Emver | Bastard of Magic | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 438 Seiten

Emver Bastard of Magic


1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7534-4956-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 438 Seiten

ISBN: 978-3-7534-4956-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Das Knacken der Knochen hallte laut in meinen Ohren wider. Das Fletschen der Fänge verpasste mir kalte Schauer. Das groteske Klappern der Klauen ließ mich zittern. Doch das Schlimmste war, dass ich nichts Vertrautes mehr erkennen konnte. Plötzlich war seine Stimme laut und klar in meinem Kopf: »Du hättest mir niemals über den Weg laufen dürfen.« Und ich wusste, er hatte damals recht, so wie die ganze verdammte Zeit über. Ich war so gut wie tot.

Ich wurde 1992 in Norddeutschland geboren und bin auch heute noch dort zu Hause. Hauptberuflich arbeite ich in einem Kindergarten und bin schon seit längerer Zeit eine begeisterte Leserin. Mein Fantasyroman »die Berufung« war mein Debüt und ich hoffe, ich kann noch mehrere Geschichten schreiben. Während ich schreibe, läuft prinzipiell Musik und inzwischen ist es so, dass ich überall Notizbücher oder Blöcke liegen habe, sodass ich Ideen schnell aufschreiben kann. Mehr Informationen findest du hier: www.jennyemver.com www.instagram.com/emver_diary www.facebook.com/jennyemver.autorin
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Das Erste, was ich wahrnahm, war, der tosende Schmerz in meinem Körper. In meinem Kopf pochte es, was bis hinunter in meinen Fuß zu hallen schien. Ein kleines Seufzen verließ meinen Mund und ich wollte mir an den Kopf fassen, doch mitten in der Bewegung wurde ich daran gehindert und ein Rasseln drang an meine Ohren. Ruckartig kam mein Arm zum Stillstand und ich riss meine Augen auf. Nackter Stein befand sich vor mir. Hektisch sah ich mich um, konnte aber von meiner derzeitigen Position nichts weiter erkennen. Dann lauschte ich, hörte aber nichts außer meines eigenen Herzschlags, der viel zu schnell in meiner Brust pochte. Seit meiner Flucht aus der Psychiatrie schien das ein Dauerzustand zu sein. Und schließlich drangen die Fragen in mein Hirn, wo und wie zum Teufel ich hierher gekommen war.

Ruckartig kam ich in die Senkrechte und sah Damian De Vere geradewegs in die Augen. Er saß mir gegenüber an die Wand gelehnt, die Arme locker über seine Knie gelegt und die bronzefarbenen Augen auf mich gerichtet. Seine dunkelbraunen Haare sahen wie bei unserer ersten Begegnung aus, aber sein Körper steckte in anderen Klamotten.

»Sieh an, Dornröschen ist endlich aufgewacht«, spottete er und in seinen Augen glänzte Belustigung. »Ich dachte schon, ich müsste mir Sorgen machen.«

Aufgrund seiner Worte und des Tonfalls reckte ich das Kinn und erwiderte stur seinen Blick, obwohl ich mich wie ein Häufchen Elend fühlte und mich nur in einer Ecke verkriechen wollte. Aber den Gefallen würde ich diesem Dreckskerl nicht tun. Für mich war vollkommen klar, dass er mich verschleppt hatte, dass er mich irgendwo gefangen hielt. So viel zum Thema, überall wäre es besser als in meinem weißen Zimmer. Ich könnte mich dafür ohrfeigen, aus meinen sicheren vier Wänden abgehauen zu sein.

»Deine Sorgen kannst du dir sonst wohin stecken. Von mir aus dorthin, wo die Sonne nicht scheint«, knurrte ich mit zusammengekniffenen Augen.

