Einwohlt | Mein Pickel und ich | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 208 Seiten

Reihe: Sina-Reihe

Einwohlt Mein Pickel und ich


1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-401-80043-1
Verlag: Arena Verlag eBooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 1, 208 Seiten

Reihe: Sina-Reihe

ISBN: 978-3-401-80043-1
Verlag: Arena Verlag eBooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Als Sina eines Tages ihren ersten Pickel entdeckt, ahnt sie das Schlimmste: P wie Pubertät ist angesagt! Und es kommt bald noch übler. Nach den Pickeln tauchen auch die ersten Busenknubbel auf und die Periode kündigt sich an! P wie Panik? Keine Spur! Mit viel Witz erzählt Sina von ihrem hormonverwirbelten Leben und von den kleinen und großen Katastrophen in dieser spannenden Zeit.

Ilona Einwohlt wollte eigentlich Ernährungswissenschaftlerin werden. Aber dann las sie mitten in der Chemievorlesung Simone de Beauvoir, Julio Cortázar und Thomas Mann - und widmete sich fortan der Literatur. Längst ist aus der Germanistikstudentin eine erfolgreiche Autorin insbesondere für Kinder und Jugendliche geworden. Ilona Einwohlt, Jahrgang 1968, lebt mit ihrer Familie in Darmstadt. Die Autorin ist als Bildungsreferentin für das Institut für Medienpädagogik und Kommunikation Hessen e.V (MuK) regelmäßig mit Workshops und Vorträgen unterwegs, insbesondere zu Themen wie 'Rollenklischees und Sexismus in den Medien' und 'Digitale Identitäten'. Für das Projekt 'Haus der digitalen Medienbildung' führt sie zudem Veranstaltungen und Beratungen für Eltern und Jugendliche in Darmstadt durch.
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ERSTES KAPITEL,
IN DEM
SINA PICKELFORSCHERIN WIRD

Im Pickel war der Anfang

Im Pickel war der Anfang. Rot, hügelig und eitrig leuchtete er plötzlich auf meiner Stirn und signalisierte allen, die es wissen wollten oder nicht: Sina ist in der Pubertät! Schreck, Kotz, Krise! Ehrlich gesagt und unter uns: Ich fühle mich mit elfeinhalb noch viel zu jung dazu! Ich weiß ja nicht, wie es dir so geht, aber Pickel sind doch was für Mädchen mit Busen, die über Jungs tuscheln und heimlich während des Unterrichts Briefchen schreiben. Klar schreibe ich auch Briefchen, aber höchstens mal mit meiner besten Freundin Kleo-Dorothea, weshalb uns unsere Klassenlehrerin Frau Tuszynski schon tausendmal ermahnt und seit Neuestem sogar auseinander gesetzt hat. Und so Makro-Knubbel habe ich auch, aber die zählen nicht, auch wenn ich wegen ihnen am Strand ein süßes Blümchenbikinioberteil trage (schließlich bin ich kein Baby mehr, das nur mit Höschen rumläuft). Aber Pickel habe ich noch nie gehabt! Und ich will auch keine haben! Denn als aufgeklärtes Mädchen des 21. Jahrhunderts weiß ich, dass es garantiert nicht bei dem einen bleibt.

Außer Briefchen an Kleo schreibe ich auch fleißig Tagebuch und ab sofort werde ich sehr ehrlich und ausführlich über jeden Pickel persönlich berichten. Denn eins ist so sicher wie Mamas Vorliebe für Leons Sabberküsschen: Mit Pickeln hat man zwar nicht die Pest, ist aber ähnlich gestraft, weil ab sofort alle klar die Zeichen deuten: DIESES Mädchen ist in der Pubertät!

