E-Book, Deutsch, 224 Seiten
Reihe: Neustart
Ehlers Neustart für die Lunge
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7453-1626-1
Verlag: riva
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Wie Sie das lebenswichtige Organ reinigen, stärken und verjüngen. Mit den besten Methoden für eine gesunde und widerstandsfähige Lunge
E-Book, Deutsch, 224 Seiten
Reihe: Neustart
ISBN: 978-3-7453-1626-1
Verlag: riva
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Dr. Martin Ehlers ist Facharzt für Lungen- und Bronchialheilkunde sowie für Allergologie. Neben seiner eigenen Praxis leitet er das Studienzentrum Clinical Respiratory Research in Hamburg, das neue Behandlungsmethoden für Menschen mit Lungenerkrankungen erforscht und entwickelt. Viele Jahre stand er dem deutschen Schwimmverband sowie dem Olympiastützpunkt in Hamburg mit ärztlichem Rat zur Seite.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1
DIE LUNGE – EIN ZARTES UND ÄSTHETISCHES ORGAN
In diesem Kapitel werden der Aufbau und die Funktion von Lunge, Bronchialsystem und Brustkorb beschrieben. Es wird das Zusammenspiel der anatomischen Strukturen, insbesondere von Brustkorb, Zwerchfell, Muskulatur, Nervensystem und der Faszien dargestellt. Ebenso wird das Wunderwerk des Gasaustausches erläutert.
LEBEN IST ATMUNG – ZUM AUFBAU DER LUNGE
Auf den folgenden Seiten werde ich Ihnen zeigen, dass ein »Teamwork« von ganz verschiedenen Körperstrukturen die Voraussetzung für unsere Atmung ist. Sind einer oder mehrere der Mitspieler verletzt oder nicht gut trainiert, wird der gesamte Spielerfolg »gute Atmung« gefährdet. Wenn wir also unsere Atemwege etwa 20 000- bis 30 000-mal am Tag mit Luft füllen, muss das Zusammenspiel aller dieser »Player im Team« funktionieren. So ist mein Rat: Lernen Sie jeden einzelnen Mitspieler kennen und kümmern Sie sich sorgsam um jeden einzelnen Mitspieler und um deren harmonisches Miteinander. Denn Leben ist Atmung und Atmung ist Leben.
Bei unserem Atemwegssystem unterscheiden wir ein oberes und ein unteres Atemwegssystem, genannt oberer und unterer Respirationstrakt. Das obere Atemwegssystem umfasst die Nase und den Rachenraum, das untere Atemwegssystem den Kehlkopf, die Luftröhre und die Lunge. Die Lunge besteht aus rechtem und linkem Lungenflügel oder kurz gesprochen aus rechter und linker Lunge. In der Lunge befindet sich das Bronchialsystem mit den luftleitenden Röhren und den Lungenbläschen, den Alveolen. Außerdem gibt es das Gefäßsystem der Lunge, das Blut vom Herzen zur Lunge und von der Lunge zum Herzen transportiert.
Bei der Atmung gelangt die Luft über Nase oder Mund zum Kehlkopf. Dort befinden sich, am Eingang zur Luftröhre, die Stimmlippen, mit denen wir unsere Stimme erzeugen. Sind die Stimmlippen geöffnet, gelangt die Luft in die Luftröhre. Die Luftröhre ist fast auf der ganzen Länge mit Knorpelspangen ausgestattet. Sie halten die Luftröhre offen und gewährleisten einen mechanischen Schutz. Die Luftröhre teilt sich in den rechten Hauptbronchus als Abzweigung zur rechten Lunge und in den linken Hauptbronchus als Abzweigung zur linken Lunge.
Das obere und untere Atemwegssystem reicht von Mund und Nase bis zu den Lungenbläschen.
Die Hauptbronchien teilen sich rechts in die Lappenbronchien zum Ober-, Mittelund Unterlappen sowie links zum Ober- und Unterlappen. Die linke Lunge ist wegen des auch linksseitig gelegenen Herzens etwas kleiner als die rechte Lunge. Es folgen dann beidseits die Aufzweigungen in die Segmentbronchien bis in immer kleinere Bronchien mit immer kleinerem Durchmesser. Diese zunehmende Verästelung der Bronchien erinnert an die Struktur eines Baumes, sodass man auch vom Bronchialbaum spricht.
Die Bronchien gehen dann nach 20 bis 22 Aufteilungen über in die Areale der Lunge, in denen sich die Lungenbläschen befinden. Diese sind umgeben von feinsten Blutgefäßen, den Lungenkapillaren. Von der rechten Herzkammer wird das venöse, also verbrauchte, sauerstoffarme Blut zu den Lungenkapillaren transportiert. Diese grenzen an die Lungenbläschen. Hier findet nun das Wunderwerk der Schöpfung, der Gasaustausch statt, ohne den wir Menschen nicht existieren können.
WAS PASSIERT BEIM GASAUSTAUSCH?
Aus der eingeatmeten Luft wandern die Sauerstoffmoleküle aus den Lungenbläschen in die Lungenkapillaren. So gelangt jedes Sauerstoffmolekül aus der eingeatmeten Luft in den Blutkreislauf. In den Kapillaren werden die Sauerstoffmoleküle in die roten Blutkörperchen aufgenommen und an den roten Blutfarbstoff gebunden in den Körper transportiert. Gleichzeitig werden aus den Lungenkapillaren die Kohlendioxidmoleküle in die Lungenbläschen transportiert. So wird aus sauerstoffarmem (venösem) Blut sauerstoffreiches (arterielles) Blut erzeugt und fertig ist der Gasaustausch! Die Kohlendioxidmoleküle gelangen nun von den Lungenbläschen zum Bronchialsystem und werden ausgeatmet. Dieser fantastische und absolut lebenswichtige Vorgang findet permanent in unserer Lunge statt.
