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E-Book, Deutsch, 280 Seiten

Einwohlt Goldschwestern

Modernes Pferdebuch ab 11 Jahren über Toleranz, Identitätsfindung und die erste Liebe
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-401-81021-8
Verlag: Arena Verlag eBooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Modernes Pferdebuch ab 11 Jahren über Toleranz, Identitätsfindung und die erste Liebe

E-Book, Deutsch, 280 Seiten

ISBN: 978-3-401-81021-8
Verlag: Arena Verlag eBooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Der neue pferdestarke Roman von Teenie-Versteherin Ilona Einwohlt: Feelgood-Lektüre für Leser:innen in der ereignisreichen Phase zwischen Kind sein und Pubertät. Für die 14-jährige Lilly dreht sich alles um Pferde. Auf dem Gestüt ihres Vaters packt sie mit an, wo sie nur kann. Aber weil die Geschäfte schlecht laufen, soll Lillys geliebte Fuchsstute Zora verkauft werden - eine Katastrophe! Von ihrer älteren Schwester Eve kann Lilly keine Hilfe erwarten, denn die hält sich aus dem Hofgeschehen raus und arbeitet stattdessen an ihrer Karriere als Beauty-Influencerin. Als der rätselhafte Fran auf der Bildfläche erscheint und beide Schwestern eine besondere Verbindung zu ihm spüren, ist Lillys Gefühlchaos komplett. Sie und Eve werden immer mehr zu Rivalinnen und auch Fran scheint zwischen Lillys Pferdekosmos und Eves Glamourleben hin und her gerissen. Doch da kommt Frans Geheimnis ans Licht, und zwingt die Schwestern, ihre Vorurteile zu überdenken. Gelingt es ihnen, die Welt mit den Augen der jeweils anderen zu sehen und gemeinsam für ihre Träume zu kämpfen? In 'Goldschwestern' erzählt Erfolgsautorin Ilona Einwohlt davon, dass die Liebe viele Gesichter hat - und wieviel Mut es manchmal braucht, zu sich selbst zu stehen. Mit stimmungsvollen Illustrationen von Laura Rosendorfer. Weitere Bücher von Ilona Einwohlt im Arena Verlag: Wild und wunderbar (1). Zwei Freundinnen gegen den Rest der Welt Wild und Wunderbar (2). Gegensätze halten zusammen (oder?) Wild und Wunderbar (3). Freundinnen sind die besseren Schwestern Erdbeersommer (1) Erdbeersommer (2). Unterm Sternenhimmel Erdbeersommer (3). Galopp in die Freiheit Uncovered. Dein Selfie zeigt alles Schmetterlingsflügel für dich. Das Coachingbuch für starke und selbstbewusste Mädchen (mit Christina Arras)

Ilona Einwohlt wollte eigentlich Ernährungswissenschaftlerin werden. Aber dann las sie mitten in der Chemievorlesung Simone de Beauvoir, Julio Cortázar und Thomas Mann - und widmete sich fortan der Literatur. Längst ist aus der Germanistikstudentin eine erfolgreiche Autorin insbesondere für Kinder und Jugendliche geworden. Ilona Einwohlt, Jahrgang 1968, lebt mit ihrer Familie in Darmstadt. Die Autorin ist als Bildungsreferentin für das Institut für Medienpädagogik und Kommunikation Hessen e.V (MuK) regelmäßig mit Workshops und Vorträgen unterwegs, insbesondere zu Themen wie 'Rollenklischees und Sexismus in den Medien' und 'Digitale Identitäten'. Für das Projekt 'Haus der digitalen Medienbildung' führt sie zudem Veranstaltungen und Beratungen für Eltern und Jugendliche in Darmstadt durch.
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Herzenskälte


Eiskalte Winterluft knisterte in der Lunge und piekste im Gesicht, kühlte Lillys erhitzte Wangen. Was fiel Eve ein! Was fiel ihnen allen ein! Vor lauter Wut und Enttäuschung wusste Lilly überhaupt nicht, wohin sie fühlen sollte. Nur eins: weg. Raus. So schnell es ging. Tief über Zoras Hals gebeugt, galoppierte sie den schmalen Pfad entlang, die Anhöhe hinauf, die Hände in der Mähne vergraben, um wenigstens ein bisschen Wärme zu spüren an diesem Tag, der so beschissen war, wie Tage wie diese nun mal waren. Einsam. Alleine.

