Emery | Wir zwei für alle Zeit | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 352 Seiten

Reihe: HarperCollins

Emery Wir zwei für alle Zeit


1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7499-5124-6
Verlag: HarperCollins
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 352 Seiten

Reihe: HarperCollins

ISBN: 978-3-7499-5124-6
Verlag: HarperCollins
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ihre Begegnung ist Schicksal ....

Mitten auf einer Party trennt sich Ericas Freund von ihr, dabei wollte sie eigentlich nicht zu der Feier gehen. Doch dann trifft sie Daniel, und der Abend verändert ihr Leben für immer. Bei ihm spürt sie sofort eine Verbundenheit, ihm vertraut sie ihr größtes Geheimnis an. Erica hat eine einzigartige Gabe, sie kann in Paralleluniversen eintauchen und beobachten, wie ihr Leben verliefe, wenn sie andere Wege eingeschlagen würde. Gerade als sie und Daniel am glücklichsten sind, geschieht eine Tragödie, und Erica steht vor der Entscheidung, ihre Fähigkeit bewusst einzusetzen und in eine Zeit vor all dem Schmerz zu reisen. Aber was, wenn sie Daniel in diesem anderen Leben nicht wiederfindet?


»Eines meiner Lieblingsbücher in diesem Jahr. «



Hannah Emery hat Englisch an der Universität von Chester studiert. Seit sie denken kann, schreibt sie Geschichten. Am liebsten verbringt sie Zeit mit ihrer Familie und ihrem Freundeskreis, liest, backt an Samstagen, geht aus oder macht sich ein gemütliches Wochenende. Zusammen mit ihrem Ehemann und ihrer Tochter lebt sie in Blackpool.
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Kapitel 1

September 2013

Als Mike mich zu der Verlobungsfeier abholt, bin ich zerstreut und mit Dingen beschäftigt, die mir zu diesem Zeitpunkt wichtig erscheinen. Ich habe keine Ahnung, dass sich bald alles ändern wird, dass die Zeit im Begriff ist, mein Leben in eines dieser für mich typischen Vorher-Nachher-Teile zu zerschneiden.

Mike fährt die Promenade entlang, und wir reden nicht viel. Was nicht ungewöhnlich ist, da er die Musik immer so laut aufdreht, dass der hart wummernde Beat unsere Worte wegspült. Ich lehne den Kopf an die Fensterscheibe und betrachte den blassblauen Himmel. Auf der Feier werde ich nicht viele Leute kennen. Überhaupt gehe ich nur ungern auf Partys, mir ist es lieber, wenn Mike allein geht, doch heute hat er mich überredet, mitzukommen. So ist das mit Mike. Er kann mich dazu überreden, seine vielen Bekannten zu treffen und zu lange aufzubleiben, obwohl ich am nächsten Tag arbeiten muss. Seinetwegen esse ich zu viel und gebe mein Geld für Sachen aus, die ich nicht brauche. Ich lasse mich leicht überreden und bleibe gern in seinem Schatten. Das ist es, was ich besonders an ihm mag: dass er das Ruder übernimmt und ich einfach in der Menge, die sich von ihm unterhalten lässt, untertauchen kann.

Heute Abend allerdings ist Mike beim Aussteigen ungewöhnlich still. Im Hausflur ziehe ich die Stiefel aus, und herzförmige Konfettischnipsel bleiben an meinen Füßen kleben. Riesige silberne, herzförmige Luftballons schweben in der Luft wie zusätzliche Gäste, ich sehe Mike an und schneide eine Grimasse. Er nickt unbehaglich, und einen Moment lang frage ich mich, ob er so verkrampft wirkt, weil er erwägt, mir demnächst auch einen Heiratsantrag zu machen. Über diesen lächerlichen Gedanken muss ich laut lachen, denn hier geht es schließlich um Mike, wahrscheinlich habe ich das Glas Champagner, das mir jemand an der Haustür in die Hand gedrückt hat, zu schnell getrunken.

»Was ist so lustig?«, fragt Mike.

»Ach, na ja, ich … nichts.« Ein großer Mann, den ich nicht kenne, füllt mein Glas auf, ich bedanke mich lächelnd und trinke einen Schluck. Der Mann grinst mich an, dann wendet er sich ab, und ich schaue wieder zu Mike.

