Eder | Breath of Heart | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 380 Seiten

Reihe: Die Farben des Lebens

Eder Breath of Heart

Band 1
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7438-7069-7
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Band 1

E-Book, Deutsch, Band 1, 380 Seiten

Reihe: Die Farben des Lebens

ISBN: 978-3-7438-7069-7
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Wenn man die Süße der Liebe erst einmal verspürt hatte, konnte man nicht mehr aufhören, sie einzuatmen.   Für Elli beginnt ein neues Leben in einem völlig fremden Land. Während sie versucht in der Schule mitzukommen, kämpft sie auch gegen die Diskriminierung und Akzeptanz ihrer Persönlichkeit. Mit ihrem Charme lernt sie viele neue Freunde kennen und trifft auf ihre erste große Liebe, Edwin. Ihre Liebe entfacht in all ihren frohen Farben und es scheint so zu sein, dass nichts und niemand auf dieser Welt diese je brechen kann. Doch kann Liebe auch zu mächtig werden?

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Mein erster Schultag

… (wieder mal) und ich sah an dem Tag total albern aus. Veränderungen sind gut …, damit baute meine Mutter uns und sich selbst auf, … und beginnen im Kopf. In dem Fall hatte ich bereits die Nase voll von Veränderungen und diese sollten an dem Tag eigentlich nicht nur in meinem Kopf beginnen, sondern insgesamt bei meinem Aussehen. Warum wollten alle Mütter ihre Töchter immer so dermaßen aufbrezeln?
August 1996
Kritisch betrachtete ich mich in der Spiegeltür meines neuen Kleiderschranks. Ich trug eine weiße Bluse mit Rüschen und einen schwarzen Faltenrock. »Mum, ich sehe … wie eine Puppe aus«, nörgelte ich. »Und dann noch diese blöden Rüschchen!« Ich zupfte daran herum. Sie musterte mich ganz verliebt mit ihren braunen, großen Augen und fummelte weiter an mir herum, wobei ihre dicken hellbraunen Locken auf und ab sprangen, und sprach dabei: »Elli, du siehst einfach hinreißend aus. Heute ist dein erster Schultag, da muss man –« »Wenn es bloß mein erster in Deutschland wäre«, unterbrach ich sie. »Außerdem ist es nicht die Einschulungsparade von Russland! Heute wird ein ganz normaler Schultag sein, wie jeder andere auch.« Doch sie begutachtete mich immer weiter und richtete bereits meine hellbraunen schulterlangen Locken, die sie mir gestern eingedreht hatte. Deshalb sah ich auch noch wie ein Pudel aus, der an einem Wettbewerb teilnehmen wollte. Dabei bemerkte ich an ihr, dass sie wieder etwas zugenommen hatte. Wegen des Stresses der Auswanderung war sie zuvor bis auf neunundvierzig Kilo abgemagert und hatte dadurch Fältchen an den Augen bekommen. Hach, wie oft hatten wir die ersten Monate zusammengesessen, uns aneinandergeklammert und aus tiefster Inbrunst sehnsüchtig Russland, sowie Freunden und Familie, die wir zurückgelassen hatten, nachgeweint. Wir vermissten alles und fühlten uns hier völlig fremd. Ich vermisste jedoch vor allem einen Menschen sehr – meinen besten Freund Evgenij. Mit ihm hatte ich meine gesamte Kindheit verbracht. Evgenij, zwei unserer Freunde und ich stellten zusammen viel Blödsinn an. Ich war zwar ein Mädchen, wollte aber dennoch nie zurückbleiben und machte deshalb jeden Unsinn mit. (Manchmal dachte ich, ich war sogar schlimmer als ein Junge.) Wir saßen auf den Dächern der Garagen, waren an den Akazien hochgeklettert, die danebenstanden, bauten aus Ästen Schleudern und schossen auf Dosen oder wir spielten mit plattgedrückten Flaschendeckeln wie heute die Kinder mit Sammelkarten. Wir fuhren auch sehr viel Fahrrad und badeten in einem kleinen, nahegelegenen See, bauten aus Sand ganze Städte und die Jungs bastelten sich aus Holz kleine Autos, mit denen sie in der Sandstadt herumfuhren. Ich schuf Menschen, indem ich auf Streichhölzer die Blüte einer Stockrose – mit der Blüte nach unten – steckte und sie somit wie eine Frau im Kleid aussehen ließ. Die Knospen waren meine Männer. Wir wälzten uns oft in den wilden Wiesen und Kleefeldern oder spielten Verstecken im hohen Mais. Im Winter war es dann immer ruhiger, zumindest schien es mir so, denn selbst wenn wir so dick eingepackt waren wie die Michelin-Männchen, was unsere Bewegungsfreiheit einschränkte, hatte es uns dennoch nicht davon abgehalten jede Menge Spaß zu haben. Wir bauten Schneemänner, führten Schneeballschlachten, fuhren Schlitten und gingen Schlittschuhlaufen auf unseren zugefrorenen Gehwegen. So eine Kindheit würde ich wieder und wieder erleben wollen. Abends, wenn keine Hausaufgaben mehr zu erledigen waren, hatte ich natürlich, wie jedes Mädchen, mit meinen Puppen gespielt – besser gesagt, ich nähte ihnen nur die Kleider. Meine Mutter hatte mir schon mit acht Jahren Nähen und Stricken beigebracht, und auch wie man häkelt. Ich hatte keine Barbies, das war immer mein Traum, den mir meine Mutter zu erfüllen versprochen hatte, wenn wir erst mal in Deutschland wären. Ich hatte nur zwei gewöhnliche Puppen, was