Egal, weiter, weiter. Endlich vergessen, an nichts mehr denken. Schneeflocken wirbelten unter Zoras Hufen, jetzt ging es wieder bergab und obwohl man kaum drei Meter weit schauen konnte, schien ihre Stute nur ein Ziel zu haben: die Ruine im Wald, seit jeher Lillys Geheimversteck. Aus unerklärlichen Gründen fühlte sie sich von dem verfallenen Gebäude angezogen. Wann immer sich die Gelegenheit dazu ergab, verbrachten sie hier ihre Zeit, im Sommer konnte es auch mal passieren, dass sie zwischen den verwitterten Steinen im Freien übernachteten.

Im Innenhof hielt Zora endlich an. Das Gemäuer war dick verschneit, kaum zu erkennen. Baufällig und einsturzgefährdet, war der Zutritt strengstens versperrt, aber Lilly hatte ein Schlupfloch gefunden. Sie ließ sich von Zoras Rücken rutschen, zog mit klammen Fingern ihr Handy aus der Hosentasche und rief zum wiederholten Male den Link auf, der seit heute Morgen viral ging und ihr seitdem das Leben zur Hölle machte. Lilly konnte es immer noch nicht glauben. Was dachte sich ihre Schwester nur dabei, solch ein Video zu posten! Wie konnte sie nur so fies und gemein sein?

»Wollt ihr wissen, wie es mir geht?« Eine völlig ungestylte Eve schniefte in die Kamera. Die Haare hingen strähnig herunter, die Augen sahen gerötet aus. Kein strahlender Ringlichtkranz in den Pupillen wie sonst. Alles war verwackelt, man konnte gerade mal die Umrisse ihres Kleiderschranks im Hintergrund erahnen. Keine Weichzeichner, keine stimmungsvollen Lichterketten. So aufgelöst hatte Lilly ihre Schwester noch nie erlebt, nicht einmal damals nach dem Unglück.

»Alles dreht sich nur um sie und um Pferde, Pferde, Pferde. Welches Pferd Lilly reitet. Welche Erfolge sie verbuchen kann. Wie toll sie bei der Heuernte geholfen hat. Wie selbstlos sie Stallwache bei den Pferden hält, wenn der Verband gewechselt werden muss oder sie bei der Geburt eines Fohlens hilft. Nach mir fragt keiner! Dabei schreibe ich die viel besseren Noten und bin viel, viel erfolgreicher. Ich habe hier über hunderttausend Follower! Wenn ich meine Beautytutorials hochlade, schalten alle ein und sofort habe ich Hunderte von Likes. Niemand sieht, wie viel harte Arbeit dahintersteckt. Ich drehe Videos, ich recherchiere, ich muss mich an Absprachen halten. Dann Musik aussuchen, schneiden, hochladen.«

Es ging in einer Tour. Lilly ertappte sich dabei, wie sie gebannt an Eves Lippen hing. So hatte sie ihre Schwester noch nie sprechen hören. Alles war sonst immer ein oberflächliches Plinkplink. Jetzt blickte ihr eine verweinte Eve entgegen, ohne Make-up sah man sogar Falten um die Augen, ungewöhnlich für eine Sechzehnjährige. Alles echt.

»Das Leben ist so ungerecht!«, heulte Eve weiter. Mittlerweile lag sie rücklings auf ihrem Bett, die blonden Haare umspielten ihr Gesicht wie ein Wasserfall. Man hätte sie glatt für Lilly halten können, so ähnlich sahen sich die Schwestern in diesem Moment. »Sie bekommt alles und ich nicht. Dabei ist sie echt so was von hässlich. Mit ihren wirren Korkenzieherhaaren, die sie niemals kämmt, verfilzt und ungepflegt bis in die Spitzen. Kein Wunder, sie benutzt ja auch nur ihr komisches Ökoshampoo.«

Hä, was faselte Eve da? Lilly griff sich in die Haare. Sie mochte ihre Locken.

»Sie sieht aus wie eine Walküre, die durch die Luft reitet, so wehen sie wie eine blonde Fahne hinter ihr her.«

, klangen die Rufe ihrer Mitschüler:innen von heute Morgen in Lillys Ohren nach, was hatte sie sich nicht alles anhören müssen. Eigentlich war sie ja an Lästereien gewöhnt.

Weiter ging’s mit einer endlosen Tirade über Lillys Reitklamotten. »Im Badezimmer ist alles voller Pferdehaare und ich muss dann mit meiner Allergie wieder husten und niesen und bekomme keine Luft … das ist echt megarücksichtslos von ihr! Ich achte darauf und räume meine Klamotten weg, sie lässt immer alles herumfliegen, sogar ihre Periodenunterwäsche. Immerhin kriegt sie ihre Tage, wenn sie schon keine Brüste hat. Sonst könnte man ja meinen, sie sei gar kein Mädchen.«

Unwillkürlich tastete Lilly nach ihrer Brust. Mochte sein, dass ihr Busen noch kaum entwickelt war. Warum sollte sie deshalb kein Mädchen sein? Und warum war das überhaupt so wichtig?

