Ellis | Das Showgirl und der Milliardär | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 144 Seiten

Reihe: CORA Verlag

Ellis Das Showgirl und der Milliardär


1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7515-3542-7
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 144 Seiten

Reihe: CORA Verlag

ISBN: 978-3-7515-3542-7
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Für die zarte Tänzerin Gigi Valente ist das L'Oiseau Bleu in Paris ihr wahres Zuhause. Und das will der eiskalte Khaled Kitaev jetzt schließen. Das muss sie verhindern! Doch wie weit geht sie mit diesem Mann, dessen glutvolle Blicke sie atemloser machen als ein Tanz im Cabaret?



Früher hätte Lucy Ellis es nie für möglich gehalten, einmal selbst Liebesromane zu schreiben, wie ihre Großmutter es ihr vorschlug. Heute tut sie genau das mit großer Freude. Das Beste für sie am Autorendasein: Ihre Protagonistinnen sind genauso wie die Frauen, über die Lucy schon als junges Mädchen gerne gelesen hat: selbstbewusst und attraktiv, während sie den Helden um den Finger wickeln und ihn vor der Einsamkeit retten. Lucy lebt in einem kleinen Cottage in der Nähe von Melbourne, Australien.

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1. KAPITEL


„Gigi, komm da runter. Du wirst dir das Genick brechen!“

Sie ignorierte den Zuruf und kletterte geschickt am Bühnenvorhang neben dem vier Meter hohen Aquarium hoch, in dem sie heute Abend zusammen mit zwei schläfrigen Pythons schwimmen würde: Jack und Edna. Wenn sie nicht vorher entlassen wurde.

Die Leiter, die es ihr leichter gemacht hätte, war nicht zu sehen. Aber Gigi war daran gewöhnt, an einem Seil hochzuklettern. Das hatte sie bereits mit neun Jahren im Zirkus ihres Vaters getan. Im Vergleich dazu war der Samtvorhang ein Kinderspiel.

Jetzt der schwierige Teil. Sie umklammerte mit einer Hand den Rand des Aquariums, schwang ein Bein hinüber und legte sich bäuchlings auf den Sims.

Von unten kam ein deutlich vernehmbares Aufatmen.

Als Susie geschrien hatte: „Khaled Kitaev ist im Haus, vorn im Zuschauerraum, von der Bühne aus gesehen links“, war Chaos ausgebrochen. Während die anderen Girls nach ihren Lippenstiften gegriffen hatten, hatte Gigi das Aquarium betrachtet, an die großartige Aussicht von dort oben gedacht und nicht gezögert.

Und tatsächlich, unten zwischen den leeren Tischen und Stühlen, ins Gespräch mit den Theaterdirektoren vertieft, stand der Mann, der die Zukunft von ihnen allen in der Hand hatte. Er war umgeben von gefährlich aussehenden Bodyguards.

Gigi musterte sie mit zusammengekniffenen Augen. Wenn man der meistgehasste Mensch in Paris war, sollte man besser Leibwächter haben.

Obwohl er nicht aussah, als würde er sie brauchen. Er stand mit dem Rücken zur Bühne, aber sie konnte erkennen, dass er die Arme verschränkt hatte, weil sich sein dunkelblaues Hemd über seinen breiten Schultern spannte.

„Gigi! Gigi, wie sieht er aus?“

Groß, schlank und muskulös.

Und in diesem Moment drehte er sich um.

Gigi erstarrte. So hatte er auf den Fotos im Internet nicht ausgesehen. Als wäre er gerade von einer Polarexpedition zurückgekehrt, auf der er mit bloßen Händen Eisschollen zertrümmert hatte.

Ein Bart, der schwarz und wild war wie sein Haar, verbarg seine untere Gesichtshälfte, aber seine hohen Wangenknochen, die gerade Nase und die tief liegenden Augen ließen ihn umwerfend aussehen – wie ein Filmstar. Sein welliges pechschwarzes Haar war so lang, dass er es sich hinter die Ohren geklemmt hatte.