»Ich an deiner Stelle würde den Mund nicht so voll nehmen«, sagte er und erhob sich vom Boden. Nebenbei klopfte er sich den Staub von der Jeanshose. Sie saß eng auf seinen Hüften und schien maßgeschneidert zu sein, denn sie passte wirklich ausgezeichnet. Dabei fiel mir ein silbriger Ring an einem seiner Finger ins Auge. »Immerhin befindest du dich in unserem Keller und bist an die Wand gekettet. Ein bisschen Freundlichkeit würde dir keinen Zacken aus dem Krönchen brechen.«

Bei seinen Worten huschten meine Augen automatisch zu meinen Händen, die in Handschellen hingen. Bisher hatte ich solche Fesseln nur in Filmen gesehen. Jetzt das tatsächliche Gewicht der schweren Ringe an meinen Gelenken zu fühlen, bescherte mir Übelkeit. Mein Blick folgte einer der Handfesseln an der dicken Kette entlang und ich sah, dass es nur eine Stahlkette war, die an einer Windung in der Wand hindurchgezogen war, und deren Enden sich an meinen Handgelenken befanden. Der Ring in der Wand war etwa zwei Meter über mir und nur, weil die Kette lang genug war, konnte ich auf dem Boden sitzen.

Mit einem Schlag wurde mir das Ausmaß meiner Situation bewusst. Hier heraus gab es kein Entkommen. Für mich gab es keine Flucht mehr. Ich hatte mir mein eigenes Grab geschaufelt. Sofort huschten meine Augen zurück zu meinen Handgelenken, die aufgescheuert waren.

»Was hast du mit mir gemacht?«, flüsterte ich, unfähig den Blick von der wunden Haut zu nehmen.

»Das war ich nicht. Du hast dir das allein zugefügt«, erwiderte er und besah mich mit einem bemitleidenden Blick. »Als wir dich hierher brachten, hast du dich ziemlich gewehrt und versucht, deine anderen Fesseln loszuwerden. Mit nur wenig Erfolg, wie man sieht. Trotzdem hast du rebelliert, als wäre der Leibhaftige hinter dir her. Deshalb wurde entschieden, dass du erst einmal hierher und zur Besinnung kommst.«

»Nein! Das warst du! Du hast mich hierher verschleppt und hast irgendetwas mit mir gemacht«, fauchte ich und kam umständlich auf die Füße. Kaum befand ich mich auf meinen Beinen, begann sich mein Umfeld zu drehen und ich schwankte. Ich musste mich an der kalten Wand abstützen, um aufrecht bleiben zu können.

»Gib mir ruhig die Schuld, wenn es dir dann besser geht. Und wenn du schon dabei bist, gib mir auch gleich die Verantwortung dafür, dass du dir den Fuß verstaucht, das Handgelenk geprellt und einen fetten Kratzer im Gesicht hast. Ich würde dich als Pechvogel bezeichnen, aber gib ruhig mir die Schuld an allem. Dabei haben wir dir das Leben gerettet«, ächzte er und wandte sich zum Gehen.

»Das Leben gerettet? Du hältst mich hier gefangen! Ich bin gegen meinen Willen hier und will auf der Stelle gehen! Lass mich raus und ich verzichte auf eine Anzeige«, motzte ich und war selber über meine Kühnheit überrascht.

Kaum waren meine Worte aus dem Mund, begann Damian De Vere zu lachen. »Die Polizei spielt hier nicht mit. Ihre Gesetze sind nicht unsere Bestimmungen. Sie wissen nicht einmal, dass es dieses gegeben hat.« Mit diesen Worten verließ er mein neues Gefängnis durch eine dunkle Holztür und ich bezweifelte, dass ich ihn alsbald wiedersehen würde.

Ich wusste nicht, wie lange ich an den Ketten hing. Es konnten Stunden, Tage oder gar Monate vergangen sein, ohne, dass ich es mitbekommen hätte. In meiner Zelle blieb es immer gleich hell, denn durch eine Lücke an der Decke drang stetiger Lichtschein, der mir keinerlei Anhaltspunkte gab. Anhand der Mahlzeiten, die mir immer hingestellt wurden, wenn ich schlief, konnte ich einen ungefähren Zeitraum ausmachen, doch schon bald war ich mir auch damit nicht mehr sicher. Mein einziger Anblick war der graue Stein, der, wenn ich ihn zu lange anstarrte, hin und wieder die Farbe änderte. Es waren nur leichte Schattierungen, sodass ich den Gedanken bekam, ich würde an Halluzinationen leiden.

