Emver | pretty secret | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 330 Seiten

Emver pretty secret

verrätst du sie, wirst du büßen
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7578-4342-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

verrätst du sie, wirst du büßen

E-Book, Deutsch, 330 Seiten

ISBN: 978-3-7578-4342-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Mein Name ist Jil Evans. Ich bin im letzten Jahr der Highschool und meine größten Probleme sollten die Collegeauswahl und Jungs sein. Stattdessen bin ich einem Rätsel auf der Spur, welches meine Schwester betrifft. Es wird behauptet, sie sei weggelaufen. Aber ich weiß es besser. Ich bin mir sicher, dass etwas passiert ist. Manche sagen, ich hätte etwas mit ihrem Verschwinden zu tun. Andere vermuten, dass ihr Exfreund Travis dahintersteckt. Gemeinsam stoßen wir auf Lakes Geheimnis, welches wunderschön ist und zugleich dramatische Folgen hat ...

Jenny Emver wurde 1992 in Norddeutschland geboren und ist auch heute noch dort zu Hause. Hauptberuflich arbeitet sie in einem Kindergarten und ist seit ihrer Jugend eine begeisterte Leserin. Das Schreiben zählt seit über zehn Jahren zu ihren Hobbys und inzwischen sind einige Geschichten entstanden. Schreibt Jenny Emver nicht, ist sie damit beschäftigt, sich neue Geschichten auszudenken, ist mit Freunden unterwegs oder liest ein gutes Buch.
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»Lake Evans! Das kann doch nicht dein verdammter Ernst sein«, schimpfte Mum und sah meine Schwester wütend an.

Ich verkniff mir ein breites Grinsen, denn ich hätte zehn Dollar darauf verwettet, dass Mum genau das sagen würde.

Lake warf mir einen vernichtenden Blick zu, ehe sie wieder unsere Mutter ansah. »Was denn, Mum? Der Rock ist hübsch und er lässt meine Beine irre lang wirken.«

Mum gab ein schnaubendes Geräusch von sich und besah sie mit einem schockierten Blick. »Rock? Meine Liebe, das ist alles andere als ein Rock. Du gehst jetzt auf der Stelle nach oben und ziehst dir etwas an, bei dem man dir nicht bis zu den Mandeln sehen kann.«

Amüsiert beobachtete ich, wie Lake den Rückzug antrat und mit jedem Schritt nach oben ihren Unmut kundtat, indem sie extra laut auf die einzelnen Treppenstufen stampfte. Es kam mindestens zweimal die Woche vor, dass Mum und Lake diese Art von Diskussion vor der Schule führten. Während Dad sich gekonnt aus der Affäre zog, blieb es an Mum, dafür zu sorgen, dass Lake aussah. Dabei schien Mum eine eigene Definition dieses Worts zu besitzen, denn alles was über den Kniekehlen endete, war für sie schon zu kurz. Was das anging, lebte sie tatsächlich noch hinter dem Mond.

Nicht, dass ich mich beschweren würde.

Ich hatte nichts für Röcke und anderen Mädchenkram übrig. Ich gehörte nicht zu den It-Girls der Highschool. Für die meisten war ich unsichtbar und damit war ich zufrieden. Meine Mitschüler waren nicht gemein, dafür hätten sie mich beachten müssen. Sie waren mir gegenüber einfach … gleichgültig. Vielleicht konnten sie auch einfach nichts mit mir anfangen, genauso, wie es mir mit ihnen ging.

Während meine Schwester von Beginn an im Club der It-Leute mitmischte, hatte ich erst vor etwa einem Jahr herausgefunden, wofür Kajalstift und Wimperntusche zu gebrauchen waren. Seitdem benutzte ich beides regelmäßig, nicht um andere zu beeindrucken, sondern weil ich es mochte, wie sehr meine smaragdgrünen Augen dadurch betont wurden.

