E-Book, Deutsch, 191 Seiten
Eckhaus Liebeschaos leicht gemacht
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-95824-754-3
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Roman
E-Book, Deutsch, 191 Seiten
ISBN: 978-3-95824-754-3
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Tim Eckhaus wurde unter anderem Namen, völlig nackt und ohne Geld auf dem Planeten Erde geboren. Zunächst konnte er nicht sprechen, also begann er gleich mit dem Schreiben. Leider gelang es ihm nie, sich selbst und die Welt allzu ernst zu nehmen. Daher verfasst er heute ironisch-heitere Texte. Zum Beispiel romantische Komödien, aber endlich mal aus Sicht des Mannes. Und der hat es heute ziemlich schwer, findet Tim Eckhaus. Seine Website www.timeckhaus.com ist auch Heimat des weltweit ersten 'Anti-Ratgebers': Gratis-Tipps für alle Lebenslagen - witzig, absurd und mit der richtigen Dosis Ironie versehen.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Kapitel 1
Wie soll ich bloß die Eine erkennen?, fragte Lucas sich, umgeben von Rosen und Hyazinthen. Das war eine berechtigte Frage, schließlich trugen Frauen ja keine knallgelben Schilder mit der Aufschrift: »Hier! Ich bin die Eine, die Richtige. Die, mit der du den Rest deines Lebens verbringen willst!«
Lucas Breitfelds Liebesleben war derzeit ein Desaster, ohne Aussicht auf Besserung. Sein 30. Geburtstag lag nun ein halbes Jahr zurück. Ein eher bitteres Erlebnis, durch das ihm die Notwendigkeit, einen Gang höher zu schalten, schmerzhaft bewusst geworden war. Denn bisher waren alle seine Versuche, die Eine zu finden, in etwa so erfolgreich gewesen wie die Jungfernfahrt der Titanic.
Der Grund, warum Lucas sich in diesem Moment die Frage nach der Auffindbarkeit der Einen stellte, stand unweit von ihm entfernt in seinem Blumenladen und betrachtete die ausgestellten Lilien. Die selbstbewusste Art der hübschen Schwarzhaarigen, an den Preisschildern vorbeizugehen, ließ Lucas sie in die Kategorie der »Ich muss ja nicht«-Käuferin einordnen. Solche gab es viele, obwohl sich jede Einzelne von ihnen für etwas Besonderes hielt. Seit er den Laden vor zwei Jahren hier in der Innenstadt eröffnet hatte, waren wohl jeden Tag zwei oder drei dieser Sorte hier gewesen. Dieser Typ Käuferin war nicht der schlechteste, denn obwohl er lange zögerte, sich jeden Stengel genau ansah und viele Fragen stellte, ging er meist nicht mit leeren Händen.
Tolle Figur, dachte Lucas und fand sich selbst oberflächlich. Aber andererseits: Wonach sonst konnte »Mann« eine Frau beurteilen, die Mann nicht kannte? Mit der Mann noch nie ein Wort gewechselt hatte? O. k., es blieb total oberflächlich.
Er ließ die Schwarzhaarige nicht aus den Augen und tat so, als würde er sich mit der Kasse beschäftigen, in der wie immer viel zu wenige Scheine und Münzen ihre Aufwartung machten. Schließlich nahm Lucas seinen Mut zusammen. Er konnte ja schlecht darauf warten, dass sie ihn anspräche – das taten sie nie. Die Gelegenheit war günstig, denn Gabi, seine oft mütterliche Ratschläge von sich gebende ältere Teilzeitkraft, hatte heute ihren freien Tag. Auch Hannes, sein Lehrling, war gerade nicht im Laden. Somit hatte Lucas freie Bahn – und kein Publikum –, als er sich der attraktiven Frau näherte.
»Kann ich Ihnen behilflich sein?«, fragte er.
Die heiße Schwarzhaarige musterte ihn von oben bis unten. Ja, genau das kannte er – diesen Blick, diese erste Einschätzung.
Er konnte erkennen, dass sie auch diesmal positiv ausfiel – wenig überraschend. Lucas wusste, dass er ein gutaussehender Mann war: groß, schlank, etwas längeres, volles Haar, strahlende Augen und ein gewinnendes Lächeln.
