El-Arifi | Kleopatra | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 432 Seiten

El-Arifi Kleopatra

Roman einer Königin
1. Auflage 2026
ISBN: 978-3-455-02014-4
Verlag: Hoffmann und Campe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman einer Königin

E-Book, Deutsch, 432 Seiten

ISBN: 978-3-455-02014-4
Verlag: Hoffmann und Campe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die Geschichte der mächtigsten Frau der Welt, von ihr selbst erzählt: farbenprächtig, bildgewaltig und fesselnd. Dieser atemberaubende Roman erzählt das Leben der ehemals mächtigsten Frau der Welt: Kleopatra, die letzte altägyptische Königin, war eine Pharaonin, Ehefrau, Mutter - und eine Herrscherin mit unermesslicher Macht. Ihr Tod ist legendenumwoben, ihr Leben sagenhaft. Mit gerade einmal 19 Jahren besteigt sie nach dem Tod ihres Vaters den Thron eines Weltreichs, nicht ahnend, welche ungeheuerlichen Herausforderungen von diesem Moment an ihr Leben bestimmen sollten.  Bestsellerautorin Saara El-Arifi erzählt das Leben der Kleopatra jetzt erstmals aus ihrer eigenen Sicht: ein einzigartiges Leseabenteuer und ein Manifest von Macht, Liebe und dem unbezwingbaren Geist einer wahren Königin, die sich den Zwängen ihrer Zeit widersetzte.  'Bezaubernd, klug und revolutionär- dies ist El-Arifis Meisterwerk.' R. F. Kuang 'Saara El-Arifis üppiger Weltentwurf und ihre lyrische Prosa verleihen Kleopatra eine Menschlichkeit, Würde, Kraft und Unabhängigkeit, die auf jeder Seite hell aufleuchten.' Jennifer Saint 'Mit ihrem unerschrockenen Blick auf Kleopatras Leben und Vermächtnis hebt El-Arifi sie aus der Vergangenheit, begegnet ihr mit tiefem Mitgefühl und befreit sie vom Urteil der Männer.' Samantha Shannon 'Ein sensationelles Werk historischer Erzählkunst.' Hannah Kaner 'Ein so lebendiges und immersives Leseereignis, dass man das Gefühl hat, körperlich an Kleopatras Seite zu stehen und alles mitzuerleben.' Elodie Harper 'Lebendig ausgearbeitet und kunstvoll entfaltet - Kleopatra ist so erkenntnisreich wie fesselnd. Eine längst überfällige neue Sichtweise.' Kat Dunn 'Dieses Buch verschlingt einen von der ersten Seite an und lässt einen atemlos zurück.' Kate Dylan 'Fesselnd und tief bewegend.' A. S. Webb 'Dieser Roman macht Saara El-Arifi zu einer wichtigen Stimme ihrer Generation - sie lässt Geschichten, die vom Staub der Zeit verschüttet wurden, in strahlender Lebendigkeit auferstehen.' Amy McCulloch

Saara El-Arifi ist ein internationales Phänomen: »Faebound«, der Auftakt ihrer Romantasy-Trilogie »Battle of the Drumfire«, schoss auf Anhieb auf Platz 1 der Sunday Times-Bestsellerliste und wurde zum Buch des Jahres der British Book Awards gekürt. El-Arifi wusste, dass sie eine Geschichtenerzählerin ist, seit sie ihre erste Lüge erzählt hat. Derzeit lebt sie in London.
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Weitere Infos & Material


Cover
Titelseite
Widmung
Anmerkung der Autorin
Prolog
Eins
Zwei
Drei
Epilog
Quellen und ausgewählte Literatur
Danksagung
Fußnoten
Über Saara El-Arifi
Impressum


1


51 v.u.Z.

Ich biss in die warme, saftige Feige.

Charmion sah mir aus halb geschlossenen Augen beim Kauen zu. Der Wind zerzauste ihr Leinenkleid, und der Ausschnitt rutschte über ihre schimmernde, sonnengebräunte Schulter.

Mein Leben lang war Charmion meine Gefährtin und Dienerin. Ihre Mutter war meine Amme gewesen. Und so waren wir durch die Milch, die uns als Säuglingen Kraft gab, auf ewig miteinander verbunden. Wir waren achtzehn, in unseren Augen leuchtete noch die Gewissheit, dass alles möglich war, doch unsere Wangen verloren bereits ihre jugendliche Fülle.

Auch in den Jahren zuvor hatte es bedeutende Momente in meinem Leben gegeben, aber ich beginne mit meiner Geschichte hier. An dem Tag, an dem ich zur Pharaonin gekrönt wurde.

Die Feigenkerne knirschten zwischen meinen Zähnen.

Schließlich verkündete Charmion feierlich: »Du kannst das Unausweichliche nicht leugnen.«

Ich legte die angebissene Frucht auf den Boden, hob die Wurfhölzchen auf und schloss die Hand zur Faust.

»Für mich ist dein Sieg nicht unausweichlich«, sagte ich.

Wir redeten Arabisch, eine der neun Sprachen, die man uns gelehrt hatte. Am Hof sprachen wir Ägyptisch und Griechisch; Arabisch war nur für uns bestimmt.

