E-Book, Deutsch, Band 2, 422 Seiten
Reihe: Die Farben des Lebens
Eder Breath of Darkness
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-96465-104-4
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Band 2
E-Book, Deutsch, Band 2, 422 Seiten
Reihe: Die Farben des Lebens
ISBN: 978-3-96465-104-4
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Lebe deine schönen Momente aus. Denn aufgeben kannst du immer. Nach der Trennung versucht Elli Edwin zu vergessen und ein neues Leben anzufangen. Doch kann man die erste Liebe vergessen, die schönen und farbenfrohen Erlebnisse einfach so löschen? Sie liebt ihn weiterhin und sieht dennoch die Hoffnungslosigkeit in der Situation, die außer Kontrolle gerät. Elli will nicht aus ihrem schönen Märchen erwachen und wenigstens in ihren Erinnerungen leben, und Edwin weiterhin lieben. Doch was wäre, wenn die Psyche ihre eigenen Regeln hat? Wie kann man sich von einer Sehnsucht und Herzschmerz befreien, die nicht zulassen, die bunte Welt um sich herum zu bemerken?
Autoren/Hrsg.
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Nach der Trennung
… bleibt immer ein Gefühl der Leere zurück. In mir drin war es nicht nur leer, sondern kalt und finster. Es kam mir vor, als hätte jemand mein ganzes Leben aus mir herausgedroschen. Was blieb, war ein widerlicher Schmerz, der in meiner Brust pochte. Ohne Edwin schien mir meine Welt wie eingestürzt. Ich lebte nicht, ich existierte nur noch. Seine Liebe hatte sich zu stark in mein Herz eingebrannt, blühte dort weiter in schönen Farben. Die Realität sah aber ganz anders aus, elendig, farblos und grässlich.
Mai 2001
Mein Atem war zittrig. Seine Hände streichelten zart meine Oberschenkel und wanderten höher unter das Kleid. Vor Lust drückte ich meinen Rücken an seine Brust und legte meinen Kopf auf seine Schulter ab. »Du machst mich wahnsinnig, Elli«, hauchte er und sein heißer Atem kitzelte mir meinen Hals, bevor er ihn küsste. Tief sog ich die Luft ein und versuchte, vor Verlangen nach ihm nicht durchzudrehen. In meiner Lunge kam kaum Luft an, als er mich um die Brust umarmte. »Liebst du mich?« Seine Worte klangen bereits wie ein Echo, während ich noch versuchte, ein- oder auszuatmen, etwas zu erwidern, aber keine Luft bekam. Tränen sickerten hervor. Langsam öffnete ich meine schweren Augenlider und mein Traum verschwamm im sonnendurchfluteten Zimmer. Schwer atmete ich durch und schluckte. Die Bitterkeit hüllte mich sofort ein und ein Kloß steckte in meinem Hals. Seit Langem hatte ich wieder so einen klaren Traum. Es war aber kein hellseherischer, was die leichte Verschwommenheit verdeutlichte, so als würde man gegen das Licht schauen. Inzwischen fiel es mir leicht das zu unterscheiden. Es war die starke Sehnsucht nach Edwin, die diesen Traum heraufbeschwört hatte, da war ich mir ziemlich sicher. Mein Blick wanderte auf meine Hand, die auf dem Kissen neben meinem Gesicht lag. Ich hob sie leicht an und betrachtete den Ring, der mir noch von Edwin geblieben war. Sehnsüchtig, weil er ihn mal angefasst, mal in seinen Fingern gehalten hatte, strich ich mit meinem Daumen darüber. Edwins Blick, wie er mich damals beim Juwelier angesehen und mir den Ring dann zu meinem Geburtstag geschenkt hatte, tauchte in meinem Kopf auf. Wie viel Glanz hatte Edwin dabei in