Ich, ganz cool, tue so, als ob das alles nichts wäre, dabei bin ich seit gestern völlig durch den Wind. Ich, Sina Rosenmüller, die kleine, etwas pummelige, zahnspangentragende Sina mit den großen Füßen und der besonderen Vorliebe für Zahlen und Mathematik, habe einen Pickel! Meine Mutter hat beim Frühstück nichts gesagt, aber an ihrem mitleidigen Blick habe ich gemerkt, dass sie mir am liebsten ihr Camouflage-Make-up ausgeliehen hätte. Danke, Mama, so schlimm ist es nun auch wieder nicht! Zum Glück war sie sofort wieder abgelenkt, weil mein kleiner Bruder Leon einen rot blühenden Hautausschlag im Gesicht hatte. Ob ich ihr sagen soll, dass er heimlich ihre Anti-Age-Creme benutzt hat? Leon ist zwar erst vier, aber scheinbar will er forever young an Mamas Rockzipfel hängen. Schadenfroh grinsend habe ich mein Morgenmüsli in mich reingemampft, Leon ist immer für Überraschungen gut. Seit er auf der Welt ist, habe ich glücklicherweise meine Ruhe vor Mamas Behütungsanfällen, dafür werde ich ihm ewig dankbar sein und deshalb darf er auch als Einziger meine Gummibärchensammlung anschauen, natürlich ohne probieren, darauf steht Höchststrafe. Aber Leon ist ein Nervmonster der mutierten Art, und wie er jetzt lauthals rumkräht „Sina hat einen Pickel, Sina hat einen Pickel“, wünsche ich ihm für die Zukunft eine Akne fiesus longus eiterus explosivus.

In der Schule war dann mein Pickel Gesprächsthema Nummer eins zwischen uns Mädchen, Kleo war sogar ein bisschen neidisch. Ich weiß nicht, was es da zu beneiden gibt, wenn einem mitten auf der Stirn so ein Dings prangt und leuchtet wie Rudolphs Rotnase. Aber Kleo ist sowieso ein bisschen weichgespült und in allem, was sie tut, äußerst langsam. Sicher hat sie Angst davor, dass ihre Pickel erst mit fünfundzwanzig sprießen, wo sie in diesem Alter doch als strahlende Braut vor dem Altar stehen will. Das wäre dann sehr unpassend. Meine andere Freundin Julia dagegen hat mir gleich lauter Pickel-Horror-Geschichten von ihrer großen Schwester Ashley erzählt. Milli, mit der ich auch in einer Basketballmannschaft spiele, meinte lapidar, das gehöre halt zur Pubertät dazu und würde irgendwann von selbst vorbeigehen. Und Jolina, die ein Jahr älter ist als wir alle und gerne mit ihren Erfahrungen angibt, hat mich mit schlauen Pflegetipps vollgesülzt, von denen ich nur Crème fraîche und Tütelü verstanden habe. Nichts also, was mir wirklich weiterhilft! Fazit: Wer einen Pickel hat, braucht keine anderen Sorgen! Willkommen in der Pubertät!

Pubertät kommt vom Lateinischen pubertas, bedeutet Mannbarkeit und bezeichnet die Zeit der biologischen Veränderungen, die aus Kindern geschlechtsreife Männer und Frauen machen. Verantwortlich dafür sind Hormone (griech. hormein = antreiben, anregen), die Wachstum und Reifung der Geschlechtsmerkmale (Busen, Achselhaare, Gebärmutter, Scheide, Schamlippen, Schamhaare) steuern. Durch ein ausgeklügeltes System, gesteuert vom Zwischenhirn, schubst ein Hormon das nächste an. Dann werden in den Eierstöcken vor allem die Hormone Östrogen und Progesteron gebildet. Sie sorgen dafür, dass aus dem Sina-Mädchen eine Sina-Frau mit Busen und Periode wird. Kein Wunder, dass in dieser hormonell verwirbelten Zeit Gefühle und Launen Achterbahn fahren!

Auch heute, am Tag zwei der Pickel-Katastrophe, hatte ich in der Schule wieder das Gefühl, alle würden mich anstarren, als hätte ich die Extrem-Pest, dabei haben einige in unserer Klasse schon eine richtige Streuselkuchenoptik. Außerdem ist der rote Hügel auf meiner Stirn bereits ein winziges Stückchen geschrumpft, auch wenn die Eiterbeule größer geworden ist. Ich habe mir ihn heute Morgen extra ganz genau unter Mamas Vergrößerungsspiegel angeschaut. Eigentlich ein Prachtexemplar, sanft erhaben, gerötet, mit einer Eiterkuppe. So sieht er etwa aus:

