Ebert | Swami Brahmananda | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 4, 266 Seiten

Reihe: Ramakrishna und seine Schüler

Ebert Swami Brahmananda

Sein Leben und seine Lehre
1. Auflage 2026
ISBN: 978-3-6957-9062-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Sein Leben und seine Lehre

E-Book, Deutsch, Band 4, 266 Seiten

Reihe: Ramakrishna und seine Schüler

ISBN: 978-3-6957-9062-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Rakhal, der spätere Swami Brahmananda (1863-1922) war der geistige Sohn Ramakrishnas und der Gegenpol zu Narendra (Swami Vivekananda). War Narendra sehr verstandesbezogen und kritisch, so gab sich Rakhal von Anfang an seinem Meister Ramakrishna hin wie ein Kind seiner Mutter. Während Vivekananda in den Westen ging und den Vedanta verbreitete, blieb Brahmananda in Indien und kümmerte sich um das Kloster und die jungen Mönche. 1901 wurde er der erste Präsident des Ramakrishna-Math und der Ramakrishna-Mission. Nach Vivekanandas Tod 1902 fiel die gesamte Verantwortung auf ihn. Er gründete einige neue Niederlassungen in Indien und unterwies die jungen Mönchsschüler, stand aber auch den Menschen, die zu ihm kamen, mit Rat und Tat zur Seite. Er war ein ebenso strenger Lehrer, wie er ein gütiger Vater war. Seine Lehre ähnelt der Ramakrishnas. Diese Biografie erzählt lebendig von Brahmanandas spirituellen Erkenntnissen und Lebensweisheiten aber auch von seinem Humor und seiner Liebe zum Gärtnern. Im zweiten Teil finden sich seine Belehrungen an seine Mönchsschüler.

Autorin der Biografien über Ramakrishna, Sarada Devi und Vivekananda sowie über Ramana Maharshi, Nisargadatta, Sai Baba von Shirdi, Swami Ramdas und Krishnamurti.
Ebert Swami Brahmananda jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Rakhal begegnet Ramakrishna


Keshab Chandra Sen war der erste, der öffentlich von der Größe Ramakrishnas predigte. Die Gläubigen begannen, zum Tempel in Dakshineswar zu strömen, um den Meister zu besuchen. Zu ihnen gehörten Manomohan Mitra und Shyama Sundari, der Bruder und die Mutter von Vishweshwari, Rakhals junger Frau. Zum Zeitpunkt von Rakhals Hochzeit waren die beiden bereits glühende Verehrer von Ramakrishna.

Manomohan Mitra, einer der ersten verheirateten Schüler Ramakrishnas (1851-1903)

Es war nur natürlich, dass Manomohan Ramakrishna seinen neuen Schwager vorstellte. Rakhal kam im Juni oder Juli 1881 zum ersten Mal nach Dakshineswar, wenige Monate bevor Ramakrishna zum ersten Mal Narendra begegnen würde.

Schon einige Zeit vor diesem Besuch hatte Ramakrishna spirituelle Visionen über seinen zukünftigen Schüler. Einmal betete er zur Göttlichen Mutter: „Mutter, ich möchte jemanden, der mein ständiger Begleiter ist. Bringe mir einen Jungen, der ein reines Herz hat und Dir innig ergeben ist.“ Einige Tage später sah er in einer Vision einen Jungen unter dem Banyanbaum auf dem Tempelgelände stehen. Ein andermal erschien ihm derselbe Junge erneut. Er berichtete: „Mutter, setzte einen kleinen Jungen auf meinen Schoß und sagte: ‚Das ist dein Sohn.‘ Zuerst war ich erschrocken. ‚Mein Sohn?‘ Mutter lächelte und gab mir zu verstehen, dass ich keinen Sohn im gewöhnlichen Sinne haben würde, sondern dass dieser Junge mein geistiger Sohn sein würde, einer, der dem höchsten Ideal der Entsagung gerecht werden würde.“3

Von dieser Stunde an wartete Ramakrishna sehnsüchtig auf die Ankunft seines geistigen Sohnes. Wenige Augenblicke, bevor Rakhal tatsächlich kam, hatte er eine weitere Vision. Er sah einen hundertblättrigen Lotus, der am Ufer des Ganges blühte, und jedes seiner Blütenblätter leuchtete mit erlesener Schönheit. Auf dem Lotus tanzten zwei Jungen mit Kettchen an den Füßen. Einer von ihnen war , der andere war derselbe Junge, den er bereits in seiner früheren Vision gesehen hatte. Ihr Tanz war unbeschreiblich schön. Ramakrishna geriet in Ekstase. Er hielt den anderen Jungen für einen Gefährten .