Es begann, als ein Hakawati aus der großartigen Stadt Gaza in Alexandria Station machte. Ich war elf Jahre alt, und schon damals liebte ich Geschichten.

Ich bat meinen Vater, den fahrenden Sänger in den Palast einzuladen. Drei Nächte lang wohnte er im Tempel. Charmion und ich wichen ihm nicht einen Augenblick von der Seite. Seine Geschichten erfüllten uns so mit Staunen, dass ich ihn behalten wollte.

»Du kannst mich nicht aufbewahren wie ein Schmuckstück oder ein Spielzeug«, sagte der Hakawati. Die Wachen vor dem Tempeleingang nahmen eine drohende Haltung ein. Ich schenkte ihnen keine Beachtung.

»Warum nicht?«, fragte ich mit aufrichtiger Neugier. Die Erfahrung, etwas nicht besitzen zu können, war etwas völlig Neues für mich. Ich war eine Ptolemäerin. In meinen Adern floss göttliches Blut.

Der Hakawati, der sich der Wächter hinter ihm weitaus bewusster war als ich, lächelte höflich. »Würdest du von einem Fisch verlangen, er soll nicht mehr schwimmen?«

Ich dachte darüber nach. Die Wahrheit war, ja, das würde ich, wenn ich ihn essen wollte, doch mir schien, dass er eine andere Antwort hören wollte. »Nein.«

»Würdest du von einem Flusspferd verlangen, es soll nicht mehr lächeln?«

»Nie im Leben.«

»Dann kannst du auch von einem Hakawati nicht verlangen, sesshaft zu werden. Das Reisen entspricht unserem Wesen. Wenn wir nicht umherziehen, gehen uns die Geschichten aus. Und ohne Geschichten hätte ich nichts zu erzählen.«

Tränen schossen mir in die Augen. Das klang wahrlich schrecklich.

Der Hakawati sah meine Bestürzung und kniete sich neben mich. »Sei unbesorgt, es gibt einen anderen Weg, etwas von mir zu behalten. Erzähle meine Geschichten, wieder und wieder.«

Mein Lächeln kehrte zurück. Das konnte ich tun.

Jahrelang hatten Charmion und ich die Geschichten des Hakawatis erzählt, und mit jeder Wiederholung erblühte etwas Neues. Damals wurde Arabisch zu unserer gemeinsamen Sprache.

Ich sah Charmion an. Ihre Ernsthaftigkeit war einem schelmischen Ausdruck gewichen.

»Sieh dir den Spielstand an und gib dich geschlagen«, sagte sie.

Ich erhob mich unter dem Vorwand, dass ich einen besseren Blick auf das Senet-Brett benötigte. In solchen Dingen war ich raffiniert, spielte immer auf die eine oder andere Weise Theater. Manipulativ, würden die Übelwollenden behaupten, aber das sah ich anders.

Von dem Moment an, als ich meinen ersten Schrei ausstieß, brachte man mir bei, mehr zu sein, als ich war. Ich wollte ein Kind sein, aber ich war als Tochter eines Pharao auf die Welt gekommen. Und so wurde ich gereinigt und in ein Tuch mit goldener Bordüre gewickelt. Wenn ich schrie, wurde ich mit einem glatt geschliffenen Bernstein ruhiggestellt, ein dürftiger Ersatz für die mütterliche Brust.

Ich erinnerte mich nicht an das Gewicht des Steins, doch manchmal fühlte ich ihn schwer auf meiner Zunge. Er füllte meinen ganzen Mund aus, ließ mich über Wörter stolpern, besonders wenn ich so wie jetzt beschloss, verwegen zu sein.

»G-geschlagen geben? Niemals.«

Wir spielten auf dem Balkon des Leuchtturms, meinem Ort der Ruhe und des Trosts. Nahe genug am Gott Re, um seinen Blick auf meiner Stirn zu spüren, weit genug weg von meinen Pflichten im Palast. Es war heiß dort oben unter der Feuerstelle, doch die Hitze war mir lieber als die sengenden Blicke, die ich erntete, wohin ich auch ging. Manchmal, wenn der Wind von Westen kam, wand sich der Rauch durch mein Schlafzimmerfenster und würzte meinen Schlaf mit dem Geruch von Glut und Asche.

Das Senet-Brett lag zwischen uns auf dem Boden. Charmion war die bessere Spielerin, doch ich war zu stolz, es zuzugeben. Und so begann ich jede Partie mit der törichten Hoffnung, sie eines Tages zu besiegen.

Verdrossen schüttelte ich die Hölzchen in meiner Faust. »Amuns Zorn«, fluchte ich, als sich ein Splitter in meine Handfläche bohrte.

»Hast du dir wehgetan?«, fragte Charmion besorgt. Schweißperlen glänzten über ihrer Oberlippe.

Ich nutzte die Gelegenheit und streckte die Hand aus. Doch statt ihr die Wunde zu zeigen, schleuderte ich die Hölzchen über die Balkonbrüstung.

Charmion zog eine dunkle Augenbraue hoch. »Dann gibst du dich doch geschlagen?«

»Niemals«, sagte ich grinsend.

