Einwohlt | Meine Clique und ich | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 5, 256 Seiten

Reihe: Sina-Reihe

Einwohlt Meine Clique und ich


1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-401-80367-8
Verlag: Arena Verlag eBooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 5, 256 Seiten

Reihe: Sina-Reihe

ISBN: 978-3-401-80367-8
Verlag: Arena Verlag eBooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Sina möchte unbedingt dazugehören zu der Clique der Edlen. Und sie ist so stolz darauf, dass Xenja, Maximiliane und Katharina-Sophie sie als neues Mitglied auserkoren haben. Aber muss sie auch um jeden Preis Designerklamotten tragen? Vorglühen, bevor es auf eine Party geht? Und was für bunte Pillen soll sie da nehmen? Sinas anfängliche Begeisterung für die Clique schlägt bald in Ratlosigkeit um.

Ilona Einwohlt wollte eigentlich Ernährungswissenschaftlerin werden. Aber dann las sie mitten in der Chemievorlesung Simone de Beauvoir, Julio Cortázar und Thomas Mann - und widmete sich fortan der Literatur. Längst ist aus der Germanistikstudentin eine erfolgreiche Autorin insbesondere für Kinder und Jugendliche geworden. Ilona Einwohlt, Jahrgang 1968, lebt mit ihrer Familie in Darmstadt. Die Autorin ist als Bildungsreferentin für das Institut für Medienpädagogik und Kommunikation Hessen e.V (MuK) regelmäßig mit Workshops und Vorträgen unterwegs, insbesondere zu Themen wie 'Rollenklischees und Sexismus in den Medien' und 'Digitale Identitäten'. Für das Projekt 'Haus der digitalen Medienbildung' führt sie zudem Veranstaltungen und Beratungen für Eltern und Jugendliche in Darmstadt durch.
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Autoren/Hrsg.


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ERSTES KAPITEL,
IN DEM DIE
CLIQUE FÜR SINA ALLES IST

In or out

„Das Beste an der Clique ist, dass die alle so cool sind“, findet Julia und deutet zu einer Gruppe Mädchen und Jungen, die lässig in der Sitzgruppe des Schülercafés abhängen. Weil es für Mitte November bereits eiskalte null Grad hat und zwanzig Zentimeter Neuschnee auf den Wegen liegen, verbringen wir unsere Pause lieber hier drinnen mit einem warmen Tee, anstatt uns draußen die Sneakerfüße abzufrieren.

„Und dass sie sich diese geilen Klamotten leisten können“, füge ich mit einem neidischen Blick seufzend hinzu.

Ich wäre so gerne wie sie!!!

„Als ob es darauf ankäme“, meint Kleo schulterzuckend, wie immer in Schwarz und Schwarz gekleidet. Dennoch schielt auch sie heimlich zu den Edlen rüber, wie wir sie alle nennen.

Ich schaue meine ehemals allerbeste Freundin an. Seit sie so dünn geworden ist, können wir nicht mehr so gut miteinander reden, leider. Aber in den Pausen steht sie trotzdem immer noch mit Julia, Milli, Jolina und mir zusammen, schließlich kennen wir uns ewig und sind auch schon lange eine Clique, halt nur nicht so cool wie die Edlen und eher mit Normalo-H-&-M-Jeans und bedruckten Shirts ausgestattet als mit teurem Markenkram. Zu unserer Klassen-Clique gehören außerdem auch mein Freund Yannis, Millis Freund Marco sowie Juri und Sebastian.

Clique (frz. Klüngel, Bande) bezeichnet eine Gruppe, die sich regelmäßig trifft, sich zusammengehörig fühlt und wie eine „Familie“ außerhalb des häuslichen Umfelds ist. Zur Herausbildung des eigenen Selbstbewusstseins und der Individualität ist die Clique ein wichtiger Meilenstein in der Entwicklung eines Jugendlichen. Im Gegensatz zu einem Verein oder einer politischen Gruppe gibt es in der Clique keine festgelegten Ziele oder Rollen, wenngleich es immer unausgesprochene Gruppenzwänge, Dresscodes oder Hierarchien gibt, denen sich die Einzelnen anpassen und unterordnen.