Er war hager und wirkte hungrig, wie ein Mann, der zivilisiert werden musste. Warum sie bei dem Gedanken wohlig erschauerte, das wollte Gigi nicht gerade jetzt analysieren. Schließlich musste sie mit ihm sprechen und ihn dazu bringen, zuzuhören.

Er würde nicht zuhören. Er wirkte, als würde er sie verschlingen.

„Was ist da los?“, rief Lulu Lachaille nach oben. Sie war auf einen umgedrehten Lautsprecher gestiegen und zerrte an Gigis Knöchel.

„Ich weiß nicht. Gib mir noch eine Minute. Und hör auf, an mir zu ziehen, Lulu, oder ich falle wirklich runter.“

Lulu ließ los, aber von unten wurde Protest laut.

„Du bist kein Affe, Gigi. Komm runter!“

„Sie glaubt, sie ist aus Gummi. Wenn du fällst, wirst du nicht wie ein Flummi aufspringen, Gigi!“

„Sag uns, was du sehen kannst! Ist er es wirklich?“

„Ist er so toll wie auf den Fotos?“

Gigi verdrehte die Augen. Zumindest Lulu verstand, dass dieser Mann seinen Gewinn nicht ernst nehmen würde. Die anderen Girls sahen das nicht so. Sie wiegten sich in dem Glauben, dass ein reicher Mann ins Theater kommen, ein glückliches Revuegirl in die Arme schließen und in ein Leben grenzenlosen Dauershoppens entführen würde.

Wahrscheinlich alarmiert durch den Lärm, sah Khaled Kitaev auf.

Seine Aufmerksamkeit richtete sich so schnell auf das Aquarium, dass Gigi kaum Zeit hatte, zu denken. Mit Sicherheit war es zu spät, sich hinter den Vorhang zurückzuziehen.

Sein Blick heftete sich auf sie. In Gigis Ohren rauschte es, und plötzlich schien ihr Gleichgewichtssinn sie im Stich zu lassen. Sie stieß einen kleinen Laut aus, als sie mit dem Bauch ein paar Zentimeter wegrutschte.

Jetzt schaute er zu ihr hoch, als wäre er nur gekommen, um sie zu sehen.

Gigi rutschte noch ein Stück ab und kämpfte um Halt.

Dann passierten zwei Dinge auf einmal.

Khaled Kitaev runzelte die Stirn, und Lulu zerrte heftig an Gigis Knöchel.

Erschrocken schrie Gigi auf, als sie das Gleichgewicht verlor und nach unten stürzte.

Möglicherweise hätte Khaled nie erfahren, dass ihm dieses kleine Stück von Montmartre gehörte, wenn nicht jemand eine Liste mit Pariser Immobilien in russischem Besitz in die Hand bekommen und veröffentlicht hätte. Anscheinend war es in Ordnung, Immobilien im Marais und an der französischen Riviera zu kaufen – aber fasste man ein Pariser Revuetheater an, war man der meistgehasste Mann der Stadt.

Nicht, dass Khaled sich darum scherte, was andere Leute von ihm hielten. Das hatte er sich schon vor vielen Jahren abgewöhnt, als Sohn eines russischen Soldaten, der das Leben seiner Mutter zerstört und Schande über ihre Familie gebracht hatte.

Unter Menschen aufzuwachsen, die ihn mieden, hatte ihn geprägt. Er hatte sich ein dickes Fell zugelegt und das nötige Geld angehäuft, um nichts persönlich zu nehmen. Außerdem besaß er die Fähigkeit, seine Fäuste einzusetzen – obwohl er heutzutage eher seine Macht benutzte.

„Emotional distanziert“, so hatte ihn eine Frau beschrieben, mit der er eine kurze Beziehung gehabt hatte. Ein Alleskönner, aber ohne Herz.

Emotionale Distanz hatte ihm geholfen. In dem Teil der Welt, aus dem er kam, hätte es ihn noch vor seinem zwanzigsten Geburtstag umgebracht, sich Gefühlen hinzugeben. Er war auf die harte Tour schnell erwachsen geworden und hatte deswegen überlebt. Dann hatte er in der Moskauer Geschäftswelt Erfolg gehabt. Er wusste, wie er bekam, was er wollte. Und er ließ nicht zu, dass Gefühle seinen Verstand verwirrten.

