E-Book, Deutsch, 355 Seiten
Edlynn Kinder brauchen Flügel, keine Helikopter!
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-86374-732-9
Verlag: Mankau Verlag
Format: PDF
Kopierschutz: 0 - No protection
Der stressfreie Weg zu glücklichen, selbstständigen Kindern. Autonomy-Supportive Parenting - das erfolgreiche Erziehungskonzept
E-Book, Deutsch, 355 Seiten
ISBN: 978-3-86374-732-9
Verlag: Mankau Verlag
Format: PDF
Kopierschutz: 0 - No protection
Emily Edlynn arbeitete nach ihrem Bachelor-Abschluss in Englisch zunächst mit Kindern und Familien im Kinderschutz und promovierte dann an der Loyola University Chicago in klinischer Psychologie mit Spezialisierung auf Kinder und Jugendliche. Nach Abschluss ihrer Ausbildung war sie in bedeutenden Medizinzentren für Kinder in Los Angeles und Colorado als klinische Psychologin, Forscherin und Ausbilderin tätig. Außerdem hat die gebürtige Kalifornierin zahlreiche wissenschaftliche Artikel in Fachzeitschriften der Bereiche Medizin, Psychologie und Psychiatrie veröffentlicht, Vorträge auf Fachkonferenzen gehalten und Lehrpläne für Doktoranden und Medizinstudenten entwickelt. Als Mutter weiß Emily aus erster Hand, wie wissenschaftliche Erkenntnisse im realen Elternsein auf Hindernisse stoßen. Als Autorin arbeitet Emily daran, die Summe dieser Teile zu einem Ganzen zu verschmelzen - im Sinne eines besseren Familienlebens für alle.
Zielgruppe
Eltern von Kleinkindern bis Teenagern
Weitere Infos & Material
INHALT
Einführung
(…)
Teil I: DIE ETWAS ANDERE ART VON ERZIEHUNGSRATSCHLÄGEN. Ein flexibles Bezugssystem, das zu Ihnen passt
Kapitel 1. Autonomie-fördernde Erziehung: Versuch einer Definition
- Die Evolution der Erziehungsberatung
- Was ist das: Autonomie-fördernde Erziehung?
- Warum wir unsere Kinder aus Angst erziehen
Kapitel 2. Warum sollten Sie Autonomie-fördernde Erziehung anwenden?
- Die Forschung zur Autonomie-fördernden Erziehung
- Nicht aufgeben
- Eigenen Werten bei der Erziehung treu bleiben
- Auf Angst beruhende Erziehung
- Auf Stärke beruhende Erziehung
- Von der Forschung zum echten Leben: eine Ermunterung
Kapitel 3. Das Handwerkszeug für die Autonomie-fördernde Erziehung
(…)
Kapitel 4. Alles unter Kontrolle
- Was genau ist kontrollgesteuerte Erziehung?
(…)
- Warum weniger Kontrolle besser ist
- Innere Motivation – der goldene Weg zur Autonomie
- Weitere Kontroll-Knackpunkte: unsere Kinder und unser Stress
Kapitel 5. Wissenschaft ist „WEIRD“
- Autonomie-fördernde Erziehung und das kulturelle Umfeld
- Aus dem Blickwinkel des Westens
- Wie universell ist Autonomie-fördernde Erziehung?
TEIL II: Wie man Autonomieförderung in den Erziehungsalltag einbaut
Kapitel 6. Das häusliche Umfeld: Kinder großziehen und ein Heim schaffen
- Vom Zanken zum Zusammenhalt und von hilflos zu hilfsbereit
ABSCHNITT 1: Kinder großziehen, Beziehungen aufbauen
(…)
- Beziehungen aufbauen und Konflikte mit Geschwistern bewältigen – quer durch alle Altersstufen: Wichtige Erkenntnisse
ABSCHNITT 2: Ein Heim schaffen
(…)
Kapitel 7. Wie man gute Freunde und Partner erzieht: Von der Sandkasten-Verabredung zum echten Date
- Grundlagen: Wissenschaft, Praxis und Erziehung im wirklichen Leben
ABSCHNITT 1: Freundschaften
(…)
ABSCHNITT 2: Du musst deine Oma nicht umarmen
(…)
- Grenzen respektieren quer durch alle Altersstufen: Wichtige Erkenntnisse
Kapitel 8. Die innere Welt
- Von „Du schaffst das schon“ zu „Ich schaffe das“
(…)
- Erziehung zu emotionaler Gesundheit und Resilienz quer durch alle Altersgruppen: Wichtige Erkenntnisse
Kapitel 9. Die Schule
- Erfolgreich erziehen: Noten? Charakter!