Der Begriff Peergroup (engl. peer = gleich) ist differenzierter und stammt aus der Soziologie, er bezeichnet eine Gruppe Gleichaltriger oder Gleichgestellter. Er beruht auf der Beobachtung, dass sich Jugendliche im Alter zwischen 12 und 16 unter Gleichaltrigen orientieren und nicht an den Werten, Einstellungen und Normen ihrer Eltern.

Milli nickt zustimmend mit dem Kopf. Na, die ist witzig! Ihre Eltern können sich locker die teuersten Outfits leisten und meine ABF macht keinen Hehl daraus, dass sie das ziemlich klasse findet, wenn ihre Kapuzenshirts und Baggy Pants den „richtigen“ Namen tragen. Auch wenn man es ihnen nicht gleich ansieht, denn sie liebt eher dezente Labels.

„Kleo hat recht“, meint sie jetzt. „Was nützt mir die hippste Röhrenjeans, wenn ich krumme Beine habe?“ Sie nickt mit dem Kopf Richtung Xenja, deren Kniestiefel unter dem blau karierten Faltenrock das Schlimmste kaschieren.

Nomen est omen. Wenn man schon Xenja heißt …

Ich heiße Sina und rückwärts gelesen Anis und Anis bedeutet im Arabischen freundlich, höflich, herzensgut.

„Aber edel sieht sie trotzdem aus“, seufzt Julia und wir seufzen mit. Sie winkt Xenja zu, die gerade lässig ihre blonde Mähne nach hinten streicht. „Ich würde gerne zu ihrer Clique gehören.“

„Sind wir dir nicht mehr gut genug?“, ulkt Jolina, die sich bisher aus der Diskussion herausgehalten hat. Jolina sieht meistens ziemlich schräg aus, weil sie ständig die neusten Schmink- und Stylingtipps aus den Beauty-Magazinen ausprobiert. Da kann es schon mal sein, dass sie im Goldblouson ein Referat hält oder mit Nightmare-Make-up und opulenter Hochsteckfrisur gelangweilt im Matheunterricht herumsitzt. Einen Dutt trägt die edle Katharina-Sophie auch, nur hängt bei ihr nicht eine kesse Locke heraus, im Gegenteil, sie ist sehr hübsch und ordentlich frisiert und sieht somit wirklich wahnsinnig edel aus.

„Vielleicht ergibt sich da bald eine Möglichkeit“, sage ich. „Ich habe gehört, wie Malte was von einer Party bei Checker erzählt hat.“ Malte ist Yannis’ Bruder, und da Yannis mein Freund ist, bin ich natürlich bestens informiert über alle Feten, News und Wer-mit-Wem. Wobei Malte selbst beinahe wöchentlich neue Freundinnen hat und für reichlich Gesprächsstoff zwischen uns Mädchen sorgt, weil wir es lieben, wie beim Bingo-Spielen zu tippen, welches Girl er als Nächstes abschleppt. Seit den Herbstferien reden wir aber nicht nur über womanizer Malte, der sich außer an Jolina noch an keine von uns Mädels gewagt hat, sondern über die Edlen, die wir ausnahmslos für ihre Lässigkeit, Coolness und geilen Markenklamotten bewundern. Xenja, Katharina-Sophie, Maximiliane, Pascal, Johannes und eben Checker sind zwar eine Klasse über uns, doch seit der Spanisch-AG, die letzte Woche angelaufen ist, sind wir befreundet, na ja, ein bisschen wenigstens. Ein paarmal haben wir uns schon zu einer Latte macchiato in der Stadt getroffen.