Derweil meine Mitschülerinnen ihre Freizeit in Shoppingzentren und Nagelstudios verbrachten, war ich lieber mit meinem Skateboard und meiner besten Freundin unterwegs. Ich brauchte nicht ein Dutzend Freundinnen, mit denen ich ständig in Kontakt stand. Lieber hatte ich diese eine Freundin, auf die ich mich jederzeit zu zweihundert Prozent verlassen konnte.

Wahrscheinlich konnten sie auch deshalb nichts mit mir anfangen, weil ich nicht ihren Klamottenstil teilte. Während sie sich immerzu die neusten Shoppingtrends berichteten und sie sofort am nächsten Tag umsetzten, war ich eher der Typ, der trug, was ihm im Kleiderschrank entgegen fiel. Wenn ich Lust auf meinen Lieblingspulli hatte, zog ich ihn an. Dazu eine ausgewaschene Jeans und meine heißgeliebten Converse und mein Outfit war perfekt. Mir war es egal, wie meine Haare lagen, Hauptsache, sie behinderten mich nicht beim Skaten.

Tja. So war ich halt.

Ich wusste von Anfang an, was ich wollte. Mum und Dad hatten Lake und mich immer dazu ermutigt, zu dem zu stehen, wer wir waren, was wir fühlten und sagten. Sie standen hinter uns, wenn wir Entscheidungen treffen mussten, und bestärkten uns darin, stets auf unser Bauchgefühl zu vertrauen.

»Bist du bereit für die Matheklausur?«, wendete sich Mum mit einem sanften Tonfall an mich. Es gelang ihr immer, innerhalb von Augenblicken, ihre Tonlagen zu ändern.

»Natürlich nicht. Ich hasse Mathe. Ich werde einfach nie verstehen, warum ich irgendwelche Formeln benötige, um mein Leben zu bewältigen.«

Mum lachte.

»Im Ernst, Mum. Mathe ist eine Bitch und Physik ist ihre beste Freundin.«

»Und was ist dann Chemie?«

»Der böse kleine Bruder?«, fragte ich und runzelte die Stirn.

Aufmunternd sah sie mich an. »Noch knapp zehn Monate, Schatz, dann hast du es geschafft.«

Seufzend kaute ich auf einem Bissen Bagel herum. Ich konnte es kaum erwarten.

Ich klemmte mir mein Skateboard unter den Arm und trat durch die offene Flügeltür ins Schulgebäude. Überall standen meine Mitschüler herum, quatschten, lästerten oder schrieben eilig voneinander die Hausaufgaben ab. Von einer Mädchengruppe schnappte ich auf, dass am Wochenende ein Konzert in New York gab. Sie freuten sich tierisch, weil es einer ihrer Väter geschafft hatte, an Karten zu kommen, obwohl es schon nach zehn Minuten ausverkauft war.

Kopfschüttelnd ging ich an ihnen vorbei.

New York lag knapp zwei Autostunden von hier entfernt. Und obwohl das so war, war ich noch nie dort auf einem ausverkauften Konzert gewesen. Vielleicht lag es daran, dass mir Menschenmassen zuwider waren und ich schnell Panikattacken in ihnen bekam. Ich bevorzugte kleine Gigs von Künstlern, die keine Weltstars waren. Keine Ahnung, wieso das so war, aber ich mochte die großen Stars nicht. Mich störte es, dass, wann immer ich das Radio anschaltete, die gleichen Songs liefen. Deshalb waren in meinen Spotifyplaylists nur Künstler vertreten, die relativ unbekannt waren.

Endlich erreichte ich meinen Spind, der in der Reihe ziemlich am Ende lag und gab schnell die Zahlenkombination ein, um ihn zu öffnen. Dann stellte ich mein Board hinein und nahm mir die Bücher heraus, die ich heute benötigte. Als Erstes würde ich den beschissenen Mathetest hinter mich bringen. Meine Gedanken an das Grauen wurden jäh unterbrochen, als jemand neben mir abrupt zum Stehen kam.

»Hallöchen Sunshine!«

Natürlich musste ich mich nicht umdrehen, um zu wissen, wer neben mir gestoppt hatte. Auch so wusste ich, dass es meine beste Freundin Jenna war.