Vermutlich blieb dieses Symptom nicht aus, wenn man immer nur das Gleiche zu Gesicht bekam oder jahrelang in einem weißen Zimmer gesessen hatte und als verrückt abgestempelt wurde. Ansonsten verbrachte ich meine Zeit damit, mich in Gedanken auszuschimpfen. Allerdings wurde meine Situation dadurch auch nicht besser und ich gab es irgendwann auf.

Daraufhin folgte der Versuch, meine Hände aus den dicken Ringen zu befreien, doch hierdurch verletzte ich meine Hände nur noch mehr und das Brennen wurde beinahe unerträglich. Trotzdem versuchte ich es immer wieder, bis das Blut über meine Haut lief und auf den kalten Boden tropfte, ähnlich wie meine Tränen.

Die Phase der Wut hatte ich längst hinter mir gelassen. Auch den Selbsthass. Zurückgeblieben waren nur Verzweiflung und Angst. Schon als Kind war ich mit einer Fantasie gesegnet, die nicht gut für mich war und mir immer Streiche spielte. So zeigten sich auch jetzt Dinge in meinem Kopf, die sich unmöglich ein Mensch ausdenken konnte. Sachen, die ich nicht laut auszusprechen vermochte.

Zeit verlor an Bedeutung und mein Magen empfand keinen Hunger mehr, in ihm war nur noch ein riesiges Loch, welches schmerzte. Natürlich rührte ich das Essen nicht an, obwohl es jedes Mal köstlich aussah. Ebenfalls nahm ich nichts von dem Wasser zu mir, das mir mit den Esssachen gebracht wurde. Beides könnte vergiftet sein. Ich war vielleicht so dumm gewesen und hatte mein weißes Zimmer verlassen, doch so bescheuert, etwas von meinen Entführern anzurühren, war ich dann doch nicht. Folglich fühlte ich mich schwächer und schwächer, doch auch das brachte mich nicht dazu, zu essen. Immer öfter dämmerte ich weg und irgendwann ließ ich die Augen einfach zu.

»Verdammte Scheiße!«, fluchte jemand, doch ich wollte meine Augen nicht öffnen. Viel lieber wollte ich in meiner persönlichen Dunkelheit bleiben. »Wieso bist du so ein stures Mädchen?«

Irgendjemand strich mir das Haar aus dem Gesicht. Die Berührung war federleicht und so zart, dass ich fast glaubte, sie mir einzubilden. Plötzlich drang kühle Nässe in meinen Mund und zwang mich zum Schlucken.

Ich würde nichts trinken! Mein Selbsterhaltungstrieb erwachte und ich spuckte die Flüssigkeit aus. Das Spucken erforderte so viel Kraft, die ich nicht mehr hatte. Meine Kraftreserven waren vollständig aufgebraucht und ich spürte die pechschwarze Finsternis näherkommen.

»Du wirst verdammt noch mal trinken!«, knurrte die Stimme und mein Kiefer wurde gepackt, gewaltsam geöffnet und die Flüssigkeit unbarmherzig in mich gekippt. Unter Würgen und Husten gelang es dem Wasser schließlich doch, meine Kehle hinunter zu rinnen. Dagegen war ich machtlos. Erleichtert atmete er aus. »So ist es gut«, lobte derjenige, der mich festhielt, und ich spürte wieder die zarte Berührung an meiner Wange. Der Griff um meinen Kiefer lockerte sich, bis er endgültig verschwand. »Nimm noch einen Schluck, du siehst furchtbar aus«, befahl die Stimme und ich gehorchte widerwillig.

Vielleicht lag es daran, dass ich wirklich beinahe verdurstet war oder daran, wie gut sich die Flüssigkeit in meinem Mund und meiner Kehle anfühlte. Mein Kampfgeist war...



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