Emrich / Klein | Die 8-Minuten-Entscheidungsmethode | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 232 Seiten

Emrich / Klein Die 8-Minuten-Entscheidungsmethode

Was tun, wenn es richtig brennt
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-86774-799-8
Verlag: Murmann Publishers
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Was tun, wenn es richtig brennt

E-Book, Deutsch, 232 Seiten

ISBN: 978-3-86774-799-8
Verlag: Murmann Publishers
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Christian Emrich ist Rettungsingenieur, war 13 Jahre im Dienst der Berufsfeuerwehr München und leitet inzwischen den Fachbereich Feuerwehr und Rettungsdienst beim Regierungspräsidium Freiburg. Vom Autounfall über Katastrophen bis zur Corona Pandemie hat er zahlreiche Krisenlagen und Notfallsituationen als Einsatzleiter oder im Krisenstab erfolgreich gemeistert. In diesen brenzligen Situationen braucht es vor allem eins: eine klare Methodik, die einem hilft, Entscheidungen schnell und genau zum richtigen Zeitpunkt zu treffen. In diesem Buch gibt Christian Emrich einen Einblick in die Arbeit der professionellen Feuerwehrmethoden, die in allen Lebensbereichen funktionieren. Vom Sofortentscheiden bis hin zum strategischen Entscheiden in 8 Minuten. Handballweltmeister Dominik Klein steuert Erkenntnisse aus dem Leistungssport bei, wo es ebenfalls darum geht, in wenigen Augenblicken eine Situation zu bewerten und sich gleichzeitig auf die späteren Schlüsselmomente im Wettkampf vorzubereiten.

Christian Emrich ist Rettungsingenieur, war 13 Jahre im Dienst der Berufsfeuerwehr München und leitet inzwischen den Fachbereich Feuerwehr und Rettungsdienst beim Regierungspräsidium Freiburg. Vom Autounfall über Katastrophenlagen bis zur Corona-Pandemie hat er zahlreiche Krisenlagen und Notfallsituationen als Einsatzleiter oder im Krisenstab erfolgreich gemeistert. Zusammen mit seinem Co-Autor gründete er den Handballcampus München.
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Ab jetzt sind wir ein Team!


Wir alle wollen im Alltag schnell, gut und richtig entscheiden. Was schwieriger geworden ist in einer Welt, die kompliziert und komplex ist. Alles könnte immer auch anders sein. Sicherheit und Gewissheit sind passé. Um besser entscheiden zu lernen, möchte ich Sie deshalb in meine Welt mitnehmen. In eine Welt, in der man genau das jeden Tag tun muss: schnell, richtig und gut entscheiden. Oft, um Leben zu retten. Kommen Sie mit in echte Einsatzsituationen und lernen Sie, wie zu welchem Zeitpunkt und mit welchen Informationen Entscheidungen im Einsatz getroffen werden.

Ab jetzt sind wir – Sie als Leserin oder Leser und ich – ein Team.

Sie sind Teil der Feuerwehr. Wir erleben jede Einsatzsituation gemeinsam. Sie hospitieren im Einsatzleitfahrzeug. Schauen Sie mir hautnah über die Schulter. Und zwar praktisch, und nicht nur theoretisch: Die Einsätze beruhen alle auf echten Einsätzen, bei denen ich Einsatzleiter war. Sind Sie bereit? Ich nehme Sie direkt mit, los geht’s: Unser erster Einsatz kommt plötzlich. Wir sind gerade unterwegs auf der Fahrt zu einem Termin im Stadtgebiet. Die Leitstelle meldet sich. Der Funksprecher, der den Feuerwehrfunk koordiniert, ist kurz angebunden und gibt uns knappe Informationen. Es wird sofort klar, dass höchster Zeitdruck besteht. »Sie fahren mit Sonderrechten in Richtung Stadtmitte, alles Weitere folgt!« (Mit Sonderrechten ist gemeint: mit Blaulicht und Martinshorn.)

Die gleiche Ansage bekommen noch zwei weitere Fahrzeuge, die ebenfalls über Funk erreichbar sind, da sie sich im Stadtgebiet auf einer Rückfahrt von einem anderen Einsatz befinden. Es wird ruhig. Auffällig ruhig. Jedem ist klar, dass in Kürze neue Informationen folgen, die klare Entscheidungen erfordern werden. Unser Assistent am Lenkrad macht einen schnellen U-Turn (wechselt auf die gegenüberliegende Fahrspur in die andere Fahrtrichtung) und fährt so schnell und sicher wie möglich mit Blaulicht und Martinshorn in Richtung Innenstadt.