Wie ist er überhaupt entstanden? Und wie kriege ich ihn wieder weg? Eiter ist ja eigentlich kein gutes Zeichen, das weiß ich, weil ich mal eine schrecklich vereiterte Knieverletzung hatte. Letztes Jahr, beim Outdoor-Basketballtraining, bin ich volle Lotte aufs Knie geflogen. Beim Verpflastern haben wir scheinbar einige Steinchen übersehen, zumindest dauerte es nicht lange, bis alles schick entzündet war – und heftig vereitert. Mein Vater hat mich sofort zu Doktor Gottstein geschleift und der hat Ewigkeiten daran herumgedoktert, bis der Eiter weg war und das Knie wieder so aussah wie vorher. Zu Doktor Gottstein gehe ich also wegen des Eiterpickels schon mal nicht, so viel ist klar! Aber wieso ist das Megateil jetzt so entzündet?

Ursache für Pickel sind verstopfte Poren, was an der vermehrten Talgproduktion während der Pubertät liegt. Das wiederum liegt an den Androgenen (männliche Hormone, die auch bei Mädchen vorkommen und unter anderem für stabilen Knochenbau und straffes Bindegewebe sorgen) und ist je nach Veranlagung unterschiedlich stark ausgeprägt. Die Haut erscheint fettig und glänzend, es bilden sich Pickel und Mitesser. Um den Fettpfropfen in der Pore abzustoßen, holt sich die Haut Bakterien zu Hilfe, die das umliegende Gewebe weich machen: Es bildet sich Eiter bzw. ein Eiterpickel – der ganze Mist eitert und flutscht raus! So können aus harmlosen Pickelchen dicke, fette Eiterpusteln entstehen. Dabei gibt es drei Ausprägungen:

1. Talgüberproduktion: Die Haut glänzt stark.

2. Talgüberproduktion mit Verhornungsstörung: Die Haut glänzt stark und hat schwarze und weiße Mitesser.

3. Talgüberproduktion mit Verhornungsstörung und Entzündung: Stark glänzende Haut, Mitesser und entzündete Pickel

Hier gibt’s eine vermehrte Talgausschüttung in den Talgdrüsen.

Ein weißer Mitesser entsteht, wenn die Talgdrüsen durch eine übermäßige Produktion von Hornzellen verstopfen.

Ein schwarzer Mitesser entsteht, wenn der Talg durch die Luft oxidiert.

Verstopfte Pore, dass ich nicht lache! Dann mache ich sie eben wieder frei und schon ist er weg, der Pickel. Aber wie? Was ist, wenn ich eine Verhornungsstörung habe? Und was hilft gegen die Entzündung außer Doktor Gottstein? Mir bleibt nichts anderes übrig – ich muss mich wohl selber kümmern und Pickelforscherin werden. Es ist nun mal meine Art, den Dingen gründlich auf die Schliche zu kommen, und deshalb werde ich auch mein Porenproblem bereinigen, im wahrsten Sinne des Wortes. Nur leider, leider muss ich jetzt erst mal ein ordentliches Mittagessen über mich ergehen lassen, bevor ich mich in Ruhe meinem Studium widmen kann. Meine Mutter besteht darauf, dass wir alle nach der Schule gemeinsam am Tisch sitzen, und so gut wie nie verzichtet sie auf ihr Tischlein-Ritual.

„Piep, piep, piep, recht guten Appetit“, kräht Leon und mampft begeistert seine Mini-Pizza, die Mama extra für ihn mit seiner Lieblings-Salami belegt hat. Ich dagegen säbele vorsichtig ein

Stück ab und betrachte angeekelt die Käsefäden, die sich an meiner Gabel entlangziehen.

„Nur zu, Sina!“, ermuntert mich meine Mutter. „Hast du gar keinen Hunger?“ Garantiert hat sie den ganzen Morgen über in der Küche gestanden und diese Mini-Dinger extra liebevoll geknetet und platt gewalzt.

„Mmh, schon …“, antworte ich. „Es ist nur …“ Ob ich ihr sagen kann, dass mich der luftige Hubbel vom Pizzateig an meinen Pickel erinnert? Und der Käse an meine verstopfte Pore? Wohl kaum! Also schlucke ich meinen Ekel runter und beiße tapfer in meine Pickelpizza.

„Na, siehst du“, meint meine Mutter...



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