E-Book, Deutsch, Band 4, 312 Seiten
Reihe: Die Farben des Lebens
Eder Breath of you
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7554-4724-5
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Band 4
E-Book, Deutsch, Band 4, 312 Seiten
Reihe: Die Farben des Lebens
ISBN: 978-3-7554-4724-5
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Wahre Liebe ist unbezahlbar, man bekommt sie nicht einfach geschenkt. Stephen und Elli nehmen neue Herausforderungen an, fallen, stehen auf und kämpfen für ihr Glück. Sie sind beste Freunde, Liebhaber, Seelenverwandte ... und sind nun eine kleine Familie geworden, die wie von einem unsichtbaren Band eng verbunden sind. Doch Elli wird von ihrer Vergangenheit eingeholt, während Stephen mit ganz anderen Dämonen kämpft ... Und plötzlich scheint nichts mehr so zu sein wie früher. Was passiert, wenn das Schicksal dieses Band zwischen den beiden durchtrennt?
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Es gab nur ein Leben
– mein Leben. Niemand kannte es so gut wie ich: meine Emotionen und Sehnsüchte, meine Träume und Wünsche, meine Ziele und Eroberungen, meine Trauer und Liebe. Niemand wusste, was ich auf der Seele hatte, was ich in meinem Herzen trug, was und wer mich erwärmte, und wer oder was mich zum Sturz bringen konnte. Niemand wusste, was mich schwächer und stärker machen konnte, was mich brechen oder wieder aufbauen konnte. Niemand konnte sich in meine Rolle hineinversetzen, nur ich selbst, denn es war mein Leben. Ich hatte selbst zu entscheiden, zu hoffen, sehen, lernen, klären, schreien, lachen, weinen, warten, fürchten, umarmen, hassen und lieben. Nur wenn man das alles selbst durchlebte, konnte man auch verstehen, was es hieß, zu leben – was das Leben selbst war. Das Leben war kein Märchen und hatte viel mehr Farben, als ich es mir je erträumt hätte. Sie besaß nun mal auch graue Töne, hässliche Schattierungen und scharfe Kanten. Es war voller Ereignisse und Schicksalsschläge, die uns lebenslang lehrten und stärker machten. Aber um das alles überstehen zu können, musste man einen Menschen an der Seite haben, der all das in einem verstehen konnte und der trotz allem mit dir Hand in Hand zusammen durchs Leben ging. Diesen Menschen hatte ich getroffen und dachte, ich würde ihn nie mehr verlieren. Doch das Leben hatte seine eigenen Regeln.
April 2009 Das Schloss in der Tür ließ mich zusammenzucken und mein Herz beschleunigte sich, weil ich nie wusste, ob ein erneuter Streit entflammte. Levin überschlug sich beinahe, als er zur Tür lief. »Na, komm her, mein Großer!« Stephen streckte ihm die Hände entgegen und schloss ihn in eine Umarmung, bevor er ihn hochhob. Ein Gekreische zog durch die Wohnung und ging in ein Lachen über, als Stephen ihn ein paar Mal hochwarf. »Hi, alles gut?«, wandte Stephen sich an mich, während ich nach wie vor am Boden saß. Ich nickte und stand auf. »Das Essen ist fertig und erwärmt.« »Was gibt es denn?« Er ging hinter mir her in die Küche. »Gekochte Kartoffeln mit Fleisch.« Ich begann ihm das Essen in den Teller zu löffeln. »Mit Zwiebeln mariniert?«, wollte er wissen und ich nickte. »Mhh, das macht Mami immer so lecker.« Er ließ Levin los und dieser lief in sein Zimmer. »Willst du nicht essen oder hast du schon?«, wollte Steph wissen, als ich nur ihm den Teller hinstellte. »Ich habe schon«, log ich leise. Mir kam das Essen seit Tagen nicht mehr runter. Stephen begann schnell zu essen, denn ihm blieb nur eine halbe Stunde, bis er wieder losmusste. Also schwieg ich, während ich das Geschirr wusch und er mir noch kurz von seinem Arbeitstag erzählte. Wie immer hörte ich es mir an, doch diesmal erwiderte ich nichts. »Was ist los mit dir?« So wie auch in letzter Zeit antwortete ich mit einem typischen weiblichen Gezicke. »Nichts.« »Ist das noch immer wegen dem ganzen Scheiß?!« Ich antwortete nicht, denn es stimmte. »Elli, hör auf damit! Ich hasse diese Stimmung bei uns zuhause.« »Und ich mag sie! Scheint sehr angenehm zu sein«, äußerte ich mich schnippisch, woraufhin er stöhnte. Levin kam wieder an und erzählte Stephen etwas in seiner Sprache, vermutlich wollte er ihm zeigen, was er alles in seinem Zimmer aufgebaut hatte. »Zick nicht rum! Das nervt.« »Mich nervt auch vieles, aber es juckt ja keinen!« Verärgert begann ich, das Geschirr abzutrocknen. »Ganz ehrlich, ich mag es nicht mehr, nach Hause zu kommen, weil es nur noch Stress bedeutet.« »Schön zu wissen. Dann komm vielleicht gar nicht mehr nach Hause!«, antwortete ich bissig. Nein, ich werde gleich gehen, wenn er geht. Wenn er das schon nicht will, dann erleichtere ich es ihm. Innerlich stockte ich. Diese Worte brachte ich schon einmal in meinem Leben hervor. Mir wurde heiß. »Wie typisch für dich!