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Ehrlich / Faulkner | Wien für coole Kids | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 224 Seiten

Ehrlich / Faulkner Wien für coole Kids


1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-902998-63-7
Verlag: Amalthea Signum
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 224 Seiten

ISBN: 978-3-902998-63-7
Verlag: Amalthea Signum
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Der Wien-Führer für neugierige junge Entdecker Zauberwesen Joey führt dich diesmal ins Grüne Wien, folgt aber auch den Spuren berühmter Personen wie Falco, Hundertwasser, Schubert und Kaiserin Sisi. Lerne Schloss Schönbrunn zur Zeit von Maria Theresia kennen, begegne dem Totengräber Rothmayer, besuche das Belvedere und unternimm Radtouren entlang der Donau. Du kannst diese Wege alleine nachgehen oder deine Freunde, Mitschüler und Lehrer führen. Vielleicht kannst du sogar deine Eltern auf Unbekanntes hinweisen. Die von Joey geführten Wege sind für Kinder und Jugendliche gleichermaßen geeignet, selbst Erwachsene finden im vorliegenden Stadtführer viele Facts und Hinweise, um Wien selbstständig zu erforschen. Die Touren bieten außerdem Anregungen für Eltern und Großeltern, die schon die Kleineren für die Stadt begeistern wollen, für gemeinsame Spaziergänge von Jung und Alt und für Lehrer, die ihren Schülern Wien näherbringen wollen.

DDr. Anna Ehrlich ist promovierte Juristin und Historikerin und bietet seit über dreißig Jahren informative und unterhaltsame Führungen in Wien an (www.wienfuehrung.at). Sie widmet sich neben der Religionsgeschichte vor allem den Randthemen der Geschichte, so wie der Sitten-, Medizin- und Rechtsgeschichte. Aus ihren Vorträgen zum Thema 'Magie und Erotik am Kaiserhof' und der Beschäftigung mit der Kunstkammer des Kunsthistorischen Museums in Wien ist der Roman 'Szepter und Rose' entstanden. Jennifer Faulkner ist eine echte Wienerin mit britischen Vorfahren. Nach dem Besuch des Lycée Français de Vienne folgten weitere Studien in Wien. Seit ihrem 20. Lebensjahr ist sie im Tourismus tätig, davon mehrere Jahre im Ausland, vornehmlich in Italien. Nach ihrer Rückkehr nach Wien absolvierte sie die Fremdenführerprüfung und machte damit ihre Liebe zu Sprachen, Kunst und Geschichte zu ihrem Beruf.
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Weitere Infos & Material


Schloss Schönbrunn


Im Kindermuseum


Kinderleben am Kaiserhof

Du möchtest sicher Schloss Schönbrunn, die Sommerresidenz der kaiserlichen Familie, sehen? Joey wartet schon am Haupttor vor dem Ehrenhof auf dich, du hast von hier einen guten Blick auf das große Schloss.

»Was zeigst du mir zuerst?«, willst du wissen.

»Da gibt es ein eigenes Museum für Kinder, da gehen wir zuerst hin. Ich werde dir erklären, wie man am Hof der Kaiserin Maria Theresia gelebt hat. Lass dich überraschen!«

Um euch herum beginnt sich alles zu drehen, und schon seid ihr in der Vergangenheit angekommen, im Jahr 1760. Aus Joey ist eine hübsche junge Prinzessin geworden, und du hast dich in eine Hofdame verwandelt.

Geburtstagsfeier im Kindermuseum

Schloss Schönbrunn im 18. Jahrhundert

Eine Reise ins Jahr 1760

Im Ehrenhof herrscht reges Kommen und Gehen. Welch ein Lärm!

»Ich bin Marie Christine, die Lieblingstochter der Kaiserin Maria Theresia«, sagt die kleine Prinzessin, und setzt mit drolliger Miene fort: »Sie mag mich besonders gern, denn ich war ihr Geburtstagsgeschenk. Stell dir vor: Gerade als ihre Geburtstagsfeier am Pfingstsonntag des Jahres 1742 in vollem Gange war, platzte ich mitten hinein.«