»Lilly ist total krank im Kopf! Sie reitet immer zur Ruine im Wald, keine Ahnung, was sie dort macht. Mit Zora!« Eve saß mittlerweile im Gegenlicht vor ihrem Fenster, was ihr ein noch dramatischeres Aussehen verlieh. »Wenn das unser Vater erfährt, ist Schluss mit lustig. Dann bekommt sie endlich Stallverbot und kann nicht mehr mit ihren ach so tollen Reitkünsten angeben und mir auf die Nerven gehen.«

»Pah, du hast echt eine üble Fantasie! Willst du wissen, wie es geht?«, murmelte Lilly. Ihr lief es eiskalt den Rücken hinunter, ihre Hände waren klamm, Herz und Gefühle eingefroren. Manchmal tat es einfach nur weh, so alleine zu sein, in der Schule teilte niemand ihre Leidenschaft für Pferde. Wer Tag und Nacht im Stall schuftete, hatte keine Zeit für Freund:innen und Partys. Da hatten die anderen aufgehört, sie einzuladen, und Lilly war zur Einzelgängerin geworden. Irgendwann dann hatte Miranda mit diesen Sprüchen angefangen und seitdem war es noch schwerer geworden.

Lilly scrollte weiter und las mit angehaltenem Atem die unzähligen Kommentare unter dem Video.

Das waren Eves Fans. Die anderen Kommentare klangen ganz anders:

Eine Person nach der anderen war Eves Account entfolgt, die Anzahl von Abonnent:innen war seit heute Morgen mindestens um ein Drittel geschrumpft. In Lillys Augen war das nur mehr als gerecht.

»Was meinst du, warum hat sie dieses Video gedreht?« Lilly schaute Zora fragend an. Zur Antwort tänzelte die Stute um sie herum. »Du meinst, wir müssen sie zur Rede stellen? Na, dann los, worauf wartest du?« Mit einem Satz sprang sie in den Sattel. Lilly musste Zora gar nicht antreiben, sie preschte aus dem Stand los. So war das mit Zora, sie wusste immer, was für Lilly gut war. Diesmal fiel sie in einen lockeren Trab, nachdem sie das Waldstück hinter sich gelassen hatten. , sollte das bedeuten und in der Tat bemerkte Lilly, wie der gleichmäßige Takt sie beruhigte. Doch zu früh gefreut. Im Stall kam sie direkt vor Meryams Füßen zum Stehen. Die Stiefmutter hatte ihr gerade noch gefehlt.

»Was soll das?«, fragte Meryam mit eiskalter Stimme, frostiger ging’s nicht. »Keine Ausritte mehr, ich dachte, das hätten wir geklärt! Ich bereite Zora auf das Turnier vor, wäre doch gelacht, wenn die Lady hier nicht wieder zur Bestform auflaufen würde. Nicht wahr, meine Gute?« Meryam wollte Zora den Hals tätscheln, doch die wich erschrocken zurück. In den zwei Jahren, die Meryam auf dem Waldhof als Bereiterin lebte, waren die Stute und sie keine Freundinnen geworden.

»Was fällt der ein!«, schimpfte Lilly vor sich hin, während sie Zora in ihre Box zurückbrachte und mit Stroh trocken rieb, bevor die allabendliche Fütterung begann.

»Na, wieder beruhigt?« Matayo stellte die Schubkarre ab. Dem Pferdepfleger entging nichts, die schlechte Stimmung zwischen den beiden Schwestern am allerwenigsten. Er schaute Lilly mitfühlend an.

»Sehe ich so aus?«

»Eve tut es leid … sie wollte das nicht. Es war keine Absicht. Ich glaube, sie würde auch gerne auf Zora reiten und ist eifersüchtig deswegen.«

»Eve tut es leid? Dass ich nicht lache! Und um Zora macht sie doch einen großen Bogen. Du bist echt so was von blind!« Lilly war immer noch sauer. Sauer und enttäuscht zugleich. Traurig vor Wut. Wütend vor Trauer. Alles zusammen.

»Komm schon! So schlimm ist das doch alles gar nicht. Die Leidtragende ist Eve. Jetzt lästern alle über sie. Weil sie in...



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