E-Book, Deutsch, Band 2, 412 Seiten
Reihe: Hendrix-Brüder
Emver Unheilvolle Wahrheit
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7578-2736-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Hendrix-Brüder
E-Book, Deutsch, Band 2, 412 Seiten
Reihe: Hendrix-Brüder
ISBN: 978-3-7578-2736-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ich wurde im September 1992 in Norddeutschland geboren und bin auch heute noch dort zu Hause. Hauptberuflich arbeite ich in einem Kindergarten und bin schon seit Jahren eine begeisterte Leserin. Das Schreiben gilt seit 13 Jahren zu meinen Hobbys, welchem ich aber erst seit 2016 wirklich regelmäßig nachgehe und mich auch zu veröffentlichen traue. Die Idee zu den Hendrix-Brüdern kam mir, als ich mit einer Freundin durch den Joshua Tree Nationalpark in Kalifornien fuhr. Ich hoffe, dass sich die Leser*innen genauso in den Ort verlieben, wie ich es getan habe.
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1
»Reese!«
Er ignorierte die Person, die seinen Namen rief und schwang erneut das Beil, um das Holz vor sich zu zerteilen. In der vergangenen Woche hatte ein Sturm gewütet und einen Baum auf der Ranch entwurzelt. Normalerweise ließen sie die Bäume liegen, doch dieser hatte die Zufahrtsstraße zum Haupthaus blockiert und so hatten sein Vater und er diesen mit dem Kettenschlepper beiseitegezogen. Zufrieden bemerkte er das Geräusch, welches das Holz von sich gab, als sich das Beil seinen Weg hindurch bahnte.
»Reese!« Dieses Mal erklang der Besitzer der Stimme schon näher. Dennoch beachtete er ihn nicht. Wieder hob er das Beil über den Kopf, so weit, bis seine Schulter einen protestierenden Schmerz von sich gab. Davon ließ sich Reese jedoch nicht beirren, er triezte sein Gelenk bei jeder Gelegenheit. Abermals sauste das Beil hinab und der Holzblock vor ihm sprang auseinander. Grimmig hob er die beiden Holzscheitel auf und warf sie in die Schubkarre.
»Verdammt noch mal, hast du mich nicht gehört?«, blaffte Riley und riss ihm das Beil aus der Hand, als er gerade dazu ansetzte, ein neues Holz zu entzweien. Stumm sah Reese seinen Bruder an. Sie trennten knapp zehn Zentimeter und obwohl Riley sein älterer Bruder war, war er trotzdem kleiner. »Was ist nur los mit dir?«
»Nichts, es geht mir gut«, erwiderte Reese und wollte sich das Beil zurückholen, doch Riley machte schnell einen Schritt zurück.
»Ich glaube dir nicht. Mum glaubt dir nicht. Sie ist deinetwegen komplett aus dem Häuschen. Tu ihr das nicht weiter an. Und dir auch nicht«, bat Riley und musterte ihn eindringlich.
»Sag ihr, sie braucht sich keine Sorgen um mich zu machen. Ich komme schon klar«, murrte Reese und schob die Schubkarre über den unebenen Boden zu einem Unterstand am hinteren Teil seines Hauses, in dem er immer ein wenig Feuerholz lagerte.
Riley folgte ihm. »Sag es ihr selber. Sie wird bald hier aufschlagen und dich an deinen Ohren zum Familienessen zerren. Selbst wenn du bereits einunddreißig Jahre alt bist. Und du weißt, sie macht das.«
Reese seufzte. Das blöde Familienessen hatte er vergessen. »Sag ihr, ich werde da sein.«
»Auch geduscht?«, fragte Riley mit hochgezogenen Augenbrauen und verschränkte die Arme vor der Brust.
»Leck mich!«, knurrte er und stapelte die Holzscheite auf die anderen, die er bereits zurechtgestutzt hatte.
»Da ist ja der alte Reese«, bemerkte Riley leise und Reese spürte den besorgten Blick seines Bruders auf sich ruhen. »Hey Mann, wir wissen nicht, was du durchgemacht hast. Aber seit dem Tag vor fünfzehn Monaten, als du von hier aufgebrochen bist, erkennen wir dich nicht mehr wieder ...«
Unwillkürlich schloss Reese die Augen und versuchte, die aufkeimenden Erinnerungen zu verdrängen, so wie er es bereits seit Monaten gekonnt tat. Inzwischen war er Meister darin. Nur nachts, wenn sich seine Barrieren eine Pause gönnten, kamen die ungebetenen Flashbacks zurück und ließen ihn jedes Mal schweißgebadet aufwachen. Auch noch nach über einem Jahr waren die Schuldgefühle da und würden ihn vermutlich niemals zur Ruhe kommen lassen. Sie gehörten zu ihm wie seine kaputte Schulter. Selbst wenn sie nicht der Grund für seine vereitelte Rückkehr gewesen war, war er sich nicht sicher, ob er es hätte tun können.
»Ich bin für dich da. Das weißt du oder? Egal wann. Immer«, sagte Riley und Reese öffnete die Augen. Langsam drehte er sich zu ihm um. Dass Riley ihm das sagte, war nicht das erste Mal. Ihre Beziehung war immer von Leichtigkeit gezeichnet gewesen und Reese liebte kaum etwas mehr, als seinen älteren Bruder zur Weißglut zu treiben. Aber auch das zählte zur Vergangenheit.
»Danke. Aber mir geht es gut. Sag Mum, ich bin heute Abend da.«
Mit nachdenklicher Miene nickte Riley schließlich und ließ ihn allein zurück. So wie er es mochte. Allein zu sein war der einzige Zustand, den er im Moment noch ertrug.
