E-Book, Deutsch, Band 1, 252 Seiten
Reihe: K28
Emver Nächtliche Vergeltung
2. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7578-4029-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 1, 252 Seiten
Reihe: K28
ISBN: 978-3-7578-4029-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Jenny Emver wurde 1992 in Norddeutschland geboren und ist auch heute noch dort zu Hause. Hauptberuflich arbeitet sie in einem Kindergarten und ist seit ihrer Jugend eine begeisterte Leserin. Das Schreiben zählt seit über zehn Jahren zu ihren Hobbys und inzwischen sind einige Geschichten entstanden. Schreibt Jenny Emver nicht, ist sie damit beschäftigt, sich neue Geschichten auszudenken, ist mit Freunden unterwegs oder liest ein gutes Buch.
Autoren/Hrsg.
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Johanna Richter verließ gut gelaunt das Gebäude des Jugendamts in Neukölln. Nachdem es lange nicht so aussah, als würde sie vermitteln können, erzielte sie in einem ihrer Fälle doch noch das erwünschte Ergebnis und die Parteien würden sich nun doch einigen.
Ein minderjähriges Paar erwartete in Kürze ein Baby. Eine Sache, die Johanna bereits öfter erlebte und wie in vielen Fällen, war es auch in diesem so, dass nicht die Teenager zerstritten zu ihr kamen und Hilfe suchten. Es waren die Eltern, die mit den Entschlüssen ihrer Sprösslinge zu hadern hatten. Sofia und Ben waren sich in allem einig, sie wollten ihr Baby bekommen und gemeinsam aufziehen. Im Sommer machte Ben seinen Abschluss und bemühte sich bereits um einen Ausbildungsplatz bei einer Bank, um für seine kleine Familie zu sorgen. Über Wochen begleitete Johanna die Familien und heute fanden sie eine Lösung, die für alle zufriedenstellend war.
Besser konnte dieser Tag nicht enden. Die ganze Woche verlief bisher äußerst positiv. Sie befreite sogar einen kleinen Jungen aus den Fängen seines brutalen Vaters. Manchmal fühlte sie sich wie eine Heldin, die die Welt ein Stück besser machte. Zumindest die Welt von einigen Kindern. Genau deshalb entschied sie sich nach dem Schulabschluss für diesen Werdegang.
»Hallo Johanna.« Sie drehte sich um, als sie die Stimme ihres Kollegen Michael vernahm.
Ein Lächeln huschte über ihre Lippen. »Hallo Michael.«
»Machst du schon Feierabend?«, fragte er und musterte sie gründlich durch seine Brille. Michael war bereits Anfang sechzig und würde nächsten Sommer in seinen wohlverdienten Ruhestand gehen. Mit seiner Frau zusammen wollte er in den Schwarzwald ziehen, wo sie kurz davor waren ein kleines Haus zu kaufen.
»Ja. Ich habe einen Fall abgeschlossen und läute den Feierabend mit dem herrlichen Herbstwetter früher ein.«
»Das solltest du wirklich tun. Es gibt genügend Tage, an denen du nicht vor Mitternacht nach Hause kommst.« Während er sprach, bemerkte Johanna deutlich, wie Michael von dieser Arbeit geprägt wurde. Dennoch bewunderte sie diesen Mann. Wenn sie Vorbilder in diesem Job benennen musste, wäre einer von ihnen Michael.
»Das tue ich. Ich lasse es mir gleich mit einem Buch und einem guten Kaffee auf meiner Terrasse gutgehen.«
Michael wünschte ihr einen schönen Nachmittag und ging die kurze Treppe hinauf, die in das Gebäude führte. Während Johanna auf ihren kleinen Wagen zuging, bildete sich in ihrem Magen ein seltsames Gefühl. Über ihren Rücken rieselten kalte Schauer und sie glaubte, beobachtet zu werden. Unauffällig drehte sie sich um und schaute hinter sich auf den Gehweg. Dieser war mit Menschen überfüllt, die ihr keine Aufmerksamkeit schenkten. Sie erblickte niemanden, der sie gezielt anstarrte.
schimpfte ihre innere Stimme und sie versuchte, auf diese zu hören. Doch das schlechte Gefühl blieb, selbst als sie in ihrem kleinen blauen VW saß und aus Gewohnheit die Zentralverriegelung betätigte, konnte sie das Gefühl nicht abschütteln.
Während der Fahrt schaute sie immer wieder in ihren Rückspiegel, in der Annahme dort müsse sie ein verdächtiges Auto erblicken. Natürlich tat sie das nicht. Jedes Mal fuhr ein anderes Fahrzeug hinter ihr, und wenn ihr doch mal eines eine längere Zeit folgte, bog es schließlich ab oder wechselte die Spur.
, flüsterte ihre innere Stimme wieder und sie atmete tief durch.
Knapp fünfundzwanzig Minuten später bog sie in die Raabestraße im Prenzlauer Berg ein, in der ihre hübsche Wohnung im Erdgeschoss lag. Sie teilte sich die Etage mit Elisabeth Specht, einer alten Dame. Der Mietpreis war enorm, aber Johanna verliebte sich auf Anhieb in den Schnitt und zahlte ihn deshalb gerne. Zur Wohnung gehörten ein paar Parkplätze an der Straße. Glücklicherweise hatten einige ihrer Nachbarn keine Autos und sie fand meistens direkt einen Platz vor der Haustür.
