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E-Book

E-Book, Deutsch, 200 Seiten

Ehlig Unternehmen Zeder


1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7534-6904-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, 200 Seiten

ISBN: 978-3-7534-6904-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Einige Jahre nach dem Zusammenbruch der DDR entwendet der ehemalige Stasi-Oberleutnant Steffen Baum aus einem Schweizer Bankschliessfach das Geld seiner früheren Kollegen. Dabei fallen ihm geheime Papiere in die Hand. Als er deren Bedeutung erkennt, ist sein Todesurteil bereits gefällt. Eine ungeheuerliche Verschwörung der noch immer konspirativ tätigen Genossen zur Wiedererlangung der Macht, steht kurz vor der Ausführung. Alle Fäden laufen in einer versteckten Bunkeranlage südlich von Berlin zusammen. Hier kommt es zu einem unvorhersehbaren Zwischenfall.

Der Autor wurde 1949 im Osten Deutschlands geboren und verbrachte seine Kindheit in Dresden, wo er als Strassenbahnfahrer tätig war. Im Jahre 1970 geriet er in Konflikt mit dem Ministerium für Staatssicherheit. Nach Verbüssung einer langjährigen Haftstrafe wurde er kurz vor dem Ende der DDR in die Bundesrepublik abgeschoben. Heute lebt er als Rentner in der schönen Lausitz.
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2. Buch


Das Virus


1977. Hochsicherheitsgeländes des MfS

Dumpfes Grollen weckte den Wachhabenden. Benommen fuhr er hoch und wankte an das Fenster. In der Ferne flackerten kurzlebige Blitze. Gott sei Dank, endlich ein Gewitter. Es würde Abkühlung bringen. Die seit Tagen anhaltende Hitzewelle machte ihm stark zu schaffen.

Scheiß Nachtdienst, dachte er nach einem Blick auf die Uhr. Noch fünf Stunden bis zur nächsten Ablösung. Dann erst würde er sich in der Kantine besaufen können. Als er an das Waschbecken trat, um sei Gesicht zu erfrischen, erblickte er im Spiegel die elektrische Wanduhr. Nun durchzuckte ihn ein gewaltiger Schreck. Hatte er doch den Kontrollgang verschlafen! Aber er fasste sich gleich wieder, hielt prustend seinen Kopf unter den lauwarmen Wasserstrahl, trocknete sich danach ab und streifte den weißen Kittel über die Uniform, wie es Vorschrift war. Nun trat in den lang gestreckten Flur. Über die Treppe eilte er hinab zum Zellenbunker.

Der unterirdisch angelegte Trakt blieb Tag und Nacht erleuchtet. Auch in den beiden belegten Räumen brannte ständig Licht.

Zuerst lenkte der Unteroffizier seine Schritte an die Zelle des zum Tode verurteilten Doppelmörders. Zumindest sollte es Gerüchten zufolge einer sein. Genauere Informationen besaß keiner der unteren Dienstgrade.

Geräuschlos schob der Wächter den dunklen Stofflappen beiseite und spähte durch das postkartengroße Spiegelglas in der ausbruchssicheren Tür.

Hinter dem eisernen Zwischengitter, das den Haftraum unterteilte und Eintretende vor überraschenden Angriffen aus toten Winkeln schützen sollte, lief der Insasse trotz später Stunde mit kleinen Schritten ruhelos hin und her. Für ihn spielte die Tageszeit kaum noch Rolle, denn seine Armbanduhr hatte man ihm längst abgenommen. Abrupt blieb er jetzt stehen und richtete sein bärtiges Gesicht auf den Türspion. Dabei grinste er bösartig. Offenbar konnte er die Kontrolle fühlen.

Verärgert ließ der Wachmann von der Zellentür ab und begab sich hinüber zum Verwahrraum des zweiten Häftlings. Ein höhnisches Lachen begleitete ihn.