(…)
- Erziehung zu echtem Erfolg quer durch alle Altersgruppen: Wichtige Erkenntnisse
Kapitel 10. Digitales Leben
- Verantwortungsvolle Digital Citizens großziehen: Vom Konsum zur Mitwirkung
(…)
- Die Digital Citizens von morgen erziehen – quer durch alle Altersstufen: Wichtige Erkenntnisse
Kapitel 11. Bereit fürs echte Leben? Das liebe Geld
- Wie man Verantwortung großzieht: Vom Taschengeld zur finanziellen Unabhängigkeit
(…)
- Über Geld sprechen, den Umgang mit Geld lernen – quer durch alle Altersstufen: Wichtige Erkenntnisse
Kapitel 12. Ein Leben für den Sport
- Selbstwahrnehmung fördern: „Der Beste“ sein oder lieber „das Beste“ für sich rausholen
(…)
- Aktive, ausgeglichene und Zugehörigkeit empfindende Kinder großziehen – quer durch alle Altersstufen: Wichtige Erkenntnisse
Kapitel 13. Der Sinn des Lebens
- Zur Verantwortung erziehen: erst ichbezogen, dann sozial engagiert
(…)
- Soziale Verantwortung und Selbstbewusstsein quer durch alle Altersstufen vermitteln: Wichtige Erkenntnisse
TEIL III: NICHT MEHR OHNMÄCHTIG, SONDERN HANDLUNGSFÄHIG
Kapitel 14. Psychische Gesundheit und Autonomie-fördernde Erziehung
- Angstzustände und Depressionen
- Wie sich elterliche Angst auf die psychische Gesundheit von Kindern auswirkt
- Autonomie-fördernde Erziehung als Prävention vor psychischen Problemen
- Psychische Krisen bei Jugendlichen
Kapitel 15. Neurodiversität und Autonomie-fördernde Erziehung
- Erziehung bei ADHS und Autismus
(…)
Schlusswort
- „Ihr könnt mich nicht zwingen!“
Danke
Endnoten
((Auszug aus Kapitel 6))
ABSCHNITT 1: KINDER GROSSZIEHEN, BEZIEHUNGEN AUFBAUEN
Die Beziehungen zwischen Eltern und Kind
Trotz konkurrierender Erziehungstrends haben Jahrzehnte der Forschung über die Eltern-Kind-Beziehung einige unbestreitbare Wahrheiten ergeben. Die ideale Formel, um verhältnismäßig glückliche und stabile Kinder zu erziehen, besteht aus einer Mischung aus Wa¨rme und Zugewandtheit, eingerahmt von festen und beständigen Grenzen und Unterstützung („autoritäre“ Erziehung).
Verwirrend wird es, wenn wir versuchen, uns vorzustellen, wie das in jeder Familie aussehen und angewendet werden soll. Geho¨ren zu den Grenzen auch Auszeiten, oder bedeuten Auszeiten, dass wir nicht herzlich und zugewandt sind? Wie ko¨nnen wir unterstützen, ohne uns zu sehr einzumischen oder zu sehr rauszuhalten?
Die Antwort auf all diese Fragen zum Erziehungsstil ist vielleicht nicht befriedigend: Es kommt halt darauf an. Der gro¨ßte Fehler von Erziehungstrends besteht darin, Allgemeingültigkeit über Individualita¨t zu stellen. Jede Familie hat ihre Eigenheiten, welche die genaue Formel für den effektivsten Erziehungsansatz beeinflussen. Und diese Formel ändert sich, wenn sich Kinder, Umsta¨nde oder wir selbst uns a¨ndern.
Worin auch immer Sie den sinnvollsten Weg zum Aufbau familia¨rer Beziehungen im häuslichen Umfeld sehen, die Forschung zeigt, dass es vor allem auf die kindliche Perspektive ankommt – fühlt es sich von seinen Eltern geliebt und akzeptiert? – und nicht darauf, dass wir wissen, wie sehr wir unsere Kinder lieben und akzeptieren.
Ich muss an all die Kinder und Jugendlichen denken, mit denen ich gearbeitet habe, die wirklich das Gefühl hatten, von ihren Eltern nicht geliebt zu werden. Ich glaube gar nicht, dass dies stimmt, aber das spielt keine Rolle; das, was sie als wahr empfinden, zählt. Ich habe die ärgerliche Angewohnheit, regelma¨ßig bei meinen Kindern vorbeizuschauen, meist zur Schlafenszeit, wenn ihre süßen Gesichter unter der Bettdecke hervorlugen. „Weißt du, wie lieb ich dich habe?“– „Ja, Mama!“ Lieber finden sie mich nervig, als diese Wahrheit jemals infrage zu stellen.
Nicht, dass man sich geliebt fühlt, nur weil man sich gegenseitig sagt: „Ich liebe dich“ – ohne ein liebevolles Verhalten klingen diese Worte nichtssagend. Es kann sogar sein, dass wir unbemerkt und unabsichtlich durch kleine Gesten signalisieren, dass unsere Liebe nicht bedingungslos ist oder unsere Akzeptanz nicht echt. Dabei spielt aber die solide Grundlage der Eltern-Kind-Beziehung eine Rolle. Wenn wir konsequent auf Empathie und Perspektivenübernahme setzen, ko¨nnen wir besser verstehen, wie unsere Kinder Dinge erleben, und das wird sich so gut wie immer von unserem eigenen Erleben unterscheiden.