»Kommt ganz darauf an …«, sagte die Schwarzhaarige.
Das hätte nun der Auftakt für eine durchaus prickelnde Konversation sein können, die wer weiß wohin geführt hätte. Nur leider kam es ganz anders. Wenn dieser erste zarte Kontakt das Perlen einer gerade geöffneten Flasche Champagner darstellte, so war das Ende dieses Gespräches ungefähr so, als trinke man Champagner, der zwei Wochen lang geöffnet auf der Fensterbank gestanden hatte. Wie hatte das in nur fünf Minuten passieren können? Dabei hatte er sie doch so gut beraten, hatte ihr alles über Iris, Orchideen und Nelken erzählt. Er hatte keine Ahnung, was es bedeutete, dass die Kundin schließlich statt einer Blume einen großen, länglichen Kaktus kaufte und wortlos das Geschäft verließ, ohne sich auch nur noch einmal umzudrehen. Auch verstand er nicht, warum Fred so blöd grinste.
»Seit wann bist du hier?« Lucas war überrascht, seinen besten Freund zu sehen. Er hatte nicht bemerkt, dass dieser das Geschäft betreten hatte. Aber wie auch, er war ja … beschäftigt gewesen.
Fred nahm seinen Fahrradhelm ab, legte ihn auf die Theke neben die Kasse und fuhr sich durch das verschwitzte Haar. Es war ein warmer Sommer, und als Kurier legte er doch einige Kilometer pro Tag auf seinem Bike zurück. Darum war Fred auch so drahtig. Dafür machte das ständige Schwitzen seine Haut unrein, obwohl auch er auf die 30 zuging, kamen immer wieder mal wie bei einem Teenager Pickel zum Vorschein. Fred blickte Lucas belustigt durch seine runden Brillengläser an.
»Lang genug, um entsetzt zu sein. Kaum zu glauben, was für einen schwachen Mist du hier abziehst!«
»Was soll das bitte heißen?« Lucas runzelte die Stirn.
»Du bist so ein Schwachmat, ein schlapper Bruder, ein Loser – das ist überhaupt nicht zu packen!«
»Das sehe ich naturgemäß anders.«
Fred lachte verächtlich auf und sagte: »Das kannst du echt nicht bringen. Wie du die Braut anmachst, ist so was von völlig daneben.« Er kam einen Schritt näher, wohl um noch eindringlicher zu werden. Nun flüsterte er fast: »Ich will dir einen Rat geben, denn ich weiß, wie es wirklich läuft.«
In diesem Moment steckte Hannes, Lucas’ Auszubildender, seinen runden, roten Kopf zur Tür herein.
»Chef, ich hätte jetzt Ihre Gummibäume da«, piepste er. Seine hohe, dünne Stimme stand im Kontrast zu seinem fülligen Körper.
Lucas nickte ihm zu. Hannes war zuverlässig, für einen 16-Jährigen eine seltene Eigenschaft. Nur den »Chef« und das »Sie« hatte Lucas ihm einfach nicht abgewöhnen können. Es war schon ungewöhnlich, dass jemand das Angebot seines Chefs, ihn zu duzen, ablehnte. Aber vielleicht zeugte das von besonderem Respekt.
»Hilfst du mir beim Reintragen?«, wandte sich Lucas an Fred.
