Engel | Love is Bold - Du gibst mir Mut | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 416 Seiten

Reihe: Love-is-Reihe

Engel Love is Bold - Du gibst mir Mut

Roman
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-492-99690-7
Verlag: Piper ebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, Band 2, 416 Seiten

Reihe: Love-is-Reihe

ISBN: 978-3-492-99690-7
Verlag: Piper ebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die Anziehung zwischen ihnen ist unverkennbar - doch er ist für sie tabu. Seit Ewigkeiten ist Bonnie in ihren Bandkollegen Jasper verliebt, und auch er fühlt sich zu ihr hingezogen. Doch Bonnie war mit Jaspers verstorbener Frau befreundet. Aus Angst, ihre tote Freundin zu verraten, verpasst Bonnie fast die Chance auf ihre große Liebe. Eine bunte, ungewöhnliche Stadt, eine junge Band und die große Liebe: Der zweite Band der neuen Reihe der Spiegel-Bestsellerautorin Kathinka Engel, in der sie uns ins bunte und lebensfrohe New Orleans entführt - und mitten hinein in das turbulente Leben einer Band. Zwischen berauschenden Auftritten und dem harten Alltag als Berufsmusiker suchen sie alle nach ihrem persönlichen Happy End. Als leidenschaftliche Leserin studierte Kathinka Engel allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaft, arbeitete für eine Literaturagentur, ein Magazin sowie als Übersetzerin und Lektorin. Mit ihrem Debüt »Finde mich. Jetzt« schaffte Kathinka Engel es aus dem Stand auf die Bestsellerliste. Wenn sie nicht gerade schreibt oder liest, trifft man sie im Fußballstadion oder als Backpackerin auf der Suche nach dem nächsten Abenteuer.

Kathinka Engel kennt die Buchwelt aus verschiedensten Perspektiven: Als leidenschaftliche Leserin studierte sie allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaft, arbeitete für eine Literaturagentur, ein Literaturmagazin und als Redakteurin, Übersetzerin und Lektorin für verschiedene Verlage. Wenn sie nicht gerade schreibt oder liest, trifft man sie in Craft-Beer-Kneipen, im Fußballstadion oder als Backpackerin auf der Suche nach dem nächsten Abenteuer. Mit ihrem Debüt »Finde mich. Jetzt« schaffte Kathinka Engel es aus dem Stand auf die SPIEGEL-Bestsellerliste. Bei Instagram teilt sie unter @kathinka.engel ihre Begeisterung für Bücher.
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3 – Bonnie


Heute

»All my life I wanted nothing more than just to be … me and you«, singt Link mit heiserer, intensiver Stimme ins Mikrofon.

Ich sehe ihn lediglich von hinten, kann sein Mienenspiel nicht mitverfolgen, aber ich weiß ganz genau, dass er, während er einzig für seine Freundin Franzi singt, für jede Frau in unserem imaginierten Publikum die personifizierte Verheißung darstellt. Wäre das heute nicht einfach nur eine Bandprobe in der Tremé-Musikschule.

Hier jammen wir, sooft wir können. Hier sind wir eine Einheit aus Sound, Freundschaft, gemeinsamer Geschichte.

Meine Bass-Line ist anspruchsvoll, aber ich beherrsche sie im Schlaf. Meine Finger sind schnell, der Druck am Griffbrett kräftig. Das schnarrende Zupfen der Saiten, die Vibration des Instruments verleihen der Musik mehr Tiefe, Breite. Die Anwesenheit meines Klangs fällt den meisten unserer Zuhörer nicht auf. Erst durch seine Abwesenheit gewinnt der Kontrabass an Bedeutung. Das ist eine Facette meines Instruments, die ich bewundere. Die Bescheidenheit in Kombination mit Gewicht.

Schräg hinter mir kreist Curtis’ Besen über sein Becken und seine Drums. Er ist der König des Minimalismus, wenn es darauf ankommt. Er weiß in jedem Moment genau, welche Art von rhythmischer Intensität ein Song braucht. Und dieser, der ironischerweise von einer Liebe handelt, die schon immer war, braucht Sanftheit und Vorsicht.

Während meine Finger über die Saiten meines Instruments klettern, schweifen meine Gedanken ab. Hinter Link an der Wand steht das Klavier, an dem Jasper sitzt. Und mein Blick fällt wie automatisch auf seinen Hinterkopf. Der definierte Haaransatz an seinem Nacken. Die dunklen kurzen Haare, die sich locken würden, wären sie nur ein paar Millimeter länger. Seine eleganten Ohren, die sich beinahe perfekt an die Seite seines Kopfs schmiegen. Sie sehen so weich aus, und ich stelle mir vor, wie es sich anfühlen würde, mit dem Finger ganz leicht über ihre Rundung zu fahren bis zum Ohrläppchen hinunter – und dann weiter, die Halsbeuge hinab.

