Edmondson | Das Geheimnis der italienischen Villa | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 491 Seiten

Edmondson Das Geheimnis der italienischen Villa

Roman
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-98952-983-0
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, 491 Seiten

ISBN: 978-3-98952-983-0
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ein Sommer, der alles verändert ... Im Italien der Nachkriegszeit finden sich vier Fremde in der prachtvollen Villa Dante zusammen: Delia, die einst gefeierte Opernsängerin; George, der idealistische Wissenschaftler; Marjorie, die verzweifelte Schriftstellerin; und Lucius, der unglückliche Künstler. Keiner von ihnen kannte Beatrice Malaspina, die geheimnisvolle Besitzerin der Villa. Und doch hat die Verstorbene sie in ihrem Testament an diesen traumhaften Ort bestellt. Wer war diese Frau, der es so sehr am Herzen lag, die unterschiedliche Gruppe in ihrem schattigen Refugium zu vereinen? Während die Tage verstreichen und jeder auf seine Art versucht, den Grund für seine Einladung zu enträtseln, enthüllen die Villa und ihr verwilderter Garten langsam ihre dunklen Geheimnisse ...  »Ein Roman, der mit großen Gefühlen und raffinierten Wendungen überzeugt.« - Bild der Frau Atmosphärisch und fesselnd - ein Familiengeheimnis-Roman im traumhaften Genua für Fans von Antonia Riepp und Hanna Holmgren.

Elizabeth Edmondson (1948 - 2016) wurde in Chile geboren und begann ihre Ausbildung in Kalkutta und London, bevor sie an der Universität Oxford studierte. Ihre Romane, die sie selbst gerne als »Vintage Mysteries« bezeichnete, wurden in mehrere Sprachen übersetzt und erfreuen sich weltweit größter Beliebtheit. Bei dotbooks veröffentlichte die Autorin ihre Romane »Das Geheimnis der italienischen Villa«, »Die Gärten von Landrake Hall« und »Das Château in Frankreich«.
Edmondson Das Geheimnis der italienischen Villa jetzt bestellen!

Weitere Infos & Material


Kapitel 1


Delia Vaughan umklammerte das Lenkrad, als wäre ihr Schicksal besiegelt, wenn sie lockerließe. Mit ohrenbetäubendem Heulen peitschten Windböen gegen das Stoffverdeck, das flatterte und knatterte, als werde es jeden Augenblick wegfliegen.

Zwei Stunden zuvor hatten sie Halt gemacht, um es hochzuklappen, nachdem der Wind Jessicas Hut fortgeweht und Delia ihren Seidenschal gerade noch gerettet hatte.

»Suchen wir uns ein Hotel, wo wir übernachten können! «, rief Jessica. »Das Wetter wird immer schlimmer.«

Delia wollte aber nicht ins Hotel. In ihrer Vorstellung war aus der Villa Dante ein Zufluchtsort geworden, ein Hafen im Sturm, ein Ziel, das mehr bedeutete als nur das Ende einer Reise. So irrational es sein mochte, sie war fest entschlossen weiterzufahren – trotz ihrer Erschöpfung, trotz des quälenden Hustens und Jessicas berechtigter Einwände.

»Es sind nur noch dreißig Meilen, das schaffen wir.«

»Dann brauche ich wenigstens etwas für meinen Kopf. In diesem Wagen zieht es grauenhaft. Und bei dem Krach kann ich keinen klaren Gedanken fassen. Wenn ich wieder in England bin, verkaufe ich die Karre sofort und lege mir eine Limousine zu.« Jessica zog einen Seidenschal aus ihrer Tasche, den sie unterm Kinn verknotete. »Dann fahr weiter, wenn du darauf bestehst.«

Sie kamen nur langsam voran, und Delia war ebenso erleichtert wie Jessica, als sie das Ortsschild von San Silvestro erspähten. »Von hier aus müssen wir laut Anwalt die Straße nach Süden nehmen und unmittelbar hinter der Eisenbahnbrücke abbiegen. Dann geht’s bergauf, und wir sehen das Tor und dahinter die Villa.«

»Wie sollen wir bei diesem Wetter überhaupt etwas sehen?«, wandte Jessica ein.

Als sie den Hügel hinauffuhren, klarte der Himmel wie durch ein Wunder für kurze Zeit auf, und sie erkannten die Silhouette eines schmiedeeisernen hohen Tors.