Arschloch, dachte er. Du wirst früher oder später hier unten krepieren. Bis dahin wird dir das Lachen vergangen sein. Kurz darauf stockte ihm der Atem. Erschrocken presste er sein Gesicht an die Glasscheibe. Es gab keinen Zweifel. Der andere Gefangene lag auf dem Betonfußboden. Inmitten einer Blutlache. Die obere Halspartie der bewegungslosen Gestalt wies eine lange Schnittwunde auf.

Im ersten Moment wollte der Unteroffizier losstürzen und der Zentrale telefonisch Meldung erstatten, so wie es der Dienstvorschrift entsprach. Mindestens vier Personen würden dann den Haftraum betreten, während gleichzeitig zwei weitere den einzigen Zugang zum Zellentrakt besetzt hielten.

Scheiße, überlegte er dann. Gottverfluchte Scheiße! Bis dahin war der längst verblutet. Und ihm lastete man das an. Weil er den Kontrollgang zu spät durchgeführt hatte. In solchen Dingen verstanden die Genossen keinen Spaß. Beide Patienten waren unersetzlich. Immer wieder war der Wachmannschaft das eingeschärft worden.

Wild durcheinander kreisten die Gedanken im Kopf des Wächters. Falls der Mann bereits tot war, dürfte er selbst sein restliches Leben irgendwo in abgelegenen, sibirischen Erzgruben der sowjetischen Freunde verbringen. Das war ziemlich sicher. Also musste er zunächst einmal feststellen, ob der Gefangene noch lebte und zu retten war. Andernfalls blieb nur die Flucht, obgleich ein Gelingen angesichts der aufwendigen Objektsicherung nahezu ausgeschlossen schien.

Also öffnete der Unteroffizier die dreifache Verriegelung der Stahlpanzertür. Mit zitternden Händen führte er dann den Schlüssel in das Schloss des inneren Zwischengitters.

Zu weiteren Verstößen gegen die strenge Vorschrift blieb ihm keine Gelegenheit mehr, denn als er sich über die vermeintlich wehrlose Gestalt beugte, um deren Puls zu messen, warf diese sich überraschend herum und zog den Kopf des Wächters mit einem kurzen, aber kräftigen Ruck zu sich heran. Dem fehlte die Zeit zu jeglicher Gegenwehr.

Im speziellen Griff des Angreifers brach das Genick des Weißbekittelten.

Harald Berg, vormals Oberleutnant des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR, gegenwärtig des Verrats an der Arbeiterklasse überführter Todeskandidat, richtete sich taumelnd auf. Mit einem nassen Handtuch wischte er die Blutspuren von seinem Hals, die den Einschnitt an der Halsschlagader vorgetäuscht hatten. In Wirklichkeit stammte das Blut ebenso wie die mit Wasser verdünnte Lache am Fußboden, aus einer Vene des Unterarmes, wo er den Austritt kontrollieren konnte. Dennoch schien ihn der Blutverlust geschwächt zu haben. Jetzt galt es, sich zusammenzureißen. Vom Handgelenk des Toten streifte er die Armbanduhr ab. Lauschend hob er dann seinen Kopf. Doch außer dem gleichmäßigen Rauschen der Luftzufuhr war nichts zu vernehmen.

Wenig später stand er im Personalzimmer der Wachmannschaft. Er hatte richtig vermutet. Nachts war die Abteilung von nur einem Posten besetzt. Aus dem Wachbuch konnte er den genauen Zeitpunkt der nächsten Ablösung ersehen. Noch fast sechs Stunden bis dahin, dachte er zufrieden. Ausreichend Zeit um sein Vorhaben auszuführen. Allerdings würde er sich erst einmal orientieren müssen, wie das Objekt gesichert war.

Eine Windböe fegte durch das offene Fenster. In ziemlicher Entfernung schlugen Blitze auf die Erdoberfläche. Harald Berg stieg die Treppe wieder hinab.