»Reese«, rief Paloma Hendrix, als er geduscht und rasiert durch die Tür ins Esszimmer des Haupthauses der Hendrix-Ranch trat.
Seine gesamte Familie war schon da, bis auf Ramon, der im Einsatz war. Bei dem Gedanken presste sich sein Magen zusammen und er verdrängte das erdrückende Gefühl.
Er bemühte sich, allen ein Lächeln zu schenken, und ließ sich auf einem Stuhl nieder. Ihm gegenüber saß Hayden, die Lebensgefährtin von Riley, die ihm einen mitfühlenden Blick zuwarf, den er ignorierte.
Nick Hendrix, sein Vater, räusperte sich. »Jetzt wo wir alle da sind, können wir ja anfangen.«
Das Essen verlief schweigend. Reese kaute auf seinem Stück Steak herum, ohne es zu schmecken, und hielt seinen Blick gesenkt. Auch ohne hinzusehen wusste er, dass seine Familie ihn musterte und dass die Stimmung seinetwegen so bedrückt war. Normalerweise war das Esszimmer immer von Gesprächen und Gelächter erfüllt.
Doch seitdem er schwer verletzt nach Hause zurückkehrt war, war alles anders. Nicht nur er hatte sich grundlegend verändert, seine Familie hatte es zwangsläufig auch getan. Und das war eine Tatsache, die ihn noch mehr schmerzte, als die Ereignisse in der feindlichen Ruine.
Als er einen Schluck von seinem Bier nahm, begegnete er den hellgrünen Augen von Hayden. Nachdenklich musterte sie ihn. Auch wenn er sie wie eine Schwester liebte, konnte er ihren Blick nicht lange standhalten. Sie machte seinen Bruder glücklich und die beiden waren so vernarrt ineinander, dass es beinahe abstoßend war. Einmal mehr war er froh, nicht in den Club der verliebten Idioten zu gehören. Er war stolz darauf, ein Junggeselle zu sein. Und das würde sich vermutlich auch niemals ändern.
»Wann werdet ihr morgen aufbrechen?«, fragte Paloma an Riley und Hayden gewandt und durchbrach so die deprimierende Stimmung.
Riley griff nach der Bierflasche vor sich auf dem Tisch. »Wir werden nach dem Frühstück losfahren.«
Reese horchte auf und überlegte, wovon seine Mutter und Riley sprachen. Dann fiel es ihm wieder ein. Hayden und Riley wollten in den Urlaub fahren. Die beiden hatten keinen leichten Start in ihrer Beziehung und wurden von Haydens Exmann angegriffen und schwer verletzt. Bei seinem Bruder sah es einige Zeit nicht so aus, als würde er die Ereignisse überleben, doch dem war glücklicherweise nicht so. Es gehörte eben einiges dazu, einen Hendrix umzubringen. Bei seinen Gedanken zuckte er minimal zusammen. Er war vielleicht am Leben, doch er fühlte sich wie tot.
Betont langsam legte er sein Besteck auf den Teller. »Riley, Hayden, ich wünsche euch einen tollen Urlaub. Ich werde mich jetzt verabschieden.« Mit diesen Worten erhob er sich und verließ beinahe fluchtartig den Raum. Paloma rief ihm etwas hinterher, doch er war bereits zur Haustür hinaus.
Der dunkle Pick-up, den er anstrebte, stand ein Stück vom Haus entfernt. In Windeseile hatte er ihn erreicht, war hinein gesprungen und hatte den Motor gestartet. Beim Anfahren gab er so viel Gas, dass der Splitt unter den Reifen in sämtliche Richtungen flog.
Bis vor vierzehn Monaten war seine Familie alles für ihn gewesen. Jetzt ertrug er ihre Gegenwart nicht mehr. Für diesen Gedanken schämte er sich. Aber er konnte nicht anders. Jedes Mal, wenn er sich bei ihnen aufhielt, konnte er spüren, wie besorgt sie um ihn waren. Wie sehr ihn ihre Sorge niederdrückte, weil er ihnen nichts vormachen konnte. Dafür reichte seine mentale Kraft nicht aus.
Zwei Stunden später betrat er seine Lieblingskneipe in , Los Angeles und ließ sich auf einem der Barhocker nieder. Die Barkeeperin Alaina sah ihn hinter dem Tresen an und stellte ihm wortlos ein Bier vor die Nase.
»Ich brauche etwas Härteres«, sagte er und trank das Bier bis zur Hälfte aus.
Alaina nickte. »Scheißtag?«
Reese stellte die Bierflasche vor sich ab. »Kann man so sagen.«
Mitfühlend sah Alaina ihn an, doch er ignorierte es. Obwohl er sie bereits seit einigen Jahren kannte, bereitete ihm ihr empathischer Blick kein beklemmendes Gefühl.
»Hier, der geht aufs Haus«, meinte Alaina und stellte ihm einen Scotch vor die Nase.
»Danke.« Mit einem Zug kippte er den Drink herunter und bedeutete ihr stumm, nachzuschenken. Seufzend kam sie seinem Wunsch nach.
Die Kneipe war bis auf wenige Ausnahmen leer, was ihm nur recht war. Leise wurde Musik im Hintergrund gespielt und die schummrige Atmosphäre passte zu seiner Stimmung. Erst in ein paar Stunden würde die Bar brechend voll werden.
»Wie wäre es, wenn du über deinen Scheißtag redest?«, fragte Alaina und stützte sich mit beiden Händen auf die Thekenplatte auf. »Ansonsten muss ich dir vielleicht die Servietten in Rechnung stellen.« Der Sarkasmus in ihrer Stimme war kaum zu überhören, dennoch sah Reese sie irritiert an.
»Oh, sorry.« Reese ließ die...