»Überwältigend!«, schrie Delia gegen den Sturm an. Der kurze Blick auf die klassische Fassade des stattlichen Hauses, den sie erhascht hatte, versetzte sie in prickelnde Erregung. Energisch trat sie aufs Gaspedal und hoffte, dass der Motor, der ziemlich merkwürdige Geräusche verursachte, nicht den Geist aufgab.

Sie schafften es bis zum Tor, wo sie anhielten.

Allerdings ließ Delia den Motor laufen – »für alle Fälle«, wie sie Jessica zurief.

Die Torflügel waren mit einer rostigen Kette verschlossen, und der Sturm, der an Heftigkeit zunahm, wirbelte Schwaden von Sand auf, der wie Hagel auf die Motorhaube prasselte. »Bist du sicher, dass wir hier richtig sind?«, Fragte Jessica. »Hier steht nirgendwo ein Name.«

»Der Anwalt hat es mir jedenfalls so beschrieben, und andere Häuser haben wir in dieser Gegend auch nicht gesehen. Glaubst du, der Sand wird von einem Strand herübergeweht? Ich habe ihn nicht gefragt, wie weit es von hier bis zum Meer ist.«

»Gibt es an italienischen Stränden roten Sand?«

»Keine Ahnung.« Delia wehte das Haar in die Augen, und sie versuchte vergeblich, sich die flatternden Strähnen aus der Stirn zu streichen.

»Gibt es hier irgendwo eine Glocke?«

»Nur die da.« Delia deutete auf eine Messingglocke, die an einem der gemauerten Torpfosten hing. Ein ausgefranstes Seil mit einem Knoten am Ende schwang hin und her.

»Zieh doch mal!«, rief Jessica.

Man hörte ein gedämpftes Bimmeln, das im Brausen des Sturms erstarb.

»Heiß ist es, ein richtiger Wüstenwind«, bemerkte Jessica.

»Ob das nun die Villa Dante ist oder nicht, wir gehen rein«, beschloss Delia. »Dieser verdammte Orkan. Ich male mir lieber nicht aus, was passiert, wenn noch mehr Sand in deinen Motor gerät. Dann wären wir endgültig aufgeschmissen.«

Unwillig rüttelte sie an dem Eisentor und stieß einen Triumphschrei aus, als die Kette zu Boden glitt. Eine jähe Bö drückte die Torflügel auf und trieb die Freundinnen vor sich her, bis sie unsanft auf den Steinen landeten, die die Auffahrt säumten.

»Vorsicht!«, brüllte Jessica, als die Torflügel gefährlich quietschend wieder zuzuschlagen drohten.

Delia warf sich gegen den linken Flügel und sah sich nach einem Stein um, der sich als Keil eignete.

»Da, im Gras!«, rief Jessica, die sich wieder ins Auto gesetzt hatte und jetzt langsam anfuhr.

Delia beförderte den Stein mit einem Tritt unter den Torflügel und drückte den anderen Flügel auf, damit Jessica durchfahren konnte.

Jessica winkte ihr, wieder einzusteigen, aber Delia hob zuerst die Kette auf, wartete, bis die Torflügel wieder zuschlugen, und fädelte sie durch die Gitterstäbe, um sie notdürftig zu sichern.

»Das wird nicht lange halten«, sagte Delia, als sie wieder neben ihrer Freundin saß.

»Das Tor ist unsere geringste Sorge«, meinte Jessica. »Ich hoffe nur, dass jemand zu Hause ist, der uns einlässt.«

Nur darauf bedacht, sich und den Wagen in Sicherheit zu bringen, fuhren sie die Auffahrt zur Villa hinauf, ohne das Haus eingehender zu betrachten.

»Wir kommen anscheinend von der Rückseite!«, brüllte Delia. »Sieh mal, ob du den Wagen irgendwo unterstellen kannst.«

»Dort ist ein Stall – oder ist es eine Garage?«

»Egal, jedenfalls hat es ein Dach.«

Nur mit Mühe gelang es Delia, das Tor offen zu halten, während Jessica den Wagen hineinlenkte.

Blinzelnd lehnte sich Delia an die Steinmauer. »Dieser heiße Wind ist ja grauenhaft«, stöhnte sie.