»Stimmt was nicht?« Normalerweise ist er als Erster zur Stelle, wenn es um Alkohol geht, im Unterschied zu mir ist Mike ein wahrer Partylöwe, der es genießt, wenn alle Augen auf ihn gerichtet sind. Nie will er aufhören zu trinken oder zu tanzen, und immer lässt er gleich nach der Ankunft amüsante Anekdoten und Witze auf Kosten anderer vom Stapel. Doch heute Abend ist alles anders, er nickt den Leuten lediglich zu und lächelt, statt zu lachen.

Die Hände tief in die Hosentaschen gestopft, schüttelt er den Kopf.

»Ich verstehe immer noch nicht, warum wir mit dem Auto gekommen sind«, sage ich, doch er zuckt nur mit den Schultern. »Willst du wirklich nichts trinken?«

»Mike!« Kevin, der Gastgeber der Party, lallt schon ein bisschen, als er Mike auf den Rücken klopft. »Später gibt’s Jägerbomben. Gut?«

Wieder nickt Mike, sagt aber nichts. Kevin läuft an uns vorbei in die Küche, zu beschäftigt, um zu bemerken, dass mit Mike offensichtlich etwas nicht stimmt.

»Ich habe mich gefragt, ob du mir vielleicht einen Heiratsantrag machen willst.« Ich versuche, die Stimmung mit einem Witz aufzulockern, so wie Mike es sonst immer tut. Und es ist nicht irgendein Scherz, sondern unser ganz eigener, uralter Witz. Denn alle unsere Freunde machen das plötzlich: Verlobungspartys schmeißen, Hochzeiten planen und breit lächelnd und mit haufenweise Heliumballons großartige Dinge verkünden. Mike und ich wollen mit so etwas nichts zu tun haben, und das funktioniert auch bestens für uns.

Oder vielleicht nicht.

Er wird bleich, schluckt und schaut weg.

»Oh Gott, Mike? Du willst mir doch nicht wirklich einen Antrag machen, oder?« Ich versuche, meine panischen Gedanken zu ordnen. Ich will nicht heiraten. Das weiß er. Und er will auch nicht heiraten. Dachte ich jedenfalls. Ich darf Mike nicht verletzen, und das würde ihn unendlich verletzen, nicht wahr? Es einfach als Scherz darzustellen und Nein zu sagen?

Sanft berühre ich seine Schulter, und er steht auf.

»Ich kann jetzt nicht darüber reden«, erwidert er mit tonloser Stimme. »Nicht hier.«

Er blickt in meine Richtung, aber nicht ganz in meine Augen. Also stehe ich auf, streiche mir die Haare aus dem Gesicht und nehme seine rechte Hand. Ist er krank? Hat er Schulden? Warum weiß ich nichts davon? Ich ziehe ihn nach oben in ein extrem violett gestrichenes Schlafzimmer. Das Haus ist ein Labyrinth. Ich weiß nicht einmal, wem das Zimmer gehört oder ob es die betreffende Person stört, wenn wir uns auf die ebenfalls lilafarbene Bettdecke setzen, die als zerknitterter Haufen in der Mitte der Matratze liegt.

»Mike?«

Dann begreife ich, dass es um etwas ganz anderes geht. Er hat keinen Diamantring in seiner Tasche versteckt, und er war auch nicht nervös, weil er mir einen Antrag machen will. Weder geht es um eine Krankheit noch um Schulden oder sonst etwas, bei dem ich ihm helfen könnte, indem ich einfach weiter die Frau bin, die immer über seine Witze lacht. Es geht um etwas anderes, und als ich Mikes Gesicht betrachte und sehe, wie seine Augen sich röten, dämmert es mir auch, was das sein könnte.

In dem Moment, in dem ich begreife, spricht er es aus, was den Schmerz verdoppelt.

»Ich will nicht länger mit dir zusammen sein, Erica.«

Mir droht der Champagner hochzukommen, den ich getrunken habe, als alles noch in Ordnung zu sein schien und ich einfach nur Gast auf einer Party war. Ich schlage eine Hand vor den Mund. Ein Herzkonfetti klebt glitzernd am Rand meiner Handfläche.

»Es tut mir leid. Ich habe es versucht. Aber ich kann es nicht.«

Das war’s. Drei Sätze, und alles ist vorbei.

