Eichendorff | Gedichte | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 416 Seiten

Reihe: Fischer Klassik Plus

Eichendorff Gedichte

Fischer Klassik PLUS
1. Auflage 2011
ISBN: 978-3-10-401228-5
Verlag: S. Fischer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Fischer Klassik PLUS

E-Book, Deutsch, 416 Seiten

Reihe: Fischer Klassik Plus

ISBN: 978-3-10-401228-5
Verlag: S. Fischer
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Mit dem Werkbeitrag aus Kindlers Literatur Lexikon. Mit dem Autorenporträt aus dem Metzler Lexikon Weltliteratur. Mit Daten zu Leben und Werk, exklusiv verfasst von der Redaktion der Zeitschrift für Literatur TEXT + KRITIK. »Schläft ein Lied in allen Dingen, / Die da träumen fort und fort, / Und die Welt hebt an zu singen, / Triffst du nur das Zauberwort.« - Der Romantiker Joseph von Eichendorff gehört zu den wenigen Dichtern deutscher Sprache, deren Verse uns noch heute im Ohr sind. Dieser Band enthält seine bekanntesten und schönsten Gedichte.

Joseph von Eichendorff, einer der bedeutendsten Lyriker und Erzähler der deutschen Romantik, geboren am 10. März 1788 auf Schloss Lubowitz bei Ratibor, Oberschlesien, stammte aus schlesischem Adel. Er hatte Kontakt u.a. zu Clemens Brentano und Achim von Arnim sowie zu Friedrich Schlegel. 1831 wurde er auf eigenen Wunsch nach Berlin versetzt, wo er von 1841 bis 1844 als Geheimer Regierungsrat wirkte. 1845 kehrte er nach Wien zurück, wo er mit Franz Grillparzer und Adalbert Stifter Bekanntschaft schloss. Eichendorf starb am 26. November 1857 in Neiße, Oberschlesien.
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Der wandernde Musikant


1


Wandern lieb ich für mein Leben,

Lebe eben wie ich kann,

Wollt ich mir auch Mühe geben,

Paßt es mir doch gar nicht an.

Schöne alte Lieder weiß ich,

In der Kälte, ohne Schuh’

Draußen in die Saiten reiß ich,

Weiß nicht, wo ich abends ruh.

Manche Schöne macht wohl Augen,

Meinet, ich gefiel’ ihr sehr,

Wenn ich nur was wollte taugen,

So ein armer Lump nicht wär. –

Mag dir Gott ein’n Mann bescheren,

Wohl mit Haus und Hof versehn!

Wenn wir zwei zusammen wären,

Möcht mein Singen mir vergehn.

2


Wenn die Sonne lieblich schiene

Wie in Welschland lau und blau,

Ging’ ich mit der Mandoline

Durch die überglänzte Au.

In der Nacht dann Liebchen lauschte

An dem Fenster süß verwacht,

Wünschte mir und ihr, uns beiden,

Heimlich eine schöne Nacht.

Wenn die Sonne lieblich schiene

Wie in Welschland lau und blau,

Ging’ ich mit der Mandoline

Durch die überglänzte Au.

3


Ich reise übers grüne Land,

Der Winter ist vergangen,

Hab um den Hals ein gülden Band,

Daran die Laute hangen.

Der Morgen tut ein’n roten Schein,

Den recht mein Herze spüret,

Da greif ich in die Saiten ein,

Der liebe Gott mich führet.

So silbern geht der Ströme Lauf,

Fernüber schallt Geläute,

Die Seele ruft in sich: Glück auf!

Rings grüßen frohe Leute.

Mein Herz ist recht von Diamant,

Ein Blum von Edelsteinen,

Die funkelt lustig übers Land

In tausend schönen Scheinen.

Vom Schlosse in die weite Welt

Schaut eine Jungfrau ’runter,

Der Liebste sie im Arme hält,

Die sehn nach mir herunter.

Wie bist du schön! Hinaus, im Wald

Gehn Wasser auf und unter,

Im grünen Wald sing, daß es schallt,

Mein Herz, bleib frei und munter!

Die Sonne uns im Dunkeln läßt,

Im Meere sich zu spülen,

Da ruh ich aus vom Tagesfest

Fromm in der roten Kühle.