Wenn wir die offene, interessierte Denkweise Autonomie-fördernder Eltern beibehalten ko¨nnen (zumindest in den meisten Fa¨llen), gestatten wir uns, unser Tun anzupassen – als Reaktion darauf, dass wir die kindliche Perspektive verstanden haben. Logisch betrachtet mag das mehr als einleuchtend klingen, aber unser Herz braucht gelegentlich die kleine Ermahnung: „Mein Kind ist ein anderer Mensch als ich.“ Seine Bedürfnisse, Motive und Wünsche sind andere. Je offener wir dafür bleiben, desto eher lernen wir diese Unterschiede auf eine Weise kennen, die uns hilft, unsere Reaktion darauf anzupassen. (...)
EINFÜHRUNG
Je länger ich an diesem Buch schrieb, desto zuversichtlicher blickte ich auf mein Elternsein. Es klingt vielleicht übertrieben, aber meine wummernden Selbstzweifel waren nur noch eine gelegentliche Schwingung, weil ich die Autonomie-fördernde Denkweise verstand und mit diesem Bezugssystem im Hinterkopf eine Reihe von erzieherischen Herausforderungen anging.
Als ich ruhiger wurde, Zutrauen in meine erzieherischen Fähigkeiten gewann und an dem Buch saß, in dem ich diese Erkenntnis mit anderen teilen wollte, entdeckte ich auch mein eigentliches Problem, das mir in den zehn Jahren meines Mutterseins immer entgangen war: meine Neigung zur Kontrolle. Dann fiel mir auf, dass andere Eltern in meiner Therapiepraxis und in meinem Umfeld mit den gleichen Schwierigkeiten zu kämpfen schienen (genau wie das andere Elternteil bei mir zu Hause). Sie lauern eben überall – verdeckt von der liebevollen Absicht, gute Eltern zu sein und gute Kinder großzuziehen.
Mir gefiel die Idee, dieses Aha-Erlebnis zu teilen: Es ist schwer, kontrollgesteuert zu sein, wenn man bewusst einen Autonomie-fördernden Erziehungsstil ausübt. Als ich meine Kontrollneigung runter und die Autonomieförderung hochfuhr, kam es mir vor, als würde die bessere Mama-Version schmetterlingsgleich aus dem Kontroll-Kokon schlüpfen.
Aber dann, eines Abends im Herbst ...
„Du bist echt ein Kontroll-Freak!“ Das schleuderte mir meine Elfjährige in voller Lautstärke und maximaler Erregtheit entgegen, als ich auf der Einhaltung der Handy-Zeiten bestand. Meine Schmetterlingsflügel zerbröselten, und ich wollte zurück in den Kokon schlüpfen. Was war schiefgelaufen?
Angesichts ihrer Reaktion musste ich mich fragen, ob ich wirklich ein „Kontroll-Freak“ war. Obwohl ich ganz bewusst auf Autonomiefördernde Erziehung setzte, hatte ich vielleicht unbewusst den Drang, meine Tochter zu kontrollieren. Der kollidierte mit dem Wunsch, sie in dem Gefühl zu unterstützen, auf die Dinge Einfluss nehmen zu können. An mir nagte die Angst, sie könne ihr Handy einem erfüllten Leben vorziehen. Und Angst kann Kontrollzwang auslösen. Waren die Handy-Zeiten denn überhaupt ihrem Alter und Entwicklungsstand angemessen? Es war sicher nicht verkehrt, das mal zu überdenken, auch wenn ich für den Moment an den vereinbarten Zeiten festhielt. (...)
Warum gerade DIESER Erziehungsratgeber?
Dieses Buch bietet eine Blaupause, um unser aller Neigung zur Kontrolle zu ersetzen durch eine Denkweise und Strategien, welche uns helfen, Kinder großzuziehen, die wissen, dass sie beeinflussen können, wer sie sind und wie sie leben. Eigenständige Menschen eben.
Zu Autonomie-fördernder Erziehung gehören Strategien, die darauf abzielen, das Vertrauen der Kinder in ihre Fähigkeiten, eine größere Eigenständigkeit und eine ausgeprägte Selbstwahrnehmung zu stärken. All das soll durch positive familiäre und soziale Bindungen erreicht werden. (…)
Zahllose Studien mit ganz unterschiedlichen Ansätzen haben bewiesen, wie gut die Autonomie-fördernde Erziehung zu dem passt, was so viele von uns sich für ihre Kinder erhoffen, wenn sie groß werden: Selbstvertrauen, Kompetenz und Mitgefühl für sich und andere. Die Prämisse des Vertrauens auf die Fähigkeiten und die Menschlichkeit unserer Kinder ändert die elterliche Sicht: Statt Angst steht Kraft im Fokus, und sie beruht auf Werten, statt auf Furcht.
Wie also lassen Sie dieses großartige Versprechen wahr werden? Als jemand, der beruflich und privat viel Erfahrung mit Burn-out hat, sage ich Ihnen, dass Sie mit Sicherheit bei der Frage beginnen müssen, warum diese Form der Erziehung auch gut für Sie ist. (...)