Du lachst herzlich und willst wissen: »Wohnt ihr immer hier?«

»Aber nein«, antwortet Prinzessin Joey. »Wir sind erst gestern angekommen. Alljährlich zu Beginn der schönen Jahreszeit machen wir uns mit dem gesamten Hof von der Hofburg aus hierher auf den Weg. Kannst du dir vorstellen, wie lange die Vorbereitungen dazu dauern? Wochen, ja sogar Monate. Denn alles Nötige muss eingepackt werden, die Möbel, Textilien, Kochtöpfe, Musikinstrumente, Noten, Bücher, Sättel und zum Schluss natürlich alle persönlichen Dinge. Die Dienerschaft ist immer ganz aus dem Häuschen. Große Aufregung! Denn es darf ja nichts vergessen werden, und alles muss schon vor unserer Ankunft hier am richtigen Platz sein. Wenn wir dann endlich mit unserem Gefolge von der Hofburg aufbrechen, laufen die Neugierigen von allen Seiten zusammen, denn uns sieht man ja nicht alle Tage. Das Volk steht dicht gedrängt stundenlang an den Straßen Spalier, verrenkt sich die Hälse nach uns, ruft und winkt. Manchmal sieht das recht komisch aus und lässt uns herzlich lachen, was sehr gut ist: Denn wir Kinder sollen ja genau wie die Eltern ständig lächeln und gnädig zurückwinken, das erwarten die Leute. Also kommen die Kutschen recht langsam voran, und der kurze Weg hinaus nach Schönbrunn wird zu einer längeren Fahrt, vor allem, wenn das Wetter schön ist. Sobald wir aber hier sind, haben wir das Gedränge schon wieder vergessen und freuen uns über die frische Luft.«

Die Prinzessin nimmt deine Hand und führt dich um das Schloss herum zum Park. Auf dem Weg erfährst du die Geschichte von Schönbrunn.

Kleine Geschichte von Schönbrunn

Der Herrensitz, der sich auf diesem Areal schon seit dem 14. Jahrhundert befand, hieß Katterburg und kam 1569 durch Kauf in den Besitz der Habsburger, die hier Jagden veranstalteten. Dabei soll Kaiser Matthias im Jahre 1612 die Quelle entdeckt haben, der er den Namen »Schöner Brunnen« gab. Eleonore, die Witwe Kaiser Ferdinands II., griff den Namen auf, als sie um 1642 anstelle des alten Hauses das Lustschloss Schönbrunn für sich errichten ließ, das bald von den Osmanen verwüstet wurde. Kaiser Leopold I. wollte es auf den Grundmauern für seinen Thronfolger Joseph neu errichten lassen, und sein Architekt Johann Bernhard Fischer von Erlach entwarf einen großartigen Plan: Außer dem unteren Schloss sollte oben auf dem Hügel ein zweiter großartiger Palast errichtet werden, was aber zu teuer gewesen wäre. Ab 1696 baute man am unteren Schloss, im Jahre 1700 war der Mitteltrakt fertig, langsam nahmen auch die Seitenflügel Gestalt an. Nach Josephs I. frühem Tod diente das damals altrosa und weiß gestrichene Gebäude als Wohnsitz für seine Witwe Wilhelmine Amalie. Sie ließ es verschönern und den Irrgarten im Park anlegen.

Kaiserin Maria Theresia

1728 kaufte ihr Kaiser Karl VI. Schönbrunn ab und schenkte es seiner Tochter Maria Theresia, die es nach ihrem Regierungsantritt zu ihrer Sommerresidenz ausbauen ließ. 1746 waren die Kapelle, die Audienz- und Wohnräume für das Kaiserpaar fertig, es konnte einziehen. Danach wurde die große Freitreppe Fischers abgerissen, die Durchfahrtshalle im Erdgeschoß und anstelle des alten Speisesaales die Blaue Stiege geschaffen, die zur neu angelegten Großen und Kleinen Galerie hinaufführt. Das alte Deckenfresko von 1702/03 ist bis heute erhalten.

Da die kaiserliche Familie immer zahlreicher wurde, ließ Maria Theresia 1748 im Ostflügel zwischen der Herrschaftsetage und dem Obergeschoß ein Mezzanin für die Kinder und deren Hofstaat einfügen. Zu der Zeit entstanden auch die Nebengebäude, die für die Unterbringung und Versorgung von mehr als 1000 Personen nötig waren. Das auf ausdrücklichen Wunsch der Kaiserin erbaute Schlosstheater wurde 1747 feierlich eröffnet. Als Sänger und Schauspieler betätigten sich neben den Adeligen des Hofes die Kinder der Kaiserin, die sich übrigens auch selbst als talentierte Sängerin hervortat.

Bald nach 1750 war der Wohnraum schon wieder zu eng, nun wurde auch im Westtrakt ein Zwischengeschoß für die Kinder eingefügt. Erst danach nahm man die Fassade in Angriff: Sie wurde mit Rokoko-Dekor verziert und zitronengelb und weiß gestrichen. Die Innenräume wurden nun ebenfalls im Rokoko-Stil ausgestattet.

Nach dem plötzlichen Tod von Kaiser Franz I. Stephan im Jahre 1765 ließ Maria Theresia mehrere Räume im Ostflügel zu seinem Gedenken kostbar ausstatten, mit chinesischen Lacktafeln, Papiertapeten und wertvollsten Holzvertäfelungen. Sie selbst bewohnte während der Sommermonate ab 1769 die Räume im Erdgeschoß, die von Johann Baptist Wenzel Bergl mit exotischen Landschaftsmalereien versehen wurden (»Berglzimmer«).