Hoch führet durch die stille Nacht

Der Mond die goldnen Schafe,

Den Kreis der Erden Gott bewacht,

Wo ich tief unten schlafe.

Wie liegt all falsche Pracht so weit!

Schlaf wohl auf stiller Erde,

Gott schütz dein Herz in Ewigkeit,

Daß es nie traurig werde!

4


Bist du manchmal auch verstimmt,

Drück dich zärtlich an mein Herze,

Daß mirs fast den Atem nimmt,

Streich und kneif in süßem Scherze,

Wie ein rechter Liebestor

Lehn ich sanft an dich die Wange

Und du singst mir fein ins Ohr.

Wohl im Hofe bei dem Klange

Katze miaut, Hund heult und bellt,

Nachbar schimpft mit wilder Miene –

Doch was kümmert uns die Welt,

Süße, traute Violine!

5


Mürrisch sitzen sie und maulen

Auf den Bänken stumm und breit,

Gähnend strecken sich die Faulen,

Und die Kecken suchen Streit.

Da komm ich durchs Dorf geschritten,

Fernher durch den Abend kühl,

Stell mich in des Kreises Mitten,

Grüß und zieh mein Geigenspiel.

Und wie ich den Bogen schwenke,

Ziehn die Klänge in der Rund

Allen recht durch die Gelenke

Bis zum tiefsten Herzensgrund.

Und nun gehts ans Gläserklingen,

An ein Walzen um und um,

Je mehr ich streich, je mehr sie springen,

Keiner fragt erst lang: warum? –

Jeder will dem Geiger reichen

Nun sein Scherflein auf die Hand –

Da vergeht ihm gleich sein Streichen,

Und fort ist der Musikant.

Und sie sehn ihn fröhlich steigen

Nach den Waldeshöhn hinaus,

Hören ihn von fern noch geigen,

Und gehn all vergnügt nach Haus.

Doch in Waldes grünen Hallen

Rast ich dann noch manche Stund,

Nur die fernen Nachtigallen

Schlagen tief aus nächtgem Grund.

Und es rauscht die Nacht so leise

Durch die Waldeseinsamkeit,

Und ich sinn auf neue Weise,

Die der Menschen Herz erfreut.

6


Durch Feld und Buchenhallen

Bald singend, bald fröhlich still,

Recht lustig sei vor allen,

Wers Reisen wählen will!

Wenns kaum im Osten glühte,

Die Welt noch still und weit:

Da weht recht durchs Gemüte

Die schöne Blütenzeit!

Die Lerch als Morgenbote

Sich in die Lüfte schwingt,

Eine frische...


Eichendorff, Joseph von
Joseph von Eichendorff, einer der bedeutendsten Lyriker und Erzähler der deutschen Romantik, geboren am 10. März 1788 auf Schloss Lubowitz bei Ratibor, Oberschlesien, stammte aus schlesischem Adel. Er hatte Kontakt u.a. zu Clemens Brentano und Achim von Arnim sowie zu Friedrich Schlegel. 1831 wurde er auf eigenen Wunsch nach Berlin versetzt, wo er von 1841 bis 1844 als Geheimer Regierungsrat wirkte. 1845 kehrte er nach Wien zurück, wo er mit Franz Grillparzer und Adalbert Stifter Bekanntschaft schloss. Eichendorf starb am 26. November 1857 in Neiße, Oberschlesien.

Joseph von EichendorffJoseph von Eichendorff, einer der bedeutendsten Lyriker und Erzähler der deutschen Romantik, geboren am 10. März 1788 auf Schloss Lubowitz bei Ratibor, Oberschlesien, stammte aus schlesischem Adel. Er hatte Kontakt u.a. zu Clemens Brentano und Achim von Arnim sowie zu Friedrich Schlegel. 1831 wurde er auf eigenen Wunsch nach Berlin versetzt, wo er von 1841 bis 1844 als Geheimer Regierungsrat wirkte. 1845 kehrte er nach Wien zurück, wo er mit Franz Grillparzer und Adalbert Stifter Bekanntschaft schloss. Eichendorf starb am 26. November 1857 in Neiße, Oberschlesien.



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