen und goß sein mildes Licht über den mit dem westlichen Horizonte verschwimmenden libyschen Höhenzug. Auf dem Spiegel des Wassers schwammen blaue und weiße Lotusblumen. Fledermäuse verschiedener Art schwangen und schnellten sich durch die stille, von dem Dufte der Akazien und Jasminblüthen erfüllte Nachtluft. In den Kronen der Bäume schlummerten wilde Tauben und andere Vögel, während, beschützt von dem Papyrusschilfe und den Nilbohnen, die am Ufer grünten, Pelikane, Störche und Kraniche hockten. Erstere verbargen im Schlafe die langgeschnäbelten Köpfe unter die Flügel und regten sich nicht; die Kraniche aber schraken zusammen, sobald sich ein Ruderschlag oder der Gesang arbeitender Schiffer hören ließ, und spähten, die schlanken Hälse ängstlich wendend, in die Ferne. Kein Lüftchen wehte, und das Spiegelbild des Mondes, welches wie ein silberner Schild auf der Wasserfläche schwamm, bewies, daß der Nil, der die Katarrhakten wild überspringt und an den Riesentempeln von Ober-Aegypten schnell vorbeijagt, da, wo er sich dem Meere in verschiedenen Armen nähert, sein ungestümes Treiben aufgegeben und sich gemessener Ruhe überlassen habe.
In dieser Mondnacht durchschnitt 528 Jahre vor der Geburt des Heilandes eine Barke die beinahe strömungslose kanopische Mündung des Nils. Ein ägyptischer Mann saß auf dem hohen Dache des Hinterdecks und lenkte von dort aus den langen Stab des Steuerruders(Anm. 1) Wilkinson, Manners and customs of the ancient Egyptians. III. 196 und III. plate XIV. Eine schöne Zusammenstellung der Fahrzeuge, deren sich die alten Aegypter bedienten, findet sich bei Dümichen, Die Flotte einer ägyptischen Königin, T. I–V, T. XXV–XXXI. Hier sehen wir auch die von einer Ophirfahrt heimkehrenden Schiffe, welche, außer den Pfauen, alle jene Schätze mitbringen, von denen wir durch das I. B. der Könige wissen (9, 28; 10, 11), daß sie den mit seinem Freunde Hiram von Phönizien Seefahrer aussendenden Salomo bereicherten. Selbst über den Fortschritt der nautischen Kunst bei den Aegyptern geben die Denkmäler Kunde. Das bewegliche Steuer ward erst in späterer Zeit verwendet. Werkstellen von Schiffbauern zeigen die Monumente schon in der Pyramiden-Zeit, z. B. in den Mastaba von Sakkara, welche sich die Reichsgroßen in der vierten Dynastie als Grüfte und Grabkapellen erbauten. Sie gaben den Mastaba die Form von abgestumpften Pyramiden, ließen ihre Außenwände ungeschmückt; ihr Inneres wurde aber um so reicher ornamentirt mit jenen zarten und doch scharf und charakteristisch behandelten Basreliefs, die heute noch die Bewunderung unserer Bildhauer erwecken. Schiffsdarstellungen z. B. in dem Mastaba des Ti. Dümichen, Resultate der auf Befehl Sr. Maj. des Königs Wilhelm I. unternommenen Reise I. T. II. und IV. Als Beigabe zu diesem Werke gibt der Verfasser eine ganz vorzügliche Abhandlung von Graser, dem größten Kenner des antiken Seewesens. Das Seewesen der alten Aegypter.. In dem Kahne selbst versahen halbnackte Ruderknechte singend ihren Dienst. Unter dem offenen, einer hölzernen Laube gleichenden Kajütenhause lagen zwei Männer auf niedrigen Polstern. Beide waren augenscheinlich keine Aegypter. Selbst das Mondlicht ließ ihre griechische Herkunft erkennen. Der Aeltere, ein ungewöhnlich großer und kräftiger Mann im Beginn der sechziger Jahre, dessen dichte graue Locken bis auf den gedrungenen Hals ohne sonderliche Ordnung herniederfielen, war mit einem schlichten Mantel bekleidet und schaute düster in den Strom, während sein etwa zwanzig Jahre jüngerer Gefährte, ein schlanker und zierlich gebauter Mann, bald zum Himmel hinaufblickte, bald dem Steuermann ein Wort zurief, bald seine schöne purpurblaue ChlamisDie Chlamis war ein leichter Sommermantel von meist kostbaren Stoffen, welcher namentlich von eleganten Athenern getragen wurde. Der einfache Mantel, das Himation, wurde von den dorischen Griechen, namentlich den Spartanern, getragen. in neue Falten warf, bald sich mit seinen duftenden braunen Locken oder dem zart gekräuselten Barte zu schaffen machte.