Das machte ihn zu einem schlechten Fang für eine Frau, die sich ein warmes Nest erhoffte, doch es sorgte dafür, dass die Aktienkurse seiner Unternehmen regelmäßig in die Höhe schnellten. Natürlich hatte er Interesse an Frauen – ein ausgeprägtes Interesse sogar. Allerdings hatte der ständige Wechsel vor Kurzem aufgehört. Das lag nicht etwa an emotionaler Leere oder fehlender Lust, sondern an purer Langeweile, weil ihm die Herausforderung fehlte.

Er brauchte die Jagd, er wollte eine Frau erobern.

Danach begann er, sich zu langweilen.

Inzwischen langweilte er sich schon monatelang.

Und dann blickte Khaled auf. Was zum Teufel war das?

Wenn ein Mann eines von den berühmten Pariser Revuetheatern betrat, erwartete er, dieses legendäre Geschöpf zu sehen: ein Pariser Revuegirl.

Langbeinig, verlockend, oben ohne.

Das war nicht, was er sah.

Er hätte schwören können, dass er gerade Tinker Bell in einem Animal-Print-Gymnastikanzug gesehen hatte, wie sie oben auf dem Aquarium hockte, in dem – wie ihm gesagt worden war – heute Abend ein schönes Revuegirl zusammen mit Pythonschlangen schwimmen würde.

Bevor er sich erklären konnte, was er da vor sich hatte, verschwand die seltsame Erscheinung, gefolgt von einem dumpfen Knall und schrillen Schreien.

„Wollen Sie nicht nachsehen, was da los ist?“, fragte er die zwei Danton-Brüder, die offensichtlich schwitzten, was das Zeug hielt, weil er unangekündigt aufgetaucht war.

Keiner der beiden Männer rührte sich.

„Die Girls proben“, sagte Martin Danton nervös, als würde das alles erklären.

Khaled bemerkte, dass sich seine Leibwächter suchend umschauten. Offensichtlich rechneten sie damit, dass alle vierundzwanzig knackigen Bluebirds Cancan tanzend auf die leere Bühne kamen.

„Möchten Sie sich eine Probe ansehen?“, bot Jacques Danton eifrig an.

Ein bisschen zu eifrig. Die beiden Franzosen, die das Theater leiteten, waren furchtbar nervös. Und dazu hatten sie auch allen Grund. Obwohl Khaled vermutete, dass ihre Nervosität nur die normale Reaktion darauf war, dass ihre zweifelhaften Geschäftspraktiken unter die Lupe genommen wurden.

„Meine Anwälte werden sich heute melden“, teilte er ihnen gelassen mit. „Ich will mir ansehen, wie das Theater läuft.“

„Wir sind eine Pariser Institution, Monsieur Kitaev!“, sagten sie im Chor.

„Das haben die französischen Medien die ganze Woche mit Nachdruck zu verstehen gegeben. Aber es ist ein Unternehmen, und ich bin gern darüber informiert, wie meine Geschäfte laufen.“

Er wäre jetzt nicht hier, wenn die Presse ihn nicht beschuldigt hätte, er wolle die hübschen Boulevards aufreißen und die französische Kultur plündern. Die Stadt in Moskau-an-der-Seine verwandeln.

Und alles nur, weil er bei einem Kartenspiel das Revuetheater L’Oiseau Bleu gewonnen hatte.

Eine junge Frau mit dunklen Locken steckte den Kopf durch den Vorhang. „Jacques …“, flüsterte sie.

Der ältere der beiden Brüder runzelte die Stirn. „Was ist denn, Lulu?“

„Es gab einen Unfall.“

„Was für einen Unfall?“

„Eine von uns ist gestürzt.“

Jacques Danton entschuldigte sich und stapfte hoch auf die Bühne und in die Kulissen.

Khaled blickte zum Aquarium, das über der Bühne aufragte, und setzte sich in Bewegung. Er wollte herauszufinden, was er da oben gesehen hatte.

Seine Leibwächter stiegen mit ihm auf die Bühne.

...



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