Charmion lachte, und wir blickten gemeinsam über die Brüstung.

Vor mir lag Alexandria. Die Stadt war nicht so schön wie Rom oder so prachtvoll wie Babylon. Nein, Alexandria war keine Stadt, die man bewunderte, sondern viel mehr. Es lebte und atmete wie ein wildes Tier.

Seeleute riefen einander durch den Hafen etwas zu, eine Kakophonie aus vielen Sprachen, die durch die Stadt tönte wie das Heulen eines Rudels jagender Wölfe. Sogar in dieser Höhe roch ich den brackigen Duft von auf dem Kohlenfeuer gebratenen Aalen. Boote tanzten entlang der Küste auf den Wellen, ihre bunten Segel glitzerten wie die Schuppen einer Seeschlange.

Im Süden verband der Heptastadion-Damm die Leuchtturminsel mit dem Festland. Dahinter säumten die Sonnensegel der Marktstände die Straßen, und ich stellte mir vor, wie die unsichtbaren Händler mit ausladenden Gesten ihre Waren anpriesen.

Man konnte die Alexandriner nicht vom Herzschlag der Stadt trennen, sie waren eins. Woher sie auch stammten – Vorderasien, Parthien, Griechenland oder Ägypten –, der Schlamm des Nildeltas machte ihr Blut dicker und brachte eine Wildheit in die Stadt, die nur die Pharaonen zu zähmen vermochten, die sie regierten – meine Familie.

Aber ich war mir nicht sicher, ob ich die Ägypter zu bändigen vermochte.

Meine Zweifel waren nicht neu, durch die Krankheit meines Vaters jedoch stärker geworden. Ihm blieb nicht mehr viel Zeit, bevor er diese Welt verließ, um in die nächste einzutreten.

Während sein Zustand sich immer weiter verschlechterte, träumte ich jede Nacht von meinem Spiegelbild. Immer eine andere Version der Pharaonin, die ich sein würde, wie die Facetten eines Edelsteins. Die eine grausam und gefühllos, die andere sanft und gütig. Jedes Echo meines Ichs war eine Fremde für mich, und ich erwachte in Schweiß gebadet, verfolgt von den sonderbaren Gestalten in meinem Kopf.

Ich war noch nicht so weit, Pharaonin zu sein. Wobei ich mich frage, ob ich mich je dazu bereit gefühlt hätte. Und da ich nicht über die Gabe der Prophetie verfügte, wäre ich auf die folgenden Jahre ohnehin schlecht vorbereitet gewesen. Niemand ist für ein Leben gerüstet, wie ich es geführt habe. Wenigstens diese Schwäche muss ich meinem jungen Ich nachsehen.

Charmion, die nichts von meinen düsteren Gedanken ahnte, beugte sich mit zusammengekniffenen Augen über die Brüstung. »Von hier oben ist nicht zu erkennen, was du geworfen hast. Also lass uns davon ausgehen, dass ich gewonnen habe.«

Als ich hinunterspähte, löste ein Windstoß einen Zopf aus meinem Haarkonten. Sofort machte Charmion sich daran, ihn wieder unter mein Diadem zu stecken.

Ihre Finger streiften das Zeichen in meinem Nacken. Der Umriss eines dreistufigen Throns, schwarz, wie mit Khol gezeichnet. Es reichte von meinem Haaransatz bis zum oberen Rücken und gab mich als Auserwählte der Göttin Isis zu erkennen.

Die Berührung ließ mich zittern, und Charmion zog die Hand zurück.

»Wenn wir die Hölzchen nicht sehen können, werden wir das Ergebnis nie erfahren. Damit heißt es unentschieden«, neckte ich sie.

Charmion warf lachend den Kopf zurück, sodass ihre Locken die Spitzen ihrer Schulterblätter berührten. »Jedes Mal, wenn du verlierst,...


Oldenburg, Volker
Volker Oldenburg lebt als freier Übersetzer in Hamburg. Er hat unter anderem David Mitchell, Colum McCann, Kathleen Collins und Oscar Wilde ins Deutsche übertragen. Für seine Arbeiten wurde er mehrfach ausgezeichnet.

El-Arifi, Saara
Saara El-Arifi ist ein internationales Phänomen: »Faebound«, der Auftakt ihrer Romantasy-Trilogie »Battle of the Drumfire«, schoss auf Anhieb auf Platz 1 der Sunday Times-Bestsellerliste und wurde zum Buch des Jahres der British Book Awards gekürt. El-Arifi wusste, dass sie eine Geschichtenerzählerin ist, seit sie ihre erste Lüge erzählt hat. Derzeit lebt sie in London.

Saara El-Arifi ist ein internationales Phänomen: »Faebound«, der Auftakt ihrer Romantasy-Trilogie »Battle of the Drumfire«, schoss auf Anhieb auf Platz 1 der Sunday Times-Bestsellerliste und wurde zum Buch des Jahres der British Book Awards gekürt. El-Arifi wusste, dass sie eine Geschichtenerzählerin ist, seit sie ihre erste Lüge erzählt hat. Derzeit lebt sie in London.



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