Er öffnet die Tür, und Geräusche von der Feier dringen herein. Ein silberner Luftballon schwebt an der Tür vorbei.

»Du kannst mich nicht einfach hier sitzen lassen«, sage ich. Ich sehe, wie er in seiner Tasche nach etwas sucht. Nach seinem Autoschlüssel.

»Du wusstest es! Du wusstest, dass du vor mir die Party verlassen wirst, und deshalb wolltest du mit dem Auto fahren! Warum hast du mich überhaupt mitgenommen?«

Er zuckt die Achseln. Er ist blass, und mir wird klar, dass er mir das lieber erspart hätte. Und doch kann er es nicht. »Es tut mir leid, Erica.«

»Aber wir müssen reden!« Meine Stimme klingt nicht nach meiner Stimme, vage bin ich mir bewusst, dass ich irgendwie meinen Tonfall korrigieren muss, um nicht zu verzweifelt zu klingen. »Fahren wir zu mir und reden.«

»Das möchte ich nicht, Erica.«

Vor ein paar Monaten haben wir ein Wochenende in London verbracht. Wusste er da schon Bescheid? Hat er eine andere? Das dumpfe Dröhnen der Musik von draußen verursacht mir Kopfschmerzen und Schwindel. Ich presse eine Hand an die Schläfe, um den Schmerz zu lindern und das Gefühl, dass ich zu Boden fallen könnte, in den Griff zu bekommen. »Warum jetzt?«

Erneut zuckt er mit den Schultern. »Mir reicht es einfach. Wir hatten eine gute Zeit. Aber wir sind zu verschieden.«

»Das ist doch gut! Gegensätze ziehen sich an!« Allerdings, schon während ich es ausspreche, frage ich mich, ob das wirklich stimmt.

»Eben nicht. Du bist glücklich hier, du redest gern über diesen ganzen alten Kram und das Museum und so … Wie auch immer, ich ziehe weg«, verkündet Mike abrupt, den Blick noch immer auf etwas hinter mir fixiert. »Kath von der Niederlassung in Cardiff hat mir eine Stelle angeboten. Es handelt sich nur um eine Vertretung für ein paar Wochen. Danach werde ich eine Zeit lang reisen«, fährt er fort und unterstreicht mit einer lächerlichen Geste seinen Flug, seine Reise, sein Verschwinden aus meinem Leben. Das lenkt mich so ab, dass ich beinahe das Flackern in seinen Augen nicht bemerkt hätte. Doch nur beinahe, und nun wird mir auch der Grund klar.

Kath.

Kath, die Leiterin der Bank, in der Mike arbeitet, war letztes Jahr längere Zeit in Blackpool, um die Filiale zu retten, und bei Betriebsfeiern hat sie mich immer von oben bis unten gemustert und ihren makellosen Kopf ständig zu laut lachend zurückgeworfen.

Ich starre ihn an, sein blondes Haar, die winzige Aknenarbe auf seiner Stirn und die goldfarbenen Bartstoppeln am Kinn. Ich dachte, er gehörte mir, aber das ist nicht der Fall. Der Gedanke schneidet sich tief in mein Herz, zugleich fühle ich mich seltsam betäubt.

»Kath redet also nicht über alten Kram? Sie ist nicht so langweilig wie ich?« Ich versuche, spitz zu klingen, überlegen, meine Stimme ist jedoch belegt vor Schmerz.

»Es tut mir leid«, sagt er. »Aber du warst diejenige, die den Job im Museum angenommen und dadurch eine Reise verhindert hat. Erst dachte ich, ich könnte noch länger warten, aber das kann ich nicht. Ich möchte mal was anderes erleben, Erica. Ich habe es hier so satt. Mir ist langweilig.«

»Langweilig? Aber ich habe den Job im Museum doch nur für drei Monate angenommen. Und danach, ich …«

»Ja, klar«, unterbricht er mich, und vage erinnere ich mich daran, dass mich seine Unterbrecherei schon früher irritiert hat, aber nur ein bisschen, daher habe ich es nie richtig registriert. Jetzt ist es bedeutungslos: eine Seifenblase, die vor mir schwebt und in dem Moment zerplatzt, in dem ich die Hand nach ihr ausstrecke. »Danach findest du sicher einen anderen Grund. Und das ist ja in Ordnung, aber eben nichts für...



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