E-Book, Deutsch, Band 2, 385 Seiten
Reihe: HeroIn
Eder HeroInLove - Band 2
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-7438-5875-6
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Liebesroman
E-Book, Deutsch, Band 2, 385 Seiten
Reihe: HeroIn
ISBN: 978-3-7438-5875-6
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Valentin kehrt nach zwei Jahren in seine Heimatstadt zurück und übernimmt die Firma seines Vaters. Auf ihn warten verborgene Familiengeheimnisse, geschäftliche Intrigen, Rache und nicht zuletzt ... seine große Liebe. Ein zufälliges Treffen und einige darauffolgende Umstände führen Valentin und Elena wieder zueinander und bringen sie näher, als es Elenalieb ist. Denn diesmal hat Elena wesentlich ernstere Gründe, sich nicht auf Valentin einzulassen. Valentin steht nicht nur vor der Herausforderung, die Firma zu retten, sondern auch die aufgebaute Blockade in Elenas Herzen zu brechen.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Elena
Zehn Monate zuvor Mir ist heiß, verdammt heiß. Es ist so schwül und stickig, dass man nicht richtig atmen kann. Meine Bluse klebt bereits an meinem Rücken, aber ich muss trotzdem weiterlaufen. Der Bürgersteig ist überfüllt, und ich zwänge mich durch die dichte Menschenmenge. Ich ärgere mich darüber, dass ich diese blöden und überteuerten Pumps angezogen habe, in denen ich auch nicht schnell genug vorwärtskomme. Ich habe ein Vorstellungsgespräch. Keine Ahnung, das wievielte bereits – ich habe schon längst den Überblick verloren. Es demotiviert mich ungemein. Diesmal komme ich auch noch zu spät, weil der Chef des Cafés, in dem ich momentan als Kellnerin arbeite, mich nicht früher gehen lassen wollte. Beim Laufen schaue ich auf meine Armbanduhr und merke, dass mir nur noch wenige Minuten bis zum Termin bleiben. So ein Mist! Ich richte meinen Blick wieder nach vorne und sehe plötzlich eine breite Brust vor mir. Voller Wucht ramme ich mit meinem Gesicht dagegen. Mein Fuß knickt dabei um, und ich falle auf den Hintern. „Oh, entschuldigen Sie bitte! Sind Sie okay?“, höre ich eine männliche Stimme. Ich sehe lackierte Schuhe und dunkle Hosenbeine und schaue von unten hinauf. Vor mir steht ein kräftiger Mann mit einem kurzen Bart in einem eleganten Anzug. Er steckt sein Handy in die Jacketttasche und reicht mir die Hand, die ich dankbar annehme. Er blickt mir tief in die Augen. Seine leicht schockierte Mimik wird etwas weicher. „Haben Sie sich etwas getan? Entschuldigen Sie mich, ich war so in mein Telefonat vertieft, dass –“ „Nein, schon gut. Mir fehlt nichts, danke“, falle ich ihm hastig ins Wort, denn ich muss schnell weiter. Ich hebe meine kleine Tasche vom Boden auf und stehe mit seiner Hilfe auf. Aber ich knicke wieder um und kralle mich instinktiv am Jackett dieses Mannes fest. „Haben Sie sich vielleicht doch verletzt?“ Ich lasse ihn, peinlich berührt, wieder los und schaue auf meine Füße. Frustriert stelle ich fest, dass mein Schuhabsatz kaputt ist. Ich ächze laut, als ich meinen Schuh ausziehe. „Scheiße! Die waren so was von teuer!“ Ich könnte heulen und mustere schockiert den herunterhängenden Absatz. „Ich habe jetzt ein Vorstellungsgespräch“, schimpfe ich aufgebracht und resigniere sogleich wieder. Mein Vorstellungsgespräch hat sich verabschiedet, und somit die Hoffnung auf eine Arbeitsstelle. „Tut mir leid. Entschuldigen Sie mich –“ „Ah, hören Sie doch auf, sich immerzu zu entschuldigen! Ich war selbst schuld, weil ich auf die Uhr geschaut habe und nicht nach vorne“, reagiere ich etwas genervt. „Tut mir leid“, füge ich dann versöhnlicher hinzu. Ich ziehe meinen anderen Schuh aus, drehe mich um und gehe den Weg zurück nach Hause. „Warten Sie bitte!“, höre ich wieder diesen Mann hinter mir, der gleich darauf auch schon neben mir herläuft. „Vielleicht kann ich Ihnen irgendwie helfen.“ Erst jetzt sehe ich ihn mir genauer an. Er ist eindeutig älter als ich, hat hellblonde Haare und braune Augen. Eigentlich nicht wirklich ein schöner Mann, auch wenn er ein angenehmes und weiches Lächeln hat. Aber ein Mensch muss auch nicht schön sein. Er muss bloß attraktiv und sympathisch wirken. Ich muss zugeben, das tut er definitiv. Außerdem halte ich Menschen mit braunen Augen für aufrichtig und ehrlich, im Gegensatz zu einer bestimmten Person mit blauen Augen, die beinahe mein Untergang geworden wäre. Das tue ich mir nie wieder an! Ich zwinge mich zu einem Lächeln. „Danke, aber Sie können mir nicht weiterhelfen.“ „Vielleicht kann ich Sie wenigstens nach Hause bringen? Wo müssen Sie hin?“ Ich bleibe stehen. „Sie wollen mich nach Hause bringen?