seinen Augen gehabt, mehr als in diesem Diamanten. Wie viel Freude hatte er, ihn mir zu schenken, … und ich empfand dieses Schmuckstück als Last, das mich leiden ließ. Nun kam es mir so leicht vor, so vertraut, weil es eben das Einzige war, was mir von Edwin blieb. Müde richtete ich mich vom Bett zum Sitzen auf. Vielleicht sollte ich heute nicht zur Schule gehen? Ein Tag würde doch nichts ausmachen. Eine Entschuldigung konnte ich mir mit meinen achtzehn Jahren ja selbst schreiben: Ich, Elli Schwartz, konnte am 21. Mai 2001 nicht in die Schule kommen, weil ich meine Liebe umgebracht habe und nun im Sterben liege. Ich warf mein Gesicht in meine Hände. Oh mein Gott, meine Nerven. Halt bloß die drei Tage durch, baute ich mich selbst auf. Danach würde das wegen Christi Himmelfahrt verlängerte Wochenende kommen und ich wieder meine Ruhe in der Abgeschiedenheit meines Zimmers genießen können. Momentan hatte ich zu nichts Lust und wollte niemanden sehen. Der Schultag verging zäh und war ebenso merkwürdig wie die letzten. Ich fühlte mich wie in einem Nebel. Die Pausen verbrachte ich alleine und vor mich hinstarrend, ohne mit jemandem zu sprechen. Ständig tauchte Edwins Gesicht vor meinen Augen auf und in meinem Kopf reihten sich die schönen Erinnerungen mit ihm auf. Wie sehr ich auch versuchte, sie von mir abzuschütteln, es funktionierte nicht. Noch nicht, dafür war es einfach noch zu früh, zu frisch waren die Wunden. Die Gespräche und den Trubel meiner Klassenkameraden bekam ich kaum mit, außer dem von Lorenz, Kathrin und Ricardo hinter mir. »Vielleicht sollten wir sie lieber in Ruhe lassen, wer weiß, was passiert ist«, hörte ich Kathrin leise sagen. Vermutlich sah ich so erbärmlich und bemitleidenswert aus. Das hasste ich eigentlich, aber es war momentan so schwer zu vermeiden. Kaum merklich reckte ich meine Schulter hoch, während ich noch immer auf der Schulbank vor der Klasse saß. »Ja, aber vielleicht ist etwas passiert. Wir müssen das wissen, womöglich kann sie jetzt nicht mehr teilnehmen. Was machen wir dann?«, erwiderte Lorenz. Natürlich konnte ich sie nicht im Stich lassen. Innerlich igelte ich mich aber ein, denn ich würde am liebsten gar nicht mehr aus meinem Zimmer herauskommen, am liebsten hätte ich mich in irgendeine Ecke verkrochen und mich noch kleiner gemacht, als ich es eh war. »Ich frage sie«, sagte Ricardo. Schon in ein paar Sekunden später saß er neben mir, blieb aber stumm. Ich schaute zu ihm auf und drückte ein Lächeln heraus. »Ich habe es nicht vergessen. Natürlich werde ich spielen.« »Ist alles okay bei dir?«, fragte er, und ich nickte. »Nur, wenn du ausfällst, finden wir keinen Ersatz mehr, Elli … Kathrin und Niko können sowieso nicht wirklich gut Volleyball spielen und alle anderen in der Klasse erst recht nicht.« Schmunzelnd nickte ich. »Ich werde kommen.« Es würde in zwei Tagen ein Volleyballturnier zwischen den Berufsschulen stattfinden und wir konnten gerade so unser Team zusammenstellen, weil in unserer Klasse nur wenige gut spielen konnten. Ricardo, Lorenz und ich waren sehr erfahren darin, Kathrin und Nico auch nicht schlecht. Als unser merkwürdiger Arbeitslehre-Lehrer kam, den alle so hassten, schleppten wir uns zur letzten Stunde in die Klasse. Ich konnte mich überhaupt nicht mehr auf den Unterricht konzentrieren, meine Gedanken geisterten in der Vergangenheit herum und waren gar nicht anwesend. Irgendwann bemerkte ich den bohrenden Blick meines Lehrers auf mir und schaute zu ihm hoch. Mist, hat er mich gerade etwas gefragt? Und er sprach dann entweder weiter oder fing gerade an, wobei er mich widerlich angrinste. »Dann kamen die roten Oktobermännchen und haben uns hier die Arbeitsstellen weggenommen.