Eckstein | Nero (Historischer Roman) | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 205 Seiten

Eckstein Nero (Historischer Roman)

Alle 3 Bände
1. Auflage 2015
ISBN: 978-80-268-4159-3
Verlag: e-artnow
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Alle 3 Bände

E-Book, Deutsch, 205 Seiten

ISBN: 978-80-268-4159-3
Verlag: e-artnow
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Dieses eBook: 'Nero (Historischer Roman)' ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen. Ernst Eckstein (1845-1900) war ein deutscher Schriftsteller. Eckstein verfasste zahlreiche historische Romane mit Themen aus der römischen Antike. Aus dem Buch: 'Ein bitteres Lächeln zuckte um ihre Lippen, eine Verzerrung, die etwas Höhnisches hatte. Dann lag sie wieder unbeweglich und ausdruckslos. Ihr Bewußtsein schien im Entschwinden. Mit einemmal fuhr sie im Bette empor. Jach, wie der Schrei einer Irrsinnigen, klang es von ihren Lippen: 'Octavia! Hast du dich satt getrunken an meinem Blute?''

Eckstein Nero (Historischer Roman) jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Zweites Kapitel


Unter den schallenden Jubelrufen der Menge hatte sich die kaiserliche Lectica wieder in Bewegung gesetzt.

Nero und Agrippina kamen vom Haus des Afranius Burrus, des Oberbefehlshabers der prätorianischen Leibwache. Burrus litt seit einigen Tagen am Fieber. Das Uebel schien, dem Ausspruch der Aerzte zufolge, geringfügig: aber dem einflußreichen Gardepräfekten schuldete man eine besondere Aufmerksamkeit.

Wie die Sänfte mit ihrer kriegerischen Gefolgschaft jetzt aus dem Vicus Cyprius abbog, kehrten die Gedanken der Kaiserin an das Krankenlager des Burrus zurück.

Heimliche Mißstimmung lag auf ihrem Gemüt: je mehr sie wahrnahm, daß sich die Gunst der Massen ihrem einst so zärtlich geliebten Sohne zuwandte, um so eifersüchtiger ward sie auf den gefährlichen Nebenbuhler. Nun suchte sie Befreiung von diesem Druck, indem sie bei Vorstellungen verweilte, die ihr die alte Zuversicht wiedergaben.

Burrus, der Oberst der Leibwache, und Seneca, der ehemalige Lehrer des Nero, hatten bis dahin ihr treulich zur Seite gestanden, wenn es galt, den jugendlichen Imperator zu lenken, die Regierungsgeschäfte im Sinne der Kaiserin zu erledigen und ihrem Sohne die Anschauung beizubringen, sie, Agrippina, sei die Erste im Reich, er aber, aus Gründen natürlicher Pietät, nur der Zweite.

Wenn so Burrus ihr Schwert und Lucius Annäus Seneca ihr Schild war: was fragte sie dann nach dem Gemurre oder dem Jubel des Volkes? Was kümmerte sie das heimliche Schwirren jener dunklen Gerüchte, die – sie spürte es, wie man den ungesehenen Blick eines feindseligen Beobachters spürt – allenthalben von Mund zu Mund gingen? Burrus zumal war ein Präfekt, wie sie ihn besser nicht wünschen konnte: sehr empfänglich für ihre Schönheit, äußerst dankbar für jedes huldvolle Lächeln, aber mehr noch durchdrungen von dem Gefühl seiner Pflicht und dem Gedanken des Allgemeinwohls. Er hatte Verständnis dafür, daß ein erfahrenes, geistig begabtes Weib besser für die Regierung taugt, als ein kaum zur Reife gelangter phantastischer Jüngling . . .