“, frage ich ihn verdutzt. Er wird etwas verlegen. „Nun ja, als Entschuldung sozusagen.“ „So, so“, erwidere ich amüsiert und bringe ihn dadurch noch mehr zum Lächeln. Das allein überzeugt mich schon. „Ich wohne in der Nähe des Hauptbahnhofs. Wollen Sie sich wirklich die ganzen Staus antun?“ „Ich fahre sowieso nicht selbst“, winkt er ab. Ich runzle leicht die Stirn, woraufhin er mir erklärt: „Mein persönlicher Chauffeur wird uns fahren.“ Jetzt ist mein Erstaunen vollends ausgereift. „Ahaaa“, kriege ich nur heraus. Ich habe nicht wahrgenommen, dass wieder mal ein waschechter Hero vor mir steht. „Also, was sagen Sie dazu?“, fragt er. Ich überlege. „Ich heiße übrigens Michel Kampmann.“ Er streckt mir lächelnd die Hand entgegen, wobei ich die glänzende Uhr von Rado an seinem Handgelenk bemerke. „Na gut, Sie fahren mich nach Hause, aber nur als Entschuldigung.“ Ich reiche ihm meine Hand, die er sanft drückt. „Elena Neumann.“ Mit einem zufriedenen Nicken und einer einladenden Geste lässt er mir den Vortritt. Wir gehen ein paar Schritte zu der Stelle, an der wir zusammengestoßen sind. Michel öffnet die Tür eines Maybach, der am Straßenrand steht. Mir steht vor Stauen kurz der Mund offen, den ich jedoch rasch schließe und meine Lippen aufeinanderpresse, während ich einsteige. Im Auto fällt mir auf, wie edel die beigen Ledersitze und die ganze Innenausstattung sind. Seine Uhr sieht schon teuer aus, aber das hier ist purer Luxus. Ich schlucke nervös, als Michel neben mir Platz nimmt. „Wo soll es genau hingehen?“, fragt er mich. Ich bemerke, dass mich sein Chauffeur abwartend im Rückspiegel ansieht. Ich nenne ihm nur die Hauptstraße, die neben meiner liegt, und bereue irgendwie jetzt schon, dass ich hier sitze und mich dabei unwohl fühle – so, als wäre ich ein schmutziges Aschenputtel. Wir fahren los. „Also, Sie waren zu einem Vorstellungsgespräch unterwegs?“, beginnt Michel die Unterhaltung. „Ja.“ Ich richte meinen Blick auf meine Handtasche, die ich auf dem Schoss halte. „Für was, wenn ich fragen darf?“ „Ich habe Journalismus studiert und suche jetzt einen Job in dieser Richtung.“ Er nickt verkniffen. „Und ich bin der Idiot, der es Ihnen vermasselt hat.“ „Ach, schon gut.“ Ich tue es gespielt locker mit der Hand ab, obwohl mir gar nicht danach ist. „Wenn ich Ihnen irgendwie behilflich sein kann“, er wühlt in seiner Jackettinnentasche, „hier ist meine Visitenkarte.“ Gegen meinen Willen muss ich kichern. „Davon habe ich in letzter Zeit echt genug bekommen: von Immobilienmaklern, Managern, Ingenieuren, Bankiers und anderen Unternehmern“, mache ich mich über die vielen Männer lustig, die mich in letzter Zeit beeindrucken wollten. „Zu welcher Kategorie gehören Sie?“ „Sie können meine Karte zu den Bankiers einordnen“, sagt er amüsiert und hält sie mir entgegen. Ich nehme sie an und lese laut vor: „Michel Kampmann … Hier steht aber nichts von Bankier.“ „Die Menschen wissen eigentlich auch so, wer ich bin.“ Er lächelt breiter, wobei ich Stolz an seinem Gesicht ablesen kann. Oder ist es Arroganz? Ich lege seine Visitenkarte zu den anderen in meine Tasche und kneife meine Augen leicht zusammen. „Okay. Ich kenne Sie aber nicht!“ „Sie werden mich kennenlernen.“ „Indem Sie mir behilflich sein werden?“, erwidere ich ironisch. „Ich kann Ihnen eine Arbeitsstelle anbieten.“ Ich schüttle schmunzelnd den Kopf. „Ich mag es nicht, wenn mir jemand etwas schönredet oder mir als Entschuldigung eine Arbeitsstelle anbietet.“ „Heutzutage sind viele Menschen sehr froh darüber, Kontakte zu haben … Sind Sie etwa von der Sorte, die alles alleine schaffen will?“ „Ja, genau so bin ich.“ Das Auto hält an. „Mist!“, brummt der Fahrer. „Wir müssen eine andere Strecke nehmen. Hier können wir nicht durch, die Straße wurde gesperrt.“ Vor uns befindet sich eine sehr große demonstrierende Menschenmenge mit Plakaten, weswegen die Straße von der Polizei gesperrt wurde. „Was zum Teufel …?“, murmelt Michel und betrachtet die Veranstaltung, während wir von einem Polizeibeamten auf die andere Straße gelotst werden, um den Aufruhr zu umfahren. „Was ist denn da schon wieder los?“ „Es ist eine Demonstration gegen Flüchtlinge“, erkläre ich. Davon stand heute Morgen etwas in der Zeitung. Michel schaut mich an und seufzt. „Ja, da hat die Regierung wohl nicht nachgedacht, was sie mit ihrer Grenzöffnung wirklich auslösen würde.“ „Ich finde, die Regierung hat richtig und vor allem menschlich gehandelt!“ Sein Blick wird ernst. „Das darf sie aber nicht tun. Sie muss politisch denken!“ „Menschlichkeit beweist Stärke, und es ist keine Schwäche, sie zu zeigen.“ Ich bemerke, dass es ihm die Sprache verschlagen hat....




