E-Book, Deutsch, Band 1, 432 Seiten
Reihe: Broadway Lights
Ellis Broadway Lights 1: Broken Shine
25001. Auflage 2025
ISBN: 978-3-646-93914-9
Verlag: Impress
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Funkensprühende Haters to Lovers Romance zwischen einer aufstrebenden Musicaldarstellerin und einem Broadway-Sänger
E-Book, Deutsch, Band 1, 432 Seiten
Reihe: Broadway Lights
ISBN: 978-3-646-93914-9
Verlag: Impress
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Elle Ellis kann sich ein Leben ohne Bücher nicht mehr vorstellen. Am liebsten trinkt sie Eiskaffee, während sie an ihren Geschichten schreibt und sich zwischen den Worten verliert. Neben dem Schreiben teilt sie Leseempfehlungen und vieles mehr auf Instagram unter dem Namen @thebookelle und auf TikTok als @elleellis.books. Zusammen mit ihrem Freund und den beiden Katzen Tabby und Malu lebt sie zwischen all ihren Büchern.
Autoren/Hrsg.
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KAPITEL 2
CASSIE
Broadway.
Mein Blick löst sich von dem Schild, draußen vor der Grand Central Station, welches mir den Weg verrät. Ich blinzle gegen die Sonne an, die zwischen den Hochhäusern und Wolkenkratzern hervorlugt. Aus meinem Rucksack ziehe ich mein Smartphone und checke die Uhrzeit. Noch ein paar Stunden, bis meine Audition beginnt. Die E-Mail mit allen Details kam bereits vor ein paar Wochen und hat sich quasi in mir eingebrannt. Allein wenn ich daran denke, ergreift Aufregung von mir Besitz und wandert bis in meine Fingerspitzen. Bisher kenne ich den Broadway nur aus dem Fernsehen, aus Dokumentationen, die ich mir angesehen habe, oder aus Youtube-Videos, in die ich stundenlang hätte versinken können. Wahrscheinlich ist es ein Traum jeder Musical-Darstellerin und jedes -Darstellers, dort an einem Stück mitzuwirken. Und wenn ich später die Jury überzeugen kann, habe auch ich vielleicht bald einen Platz dort.
Hoffentlich. Es muss klappen. Es muss einfach, eine andere Möglichkeit bleibt mir nicht, damit dieser Neuanfang – mein Neuanfang – funktioniert.
Aber erst mal muss ich dorthin, und der Weg führt mich gleich über die 45th St. Ich sehe ein letztes Mal auf das Display meines Smartphones. Eine Pushbenachrichtigung ploppt auf.
Bitte SIM-Karte einlegen. Wie, wenn sie in irgendeinem Mülleimer liegt? Automatisch fahre ich über die Narbe an meinem Unterarm und zwinge mich, nicht weiter darüber nachzudenken, ehe ich das Smartphone zurück in meinen Rucksack schiebe und die Gurte umklammere. Los geht’s …
Sobald ich um die Ecke biege und in die 45th St. laufe, erfasst mich dieser ganz besondere New-York-Vibe. Genauso wie ich es aus sämtlichen Filmen und Serien kenne. Während ich über den breiten Bürgersteig die Straße entlangschlendere, reiht sich zu meiner Rechten ein Foodtruck an den anderen. Hotdogs, Brezeln, Burger, Pizzastücke und locker ein halbes Dutzend mehr.
Neben mir auf der Straße hat sich ein kleiner Stau aus gelben Taxis und anderen Autos gebildet. Einer in der Mitte beginnt zu hupen, worin ein paar weitere einfallen. Die Eindrücke, die mir hier geboten werden, stehen im kompletten Gegensatz zu dem, was ich bisher gewohnt war. Und ich kann es gar nicht abwarten, mehr davon in mich aufzusaugen. Alles ist so neu, neu, neu. So anders. Lauter, turbulenter, hektischer und … Ich liebe es. Liebe, liebe, liebe es, weil es mich daran erinnert, wo ich bin. Was ich geschafft habe. Und hoffentlich gleich schaffen werde, damit das hier klappt. Damit alles hiervon klappt. In diesem Moment wünsche ich mir nichts mehr, als dass jemand ein Foto von mir macht, um es meinem Vergangenheits-Ich zu zeigen und zu sagen: »Du kannst es schaffen, Cassie.«
Cassie. Ein viel zu alter Spitzname, der seit Kurzem nur noch ein Name ist. Mein Name.