Wir sind bereits zwei bis drei Minuten unterwegs. Fokussiert, mit hohem Risiko, alles unter Kontrolle. Am frühen Mittag fahren wir so schnell wie möglich durch den Großstadtverkehr. Die Leitstelle ruft uns wieder über Funk: »Wir haben inzwischen mehrere Notrufe. In der Altstadt muss ein Pkw in eine Menschenmenge gefahren sein. Gemeldet werden bis zu zehn Schwerverletzte. Mehrere Personen sind unter dem Fahrzeug eingeklemmt. Rettungsdienst ist mit Einsatzleiter Rettungsdienst, mehreren Rettungswagen, Notärzten alarmiert und auf Anfahrt. Ein Rettungshubschrauber ist ebenfalls im Anflug. Alles Weitere ist unklar. Geben Sie umgehend Rückmeldung, wenn Sie vor Ort sind, zur Veranlassung weiterer Maßnahmen und entsprechender Klinikalarmierung.«

In diesem Moment passieren wir die Brücke über den Fluss, der die Stadt teilt. Wir wissen, dass wir noch circa 50 Sekunden Zeit haben bis zum Eintreffen an der Einsatzstelle. Am oberen Ende der leicht ansteigenden Straße sehen wir drei Rettungswagen sowie die ersten Fahrzeuge des alarmierten Rüstzuges. Dieser besteht aus dem Führungsfahrzeug des Zugführers, zwei Hilfeleistungslöschfahrzeugen und einem Rüstwagen. Der Rüstwagen transportiert das »große Werkzeug sowie umfassendes Material« und ergänzt gezielt das »Allzweckmaterial« für Erstmaßnahmen der Hilfeleistungslöschfahrzeuge bei technischen Hilfeleistungen.

Sekunden später sind wir vor Ort und drücken Status vier, um der Leitstelle automatisiert zu signalisieren, dass wir angekommen sind. Das bedeutet auch: Wir haben ab sofort die Verantwortung für diesen Einsatz. Wir müssen umgehend eine Lagemeldung an die Leitstelle per Funk durchgeben, damit die rückwärtigen Maßnahmen, wie Nachalarmierungen weiterer Kräfte, Wachbesetzungen und Klinikalarmierung bei mehreren Verletzten, erfolgen und ausgelöst werden können.

Vor Ort sprechen wir kurz und knapp jeweils fünf bis zehn Sekunden mit dem ersten Zugführer sowie dem vorläufigen Einsatzleiter Rettungsdienst. Das ist die Besatzung des ersteingetroffenen Rettungswagens. Beide schildern unabhängig voneinander, dass ein Verdacht auf eingeklemmte Personen unter einem Fahrzeug besteht. Insgesamt mehrere Verletzte, genaue Zahlen können sie noch nicht sagen.

Daraufhin veranlasse ich eine strukturierte Sichtung durch die Besatzung eines Löschfahrzeugs der Berufsfeuerwehr. Eine Sofortmaßnahme, um die Patientenzahlen genau zu ermitteln und keine weitere Zeit zu verlieren. Gleichzeitig ist klar, dass das andere Hilfeleistungslöschfahrzeug der Feuerwehr auf sich allein gestellt sein wird, um die technische Rettung unter dem Fahrzeug einzuleiten. Da sich aber ein weiteres Fahrzeug auf dem Weg befindet, kann die Priorisierung erfolgen. Klar ist: Nur wenn schnell die Verletztenzahl und der Schweregrad der Verletzungen klar ist, kann den betreffenden Personen geholfen werden. Nach einem derartigen Unfallereignis liegen in der Regel Verletzungen vor, die größtenteils in einer Klinik durch operative Maßnahmen spätestens nach maximal 60 Minuten behandelt werden müssen. Ansonsten besteht die Gefahr des inneren Verblutens der Patienten.

Der Hauptfokus liegt auf der Zeit!

Ziel ist es, die Schwerverletzten innerhalb von 20 Minuten gerettet zu haben, um sie spätestens nach 40 Minuten in Richtung der zugeteilten Klinik abfahren und 60 Minuten nach Ereigniseintritt an die bereitstehenden Notfallteams der Fachdisziplinen (sogenannte Schockraumteams) in den Kliniken übergeben zu können. Sonst kann ihnen je nach Verletzungsmuster möglicherweise nicht adäquat geholfen werden. Der Job der Feuerwehr besteht also darin, dafür zu sorgen, dass nach 20 Minuten alle Patienten gerettet sind und sie nach allerspätestens 40 Minuten die Einsatzstelle in Richtung geeigneter Kliniken mit Schockraumteams verlassen haben.

Der Gruppenführer (Chef eines Löschfahrzeugs, der fünf Einsatzkräfte und die taktischen Maßnahmen des Teams inklusive ihrer Durchführung verantwortet) erhält den Auftrag der Sichtung aller Patienten mit dem klaren Ziel, innerhalb von drei Minuten Rückmeldung zu geben. Was bedeutet, er muss mit seinem Team in maximaler Geschwindigkeit eine sich über fast 300 Meter erstreckende Einsatzstelle erfassen, nach Verletzten absuchen, diese kontrollieren und einstufen, ob sie lebensbedrohlich verletzt (Sichtungskategorie I = rot), mittelschwer verletzt (Sichtungskategorie II = gelb) oder leicht verletzt beziehungsweise betroffen sind (Sichtungskategorie III = grün). Patienten, die mit dem Leben nicht vereinbare Verletzungen haben, sind Sichtungskategorie IV = blau). Sie sind bereits verstorben bei Eintreffen.