»Klar, warum nicht?«, sagte Fred. »Aber das Thema ist noch nicht erledigt.«
Körperlich anstrengende Tätigkeiten wie das Tragen von Gummibäumen in Tongefäßen standen sowohl bei Lucas, der die schönen Dinge des Lebens bevorzugte, als auch bei Hannes, der grundsätzlich jede Bewegung scheute, nicht unbedingt ganz oben auf der Liste der liebsten Tätigkeiten. Fred, wohl der Fitteste unter ihnen, zeigte als Einziger kaum Zeichen erhöhter Anstrengung – was auch daran lag, dass er nicht nur täglich viele Kilometer mit dem Rad fuhr, sondern seine Freizeit wandernd in den Bergen verbrachte und bei jeder Gelegenheit irgendwo an einer Felswand hing. Das machte Arme wie aus Stahldraht. Auch jetzt wurde Fred nicht müde, ihnen seine deutliche körperliche Überlegenheit vorzuführen, wobei er fast oberlehrerhaft seine Manöverkritik fortsetzte: »Du hast diese Frau in keiner Weise herausgefordert! Keine Überraschung, dass sie dich kaum beachtet hat.« Er hob mühelos einen schweren Gummibaum an. »Hast du gesehen, was sie am Ende gekauft hat?«
Lucas ließ die Begegnung vor seinem geistigen Auge ablaufen. Obwohl er ihr als Dekoration für ihre Gartenterrasse verschiedene Blumen vorgeschlagen hatte, war ihr Blick – umso häufiger, je länger er ihr Erklärungen lieferte – an dem Kaktus hängen geblieben. Ein dicker, großer, langer Kaktus. Man musste nicht Freud sein, um zu wissen, worauf Fred hinauswollte.
»Kakteen werden als phallisches Symbol überbewertet«, sagte Lucas. »Die hatte noch was zu erledigen, das ist der Grund, dass sie so plötzlich weg war.«
»Ja klar, lüg dir nur in den eigenen Sack. Die hat die Flucht vor dir ergriffen, du hättest sie nämlich sonst zu Tode gelangweilt«, gab sich Fred überzeugt und richtete einen Gummibaum auf, der in seinem Topf verrutscht war. »Wenn du nur ein wenig in dich gehst, musst du zugeben, dass dir das Gleiche doch mit all deinen Exfreundinnen passiert ist: Lydia, Karoline, Franziska …«
»Francesca hieß die«, warf Lucas ein. Leider musste er Fred aber ansonsten recht geben. Tatsächlich waren seine letzten Beziehungen auf unerklärbare Weise auseinandergegangen. Die Frauen hatten alle mit ihm Schluss gemacht und dabei Dinge gesagt wie: »Wir haben uns auseinandergelebt«, »Es ist nicht mehr so, wie es war«, oder auch: »Du bist mir zwischen den Fingern zerronnen« – was immer das heißen sollte.
Fred stellte den letzten Gummibaum ab. »Du musst da einfach härter rangehen. Dein Softie-Weichei-Gesäusel hätte vielleicht im vorigen Jahrhundert funktioniert. Aber jetzt ticken die Frauen anders. Jetzt ist wieder der Mann angesagt, der weiß, was er will.«
»Weiß ich ja auch«, sagte Lucas.
»Und was?«, fragte Fred mit hochgezogenen Augenbrauen, die plötzlich seine runden Brillengläser überragten.
»Ich will die Eine finden. Die Eine, mit der es absolut richtig ist. Verstehst du? Keine Kompromisse.«
»Und dann Hochzeitsglocken? Babygeschrei?«
»Warum nicht?«
Fred zuckte die Schultern. »So weit musst du erst mal kommen. Bei dir scheitert es ja schon bei den einfachsten Dingen. Du kannst ja nicht mal für zehn Minuten das Interesse einer Frau halten.«
Lucas sah Fred böse an. »Ach ja? Und das wäre anders, wenn ich richtig hart und tough wäre? Ein Macho? Ein Cowboy, gerade vom Pferd gestiegen? Dann liegen mir die Damen zu Füßen? Träum weiter!«
»So läuft das nicht«, schüttelte Fred den Kopf. »Du kannst das nicht so plump machen. Du musst einfach die gewisse Ausstrahlung haben: Es geht um … um … die natürliche Überlegenheit des Mannes.«
»Die gibt es?«
»Spielt keine Rolle, ob es die wirklich gibt. Du musst fest daran glauben, dann glaubt sie es auch. Die Frau will grundsätzlich zu einem Mann aufschauen können. Ist so eine Art Spiel. Und vor allem ist das alles in den Genen verankert. Wenn das nicht so wäre, wäre die Menschheit schon ausgestorben.«
Lucas wandte sich von Fred ab. Er holte eine wunderbare, langstielige weiße Rose aus einer Vase und hielt sie Fred hin.
»Genau so sehe ich die Frauen. Sie sind Blumen. Sie sind schön und verletzlich, und man muss...