Mit klopfendem Herzen streiche ich meine Haare über die Schulter, während vor mir ein Zebrastreifen auftaucht. Ich halte am Straßenrand an, werde aber keine zwei Sekunden später angerempelt und kassiere den grimmigen Blick einer älteren Frau.
»Was bleibst du mitten im Weg stehen?«, zischt sie mir zu und eilt mit den anderen Passanten über die Straße.
Ich beobachte die Menschen auf der gegenüberliegenden Seite. Niemand bleibt stehen. Also überquere ich den Zebrastreifen und nicht viel später einen weiteren. Ich ordne es in die Kategorie Muss ich noch lernen, aber gibt mir die totalen New-York-Vibes ein.
Automatisch beschleunigt sich mein Schritt, je mehr ich von dem Menschenstrudel mitgerissen werde. Dabei will ich doch nichts verpassen. Ununterbrochen sehe ich in Schaufenster, vor einigen Geschäften stehen Securitys in schwarzen Anzügen mit einem Knopf im Ohr. Denen möchte ich in meinen abgeranzten Schuhen und mit dem losen Faden meines Wollpullovers nicht unter die Nase treten. Das Licht der Kronleuchter im Inneren der Geschäfte flackert bis auf den Bordstein, und die überaus glänzenden Scheiben sehen aus, als würde alle fünf Minuten jemand kommen, um sie zu reinigen. Ab jetzt kann ich all das jeden Tag zu Gesicht bekommen, bin ein Teil davon. Und das hoffentlich sogar mit einer Rolle am Broadway.
Und da ist er wieder, der aufregende Gedanke, der sofort von mir Besitz ergreift. Er wandert bis in meine Beine und lässt sie beben. Genauso wie meine Finger. Um sie zu beschäftigen, binde ich meine Haare zu einem lockeren Knoten im Nacken.
Die Audition wird gleich bestimmt nicht leicht. Wahrscheinlich sogar das Gegenteil. Rosalie Steward hat mich nicht nur zu einem Vorsprechen eingeladen. Nein. Sie hat mir außerdem eine Szene der Hauptdarstellerin geschickt.
Der Hauptrolle!
Die Konkurrenz wird riesig sein, und ich habe nicht einmal eine Agentin oder einen Agenten. Doch irgendwie muss es klappen. Ich brauche die Rolle. Für den Neustart. Für den Für-immer-Neustart. Und immerhin bin ich schon mal hier und habe es bis nach New York geschafft.
New York. Wow. Strauchelnd bleibe ich stehen, herausgerissen aus meinen Gedanken, sobald die flackernden Bildschirme vor mir auftauchen. Der Times Square. In Wirklichkeit ist er viel beeindruckender als im Fernsehen. Überall flimmern Dutzende Leuchtreklamen. Ausschnitte aus Filmen. Das neueste Parfüm. Ein Album von Taylor Swift. Musical-Plakate. All das und viel mehr leuchtet auf mich herunter. Wie ein Schwamm sauge ich all die Eindrücke in mich auf. Damit ich das hier hoffentlich nie vergesse. Nie den Moment meines ersten Tages in New York.
Ich merke, wie meine Sicht zu verschwimmen beginnt und sich eine Träne aus meinem Augenwinkel löst. Mit dem Ärmel wische ich mir übers Gesicht. Reiß dich zusammen, Cassie.
Ich blicke mich wieder um und entdecke einige Pärchen, die Selfies machen, wohingegen andere vor der Kamera posieren. Manche mit verkleideten Superhelden oder scheinbar bekannten Schauspielern, hinter deren Kostümen gar nicht die echten stecken. Dafür würde ich meine Hand ins Feuer legen.
Okay, niemals. Bei dem Typ dort drüben sieht man sogar von Weitem, dass das nicht wirklich Ryan Gosling ist.