Die zunehmenden Aufzweigungen der Atemwege erinnern an einen Baum, daher der Ausdruck Bronchialbaum.
Beim Gasaustausch gelangt Sauerstoff (O2) aus den Lungenbläschen in die Lungenkapillaren und Kohlendioxid (CO2) aus den Lungenkapillaren in die Lungenbläschen.
Die Anzahl der Lungenbläschen ist mit etwa 300 Millionen zu beziffern. Auch wenn jedes einzelne Lungenbläschen mikroskopisch klein ist, führt diese hohe Anzahl von luftgefüllten Bläschen zu einer Gasaustauschfläche von etwa 100 Quadratmetern! Das heißt: Auf dieser riesigen Gesamtoberfläche der Lungenbläschen gelingt durch den extrem engen nachbarschaftlichen Kontakt zu den Lungenkapillaren der Übertritt von Sauerstoff und Kohlendioxid in jeweils gegensätzlicher Richtung hocheffektiv.
WAS IST DIE AUFGABE DES BRONCHIALSYSTEMS?
Wie bereits beschrieben, ist das Bronchialsystem ein System von Röhren zur Leitung der Atemluft. Die Bronchien haben ebenso die Aufgabe, eingeatmete Partikel aus der Lunge zu befördern und einen Schutzschild gegen infektiöse Eindringlinge zu bilden. Wie funktionieren diese Reinigung und die Abwehr? Die Oberfläche der Bronchialschleimhaut besteht aus Zellen, die feine Flimmerhärchen tragen. Diese Härchen, sogenannte Zilien, schlagen unabhängig von der Atmung synchron in eine Richtung. In etwa wie ein Kornfeld im Wind.
Flimmerhärchen, die sich auf der Oberfläche der Bronchialschleimhaut befinden, bewegen sich synchron wie Kornähren im Wind.
Auf und zwischen den Flimmerhärchen liegt eine dünne Schleimschicht, die von zwei verschiedenen Drüsen der Bronchialschleimhaut produziert wird, den Becherzellen und den Schleimdrüsen. Die Schleimschicht stellt eine Abwehrbarriere dar und transportiert die abgefangenen Staubteilchen oder angreifenden Mikroorganismen mit dem Schlag der Flimmerhärchen zum Abhusten oder Verschlucken zum Kehlkopf. Dies gelingt durch die koordinierte, zum Kehlkopf gerichtete Schlagrichtung. Dieser säubernde Prozess von Schleimschicht und Flimmerhärchen wird als mukoziliäre Clearance (das englische Wort clearance heißt »Reinigung, Säuberung«) bezeichnet.
Der Aufbau der Bronchialwand ähnelt in den großen Bronchien noch dem Aufbau der Luftröhre. Knorpelige Anteile wechseln sich mit elastischen Fasern ab. Mit kleiner werdendem Durchmesser verschwinden die knorpeligen Anteile und die schleimbildenden Zellen, dafür nimmt die ringförmig angelegte Muskulatur unterhalb der Schleimhaut zu. Diese Muskulatur ist nicht willentlich beeinflussbar, sondern wird von unserem vegetativen Nervensystem mit seinen beiden Gegenspielern Sympathikus und Parasympathikus gesteuert. Der Sympathikus vermittelt über eine Entspannung der ringförmig angelegten Muskeln eine Öffnung, der Parasympathikus über eine Muskelanspannung eine Verengung der Bronchien. Die kleinsten Bronchien, die sogenannten Bronchiolen, sind schließlich von einer kräftigen Muskelschicht ringförmig umgeben.
Auf und zwischen den Flimmerhärchen liegt eine Schleimschicht, die als Abwehrbarriere dient.
Bronchien sind Röhren, die im Innern von einer Schleimhaut ausgekleidet sind. Die Weite der Röhren kann durch eine ringförmig angelegte Muskulatur verändert werden.
WELCHE ROLLE SPIELEN BRUSTKORB UND ZWERCHFELL?
Der Brustkorb wird von der Brustwirbelsäule, den Rippen, dem Brustbein, von Muskulatur und Sehnen gebildet und umschließt die Brusthöhle, in der sich die Lunge befindet. Es gibt zwölf Rippenpaare, die von zwölf Brustwirbelkörpern ausgehend nach vorne zum Brustbein ziehen. Dort setzen sie über eine knorpelige Verbindung und Gelenke direkt oder indirekt an. Die elfte und zwölfte Rippe enden frei (sogenannte freie Rippen), sie bleiben also ohne Kontakt zum Brustbein.
Es gibt eine Vielzahl von Gelenken, die die knöchernen Strukturen verbinden und deren Beweglichkeit miteinander gewährleisten. Zu den wichtigsten zählen die Gelenke zwischen Wirbelkörpern und Rippen sowie zwischen Rippen und Brustbein. Ein Zwischenrippenraum liegt jeweils zwischen zwei benachbarten Rippen. Insgesamt gibt es also elf dieser sogenannten Intercostalräume, in denen sich Zwischenrippenmuskulatur, Zwischenrippennerven und Blutgefäße befinden.
Das Zwerchfell sieht aus wie ein aufgespannter Regenschirm und trennt den Brust- vom Bauchraum.
Alle genannten Strukturen werden von bindegewebigen Häuten umgeben, den sogenannten Faszien (abgeleitet vom lateinischen fascia, »Band« oder »Bandage«), die wie Stützstrümpfe den Körper in seiner Form...




