E-Book, Deutsch, Band 2166, 144 Seiten
Reihe: Julia
Ellis Sag einfach nur Ti amo!
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-7337-0141-3
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 2166, 144 Seiten
Reihe: Julia
ISBN: 978-3-7337-0141-3
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Wären die roten Schuhe nicht, Ava wäre Prinz Gianluca Benedetti gar nicht aufgefallen. Die Frau, die nach ihrer berauschenden Liebesnacht vor sieben Jahren einfach verschwand, steht mitten in Rom vor ihm - die sexy Kurven unter unförmiger Kleidung versteckt und jederzeit bereit, ihre Krallen auszufahren. Wird er jetzt endlich erfahren, was sie damals zur Flucht trieb? Gianluca schafft es, seine ehemalige Geliebte zu einem Trip an die Amalfiküste zu überreden - und entfacht erneut ein Feuerwerk der Lust. Doch Ava hält ihr Herz fest verschlossen. Wovor hat sie nur solche Angst?
Früher hätte Lucy Ellis es nie für möglich gehalten, einmal selbst Liebesromane zu schreiben, wie ihre Großmutter es ihr vorschlug. Heute tut sie genau das mit großer Freude. Das Beste für sie am Autorendasein: Ihre Protagonistinnen sind genauso wie die Frauen, über die Lucy schon als junges Mädchen gerne gelesen hat: selbstbewusst und attraktiv, während sie den Helden um den Finger wickeln und ihn vor der Einsamkeit retten. Lucy lebt in einem kleinen Cottage in der Nähe von Melbourne, Australien.
Autoren/Hrsg.
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1. KAPITEL
Gianluca Benedetti musterte interessiert das auffallend geschmacklose Outfit und anschließend die Frau, die es trug: eine schlecht sitzende Anzughose und einen unförmigen Blazer. Dabei hätte sie durchaus Potenzial. Vorausgesetzt, sie ließ den albernen Hut weg, öffnete ihr Haar, und das Ganze natürlich ohne diese seltsamen Klamotten. Die körperlichen Anlagen waren vorhanden, um mühelos umwerfend auszusehen. Sie war groß, hatte lange, schlanke Beine – jedenfalls soweit er das von hier aus beurteilen konnte – und strahlte eine faszinierende Lebhaftigkeit aus, die sie ganz offensichtlich gerade zu unterdrücken versuchte.
Just in diesem Augenblick wollte sie nämlich wütend mit dem Fuß aufstampfen, hielt jedoch mitten in der Bewegung inne. Sein Blick fiel auf ihre Schuhe: halbhohe schwarze Leder-Peeptoes mit einer bauschigen knallroten Zierblume. Sie wirkten viel zu feminin für eine derart resolute Dame …
„Geben Sie mir mein Geld zurück!“, verlangte sie in klarem Ton. Man konnte kaum überhören, wie wütend sie war. Gianluca erkannte einen australischen Akzent, was gut zu ihrem selbstbewussten Auftreten passte.
Der andere Mann musterte sie von oben bis unten, während die übrigen Passanten einen Bogen um die schöne Brünette machten, die den Kioskverkäufer erwartungsvoll anstarrte. Auf Gianluca wirkte sie wie eine tickende Zeitbombe.
Nach kurzem Zögern landete der rechte Fuß jetzt doch mit einem Knall auf dem Bürgersteig.
„Ich werde nirgendwo hingehen, solange Sie mir mein Geld nicht wiedergeben. Ihre Firma hatte dafür achtundvierzig Stunden Zeit. Auf Ihrer Website heißt es wörtlich, dass Erstattungen sogar innerhalb von vierundzwanzig Stunden möglich seien.“
Gianluca schloss die Übersicht der europäischen Märkte auf seinem Smartphone und schob das Handy zurück in seine Tasche. Dann verließ er die Kaffeebar, die hier in Rom zu seinen Stammlokalen zählte, um der Fremden zu Hilfe zu eilen. Sich als Retter in der Not anzubieten, hatte er der Erziehung seiner sizilianischen Großmutter zu verdanken, bei der er als Kind häufig in den Ferien gewesen war.