Erst ganz zuletzt wurde der Garten in Angriff genommen. Der Hofarchitekt Johann Ferdinand Hetzendorf von Hohenberg war dafür zuständig, er ließ die Gloriette, den Neptunbrunnen, die Römische Ruine und den Obelisken errichten und zahlreiche Statuen und Skulpturen aufstellen.

Der Neptunbrunnen im Schlossgarten

Nach Maria Theresias Tod blieb das Schloss lange unbewohnt. Erst ihr Enkel Kaiser Franz II./I. benützte es wieder als Sommerresidenz. Während der Franzosenkriege wurde Schönbrunn 1805 und 1809 besetzt, Napoleon wohnte in den Gedenkräumen Franz I. Stephans. Zwischen 1817 und 1819 ließ Kaiser Franz die Fassade erneuern, die Rokoko-Verzierungen wurden entfernt. Der Anstrich in der Farbe »Schönbrunner Gelb« dürfte auf diese Zeit zurückgehen.

1830 wurde Kaiser Franz Joseph im Ostflügel des Schlosses geboren. Er liebte das Schloss, wohnte den Großteil seines Lebens hier und starb auch hier.

Maria Anna, die gelehrte Erzherzogin

Ihr geht zurück zum Ehrenhof wo euch die älteste Schwester Marie Christines, Erzherzogin Maria Anna (1738–1789), mit einer Hofdame entgegenkommt. Sie sind auf dem Weg zum Schlosstheater.

»Deine Schwester sieht aber finster drein«, stellst du beim Anblick des langen, eckigen Gesichts, der großen Nase und der schmalen Lippen fest.

Schloss Schönbrunn, Gartenseite

»Stimmt«, meint Prinzessin Joey. »Marianne ist oft leidend, doch nur um Mamans Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Mit 18 Jahren war sie aber tatsächlich todkrank, man reichte ihr schon die Sterbesakramente. Dass sie wieder gesund wurde, war ein großes Wunder. Aber leider war nun ihr Rücken krumm, und so kann von einer Heirat keine Rede mehr sein. Das scheint sie jedoch nicht weiter zu stören, denn so kann sie für ihre Hobbys leben. Sie ist Papas Liebling, er nennt sie seinen gelehrten Blaustrumpf und bringt ihr eine Menge von seinem eigenen Wissen bei. Nun sag mir doch, ob sich denn so viel Gelehrsamkeit für eine Prinzessin gehört!«

Maria Anna

Nach dem Tod ihres Vaters widmete sich Marianne weiterhin ihren wissenschaftlichen Studien. Zu ihren Freunden zählten Gelehrte, ja sogar etliche Freimaurer, was für eine katholische Prinzessin höchst ungewöhnlich war. Ihr Bruder Joseph II. mochte sie nicht, und als er auf den Thron kam, zog sie sich nach Klagenfurt ins Kloster der Elisabethinerinnen zurück.

Das Schönbrunner Schlosstheater

»Marianne geht sicher zu einer Tanzprobe«, meint Marie Christine, »damit sie wieder damit angeben kann, dass sie viel besser tanzt als ich. Wir Kinder machen alle bei den Theater- und Tanzaufführungen mit, das macht so richtig Spaß! Maman sieht uns gerne zu. Sie meint, dass wir auf der Bühne am besten die Scheu verlieren, vor fremden Menschen zu sprechen. Es ist nämlich gar nicht so leicht, bei Hof immer auf die richtige Art zu lächeln und mit Fremden zu sprechen. Wenn unser Vater, der Kaiser, Namenstag hat, gibt es immer ein großes Fest. Wir singen dabei italienische Arien, tanzen oder sagen Gedichte für ihn...


DDr. Anna Ehrlich ist promovierte Juristin und Historikerin und bietet seit über dreißig Jahren informative und unterhaltsame Führungen in Wien an (www.wienfuehrung.at). Sie widmet sich neben der Religionsgeschichte vor allem den Randthemen der Geschichte, so wie der Sitten-, Medizin- und Rechtsgeschichte. Aus ihren Vorträgen zum Thema "Magie und Erotik am Kaiserhof" und der Beschäftigung mit der Kunstkammer des Kunsthistorischen Museums in Wien ist der Roman "Szepter und Rose" entstanden.

Jennifer Faulkner ist eine echte Wienerin mit britischen Vorfahren. Nach dem Besuch des Lycée Français de Vienne folgten weitere Studien in Wien. Seit ihrem 20. Lebensjahr ist sie im Tourismus tätig, davon mehrere Jahre im Ausland, vornehmlich in Italien. Nach ihrer Rückkehr nach Wien absolvierte sie die Fremdenführerprüfung und machte damit ihre Liebe zu Sprachen, Kunst und Geschichte zu ihrem Beruf.



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