»Morgen«, erwiderte ich und setzte mich in Bewegung, wissend, dass mir Jenna folgen würde.

»Keine gute Lau ...«, sie unterbrach sich selbst. »Oh! Der Mathetest.«

»Jep, du bekommst hundert Punkte.«

»Aber wieso? Wir haben doch so viel zusammen gelernt!«

Als Antwort gab ich ein undefinierbares Gemurmel von mir. Wir blieben vor ihrem Spind stehen und ich wartete, bis sie ihre Bücher ebenfalls herausgeholt hatte. Ich lehnte mich gegen die Spinde und beobachtete die anderen Schüler, die noch immer in Grüppchen zusammenstanden. Bisher hatte sich die Atmosphäre auf dem Flur nicht verändert, doch das würde sie in exakt sieben Minuten, wenn es zur ersten Stunde klingelte.

Mein Blick fiel auf Lake, die jetzt eine enge Jeanshose trug, und ihre beiden besten Freundinnen, Tara und Grace. Tara und Lake waren bereits seit dem Sandkasten befreundet und Grace war zu Beginn zur Junior High in die Stadt gezogen. Seitdem waren die drei unzertrennlich. Lake lehnte ebenfalls an den Spinden und schenkte ihre Aufmerksamkeit Tara, die gerade irgendetwas erzählte. Ein Lächeln zierte die Lippen meiner Schwester. Das Gesicht von Grace konnte ich nicht sehen, wusste aber, dass auch sie lächelte. Alle drei waren von ihren Wesen so unterschiedlich, dass ihre enge Freundschaft einem Wunder glich, doch irgendwie funktionierte es zwischen ihnen. Die Mädels liebten sich so abgöttisch, dass es beinahe seltsam war.

Doch davon hatte ich wohl einfach keine Ahnung. Ich meine, ich hatte Jenna lieb und erzählte ihr im Grunde alles, aber wir kamen auch gut ohne einander aus. Okay, wir standen regelmäßig über in Kontakt, weil wir beide keine Freunde vom Telefonieren waren. Mum und Dad waren dankbar dafür, nur eine telefoniersüchtige Tochter zu haben.

Lakes Aufmerksamkeit änderte sich und sie sah an Tara vorbei. Ich folgte ihrem Blick und sah Travis den Gang entlang schlendern. In einer Hand hielt er seine Bücher, die andere hatte er lässig in die vordere Hosentasche geschoben. Sein schwarzer Rucksack hing ihm an einem Riemen über der Schulter. Er hörte seinem besten Freund Asher zu, der auf ihn einredete. Als seine Augen auf Lake trafen, veränderte sich sein Gesichtsausdruck. Die Falten auf seiner Stirn glätteten sich, ein Funkeln trat in seine indigofarbenen Augen und auf seine Lippen stahl sich dieses kleine halbe Lächeln, wofür einfach jedes Mädchen sterben würde.

Mich eingeschlossen.

Neben mir quatschte Jenna noch immer, doch ich tat gar nicht mehr so, als würde ich ihr zuhören. Meine gesamte Aufmerksamkeit lag auf Travis, der Asher mit einem kurzen Wort stehenließ und auf Lake zuging. Sie schenkte ihm ein verhaltenes Lächeln und warf Tara einen eindringlichen Blick zu. Travis beugte sich vor und gab ihr einen Kuss auf die Wange, wobei dieser ziemlich sicher auf ihrem Mund landen sollte. Doch Lake hatte den Kopf weggedreht und sagte etwas zu ihm.

Ich konnte nicht verstehen, was sie von sich gab.

Wieso hatte sie sich nicht von Travis küssen lassen? Die beiden waren seit zehn Monaten ein Paar. Lake hatte weder gestern Abend noch heute Morgen irgendetwas davon erwähnt, dass etwas zwischen ihnen vorgefallen war. Wir erzählten uns immer alles. Wir standen uns näher als zwei Schwestern, die zufällig auch noch das gleiche Alter teilten und dabei keine Zwillinge...



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