„Und du meinst, dieser Checker lädt uns wirklich alle ein?“, fragt Milli.„Wo er doch eigentlich ein Von-und-zu ist …“

„Warum nicht? Marek-Gustaw Chmielewski zu Kolberg ist ein Freund von Sebastian - und Sebastian ist ein Freund von uns. Also …“

„… werden wir mal Sebastian fragen, was er am Wochenende so vorhat!“, vervollständigt Julia grinsend meinen Satz. Sie wirft ihre braunen Haare Xenja-like zurück. Würde mich nicht wundern, wenn sie heute Nachmittag gleich die Preise fürs Blondfärben recherchieren würde. Julia ist so eine, die immer ein Vorbild braucht. Bis jetzt war es ihre große Schwester Ashley, aber aus irgendwelchen Gründen haben sich die beiden zerstritten und Ashley ist als Stil-Ikone bei Julia out. Seit dem Bruch mit Ashley kann es passieren, dass Julia plötzlich und unvermittelt in Tränen ausbricht, einfach so, am helllichten Tag, mitten auf dem Schulhof oder in der Einkaufspassage. Auf meine schon oft gestellte Frage hin, was denn los sei, geht sie gar nicht ein und rennt immer gleich davon. Aber weil sie sich bis jetzt immer wieder eingekriegt hat, versuche ich, mir nichts dabei zu denken.

Ich grinse Julia an. Sebastian ist ein unglaublicher Angeber, trägt immer die angesagtesten Klamotten, ist aber auch sehr großzügig und an sich ein lieber Kerl, der Gott und die Welt kennt, von den extremsten Fußballfans bis eben hin zu den Edlen. Wenn wir uns für das neuste App auf seinem iPhone interessieren, stehen uns garantiert sämtliche Partytüren offen.

„Da darf ich bestimmt nicht hin“, meint Kleo und verzieht ihr Gesicht. Ihre Mutter ist überängstlich und klammert, wo sie kann. Weil Kleos Vater als Kapitän Luxusdampfer über die Weltmeere schippert und entsprechend selten zu Hause ist, erlaubt sie Kleo fast gar nichts. Höchstens, dass sie gemeinsam mit ihrer Hovawart-Hündin Ambra einen Abendspaziergang macht – nie länger als bis 21 Uhr. Und da Ambra garantiert kein Party-Outfit besitzt, kann sich Kleo die Fete von vornherein abschminken.

„Ach, keine Sorge, das lösen wir anders“, schlägt Milli vor. „Ihr schlaft alle bei mir, meinen Eltern ist es eh egal, wann ich nach Hause komme. Und eine Mitternachtsparty bei mir hat deine Mutter doch bisher immer erlaubt!“ Sie knufft Kleo freundschaftlich in die Seite. Doch bevor wir schon mal überlegen können, was wir am Samstag anziehen, klingelt es und die Pause ist vorbei.

Die Französischdoppelstunde zieht sich endlos dahin, aus Verzweiflung scribble ich lauter Sina-Pics an den Heftrand, was mir natürlich einen kritischen Blick von Frau Müller-Rochefoucauld einbringt.

„Treffen wir uns heute Nachmittag in der City, einen Latte trinken?“, wispere ich Milli neben mir zu.

„Klar, wie immer“, raunt sie zurück. „Kommt Yannis mit?“

„Keine Ahnung.“

Yannis interessiert sich nicht sonderlich dafür, mit uns allen gemeinsam in der coolen Schirmbar abzuhängen. Er spielt lieber an seinem Computer oder widmet sich seinem neuen Hobby: Angeln. Da kommt es schon mal vor, dass er seine Ködersammlung sortieren muss, weil er sich aufs Winterangeln vorbereitet. Aber vielleicht hat er später ausnahmsweise Lust, mal wieder etwas mit uns allen gemeinsam zu unternehmen. Langsam wird’s nämlich blöd für mich, weil ich mich immer zwischen ihm und meinen Freundinnen entscheiden muss.

So ist es auch heute. Nach der Schule fragt mich Yannis dann auch gleich, ob ich Lust habe, mit ihm gemeinsam zum Snowboarden in den Taunus zu fahren.

„Komm schon, Sina, mit der Linie 13 können wir ganz bis nach oben fahren und müssen nicht ständig am Lift anstehen“, sagt er begeistert und guckt mich erwartungsvoll mit seinen dunklen Augen an.

Gemeinsam im Schnee! Wie romantisch! Soll ich jetzt hüpfen vor Freude? Ich kann Schnee nicht leiden…

„Ach nee, lass mal“, antworte ich ausweichend. „Ich fühl mich nicht so besonders, ich will heute lieber zu Hause bleiben.“ In der Tat fühle ich mich mies. Weil ich schwindeln muss.

„Na...



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