Meine Mundwinkel zucken, während sich mein Blick mit dem einer jungen Frau kreuzt, die einen Pappbecher umklammert. Zögerlich nickt sie mir zu und kommt mit wenigen Schritten zu mir rüber.
»Hi«, beginnt sie und verzieht das Gesicht. »Kannst du vielleicht …?« Sie hält ihr Smartphone hoch und winkt mir damit zu.
Ich zucke mit den Schultern. »Klar.« Mein Vorsprechen beginnt erst in knapp zwei Stunden, etwas Zeit bleibt mir also noch.
Sofort reicht sie es mir, genauso wie ihren Pappbecher, aus dem mir der Geruch von Kaffee in die Nase steigt. Anschließend streicht sie einmal ihre feuerroten Haare glatt, die ihr fast bis zur Hüfte reichen.
Mit dem Daumen öffne ich die Kamera-App, für die ich nicht das Display entsperren muss, und richte das Smartphone auf sie.
»Okay, bereit?«, frage ich.
»Bereit«, antwortet sie, was beinahe in dem Gekreische einer Mädchen-Clique untergeht.
Ich könnte wetten, dass das mit einem der Schauspieler zusammenhängt.
»Ich bin bereit«, wiederholt sie noch einmal und erinnert mich daran, was ich hier eigentlich tun soll.
»Also dann. Drei … zwei …«
Der Rest geht in einem lauten Rufen unter, was mich innehalten lässt. Plötzlich geht alles ziemlich schnell.
»Halt!«, schreit jemand, und ich fahre herum.
In der Menschentraube entdecke ich einen Kerl, der die Hand nach einem anderen ausstreckt.
»Stopp!«, brüllt er. »Aufhalten! STOPP! Er hat meine Sachen!«
Unfähig, mich zu rühren, sehe ich noch, wie beide auf mich zustürmen und der beschuldigte Dieb genau in meine Richtung rennt. Sein Gesicht ist von einer Kapuze verdeckt, die er sich fast bis über die Augen gezogen hat. Als würde er so etwas jeden Tag machen, schlängelt er sich zwischen all den Menschen hindurch. Niemand macht Anstalten, den Kerl aufzuhalten. Der andere brüllt immer noch »Stopp!«, gefolgt von irgendwelchen Flüchen, die in dem alltäglichen Tumult um mich herum fast untergehen.
»Was ist jetzt mit dem Foto?«, dringt die Stimme der jungen Frau zu mir.
Doch ich schaffe es nicht, mich ihr zuzuwenden. Schaffe es nicht, mich überhaupt zu bewegen. Mein Blick begegnet dem des Typen, der versuchen will, den anderen einzuholen.
»Aufhalten!«, brüllt er ein weiteres Mal. Genau mir zu. Genau in mein Gesicht.
Und auf einmal höre ich nicht mehr seine Stimme, sondern eine ganz andere.
»Du kannst nicht weg. Niemals. Cassiopeia, du bist ein Nichts. Wertlos. Ohne Bedeutung. Und ohne mich bist du sogar weniger als das.«
Ein Rempeln an meinem Arm reißt mich aus der Erinnerung. Mit polterndem Herzen blicke ich mich nach allen Seiten um, bis ich begreife, dass ich in New York bin. Weit weg.
Weit weg von meiner Vergangenheit.
Und dann fällt mir auch wieder ein, was gerade eben passiert ist. Mit aufgerissenen Augen sehe ich dem beschuldigten Dieb hinterher, der nun in einer Menschenansammlung verschwindet. Erst da bemerke ich die Hitze, die sich langsam auf meiner Brust ausbreitet. Ich linse nach unten und entdecke den Kaffee, der sich gerade noch im Pappbecher befand und jetzt meinen Wollpullover durchtränkt.
»Verflucht«, kommt es zu meiner Linken, und ich denke schon, es sei die junge Frau, weil ich immer noch kein Foto von ihr geschossen habe, bis ich in das Gesicht des Kerls sehe. Es ist der, der versucht hat, den anderen einzuholen.
Mit geröteten...