In diesem Moment traf ein Boot mit Manomohan und Rakhal ein. Ramakrishna sah Rakhal fassungslos an. „Wer ist das?“, dachte er bei sich: „Das ist der Junge, den ich unter dem Banyanbaum stehen sah. Das ist der Junge, den Mutter auf meinen Schoß setzte. Das ist der Junge, den ich soeben mit Sri auf dem Lotos tanzen sah. Dies ist der reinherzige Gefährte, um den ich Mutter gebeten habe.“

Danach unterhielt er sich mit Rakhal, als wäre er ein alter Freund.

„Wie heißt du?“, fragte er.

Rakhal antwortete: „Rakhal Chandra Ghosh.“

Als Ramakrishna den Namen „Rakhal“ hörte, war er aufgeregt und murmelte vor sich hin: „Rakhal, der Hirtenjunge von Vrindavan, der Spielkamerad von Sri !“ Dann sagte er mit zärtlicher Stimme: „Komm und besuche mich wieder.“4

Rakhal empfand in der Gegenwart des Meisters ein eigenartiges Gefühl von Freude, Liebe und intensiver Anziehung. Als er das Tempelgelände verließ, hallte diese liebliche Stimme in seinem Herzen wider: „Komm und besuche mich wieder.“ Er wusste, dass er endlich einem Mann begegnet war, der Gott gesehen und erkannt hatte.

Ramakrishna in seinem Zimmer

Rakhal kehrte nach Hause und in die Schule zurück, konnte aber den Besuch beim Meister nicht vergessen. Er dachte ständig an Ramakrishna und wartete ungeduldig darauf, ihn wiederzusehen.

Wer die Biografie von Vivekananda gelesen hat, wird sich erinnern, dass Narendras erste Reaktion auf Ramakrishna gewesen war, ihn für einen Verrückten zu halten, wenn auch für einen sehr reinen Verrückten. Bis zuletzt zweifelte er an ihm, diskutierte mit ihm, machte sich über seine Liebe zur Göttlichen Mutter lustig und stellte ihn auf die Probe. Bei Rakhal war das ganz anders. Er ergab sich ihm von Anfang an.

Einige Tage später ging Rakhal nach der Schule allein nach Dakshineswar. Der Meister empfing ihn freudig und sagte mit großer Zuneigung: „Warum bist du nicht früher zu mir gekommen? Ich habe auf dich gewartet.“ Rakhal wusste nicht, was er antworten sollte. Er schaute den Meister an und empfand dieselbe ekstatische Freude wie beim letzten Mal. Er fühlte sich wie ein kleines Kind, das zu den Füßen Gottes, des Vaters, sitzt. Von diesem Tag an war die Beziehung zwischen den beiden gefestigt. Rakhal sah in Ramakrishna Vater, Mutter und Gott. Ramakrishna sah in Rakhal das göttliche Kind.

Ramakrishna erzählte nur wenigen Schülern von seiner Vision von Rakhal, der mit auf dem Lotus tanzte. Er warnte sie, Rakhal davon zu erzählen, denn sonst, so fürchtete er, könnte Rakhal seinen Körper verlassen, wenn er seine wahre Natur als ewiger Gefährte erkennen würde. Das Geheimnis wurde sorgfältig gehütet. Er nannte ihn auch einen , ein gottähnliches Wesen, und sagte voraus, dass er eines Tages eine bedeutende Rolle bei der Arbeit der Göttlichen Mutter spielen würde und Sie ihm dafür Ihre Kraft gegeben habe. Ein andermal sagte er: „Rakhal ist wie die Sorte Mangos, die grün aussieht, wenn sie reif ist.“