»Was sinnst du, Mutter?« fragte der Imperator auf griechisch. »Du beachtest kaum noch die Grüße der Senatoren . . .«

»So? Ich bemerkte nichts . . .«

»Thrasea Pätus kam des Weges daher mit vielen Klienten. Ich nickte ihm zu: du aber danktest ihm nicht, sondern verbargst dich sogar wie mit Absicht hinter dem Vorhang.«

»Schien es dir so?« erwiderte Agrippina. »Dergleichen verzeiht man füglich den Müttern, die unablässig ans Wohl ihrer Söhne denken. Ich übersann deine Zukunft, – und ich gestehe dir, daß ich nicht ganz ohne Sorge bin.«

»Sorge? Weshalb? Liegt die Erde nicht blühend zu meinen Füßen? Bin ich nicht Cäsar? Ja, beim Glanz dieses Himmels: ich kann Glückliche machen bis in die fernsten Gelände, – Glückliche, so weit ein römisches Segel das Meer durchfurcht! Mein Volk liebt mich! Noch eben, in dieser Minute, hast du gehört, wie das dankbare Jubelgeschrei, einem helvetischen Bergstrom vergleichbar, aus tausend Kehlen erquoll! ›Heil dem Kaiser! Heil dem Claudius Nero, der Wonne des Menschengeschlechts!‹ Ach, Mutter, das klingt meinem Ohr wie ein Festgesang der Unsterblichen!«

Agrippina errötete. Sie schüttelte langsam das majestätische Haupt.

»Dennoch, mein Knabe, – ich bin besorgt! Du scheinst mir zu weich, zu schmiegsam für das furchtbare Herrscheramt eines Cäsar. Dein harmloses Auge übersieht die entsetzliche Tücke, die rings in den Höhlen und Schlupfwinkeln eines verabscheuungswürdigen Neides lauert. Du mußt frühzeitig mit gebührender Strenge walten. Geliebt sein ist gut; gefürchtet sein ist besser und sicherer. Füge dich hier, wie in so mancher bedeutsamen Frage, meiner bewährten Einsicht! Laß mich handeln, wo ich's für gut finde! Meinst du, die Senatoren, die sich in scheinbarer Ehrerbietung vor deiner Größe beugen, seien innerlich von dieser Größe durchdrungen? Ach, wie schlecht kennst du die römischen Aristokraten! Sie denken: ›Nero ist Cäsar durch unsre gnädige Duldung!‹ Fällt's ihnen bei, und bietet sich die erwünschte Gelegenheit, so zertrümmern sie deine Herrschaft so gut, wie jüngst die Herrschaft des Claudius.«

»Des Claudius?« wiederholte der Kaiser befremdet.

»Jawohl, – deines Stiefvaters, meines erlauchten Gemahls. Mitglieder des hohen Rates sind es gewesen, die ihn vergiftet haben.«

»Seneca hat mir die Sache anders erzählt,« erwiderte Nero.

Agrippina erblaßte. Gleich darauf aber sagte sie mit erkünstelter Ruhe: »Du machst mich neugierig. Damals – du weißt, der Senat verwehrte die Untersuchung, – und dieser Umstand allein . . .«

»Sie wäre zwecklos gewesen, da der Giftmörder nicht zu erreichen war. Solltest du in der That keine Ahnung haben . . .?«

Die Kaiserin zitterte.

»Nicht die geringste,« sprach sie, die Augen schließend.

»So hat man dich schonen wollen,« fuhr Nero fort. »Ein persönlicher Gegner des Claudius, der Freigelassene Eutropius, hat die Unthat begangen.«

»Allerdings,« stammelte Agrippina, – »aber ich dachte, er sei nur das Werkzeug höherstehender Feinde gewesen.«

»Nicht doch! Der Kaiser Claudius hatte gedroht, ihn wegen zahlreicher Diebstähle zur Verantwortung zu ziehen, – und so kam der Verbrecher seinem Richter zuvor. Eh' man ihn fassen konnte, war er spurlos verschwunden. Aber lassen wir dies betrübsame Thema! Der Mahnung des Seneca eingedenk, hätte ich's überhaupt nicht berühren sollen.«

Er zog die Gardine vor, als gälte es, eine empfindliche Dulderin vor allzugrellem Lichtschein zu hüten. Dann lehnte er sein Haupt zärtlich an die Schulter der Mutter, holte tief Atem und fragte sie plötzlich: »Wie gefiel dir das blonde Mädchen, das für den Freigelassenen des Flavius Scevinus um Gnade flehte?«

»Ich hatte nicht acht auf sie.«

»Ich fand sie bezaubernd! Dieses kindlich-holde Gesicht, diese wonnigen Augen! Sie glich ein wenig der Psyche im Oecus der Acerronia, und doch, wie viel hundertmal schöner und lebensvoller!«

