Engel | Love is Loud - Ich höre nur dich | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 416 Seiten

Reihe: Love-is-Reihe

Engel Love is Loud - Ich höre nur dich

Roman
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-492-99689-1
Verlag: Piper ebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, Band 1, 416 Seiten

Reihe: Love-is-Reihe

ISBN: 978-3-492-99689-1
Verlag: Piper ebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



?Liebe und Musik im »Big Easy«: Die Love-is-Romanreihe von Bestsellerautorin Kathinka Engel?  ?New Orleans ist die Stadt der Musik, der Lebensfreude und der großen Gefühle.?Kommt alles in einer Geschichte zusammen, entsteht wundervolle New Adult?Romance?mit absolutem Binge-Read-Potenzial.?  ?Zwischen alten Südstaaten und neuem Amerika ist New Orleans ein Schmelztiegel der Kulturen, Ideen und Träume. Im Takt einer eigenen Musik schwingt »The Big Easy« auf einer Wellenlänge, die jeden Neuankömmling mitten ins Herz trifft. So auch Franziska, die sich für ein freiwilliges soziales Jahr nach Louisiana begibt. Als sie den Musiker Link trifft, entführt er sie in ein New Orleans hinter den Postkartenansichten und stiehlt ihr Herz. Gibt es für Franziska ein Zurück ins alte Leben??  Im ersten Band ihrer vielfältig-bunten New-Adult-Trilogie setzt Bestsellerautorin Kathinka Engel dem Sound von New Orleans ein rasantes Denkmal, das sofort die Sehnsucht nach einer Reise ins French?Quarter?weckt. »Love?is?Loud« ist lässig, cool und aufrichtig romantisch, ein Schnappschuss aus dem harten und aufregenden Leben einer jungen Band. Bühne frei für New Adult?Romance?der Extraklasse!?  Loslassen, treiben lassen, alles wagen: eine romantische Liebesgeschichte mit Soul?  Eine große, bunte Stadt und der Klang des Lebens - lass sdich mitreißen und entdecke auch »Love?is?Bold« und »Love?is?Wild«. Die Liebestrilogie von Kathinka Engel hat das Zeug zum neuen Herzensfavoriten!?  Für alle Leser:innen von Mona Kasten, Laura Kneidl und Tami Fischer?  Noch nicht genug von Kathinka Engel? Mit der »Finde-mich-« und der »Shetland-Love-Reihe« gibt es noch mehr von der deutschen Autorin zu lesen! 

Kathinka Engel kennt die Buchwelt aus verschiedensten Perspektiven: Als leidenschaftliche Leserin studierte sie allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaft, arbeitete für eine Literaturagentur, ein Literaturmagazin und als Redakteurin, Übersetzerin und Lektorin für verschiedene Verlage. Wenn sie nicht gerade schreibt oder liest, trifft man sie in Craft-Beer-Kneipen, im Fußballstadion oder als Backpackerin auf der Suche nach dem nächsten Abenteuer. Mit ihrem Debüt »Finde mich. Jetzt« schaffte Kathinka Engel es aus dem Stand auf die SPIEGEL-Bestsellerliste. Bei Instagram teilt sie unter @kathinka.engel ihre Begeisterung für Bücher.
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2


Lincoln

Einmal pro Woche hole ich meine vierjährige Nichte Maya bei ihrer Tagesmutter Phoenix ab. Phoenix lebt in Tremé, meinem liebsten Stadtviertel von New Orleans, und ist eine Freundin der Familie. Sie passt auf die Kleine auf, seit mein Schwager Jasper sie bei ihren Drag-Auftritten in einem Burlesque-Schuppen auf dem Klavier begleitet hat.

Wie immer bin ich mit meinem klapprigen Fahrrad unterwegs, und wie immer freut sich Maya, mich zu sehen. Ich lasse sie auf meinem Fahrradsattel reiten unter der Bedingung, dass sie sich gut an mir festhält, während ich sie schiebe. Es ist unser Geheimnis.

Jasper lebt mit Maya und ihrem siebenjährigen Bruder Weston in einem kleinen kreolischen Cottage mitten in Tremé. Ich lehne mein klapperndes Fahrrad vorsichtig gegen die Veranda und hebe Maya vom Sattel.

»Hast du Hunger? Wir haben Zeit für ein Sandwich«, sage ich und schließe die Tür auf. Drinnen ist es angenehm kühl, und ich lasse meinen Gitarrenkasten von der Schulter auf eins der alten Ledersofas sinken.

Maya schüttelt den Kopf. Sie spricht nicht gern.

»Hat Phoenix euch was gemacht?«, frage ich.

Wieder schüttelt sie den Kopf.

»Aber du hast gegessen?«

Jetzt nickt sie.

»Pop-Tarts?«

Erneutes Nicken. Dann schleudert sie die Schuhe von den Füßen und läuft schnurstracks in ihr Zimmer.