Rakhals Besuche beim Meister wurden immer häufiger. Manchmal lebte er tagelang im Tempel. Dann vergaß er die alltägliche Welt völlig und vertiefte sich in das Bewusstsein Gottes und Seiner Gegenwart. Er schlief in Ramakrishnas Zimmer. Wenn er nachts aufwachte, fand er Ramakrishna meditierend vor. Der Meister ging in seiner Ekstase auf und ab und wiederholte: „Mutter, Mutter!“

Rakhals Vater war zutiefst beunruhigt und versuchte auf vielerlei Weise, seinen Sohn zum weltlichen Leben zurückzubringen und sich auf seine Ausbildung zu konzentrieren. Er verbot ihm, zu Ramakrishna zu gehen. Als seine Ratschläge und Drohungen nichts nützten, sperrte er ihn im Haus ein. Doch Rakhal sehnte sich danach, zu seinem Meister zu gehen, und Ramakrishna betete inständig zur Göttlichen Mutter, dass alle Hindernisse auf seinem spirituellen Weg beseitigt werden mögen.

Eines Tages zwang sein Vater ihn, sich in seinem Arbeitszimmer neben ihn zu setzen, während er einige juristische Dokumente überprüfte. Sobald Rakhal bemerkte, dass sein Vater in die Arbeit vertieft war, ergriff er die Gelegenheit, schlich aus dem Zimmer und eilte zu seinem Meister.

Sein Vater wusste, dass Rakhal zu Ramakrishna gegangen sein musste, konnte aber einige Tage lang nichts ausrichten, weil er sich um einen Rechtsstreit vor Gericht kümmern musste. Es war sehr unwahrscheinlich, dass er ihn gewinnen würde, doch er gewann ihn und schrieb es schließlich dem Segen Ramakrishnas zu. Als er Zeit hatte, fuhr er nach Dakshineswar.

Als Rakhal seinen Vater kommen sah, erschrak er und wollte sich verstecken, aber Ramakrishna ließ es nicht zu. Also ging Rakhal, dem Rat seines Meisters folgend, auf seinen Vater zu und begrüßte ihn mit Ehrerbietung.

Ramakrishna hieß ihn herzlich willkommen und meinte: „Was für einen schönen Charakter Rakhal entwickelt hat! Sieh nur in sein Gesicht, und du wirst bemerken, dass sich hin und wieder seine Lippen bewegen. Er wiederholt innerlich den Namen Gottes, deshalb bewegen sich seine Lippen. Jungen wie er gehören der Klasse der stets Vollkommenen an. Sie wurden mit Gottesbewusstsein geboren. Ach, was für ein liebliches Wesen Rakhal jetzt hat! Und warum sollte es nicht so sein? Wenn die Süßkartoffel gut ist, sind auch ihre Triebe gut. Wie der Vater, so der Sohn.“5

Rakhals Vater freute sich über dieses Lob seines Sohnes. Zudem bemerkte er, dass Anwälte und Richter unter den Anhängern Ramakrishnas waren, aus deren Bekanntschaft er Vorteile ziehen konnte, da er als weltlicher Mann immer mit Rechtsstreitigkeiten zu tun hatte. Anstatt auf Rakhals Rückkehr nach Hause zu bestehen, bat er Ramakrishna, den Jungen gelegentlich zu ihm zu schicken. Damit war die Angelegenheit geregelt. Rakhal blieb bei Ramakrishna und diente ihm. Gelegentlich bat Ramakrishna ihn, für einen oder zwei Tage nach Hause zu gehen, und manchmal kam sein Vater nach Dakshineswar.

Anfangs verhielt sich Rakhal wie ein Kind. Ramakrishna erinnerte sich an diese frühen Tage und sagte zu seinen vertrauten Schülern: „Keine Worte können Rakhals spirituelle Stimmung während dieser Zeit beschreiben. Meistens lebte er in einem Zustand der Ekstase. Er war wie ein kleines Kind, das hilflos in den Armen seiner Mutter liegt und sich ihr völlig hingibt – immer im Bewusstsein der göttlichen Beziehung. Wenn er in meiner Nähe war, wurde auch ich in ein höheres spirituelles Bewusstsein versetzt. Ich spielte mit ihm wie , die göttliche Mutter, mit ihrem göttlichen Kind spielte.“6

Rakhal, ca. 1881

Bei vielen seiner Verehrer nahm Ramakrishna die Rolle als Vater, Mutter oder Freund ein, aber Rakhal war für ihn immer wie...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.