»Das klingt ja fast wie Begeisterung. Leider gelingen dir solche Gemütstöne immer nur da, wo sie nicht völlig am Platze sind. Schwärmtest du halb so sehr für Octavia!«

»Mutter, ich bin dir stets ein gefälliger Sohn gewesen; ich werde auch jetzt gehorchen, zumal schon dein verstorbener Gatte diese Verbindung gewünscht hat . . .«

»Gehorchen! Als wär's eine Strafe, dem vornehmsten, liebenswürdigsten Mädchen der Hauptstadt die Hand zu reichen!«

»Für andre vielleicht ein unermeßliches Glück,« sagte der Kaiser gemessen. »Ich bestreite nicht ihren Wert, aber mir fehlt das Verständnis dafür. Octavia ist zu vollkommen für mich.«

»Stehst du schon jetzt auf diesem bedenklichen Standpunkt? Ein Blumenmädchen vom Argiletum oder ein schmetterlingshaftes Geschöpf, wie die Kitharaspielerin Chloris, die ihr neulich so überschwenglich gepriesen habt: – das wäre dir wohl erwünschter? Kleine Flecken reizen euch ja, wie schon Ennius behauptet.«

»Streiten wir nicht, teure Mutter! Ich werde Octavia heiraten; ich werde sie achten und ihrer Stellung gemäß behandeln. Aber daß ich sie lieben soll, das kann mir selbst ein unsterblicher Gott nicht aufzwingen. Eros naht sich uns nicht auf Befehl: er kommt ungerufen, und manchmal gerade da um so stürmischer, wo die Vernunft ihn verbannen möchte. Vor seinen Augen gilt keine Tugend und kein Verdienst. Oft hat eine Sklavin größere Leidenschaften erweckt als fürstliche Jungfrauen, und – so versichert mich Seneca – das höhere Recht ist dann allemal auf seiten der Sklavin.«

»Thorheit!«

» Keine Thorheit, dafern du erlaubst! Die Sklavin stellt in diesem Falle den Ausdruck des Naturwillens dar, – und die Natur ist wahrer und echter als die menschlichen Satzungen.«

»Also auch hierin unterrichtet dich Seneca?« fragte Agrippina mit verdrießlichem Lachen. »Vortrefflich! Wie es den Anschein hat, besiegt er mit seiner glänzenden Theorie meine Praxis.«

»Du thust ihm unrecht. Solche und andre Betrachtungen knüpft er gelegentlich an die Erklärung einer Tragödie. Ueber Octavia hat er niemals gesprochen. Im Ernste, Mutter: Du hast auch nicht den leisesten Grund zur Verstimmung. Mein Herz ist frei. Dank den Lehren meines vortrefflichen Meisters hab' ich entsagen gelernt. Das Getändel der Freunde war mir von jeher nur ein Gegenstand der Beobachtung. Ich habe niemals geliebt; ja ich zweifle, ob ich dieser Empfindung überhaupt fähig bin. Trotzdem, ich wiederhole dir's, werde ich unsrer Octavia mit aller Zartheit begegnen, die sie als Gattin des Imperators beanspruchen kann. Bist du zufrieden, Mutter?«

»Nicht ganz. Diese blutlose Gleichgültigkeit macht mich bekümmert. Octavia ist wie geschaffen für dich. Ihr klarer, unbestechlicher Blick wird dem Schwärmer zu gute kommen, der tagtäglich Gefahr läuft, sich in philosophischer Träumerei zu verlieren oder im Strudel künstlerischer Phantasmen. Du kennst meine Ansicht. Die Stoa ist eine tüchtige Schule, aber sie darf unsre Kräfte nicht lahmlegen. Die Kunst hat ihre bestrickenden Reize, aber der Cäsar darf nicht zum Künstler werden. Denke, aber vergiß nicht das Leben! Baue Theater, beschütze die Modedichter, wirf dein Gold wie Gerste unter die Sänger und Flötenbläser: aber dichte und deklamiere nicht selbst! Singe nicht wie ein schmachtendes Mägdlein! Ueberlaß die Kithara den Kitharöden! Die Hand, die das Scepter führt, ist nicht...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.