„Signora, kann ich Ihnen vielleicht in irgendeiner Weise behilflich sein?“
Sie drehte sich kaum zu ihm um. „Ich bin keine signora, sondern eine signorina! Und nein, Sie können mir nicht behilflich sein. Ich komme hervorragend allein zurecht. Verschwinden Sie und machen Sie Ihre Geschäfte mit anderen Touristen.“
Er trat einen Schritt näher und atmete den Duft von ihrem leichten, blumigen Parfum ein. Es mutete viel zu verspielt an, um zu einem Dragoner wie dieser Person zu passen. Genau wie diese Schuhe!
„Meine Geschäfte?“
„Gigolo. Begleiter. Callboy. Was auch immer! Gehen Sie weg, ich habe keinen Bedarf!“
Gianluca erstarrte. Dieser Drachen hielt ihn für eine männliche Prostituierte? Fassungslos sah er sie an. Dabei hatte sie sich nicht einmal die Mühe gemacht, ihn richtig anzusehen. Frechheit!
„Also, signorina“, begann er und legte dabei besondere Betonung auf das zweite Wort. „Dann sollten Sie sich besser darauf besinnen, dass Sie auch wirklich eine Dame sind!“
„Wie bitte?“ Sie fuhr herum, und Gianluca vergaß augenblicklich, was er eigentlich hatte sagen wollen.
Die unvorteilhafte Kleidung, ihr Tonfall … er hatte diese Frau für wesentlich älter gehalten – und für weniger attraktiv. Ihre cremefarbene Haut war makellos, die schmalen Augenbrauen elegant geschwungen, aber am auffälligsten war ihr weicher Schmollmund. Die roten Lippen erinnerten ihn an süße, reife Erdbeeren. Allerdings wurde ihr Gesicht zu einem großen Teil von einer hässlichen, weiß umrandeten Sonnenbrille verdeckt, die ihr Gianluca liebend gern abgenommen hätte.
„Du?“, rief sie überrascht.
Er zog die Augenbrauen hoch. „Kennen wir uns?“
Eine derartige Situation wäre ihm nicht neu. Schließlich war er vor einigen Jahren in Italien erfolgreicher Profi-Fußballspieler gewesen und konnte zudem auf berühmte, adelige Vorfahren verweisen. Er bemühte sich, möglichst unbeeindruckt zu klingen, um diese Frau nicht unnötig zu ermutigen.
Sie wich einen Schritt zurück. „Nein“, antwortete sie und sah sich gehetzt um, als würde sie nach einem geeigneten Fluchtweg suchen.
Jeder Muskel in seinem Körper spannte sich an. Gianluca stellte verwundert fest, dass er sich unbewusst darauf vorbereitete, ihr spontan nachzujagen. Madre di Dio, was hatte das zu bedeuten?
An ihrem zarten Hals konnte er sehen, wie ihr Puls raste. Sie wirkte fast panisch, und während er sie betrachtete, merkte er, wie sich die Atmosphäre zwischen ihnen sexuell auflud. Dieses Phänomen kam völlig unerwartet und war so stark, dass es Gianluca buchstäblich den Boden unter den Füßen wegzog …
Zögernd machte er einen Schritt auf sie zu, und die brünette Schönheit hob erwartungsvoll ihren Kopf. Was genau erwartete sie von ihm? Er wusste es nicht … Überhaupt, das führte doch alles zu nichts!
Es lag ihm nicht, mit einer wildfremden Frau mitten auf der Straße anzubandeln. Ebenso wenig war es seine Art, seiner Libido zu folgen, wenn er doch im Grunde überhaupt keine Zeit dafür hatte. Schließlich wartete am anderen Ende der Stadt ein wichtiger Geschäftstermin auf ihn.
„In diesem Fall … Genießen Sie Ihren Aufenthalt in Rom, signorina!“
Nach wenigen Schritten drehte er sich noch mal zu ihr um. Sie stand vor dem Kiosk – in diesem schrecklichen Blazer und der viel zu großen Hose. Aber dann fielen ihm plötzlich noch andere Dinge an ihr auf: vor allem die pinkfarbenen Wangen und der traurige Ausdruck auf ihrem Gesicht. Sie hatte offensichtlich geweint, und das berührte ihn.