»Leute, das war großartig«, sagt Link, als der Song verklungen ist, und reißt mich damit aus meinen Gedanken. Aus meinen verbotenen Gedanken.

Er dreht sich zu uns um, fordert Curtis auf, den nächsten Song einzuzählen.

»NOLA my love?«, fragt er, und Curtis nickt.

Kurz treffen sich unsere Blicke, und ich fühle mich seltsam ertappt. Meine Wangen werden heiß, obwohl Link natürlich nicht wissen kann, womit mein bescheuertes Gehirn beschäftigt war. Doch er ist der Einzige, der von meinem Problem weiß. Und wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum ich in ihm einen moralischen Kompass vermute – selbst wenn das paranoid ist. Link würde mich nie verurteilen. Nicht für meine Gefühle und auch sonst für nichts. Im Gegenteil: Er ist für mich da, wenn ich mal wieder nicht weiß, wohin mit all dem nervtötenden Kummer. Meistens habe ich ihn im Griff, aber es gibt Momente, da bahnt er sich einen Weg an die Oberfläche und überlagert alles. Die guten Vorsätze, die Standhaftigkeit, die Akzeptanz meiner Situation. Da möchte ich mich einfach zusammenrollen und zerfließen vor Gefühl und Hoffnungslosigkeit. Denn es gibt nichts, was ich gegen mein Problem tun könnte. Es ist nicht so, als hätte ich es nicht versucht. Doch mein Gehirn schüttet weiter Hormone aus, die dazu führen, dass ich verliebt bin. Unsterblich verliebt. Schon immer. Ich habe es gegoogelt. Es ist nichts anderes als eine Ausschüttung von Botenstoffen. Das sage ich mir wieder und wieder.

Auch in diesem Augenblick, als ich mit einer schnellen Melodie in unseren nächsten Song einsetze und die mächtige Vibration des Kontrabasses an meinem Körper spüre, zähle ich die kleinen Teufel in meinem Kopf auf: Dopamin, Oxytocin, Adrenalin. Nichts weiter. Doch wenn es nichts weiter ist, warum ist dann diese schmerzende Sehnsucht, die sich in mir eingenistet hat, so real? Warum fühlt es sich an, als zerrte man an meiner Seele?

Mein Herzschlag beschleunigt sich parallel zum Rhythmus, den Curtis vorgibt. Ich könnte es auf den Song schieben, aber ich weiß, dass Jaspers Rücken der wahre Grund ist. Seine fließenden Bewegungen. Das sanfte Hin-und-her-Wiegen, während seine Finger über die Tasten tanzen. Manchmal hüpfen seine Schultern regelrecht, und mein Herz mit ihnen. Ich schmachte, und ich hasse mich dafür. Vermutlich ebenso sehr, wie ich Jasper liebe.

»Ich würde euch gern noch eine neue Idee von mir zeigen«, sagt Link. »Wenn ihr noch Zeit habt?«

»Du sprühst ja geradezu vor Eingebungen in letzter Zeit«, sage ich. Und es stimmt. Seitdem Link verliebt ist – so richtig verliebt –, produziert er neue Songs wie am Fließband. Sie sind alle ein bisschen ruhiger, gefühlvoller, aber gleichermaßen schön. Und wir sind immer offen, Neues auszuprobieren.

Er spielt eine Melodie und singt dazu.

»This is where the magic begins. This is the sparkle, the glisten, the glint.«

»Where it begins?«, fragt Curtis. »Nicht vielleicht where it happens?« Er wackelt anzüglich mit den Augenbrauen.

»Curtis«, ermahnt Sal ihn, doch wir anderen grinsen. So ist er eben.

»Klingt cool«, sagt Jasper, und ich nicke begeistert.

»Wirklich gut.«

»Bleib dran, Mann. Das kann echt was werden.« Curtis ist jetzt ganz ernst.

»Das tue ich«, verspricht Link. »Jasper, hast du Lust, mit mir daran zu arbeiten?«

»Es wäre mir eine Ehre, Hughes. Ich habe die ganze Nacht Zeit.«

»O Mann, Jasper, ich sag dir, hätte ich an deiner Stelle einmal im Leben die Kinder aus dem Haus, ich wüsste schon, was ich mit meinem freien Abend anstellen würde«, sagt Curtis grinsend. »Da würde überall Magic passieren. Im Bett, auf dem Sofa, auf dem Essti-«

»Danke, Curtis, aber ich glaube, wir wissen alle, was du anstellen würdest.« Jasper lacht.