»Mach es dir nicht zu gemütlich, in fünfzehn Minuten müssen wir zur Bandprobe«, rufe ich ihr hinterher, aber ich bin mir nicht sicher, ob sie mich noch hört. Maya hat die Gabe, die Welt einfach auszublenden, wenn sie ihre Ruhe haben möchte. Wir proben in einer Musikschule in der Nähe. Wenn es nicht zu lange geht, sind Jaspers Kinder oft dabei.

Ich nehme den leicht ramponierten Seesack vom Gepäckträger meines Fahrrads, der meine gesamte Wäsche beinhaltet – abgesehen von den Klamotten, die ich an meinem Körper trage. Wenn ich Maya einmal pro Woche, wenn Jasper länger Klavierunterricht gibt, bei Phoenix abhole, darf ich die Waschmaschine benutzen. Ich könnte meine schmutzigen Klamotten mit Sicherheit auch hier waschen, würde ich Maya nicht abholen, aber so habe ich kein schlechtes Gewissen.

Ich kippe den Inhalt meines Seesacks und ein giftig aussehendes grünes Gel in die Maschine und schalte sie ein. Nach der Bandprobe werde ich Jasper und die Kinder zurückbegleiten und die Wäsche mitnehmen.

Wir haben noch zehn Minuten, und da ich weiß, dass Jasper nach einem Tag in der Musikschule inklusive Bandprobe fix und fertig ist, schnappe ich mir den überquellenden Wäschekorb und beginne in der engen Waschküche die sauberen Kleidungsstücke zusammenzulegen. Wenn man bedenkt, dass Jasper ganz allein für Westons und Mayas Erziehung verantwortlich ist, ist es umso beachtlicher, wie ordentlich und organisiert das Haus ist. Ich bewundere Jasper dafür, dass er das alles hinkriegt – die Musik, die Kinder, sich selbst. Er hat sich kein einziges Mal beschwert. Natürlich, anfangs war er traurig. Doch er war vor allem für die beiden da. Und ich für ihn. Nach und nach wuchsen sie wieder zu einer Familie zusammen, in der zwar ein fettes Loch klafft – eines, das einen regelrecht anschreit, wenn man weiß, wie es früher war –, aber eine Familie, die glücklich ist. Zumindest nach außen. Wie es in Jasper aussieht, weiß ich nicht, allerdings versuche ich, ihm der beste Schwager zu sein, der in mir steckt. Und der beste Onkel für die Kinder.

»Fünf Minuten«, rufe ich in Mayas Zimmer. Sie hat zwar noch kein Zeitgefühl, aber zumindest eine ungefähre Ahnung davon, dass fünf Minuten nicht allzu viel sind. »Nimmst du dein Malzeug mit?« Weston, der bereits in die zweite Klasse geht, hat meistens noch Hausaufgaben zu erledigen. Doch Maya muss sich selbst beschäftigen, damit sie sich nicht zu Tode langweilt.

Auf dem Klavier im Wohnzimmer liegen zwei Ohrenschützer, die ich in Mayas Rucksack stecke. Wenn die Kinder zur Bandprobe oder zu Gigs kommen, besteht Jasper darauf, dass sie sie aufsetzen. Daneben steht das Schwarz-Weiß-Foto von Blythe. Es ist das gleiche, das ich für die Trauerfeier ausgewählt habe, weil sich sonst keiner dazu imstande sah. Es stammt aus einer glücklichen Zeit. Sie blickt lächelnd über ihre Schulter in die Kamera und sieht wunderschön aus. Ihr dunkelblondes Haar weht im Wind, und Sonnenstrahlen streifen ihr Gesicht. Ich fahre mit dem Finger einmal über das Foto, um den Staub abzuwischen. Meine Schwester. Meine kluge, schöne Schwester.

Dieser ungeheure Schmerz, der einem die Luft zum Atmen nimmt und einem das Gefühl gibt, das Leben sei vorbei, nimmt zwar irgendwann ab – die Welt dreht sich weiter, und man lernt, aufs Neue zu lachen –, aber dennoch schnürt es mir jedes Mal die Kehle zu, ein Bild von ihr zu sehen. Ich lasse mich auf den Klavierhocker sinken und schlage mit der linken Hand einen Ton an. Er durchschneidet die Stille auf sanfte, heilsame Weise. Etwas, woran sich die Erinnerungen festhalten können. Deswegen spiele ich ihn wieder und wieder.

Jaspers Klavier muss dringend gestimmt werden. Das F, das durch den Raum hallt, hat einen seltsam verzerrten, beinahe metallischen Klang. Ich nehme mir fest vor, Geld für einen Klavierstimmer zusammenzukratzen. Auch wenn ich gerade nicht weiß, woher ich es nehmen soll. Doch es findet sich immer eine Lösung. Vielleicht bitte ich meine Eltern um Hilfe. Nicht, dass bei ihnen viel zu holen wäre, aber manchmal kann ich mir ein bisschen was leihen.