Normalerweise ließen ihn verheulte Damen kalt, denn er wusste einfach zu viel über weibliche Manipulationsversuche. Immerhin hatte er damit aufwachsen müssen … seine Mutter und seine Schwestern waren Meisterinnen ihres Fachs gewesen. Tränen waren die natürlichste Waffe einer Frau, um ihren Willen durchzusetzen. Immer wieder erstaunte es ihn, wie schnell eine Entschuldigung oder ein Versprechen diese Flut der Trauer zum Versiegen brachten.
Aber der Kummer dieser Frau ging ihm ans Herz. Anstatt seiner Wege zu ziehen, kehrte er zum Kiosk zurück und sah sich das Schild darüber an: Fenice Tours. Das bedeutete, er wurde von einem Tochterunternehmen des Tourismuskonzerns betrieben, mit dem Benedetti International Geschäfte machte.
Schweigend zog Gianluca sein Handy aus der Tasche. Nachdem er eine Nummer gewählt und ein paar Worte mit seinem Gesprächspartner gewechselt hatte, teilte er dem Mann im Kiosk mit, dass ihm exakt sechzig Sekunden blieben, um der Dame ihr Geld zu erstatten. Andernfalls würde dieser Kiosk sofort geschlossen werden.
Gianluca reichte ihm sein Telefon weiter. Der Verkäufer nahm es skeptisch entgegen und musste kurz darauf eine lautstarke Schimpftirade seines Chefs über sich ergehen lassen.
„Mi scusi“, stammelte der Mann und sah dabei in Gianlucas Richtung. „Es handelt sich bloß um ein Missverständnis.“
Gianluca zuckte die Achseln. „Entschuldigen Sie sich nicht bei mir, sondern bei der Dame!“
„Si, si, scusi, signorina. Mi dispiace. Es tut mir leid.“
Mit regungsloser Miene nahm sie das Geld entgegen und machte sich nicht einmal die Mühe, es nachzuzählen. Selbst ihre billige Aktentasche erweckte den Eindruck, als wollte die Frau sich damit bewusst abwerten.
„Grazie“, presste sie widerwillig hervor.
Damit blieb kein Grund mehr, noch länger hier herumzustehen. Gianluca ging ein paar Schritte und öffnete dann die Fahrertür seines Lamborghini Jota. Dann warf er einen letzten Blick zurück.
Die Fremde war ihm gefolgt und beobachtete ihn nun mit einer Mischung aus Neugier und Abwehr … und etwas anderem.
Er zögerte. Lange genug, um sie zu ermuntern, weiter auf ihn zuzugehen.
„Entschuldigung“, rief sie, und der scharfe Ton entsprach ihrem sperrigen Auftreten.
Heimlich bewunderte er ihre schönen Gesichtszüge.
„Ich bin nur neugierig“, fuhr sie fort und betrachtete ihn eindringlich. „Hätten Sie diesen Stand wirklich schließen lassen können?“
Wo hatte er diesen forschenden Gesichtsausdruck schon einmal gesehen?
Sein höfliches Lächeln blieb kühl und distanziert. „Signorina …“, antwortete er, „… wir befinden uns hier in Rom. Und ich bin ein Benedetti. Da ist alles möglich.“
Erst als er kurz darauf seinen Wagen durch den morgendlichen Berufsverkehr lenkte, wurde ihm klar, dass sie weder beeindruckt noch geschmeichelt gewesen war. Stattdessen hatte sie wütend gewirkt, und diese Tatsache brachte ihn dazu, wider besseren Wissens umzukehren.
Noch immer schockiert stand Ava auf dem Bürgersteig und beobachtete, wie der Sportwagen um die nächste Ecke bog. Benedetti. Auf diese Weise hatte es nicht geschehen sollen …
Über die Jahre hatte es schon eine ganze Reihe falscher Alarme gegeben: hier eine tiefe Stimme, dort mal ein italienischer Akzent oder ein paar breite Schultern in der Menschenmenge. Jedes Mal waren Avas Sinne erwacht, und sie hatte sich innerlich auf ein Wiedersehen mit ihm vorbereitet – bisher immer vergeblich.
Die Wirklichkeit dieser heutigen Begegnung war absolut erdrückend, trotzdem wanderten...