Die roten Patienten (bewusstlos, lebensgefährlich verletzt usw.) müssen sofort behandelt und schnellstmöglich in eine geeignete Klinik transportiert werden, sonst kann die Lebensgefahr möglicherweise nicht abgewendet werden. Die gelben Patienten sind deutlich verletzt (gebrochener Arm, ausgekugelte Schulter, Platzwunde usw.). Sie müssen einer klinischen Versorgung zugeführt werden, überleben aber die nächsten Stunden problemlos. Daher sind sie Teil der Sichtungskategorie II und werden innerhalb von 60 bis 240 Minuten abtransportiert, wenn die lebensbedrohlich verletzten Patienten in Richtung Kliniken abgefahren sind. Die grünen Patienten sind leicht verletzt (Schürfwunden, kleine Platzwunden, Risswunden, Fuß umgeknickt usw.). Ihre Verletzungen würde man im Alltag größtenteils selbst behandeln oder in der hausärztlichen Versorgung überprüfen lassen.

Zurück zum Einsatz: Zehn Sekunden vor Ablauf der drei Minuten (Timer auf der Uhr läuft!) kommt der Gruppenführer im Laufschritt zu uns und berichtet: »Dreimal rot« (= drei lebensgefährlich verletzte Personen). Zwei werden bereits in den beiden Rettungswagen versorgt. Eine Person ist definitiv unter dem Fahrzeug eingeklemmt – vermutlich bereits verstorben (Ersteinschätzung des Notarztes). Viermal gelb und achtmal grün. Diese werden auf der gegenüberliegenden Straßenseite im Schatten betreut.

Das Gespräch dauert circa zehn Sekunden. Da die Situation jetzt überschaubar ist, habe ich keine Rückfragen und wiederhole nur: »Dreimal rot, zwei werden in den beiden Rettungswagen (ich zeige auf die beiden Fahrzeuge) bereits versorgt. Eine Person definitiv eingeklemmt unter dem Fahrzeug. Viermal gelb und achtmal grün werden auf der gegenüberliegenden Straßenseite im Schatten versorgt« (ich zeige auf die gegenüberliegende Straßenseite und die dortige Menschengruppe, die von zwei Feuerwehrleuten betreut wird). Ich bedanke mich und unterstelle ihn wieder seinem Zugführer. Der Sichtungsauftrag lief nach Rücksprache direkt zu mir, um keine Zeit zu verlieren. Aufgrund der höchsten Priorität, Menschen zu retten, und des enormen Zeitdrucks aufgrund der Anzahl der zu erwartenden Verletzten. Der Gruppenführer dreht sich direkt um und meldet sich einsatzbereit bei seinem Zugführer, jetzt kann er bei der technischen Rettung beim Unfallfahrzeug helfen.

Zwischenfazit: Innerhalb von...


Klein, Dominik
Dominik Klein ist Handballweltmeister und war Profi beim THW Kiel und HBC Nantes. Heute ist er ARD-Experte und gibt seine Erfahrungen als Keynote-Speaker sowie Gründer und Geschäftsführer des gemeinnützigen Handballcampus München weiter.

Emrich, Christian
Christian Emrich ist Rettungsingenieur, war 13 Jahre im Dienst der Berufsfeuerwehr München und leitet inzwischen den Fachbereich Feuerwehr und Rettungsdienst beim Regierungspräsidium Freiburg. Vom Autounfall über Katastrophenlagen bis zur Corona-Pandemie hat er zahlreiche Krisenlagen und Notfallsituationen als Einsatzleiter oder im Krisenstab erfolgreich gemeistert. Zusammen mit seinem Co-Autor gründete er den Handballcampus München.

Christian Emrich ist Rettungsingenieur, war 13 Jahre im Dienst der Berufsfeuerwehr München und leitet inzwischen den Fachbereich Feuerwehr und Rettungsdienst beim Regierungspräsidium Freiburg. Vom Autounfall über Katastrophenlagen bis zur Corona-Pandemie hat er zahlreiche Krisenlagen und Notfallsituationen als Einsatzleiter oder im Krisenstab erfolgreich gemeistert. Zusammen mit seinem Co-Autor gründete er den Handballcampus München.

Dominik Klein ist Handballweltmeister und war Profi beim THW Kiel und HBC Nantes. Heute ist er ARD-Experte und gibt seine Erfahrungen als Keynote-Speaker sowie Gründer und Geschäftsführer des gemeinnützigen Handballcampus München weiter.



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