»Kommst du, Maya?«, rufe ich mit einem Blick auf die Wanduhr. »Wir müssen uns wirklich beeilen!« Ich verstehe gar nicht, wo die Zeit hin ist. Aber wie jede Woche sind wir auf einmal viel zu spät dran.

Beim zweiten Chorus haben wir unseren Sound wieder. Die ersten Takte waren ein bisschen steif, aber jetzt fliegen meine Finger über das Griffbrett der Gitarre, und meine Stimme ist auch wieder voll da. Ich orientiere mich an Jaspers Begleitung und spiele nur einzelne Akkorde dazu. Bonnies Kontrabass gibt einen schnalzenden Rhythmus vor, und Curtis’ Bewegungen am Schlagzeug sind eine faszinierende Mischung aus Dreschen und Streicheln.

»This is all that I want«, singe ich, und Bonnie stimmt mit ein. »All that I need. A little bit of melody, some groove and a beat.«

Es ist unser fetzigster Song, den wir uns meist bis zum Ende eines Abends aufheben.

Nach dem zweiten Chorus spielt Sal eins seiner berühmten Trompetensoli, und obwohl das hier nur eine Probe ist, reißt es uns alle mit. Jasper und ich begleiten ihn mit vereinzelten Akkorden, und Curtis streicht sanft über seine Becken. Selbst Weston und Maya blicken auf. Maya klatscht – auf zwei und vier, wie ich es ihr beigebracht habe. Die Melodien, die Sal spielt, sind so pointiert, so durchdacht und – ich kann es nicht anders sagen – rund. Wüsste ich nicht, dass er in diesem Moment improvisiert, ich könnte schwören, es ist vorkomponiert.

Wir sind alle leidenschaftliche Musiker. Berufsmusiker, die sich mit anderen Jobs über Wasser halten, wenn es sein muss. Sal ist jedoch mit Abstand der Beste von uns. Eigentlich hätte er es schon längst über die Frenchmen Street hinaus schaffen und mit berühmten Bands oder Orchestern durch die Welt touren müssen. Aber Sal ist immer noch hier. Und obwohl wir keine Ahnung haben, warum er mit uns spielt, sind wir doch froh, dass er Teil der Band ist.

Wir sind im absoluten Flow. Jeder von uns spielt sich in eine Art Trance, die in der musikalischen Kommunikation ihren Ausdruck findet. Wir sind laut, wir sind glücklich, wir sind richtig gut. Der Klang von New Orleans vermischt sich in unserem Spiel mit Singer/Songwriter-Einflüssen, Funk und Blues. Es ist unser Sound, der uns zusammengebracht hat und zusammenhält. Ein Band, das dicker ist als alles, was ich kenne, als alles, was ich je erlebt habe. Es ist ein erhabenes Gefühl – man kann es kaum anders beschreiben als den Ausdruck von allem, was uns ausmacht. Pompös und wild. Schmerzhaft und schön. Arm und doch so reich. Wir haben so gut wie nichts, und doch haben wir in diesem Moment alles.

Am Abend sitzen wir zusammen im Garten hinter Jaspers Haus. Als Blythe sich noch um die Pflanzen kümmerte, war dieser Ort eine richtige Oase. Blüten überall. Jetzt ist er ziemlich überwuchert. Selbst der alte Wohnwagen in der hinteren Ecke, der schon seit Blythes und Jaspers Einzug hier steht, und von dem niemand so recht weiß, wohin damit, ist bereits zur Hälfte von irgendwelchen Ranken verdeckt.

»Glaubt ihr, Sal ist genervt, dass wir ihn jedes Mal wieder fragen, ob er mitkommen will, obwohl völlig klar ist, dass er ablehnt?«, fragt Bonnie in die Runde.

Wir wissen so gut wie nichts über unseren Trompeter. Er ist bei jeder Probe und bei jedem Gig dabei, danach verschwindet er allerdings Gott weiß wohin.

»Möglich«, sagt Jasper und zuckt mit den Schultern. »Aber ich fände es, ehrlich gesagt, noch komischer, wenn wir ihn nicht mehr fragen würden.«

»Er kann ja auch einfach Bescheid sagen, wenn wir ihm auf die Nerven gehen.« Curtis ist meistens der Pragmatischste von uns allen. Nur manchmal brennt bei ihm etwas durch. Doch seit einiger Zeit ist es besser geworden. Ungefähr seit er angefangen hat, mit seiner Mitbewohnerin zu schlafen. Aber diese Beobachtung teile ich nicht mit ihm.

»Meint ihr, er hat eine Familie?«, fragt Bonnie weiter. Es ist nicht das erste Mal, dass wir über Sals Privatleben spekulieren.

»Vielleicht eine, die nichts über ihn weiß. Und jedes Mal, wenn er zu Hause gefragt wird, ob er mitessen will, grunzt er und verschwindet«, schlage ich vor, und alle lachen. »Apropos zu Hause …« Ich stehe auf und strecke mich. Mein Rücken knackt. Das...



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