»Hier draußen können wir nicht bleiben. Wie kommt man nur ins Haus?«

Delia hatte gar nichts dagegen, hier zu bleiben, geschützt vor dem Sturm. Jetzt, da sie nicht mehr hinterm Steuer saß, glaubte sie jeden Nerv ihres Körpers zu spüren. Sie wusste nicht, wie sie die Kraft auch nur für einen einzigen Schritt aufbringen sollte. Aber schon war Jessica an ihrer Seite und zwang sie wieder hinaus in diesen irrsinnigen Wind, der ihnen den Sand ins Gesicht peitschte.

Doch wie durch ein Wunder entdeckte Jessica eine Tür, öffnete sie, und jetzt waren sie im Haus und hatten Sturm, Hitze und Sand hinter sich gelassen.

Wo sie auch sein mochten, es war angenehm kühl, und sie konnten ungehindert atmen.

Im Dunkeln hörte Delia einen Knall und ein leises Fluchen. »Sind wir in der Küche, was meinst du?«, fragte Jessica, deren Stimme aus weiter Ferne zu kommen schien. »Die Fensterläden mache ich lieber nicht auf, sonst weht nur dieser Sand herein. Viel Licht dringt ja nicht durch. Aber hier ist eine Spüle, und vorhin bin ich gegen einen Tisch gerannt. Siehst du irgendwas?«

Delia zwinkerte. »Ich habe noch Sand in den Augen.« Sie hustete Mitleid erregend. »Fühlt sich an, als wäre mir Sand in die Lungen geraten.«

»Warte.«

Wasser plätscherte, dann stand Jessica neben ihr und wischte ihr das Gesicht mit einem nassen Taschentuch ab. »Damit du mir nicht ohnmächtig wirst.«

»Mir geht’s gut«, behauptete Delia, obwohl ihr schwindlig war. »Ich werde nie ohnmächtig.«

»Setz dich.« Jessica schob ihr gerade noch rechtzeitig einen Stuhl unter, als Delias Knie nachgaben. »Beug dich vor, damit der Kopf durchblutet wird.«

Das Schwindelgefühl ließ nach. »Keine Ahnung, was über mich gekommen ist.«

»Ich schätze, die Bronchitis hat dich geschwächt, und dieser Sandsturm macht das Atmen auch nicht gerade leichter. Du könntest jetzt ein Glas Wasser vertragen, aber Leitungswasser empfehle ich nicht. Geht’s dir schon ein bisschen besser? Dann wollen wir mal sehen, ob jemand zu Hause ist.«

Ohne eine Menschenseele anzutreffen, wanderten sie durch halbdunkle Räume, während draußen der Sturm toste und die Holzläden klapperten. Irgendwo schlug eine Tür oder ein Fenster.

»Alle ausgeflogen«, sagte Jessica.

»Aber noch nicht lange.« Delia fuhr mit dem Finger über einen Marmortisch und untersuchte ihn bei dem dürftigen Licht, das durch die Fensterläden fiel.

»Glaubst du, hier ist es immer so windig?«

»Das muss der Schirokko sein«, meinte Delia. »Weißt du noch, das haben wir in der Schule durchgenommen – bei Miss Pertinax, unserer Geographielehrerin, die hat doch für extreme Naturerscheinungen geschwärmt. Überschwemmungen, Flutwellen, Hurrikans und die bösen Stürme Europas. Der Föhn, der einem den Verstand raubt, der Mistral in Südfrankreich und der Schirokko, der von Afrika ins Mittelmeergebiet herüberweht und die halbe Sahara mitbringt.«

»Wie kannst du dir das nur alles merken?«

»Windstürme sind dramatisch. Du hast natürlich keine Ahnung mehr, weil du in Erdkunde nicht aufgepasst hast und ich die Hausaufgaben für dich erledigt habe.«

»Dafür hab ich Mathe für dich gemacht«, gab Jessica zurück. »Wie oft weht denn dieser Schirokko?«

»Eher selten, würde ich sagen.«

»Warum muss er dann ausgerechnet toben, wenn wir hier ankommen?«

»Schicksal«, meinte Delia. »Der Neid der Götter.«

»Strom gibt es, da sind Lichtschalter, aber es tut sich nichts.«

»Wahrscheinlich ist die Hauptsicherung ausgeschaltet, oder man muss erst den Generator anwerfen.«

»Das finden wir jetzt lieber nicht raus. Bestimmt gibt...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.