Das Fahrzeug war vor etwa einer halben Stunde aus Naukratis (Anm. 2) Diese Stadt, welche der Schauplatz eines Theiles unserer Erzählung sein wird, lag im Nordwesten des Nildelta's im saïtischen Nomos oder Bezirke, am linken Ufer der kanopischen Mündung des Nils. Nach Strabo und Eusebius ist dieselbe von Milesiern gegründet worden, und zwar, wie Bunsen rechnet, um 749 v. Chr. In früherer Zeit scheint griechischen Schiffen die Einfahrt in die kanopische Mündung nur im Nothfalle gestattet gewesen zu sein. Damals beschränkte sich auch der ganze Verkehr der Aegypter mit den verhaßten Ausländern auf die kleine, der Stadt Thonis gegenüber liegende Insel Pharus. Hom. Odyss. IV. 36. Herod. II. 113 und 114. E. Curtius versucht in seinem geistreichen Schriftchen über die Ionier eine weit frühere Verbindung namentlich der Ionier mit den Aegyptern nachzuweisen. Eine solche hat jedenfalls stattgefunden, aber kaum unmittelbar durch den genannten berühmten Stamm; vielmehr war die Nordküste von Unterägypten schon sehr früh von Phöniziern colonisirt worden, die sich ganz den ägyptischen Sitten anschlossen, Aegypto-Phönizier genannt werden können und der Politik ihrer Verwandten in Tyrus und Karthago treu blieben, allen Fremden durch Gewalt und List die von ihnen eröffneten Tausch-und Handelsplätze zu verschließen. Näheres in unserem Werke: Aegypten und die Bücher Mose's, S. 195. In jüngster Zeit hat Brugsch einige neue Beiträge für die Begründung der hier ausgesprochenen Ansicht geliefert. Histoire d' Égypte. Deuxième édition. p. 128. Cap. XI. Le sémitisme en Égypte. Sobald sich die Griechen einmal in Naukratis niedergelassen hatten, befestigten sie dasselbe und erbauten ihren Göttern Tempel: die Aegineten dem Zeus, die Milesier dem Apollo, die Samier der Hera. – Außerdem wurde daselbst ein großer, vielen Städten und Stämmen gemeinsamer Tempel und eine Art von Hansa, das Hellenion, gegründet. Alexander wählte später in der Nähe dieser blühenden Handelsstadt den Platz zur Gründung von Alexandria., dem einzigen hellenischen Hafenplatze im damaligen Aegypten, abgesegelt. Der graue, düstere Mann hatte auf der ganzen Fahrt kein Wort gesprochen, und der andere, jüngere, ihn seinen Gedanken überlassen. Als sich jetzt die Barke dem Ufer näherte, richtete sich der unruhige Fahrgast auf und rief seinem Genossen zu: »Gleich werden wir am Ziele sein, Aristomachus. Dort drüben, links, das freundliche Haus in dem Garten voller Palmen, der die überschwemmten Fluren überragt(Anm. 3) Wir sind im Oktober, wo der Nil bereits zu sinken beginnt. Die Gründe der Inundation sind namentlich seit H. Barths großartiger tabellarischer Arbeit (Zeitschr. für allgemeine Erdkunde. 1863. XIV. Bd. und S. Bakers Reise in Abessinien) genau bekannt geworden. Die Tropenregen und das Schmelzen des Schnee's auf den Hochgebirgen am Aequator verursachen die Ueberschwemmung. Anfangs Juni macht sich ein allmähliges Steigen des Stromes bemerklich, zwischen dem 15. und 20. Juli wird das langsame Schwellen zu einem rapiden Wachsen, Anfangs Oktober erreicht die Nilhöhe ihren Gipfelpunkt, den sie, nachdem sie schon den Rücktritt begonnen, zum andern Male zu erreichen sucht, um bald allmählig, und dann schnell und immer schneller zu sinken. Im Januar, Februar, März und April trocknet das Wasser noch immer nach; im Mai hat der Strom seinen tiefsten Stand erreicht. Seine Wassermenge ist dann 20mal so gering wie im Oktober., ist die Wohnung meiner Freundin Rhodopis. Ihr verstorbener Gatte Charaxus hat es bauen lassen, und all' ihre Freunde, ja selbst der König, beeifern sich, es in jedem Jahre mit neuen Verschönerungen zu versehen. Unnöthige Mühe! Dieses Hauses beste Zierde wird, und wenn sie alle Schätze der Welt hineintragen wollten, seine herrliche Bewohnerin bleiben!«
Der Alte richtete sich auf, warf einen flüchtigen Blick auf das Gebäude, ordnete mit der Hand seinen dichten grauen Bart, der Kinn und Wangen, aber nicht die Lippen(Anm. 4) Die Spartaner pflegten keine Schnurrbärte zu tragen. umgab, und fragte kurz: »Welches Wesen, Phanes, machst Du von dieser Rhodopis? Seit wann preisen die Athener alte Weiber?« Der also Angeredete lächelte und erwiederte selbstgefällig: »Ich glaube, daß ich mich auf die Menschen, und ganz besonders auf die Frauen wohl verstehe, versichere Dich aber nochmals, daß ich nichts Edleres in ganz Aegypten kenne, wie diese Greisin. Wenn Du sie und ihre holde Enkelin gesehen und Deine Lieblingsweisen von einem Chor vortrefflich eingeübter Sklavinnen(Anm. 5) Die Griechen ließen sich bei ihren Gastmählern oft durch Musik unterhalten; aber auch in Aegypten zeigen uns die Bilder bei den Gesellschaften gewöhnlich singende oder die Doppelflöte blasende Frauen, blinde Harfenisten &c. gehört haben wirst, so dankst Du mir sicher für meine Führung!« – »Dennoch,« antwortete mit ernster Stimme der Spartaner, »wäre ich Dir nicht...