« Mir fiel die Kinnlade nach unten und ich schielte ihn an, konnte aber in meinem Zustand nicht wirklich schnell erfassen, ob es wieder seine üblichen Anspielungen waren. Es war nicht das erste Mal, dass er solche Äußerungen in Richtung der deutsch-russischen Schüler gemacht hatte. Auf einmal zuckte ich vor Schreck zusammen, weil etwas laut und klappernd umfiel. Der Lehrer und ich bemerkten den wilden Blick von Lorenz, der so wütend vom Stuhl aufgesprungen war, dass dieser nach hinten umkippte. »Ich werde es nicht mehr dulden, dass Sie hier so dermaßen die Schüler beleidigen«, warf Lorenz scharf ein, während er bereits seine Sachen in den Rucksack stopfte. Ricardo neben ihm fing ebenfalls an die Sachen zu packen. Die Jungs verließen zusammen die Klasse, während ich es ihnen dann verärgert gleichtat. Der Lehrer stand nur bedröppelt da, aber mit seinem blöden Grinsen im Gesicht. Ich hielt noch die Tür für meine Mitschülerin Lina auf. Wir sahen die Jungs nach draußen gehen und folgten ihnen. Lorenz blieb auf dem Schulhof stehen, gestikulierte aufgeregt mit den Händen, während Ricardo zustimmend nickte. Wir gingen nach draußen. Die Jungs rauchten und beschimpften derbe und laut den Lehrer. Uns folgten noch drei deutsche Schüler und Schülerinnen, unter ihnen war auch Kathrin. »So ein Schwein!«, fauchte Lorenz und stieß den blauen Dunst aus. Tief durchatmend blieb ich bei ihnen stehen und wusste nicht, was ich dazu sagen sollte. Ähm, danke für die Unterstützung?! »Mann, und was ist, wenn wir jetzt von der Schule fliegen, so kurz vor dem Abschluss?«, sorgte sich Kathrin. »Warum bist du dann mit rausgegangen?«, schnaubte Ricardo genervt und pustete den Rauch in ihre Richtung. »Niemand wird von der Schule fliegen!«, entgegnete Lorenz erbost. »Wenn er sich beschwert, dann beschweren wir uns. Was glaubst du wer dann wohl das Fliegen lernt?!« »Ja, schon gut! Schrei mich doch nicht an!«, gab Kathrin laut zurück, und er seufzte. »Du hättest es aber trotzdem nicht machen müssen«, wandte ich mich an Lorenz. »Hey Elli, ich bin auch Brasilianer und er diskriminiert hier nicht nur dich damit, sondern alle Schüler, die keine deutsche Wurzeln haben!« »Du zählst aber nicht zu den ›roten Oktobermännchen‹!«, erwiderte ich schmunzelnd. Fassungslos schüttelte er den Kopf. »Dass dich das so kaltlässt, Elli, verstehe ich nicht.« »Na, was soll ich denn machen?« Ich zuckte mit der Schulter. »Ich habe mich irgendwie schon damit abgefunden«, brummte ich dann ernst.
Zuhause angekommen, warf ich meine Schultasche auf den Boden. Dabei betrachtete ich das Bild auf dem Schreibtisch, das ich gestern gemalt hatte. Ohne meine Augen davon abzuwenden, plumpste ich in den Stuhl und versuchte zu verstehen, warum ich es überhaupt gemalt hatte. Irgendwie gefiel es mir nicht und irgendwas hatte es. Es zeigte einen Apfelbaum, der auf einer Seite der Zeichnung mit rosa Blüten...