Reglos stand der zweifache Mörder am Zwischengitter. Mit seinen stark behaarten Händen umklammerte er die Eisenstäbe. Irgendwas dort draußen war anders als sonst. Das spürte er deutlich. Nachdem der Schließer von seinem Haftraum weggegangen war, hatte sein durch die Haft geschärftes Gehör Riegel und Schlüsselgeräusche wahrgenommen. Als sei die Tür der anderen Zelle geöffnet worden. Um diese Stunde sehr ungewöhnlich. Dennoch waren keine Stimmen auszumachen gewesen. Dass es Nacht sein musste, konnte sich der Mörder am Rhythmus der Essenausgabe errechnen.

Das metallische Quietschen schlecht geölter Riegel an der eigenen Zellentür unterbrach seine Gedanken. Gleich darauf trat ein Mann von etwa achtunddreißig Jahren in den Raum. Ebenso wie er selbst war dieser mit einem rotbraunen Trainingsanzug bekleidet.

Wortlos heftete der Eingetretene seinen Blick auf den anderen. Dann betätigte er das Schloss am Zwischengitter. In den Augen des Mörders glomm ein gefährliches Funkeln auf. Seine stark abfallenden Schultern und die überlangen, kräftigen Arme verliehen ihm die Gestalt eines Gorillas.

"Was wollen sie von mir?" stieß er mit heiserer Stimme hervor.

Der Angesprochene antwortete nicht, gab ihm aber durch eine knappe Kopfbewegung zu verstehen, dass er folgen solle. Misstrauisch kam der Gorilla dieser Aufforderung nach. Als er eine halbe Minute später den uniformierten Posten mit seltsam verdrehtem Kopf auf dem Betonfußboden liegen sah, verzog sein Gesicht sich zu einem bösartigen Grinsen.

"Entscheide dich", verlangte der ehemalige Stasi-Offizier: "Willst du hier bleiben oder tun, was ich befehle?"

Mit dem Fuß trat der Gefragte in das Gesicht des Toten, bevor er zischend hervorstieß: "Wo sind die anderen Schweine? Ich will sie alle umbringen."

"Dazu wirst du bald Gelegenheit erhalten. Jetzt aber komm, wir müssen uns beeilen."

Im Schrank der Wachstube entdeckten die Ausbrecher etliche Uniformen. Schon wenige Minuten später saßen sie umgekleidet am Tisch und besprachen die Situation. Draußen wütete das nähergekommene Gewitter.

"Was ist das hier für ein Nest?" wollte der Gorilla wissen. Berg zuckte mit den Schultern: "Irgendein Objekt des MfS. Vermutlich in Küstennähe. Das erklärt den salzigen Geschmack in der Luft. Mich hat man übrigens im geschlossenen Fahrzeug hertransportiert."

"Hast du auch die Spritzen gekriegt? Wozu waren die?"

"Das musst du die Quacksalber fragen. Vielleicht wohnen sie hier im Gelände."

"Hoffentlich", entgegnete der Mörder zähnefletschend: "Die haben mir außerdem dauernd Blut abgezapft."

Berg sah von einem Lageplan auf, den er im Schreibtisch der Wachstube vorgefunden hatte: "Hier ist die genaue Gebäudeanordnung eingezeichnet. Da steht Labor I dran. Etwa hundertfünfzig Meter entfernt."

Mit dem Zeigefinger tippte er auf einen Grundriss: "Das nehmen wir uns jetzt vor. Ich will erst wissen, was hier vorgeht, ehe wir verschwinden."

Der andere war aufgestanden und spähte unruhig zum Fenster hinaus: "Wieso finden wir in der Wache keine Ballermänner?"

"In derartigen Objekten sind gewöhnlich nur die Außenposten bewaffnet. Eventuell noch die höheren Offiziere."

Nun warf auch der Gorilla einen flüchtigen Blick auf die Karte und stellte fest: "Scheint ganz schön groß zu sein, die Anlage."

Ein Pfeifen kündigte das Kochen des aufgesetzten Wassers an. Berg füllte die bereitgestellten Tassen und sagte: "Wir trinken in Ruhe den Kaffee aus, dann geht...



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