auch kein Problem für mich war. Mit den Jahren wurde es dann immer schwieriger in Russland zu leben. Die dritte Etappe der Perestroika begann, die Kooperationen fingen an, die Armut und die Arbeitslosigkeit brachen aus und die staatlichen Unternehmen schlossen nach und nach. In den Läden wurde es immer leerer, man fand dort oft nur noch ein paar Dosen mit eingelegtem Fleisch und das Brot wurde auf nur ein Stück pro Familie und Tag rationiert, falls man es überhaupt noch geschafft hatte, welches zu bekommen. Auch meine Mutter war damals von der Arbeitslosigkeit betroffen, denn ihr Unternehmen war privatisiert worden. Mein Vater wurde zum Glück kurz zuvor in seiner Stahlfabrik zum Betriebsleiter befördert und hatte daher Arbeit bis zu unserer Abreise. Jetzt hatten wir uns hier schon so gut eingelebt, schauten einfach nach vorn und bauten mit neuen Herausforderungen und Zielen unsere Zukunft auf. Hier sollte jetzt alles anders werden. Ein neues Land, ein Neuanfang, ein Leben von null auf – ein neues Leben! Meine Mutter hatte heute ein stolzes Lächeln auf dem Gesicht. »Ach ja«, sagte sie dann erfreut und lief aus dem Zimmer. »Was ist? Willst du mir etwa noch die Schleifen ins Haar binden?«, rief ich ihr nach und sah mich im Spiegelbild an. Bähh, ich sehe so was von spießig aus … Ich werde doch ausgelacht! Sie kam wieder mit einer dicken Kette in der Hand. »Sie passt ganz gut dazu. Wusste ich es doch«, sagte sie und hängte mir eine Art Medaillon um. »Das ist aber zu viel für mich! Jetzt sehe ich wirklich … idiotisch aus.« Ich betrachtete unzufrieden mein Spiegelbild. »Wo ist meine lila Strickjacke?« »Wozu?«, empörte sie sich und erwiderte sogleich: »Damit du deine Schönheit versteckst?« »So ist es! Und damit ich mich nicht so sehr von den anderen Schülern unterscheide.« Eigentlich stechen wir so oder so heraus. Diesen Eindruck hatte ich jedenfalls ständig. Meine Mutter schaute mich an, als würde sie mich nicht hören, sondern noch etwas suchen, was man besser machen könnte. Ich glaube, ich verschwinde lieber, bevor sie mir wirklich noch Schleifen ins Haar bindet oder Rouge auflegt. Ich verabschiedete mich recht schnell von ihr und machte mich zu Fuß in die Schule auf, die nur zehn Minuten entfernt lag. Wie auch in den letzten Monaten fehlte mir irgendwie die Luft zum Atmen. Es war stickig und grau in der Stadt. Ich sah hier wenig Grün … Grünes – das fehlte mir auch sehr. Ständig wälzte ich in meiner Erinnerung und dachte an unsere saftigen Kleefelder, die grünen Wiesen mit den wilden Blumen wie Tulpen, Glöckchen, Kornblumen und Mohn, an die Waldsäume mit den Weißulmen, den Ahornbäumen und den riesigen Pappeln mit ihrem bauschigen Flaum, der im Frühling fast den ganzen Weg bedeckte. Doch am meisten fehlten mir die Akazien mit ihrem honigsüßen Duft. Ich blieb stehen und atmete tief durch, bevor ich das mir unbekannte Gebäude der Haupt- und Realschule betrat. Die ersten neugierigen Blicke krochen mir sofort hinterher, weswegen ich meinen gleich senkte. Während ich die Treppe hochging, nahm ich diese blöde Kette ab und warf sie in meine Schultasche hinein. Gleichzeitig holte ich den Infozettel heraus. So, welche Klasse? Ich schaute das Blatt an. Okay, 7.a … Klassenlehrerin Frau Meier. Ich rollte das Blatt wieder zusammen, zerknitterte es nervös in meiner Hand und ging zur Tür hinein. Das war die Hauptschule. Oh Gooott, noch mehr Blicke. Nur jetzt konnte ich nicht mehr die Augen unten halten oder hinter meinen Löckchen verstecken, ich musste meine Klasse finden. Links von mir lagen die Unterrichtsräume, über deren Türen die Klassennummern standen. Im Vorübergehen las ich diese vor mich hin … 10.a … 8.b … 7.c … Aha, 7.a. Vor meiner Klasse lag eine Cafeteria mit runden Tischen und Stühlen. Neben der Tür standen schon ein paar Schüler, vermutlich meine Klassenkameraden, die mich alle neugierig musterten. Mir wurde ganz heiß und meine Knie fingen an zu zittern. Ich würde das erste Mal in einer deutschen Klasse sitzen, denn bisher hatte ich in anderen Schulen nur in Deutsch-Förder teilgenommen. Okay, bloß keine Panik, mein Deutsch geht schon einigermaßen … Äh, glaube ich zumindest. Es hatte bald geklingelt und die Schüler kamen einer nach dem anderen in die Klasse. Und ich schaute mir jeden genau an, in der Hoffnung, ein russisches Gesicht zu entdecken. Schade, keines gefunden. Katastrophe! Ich blieb alleine neben der Tür stehen und wartete, bis sich alle hinsetzten, damit ich sehen konnte, ob es noch einen freien Tisch gab. Toll, jetzt komme ich mir so vor wie auf einem Präsentierteller. Doch dann kam auch schon die Lehrerin, die sich als Frau Meier vorstellte. Sie war eine schlanke Schwarzhaarige mit kurzem Bob, ihr Lächeln war wie angeklebt und ihre Haut war gebräunt, allerdings vom Sonnenstudio und nicht von der Sonne. Sie deutete auf zwei leere Eckplätze neben dem Fenster....



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