»Selbst, wenn du die Kinder nicht los wärst«, biete ich an, und Curtis nickt.

»Sehr richtig«, sagt er. »Apropos, ich habe gehört, dass es bei mir heute keine Magic gibt, weil Amory mit dir verabredet ist.«

»Schuldig im Sinne der Anklage«, erwidere ich, denn Amory ist nicht nur Curtis’ Mitbewohnerin with benefits, sondern auch die Person, die einer besten Freundin in meinem Leben am nächsten kommt.

»Langweilig«, sagt Curtis und zeigt auf mich. »Und langweilig.« Sein Finger wandert zu Jasper.

»Ja, nun, ich schreibe vielleicht gern einen Song mit meinem Lieblingsschwager«, sagt Jasper und spielt ein paar Akkorde, die klingen wie die in Musik gegossene Antiklimax.

»Eines Tages, Jasper, wirst du alt sein, und dann bereust du es vielleicht.« Curtis lässt nicht locker, und langsam ist es mir unangenehm, zuzuhören.

»Eines Tages, Curtis, wirst auch du alt sein. Und dann können wir uns ja noch einmal darüber unterhalten, ob ich mehr Sex hätte haben sollen«, sagt Jasper selbstbewusst. Das Wort »Sex« aus seinem Mund jagt mir einen Schauder über den Rücken, und ich ermahne mich, tief durchzuatmen. Denke an ein kühles Bier mit Amory im French Quarter. An Ablenkung und Spaß.

Als ich merke, dass Link mir erneut einen Blick zuwirft – ziemlich beabsichtigt diesmal –, bin ich auf einmal sehr beschäftigt damit, in meinen Noten zu blättern. Er ahnt, dass die Richtung, in die dieses Gespräch sich wendet, für mich schwer erträglich ist.

»Bonnie, hilf mir mal«, sagt Curtis. »Link?«

»Ich mische mich da nicht ein«, entgegnet Link, den Blick immer noch auf mich gerichtet.

»Sieht denn niemand, dass es für Jasper langsam an der Zeit ist, mal wieder unter Leute zu kommen?« Curtis ringt die Hände.

»Vielleicht hat Curtis tatsächlich recht«, murmle ich kaum hörbar. Ich versuche, cool zu sein. Link zu zeigen, dass ich darüberstehe. Auch wenn ich es ganz offensichtlich nicht tue, so wie mein beklopptes Herz gerade rast.

»Ha!« Seinen Triumph unterstreicht Curtis mit einem Trommelwirbel.

»Ihr könnt sagen, was ihr wollt«, erwidert Jasper. »Es ist Gott sei Dank meine eigene Angelegenheit.«

Ich treffe Amory in einer etwas versteckten Bar am Rand des French Quarter. Die Touristen bleiben meist auf den ausgetretenen Pfaden um den Jackson Square, die Bourbon Street und die Frenchmen Street herum. Das Barrel ist eingerichtet wie ein Wohnzimmer. Plüschsofas und geblümte Lampenschirme, dazu Südstaatenblues aus alten Boxen.

Amory sitzt am Tresen und unterhält sich mit dem Barkeeper. Sie trägt ein bodenlanges Kleid mit Ethno-Muster, an ihrem Handgelenk klimpern goldene Armreifen. Kurz blicke ich an mir selbst hinab. Weites Bandshirt, Boyfriendjeans. Manchmal beneide ich Amory um den selbstbewussten Umgang mit ihrem Körper. Ich bewundere, wie sie ihre Weiblichkeit in Szene setzt. Ab und zu habe ich mich sogar dabei ertappt, wie ich mich gefragt habe, ob mir so etwas auch stehen würde. Aber dann verwerfe ich jedes Mal den Gedanken und rufe mir in Erinnerung, was passieren kann, wenn man sich zur Schau stellt.

»Aus Mississippi«, höre ich sie gerade sagen, als ich auf den Hocker neben ihr klettere.

»Und was machst du in New Orleans?«, fragt der Barmann.

»Keine Farmerin werden«, erwidert sie und lacht. Dann wendet sie sich mir zu. »Eric hier macht die besten Drinks. Das hier ist ein … wie heißt er noch mal?«

»Aviation«, sagt Eric.

»Probier mal.« Sie hält mir ihr Martiniglas mit einer blassrosa Flüssigkeit hin.

»O ja, sehr gut. Aber ich nehme trotzdem lieber ein Bier«, sage ich zu...



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