«, brummte er, während Levin etwas in seiner Sprache dazwischen brabbelte. »Na komm, was willst du mir zeigen?« Er ging mit Levin aus der Küche, wobei er ihn an seinem Händchen festhielt. Mein Inneres brodelte und ich war bereit, ihm alles an den Kopf zu werfen und abzuhauen. Aber ich wusste auch nicht, was genau ich ihm vorwerfen sollte, denn keiner von uns wusste, worum es überhaupt ging und was unser tatsächliches Problem war. Stephen tauchte nach einer kurzen Weile wieder in der Küche auf. »Was ist das für eine Tasche im Schlafzimmer?«, fragte er leicht konfus und setzte sich an den Tisch. »Will irgendeine Oma Levin mit Übernachtung nehmen?« An seinen Augen erkannte ich, dass er die Frage stellte, um die Alternative zu verdrängen. Die Tasche war zu groß für Levins Sachen, ich benutzte dafür eine andere und Stephen wusste das eigentlich. »Das sind meine Sachen. Besser gesagt Levins und meine.« Die Farbe begann aus seinem Gesicht zu weichen. »Das kann so nicht weitergehen, Steph!«, krächzte ich. »Was genau?« Nun war seine Stimme kalt geworden. »Du weißt ganz genau, was! Du willst nicht mehr nach Hause kommen, in mir kippt sofort die Stimmung, wenn du heimkommst, weil wir uns wirklich nur noch streiten. Wir haben uns auseinander gelebt, merkst du das nicht?« »Merkst du nicht, dass es nicht nur an uns liegt? Ich werde nicht der Sündenbock für unsere Eltern sein, die uns das Leben zur Hölle machen!«, erhob er die Stimme. »Es sind nicht nur unsere Eltern, die uns das Leben zur Hölle machen. Wir sind auch das Problem, zwischen uns läuft nichts mehr normal.« »Und was schaust du mich so an? Bin ich allein schuld daran?« »Das habe ich nicht gesagt! Ich will seit einer Woche mit dir reden, dass wir das beseitigen, aber du blockst ab.« »Na, entschuldige, dass sich meine Gedanken nicht ständig um dich drehen!« »Das verlange ich nicht, Steph! Ich will nur, dass wir das aus der Welt schaffen und wissen, ob wir noch eine Zukunft haben.« »Mit der Tasche im Flur?! Du hast doch alles bereits entschieden!«, rief er aufgebracht und ging ins Kinderzimmer, weil er aufgrund unserer Lautstärke die Tür schließen wollte, um Levin nicht zu erschrecken. »Ich sehe, es hat wieder kein Sinn«, warf ich ein und schlug die Richtung ins Schlafzimmer ein. »Du spinnst doch wohl. Du willst einfach so gehen?«, empörte er sich und schnaubte. »Nicht zu fassen.« »Hier bleiben, will ich auch nicht mehr«, offenbarte ich an ihm vorbeigehend. »Ich dachte, du willst reden?« Er stellte sich einen Meter vor mich, damit ich nicht ins Schlafzimmer konnte. »Wenn du mich so anstarrst, wie ein Stier das rote Tuch, dann schweige ich besser! Schließlich willst du nicht mehr nach Hause kommen, also gehe ich lieber!« »Und du willst nicht, dass ich heimkomme!« Einige Sekunden sahen wir uns beide bestürzt an, bis er dann rot anlief und mit einem Satz zu mir sprang. Das war zu schnell, sodass ich mich sofort anspannte, obwohl er mir nie etwas tat. Prompt beugte er sich zu mir und fasste mein Gesicht fest mit seiner Hand, sodass ich vor Schreck meine Finger in sein Handgelenk krallte. »Sag, dass du gehen willst, weil du mich nicht mehr liebst, und ich lasse dich los!«, knurrte er mir ins Gesicht. »Aber geh nicht, weil dir jemand einredet, dass wir nicht perfekt für einander seien. Denn du bist perfekt für mich und alle anderen können mich mal, sie können reden, so viel sie wollen, bis deren Zungen ihnen abfallen. Ich werde dich nicht loslassen, bevor du mir ins Gesicht sagst, dass ich wirklich ein Versager bin, wie es deine Mutter glaubt, und du mich deswegen nicht mehr willst. Ich lasse mich nämlich nicht von meiner Mutter beeinflussen, wie du dich von deiner. Also wenn du mich wirklich nicht mehr liebst, dann sag es. Sag es mir ins Gesicht, dass du mich nicht mehr liebst!« Er hielt mich nach wie vor so fest, dass mein Kiefer langsam taub wurde. »Steph, du tust mir weh«, wimmerte ich leise und er lockerte seinen Griff, ließ aber nicht los. »Ich habe mich entschieden.« »Weil?«, forderte er scharf. »Weil das keinen Sinn macht.« »Das werde ich als Grund nicht akzeptieren!« »Und was ist, wenn ich dich wirklich nicht mehr liebe?«, keuchte ich. Sekundenlang sah er mir in die Augen. »Dann würde ich dir das nicht glauben!« »Ich liebe dich nicht!« Er sah mir direkt in die Augen und seine wurden klarer, nicht so dunkel. »Nicht überzeugend, Kleines«, meinte er etwas weicher. »Du gehst nirgendswohin. Hast du mich verstanden?« Und da bemerkte ich in seinem Blick nicht nur den Zorn, sondern auch Liebe. »Hörst du?« Er ließ mich los, zerrte mich aber an meinem Oberarm ins Schlafzimmer. »Lass los! Was soll das?«, empörte ich mich...