Zu den Anwohnern, die keinen Wagen besaßen, zählte auch Elisabeth Specht. Sie war mit ihren siebenundachtzig Jahren zwar noch flott zu Fuß, wollte aber kein Auto mehr fahren. Hin und wieder tat Johanna ihr einen Gefallen und fuhr mit ihr zum Supermarkt, wofür ihr Elisabeth sehr dankbar war. Insgeheim betrachtete sie die Frau als eine Art Großmutter, die sie selbst nicht mehr hatte. Manchmal trafen sich die beiden auch zu Kaffee und Kuchen und unterhielten sich stundenlang. Irgendwann hatte sich Johanna ihr anvertraut und von ihrer Vergangenheit berichtet, die sie sonst für sich behielt. Ansonsten wussten nur ihre Familie, ihre Arbeitskollegin und ihre engste Freundin Bescheid.
Johanna stellte den Motor aus und öffnete die Tür, um auszusteigen. Sobald sie die Autotür zuschlug, konnte sie wieder Blicke auf sich spüren und sah sich ruhelos um. Seit wann war sie so paranoid? So kannte sie sich nicht. Trotz der Dinge in ihrer Vergangenheit hatte sie sich nie etwas . Schnell eilte sie zur Haustür, zog schon im Gehen den Schlüssel aus der Tasche ihres blauen Trenchcoat und steckte ihn schließlich ins Schloss. Eilig drückte sie die Tür hinter sich zu und spurtete zu ihrer Wohnungstür. Kaum hatte sie auch diese aufgeschlossen, huschte sie hinein und ließ die Tür ins Schloss und ihre Handtasche zu Boden fallen. Plötzlich kam ihr ein logischer Gedanke, der ihre abrupte Paranoia erklären würde.
War sie vielleicht überarbeitet?
Genau, das musste es sein! Schon seit Monaten nahm sie sich vor, Urlaub einzureichen, doch immer wieder waren Fälle dazwischengekommen. Johanna mochte kein frei nehmen, in dem Wissen, dass ein Kind ihre Hilfe benötigte. Aber wenn ihr Bewusstsein diese Signale sendete, sollte sie eventuell doch einmal ihre Bedürfnisse an erster Stelle setzen und sich den wohlverdienten Urlaub nehmen.
Wegfahren, abschalten und zur Ruhe kommen. Der Gedanke klang mehr als verlockend.
Gleich morgen würde sie in ihrem Terminkalender nachsehen und dann ein paar freie Tage festlegen. Sobald sie diesen Entschluss gefasst hatte, merkte sie, wie ihre Schultern leichter wurden, und sie anfing, sich zu entspannen. Der Knoten in ihrem Magen löste sich und sie konnte freier atmen.
Wie sie es gegenüber Michael erwähnte, kochte sich Johanna einen Kaffee, schnappte sich ihre aktuelle Lektüre und setzte sich in einer Decke gehüllt auf ihre Terrasse. Draußen herrschte ein wundervoller Oktobertag und mit knapp fünfzehn Grad in der Sonne war er auch recht warm. Dort verbrachte sie die nächsten Stunden und kehrte erst wieder ins Innere ihrer Wohnung zurück, als der Roman keine neuen Seiten mehr hergab. Ihr gelang es, die merkwürdigen Gedanken vom Nachmittag vollständig auszublenden. Am Abend gönnte sie sich ein Glas Wein in der Badewanne und ließ damit den Tag ausklingen.
Perfekter hätte dieser Tag nicht enden können.
Johanna schreckte aus dem Schlaf und vernahm das Geräusch von brechendem Glas. Das Bersten hallte ihr bis ins Mark wider. Sofort begann ihr Herz zu rasen und ihr liefen kalte Schauer über den Rücken. Mit aufgerissenen Augen registrierte sie, dass es halb drei in der Nacht war. Angestrengt lauschte sie nach weiteren Bewegungen in ihrer Wohnung. Aber sie hörte neben ihrem donnernden Herzschlag und ihren harschen Atemzügen nur den Wind, der draußen toste.
Starr saß sie in ihrem Bett und versuchte im halbdunklen Zimmer etwas anderes, als ihre Möbel auszumachen. Es war eine klare Nacht, sodass das Mondlicht ihre Wohnung ein bisschen erhellte. Die Schatten der Büsche vor ihrem Fenster tanzten an der gegenüberliegenden Wand. Nachdem einige Momente verstrichen waren, ohne das irgendetwas geschah, wollte sie aus dem Bett steigen und nachsehen, was sie aus dem Schlaf riss.
Plötzlich betrat eine in komplett schwarz gekleidete Gestalt das Zimmer und Johanna zuckte erschrocken zurück. Angstschweiß bildete sich in ihrem Nacken und ihr Mund öffnete sich zu einem stummen Schrei. Ihr Gehirn setzte vor Furcht aus. Sie presste sich an das Kopfgestell ihres Bettes und versuchte, sich unsichtbar zu machen. Die Person trat einen weiteren Schritt in das Zimmer und sah sie dabei direkt an.
Johanna spürte den Blick mehr, als das sie ihn wirklich sah. Immerhin befand sich die Gestalt im Schatten und sie konnte weder Gesicht noch Mimik erkennen, obwohl er bloß eine schwarze Mütze trug. Der Ausdruck, mit dem die Person sie musterte, ließ ihr Herz so sehr rasen, dass es schmerzte, und der Schweiß ließ ihre Klamotten an der Haut kleben. Zudem zitterte ihr Körper so stark, dass ihre Zähne aufeinander schlugen. Es musste ihr Instinkt sein, der ihr sagte, dass der Blick der Person hasserfüllt war. Anders konnte sie sich das Detail nicht erklären, welches in ihrem Geist herumspukte.
Egal, was die Gestalt wollte, sie würde nicht kampflos aufgeben. Entschlossen reckte sie das Kinn und ihr Hirn nahm seinen Dienst wieder auf. Ruckartig schnellte ihre Hand zur...




