Engel | Love is Wild - Uns gehört die Welt | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 3, 416 Seiten

Reihe: Love-is-Reihe

Engel Love is Wild - Uns gehört die Welt

Roman
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-492-99691-4
Verlag: Piper ebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, Band 3, 416 Seiten

Reihe: Love-is-Reihe

ISBN: 978-3-492-99691-4
Verlag: Piper ebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Sie ist alles, was er will. Doch um sie für sich zu gewinnen, muss er sich selbst unter Kontrolle bekommen. Curtis hat seit dem Tod seiner Eltern Probleme, seine Gefühle unter Kontrolle zu halten. Erst als seine Mitbewohnerin Amory ihre lockere Sex-Beziehung beendet, merkt er, dass er mehr von ihr will. Doch dafür muss er seine Aggressionen in den Griff bekommen ... Eine bunte, ungewöhnliche Stadt, eine junge Band und die große Liebe: Der dritte Band der neuen Reihe der Spiegel-Bestsellerautorin Kathinka Engel, in der sie uns ins bunte und lebensfrohe New Orleans entführt - und mitten hinein in das turbulente Leben einer Band. Zwischen berauschenden Auftritten und dem harten Alltag als Berufsmusiker suchen sie alle nach ihrem persönlichen Happy End. Als leidenschaftliche Leserin studierte Kathinka Engel allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaft, arbeitete für eine Literaturagentur, ein Magazin sowie als Übersetzerin und Lektorin. Mit ihrem Debüt »Finde mich. Jetzt« schaffte Kathinka Engel es aus dem Stand auf die Bestsellerliste. Wenn sie nicht gerade schreibt oder liest, trifft man sie im Fußballstadion oder als Backpackerin auf der Suche nach dem nächsten Abenteuer.

Kathinka Engel kennt die Buchwelt aus verschiedensten Perspektiven: Als leidenschaftliche Leserin studierte sie allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaft, arbeitete für eine Literaturagentur, ein Literaturmagazin und als Redakteurin, Übersetzerin und Lektorin für verschiedene Verlage. Wenn sie nicht gerade schreibt oder liest, trifft man sie in Craft-Beer-Kneipen, im Fußballstadion oder als Backpackerin auf der Suche nach dem nächsten Abenteuer. Mit ihrem Debüt »Finde mich. Jetzt« schaffte Kathinka Engel es aus dem Stand auf die SPIEGEL-Bestsellerliste. Bei Instagram teilt sie unter @kathinka.engel ihre Begeisterung für Bücher.
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1


Amory

Meiner Meinung nach ist das Konzept des richtigen Moments, des perfekten Zeitpunkts, nichts als eine Illusion. Es gibt das Gestern, das Heute und das Morgen. Irgendwann dazwischen bringen wir die Dinge unter, die untergebracht werden müssen. Meistens sind gestern, heute und morgen ziemlich okay. Ich für meinen Teil mag sie alle drei. Das Gestern vielleicht am wenigsten, weil es schon vorbei ist. Das Heute vielleicht am meisten, weil ich mittendrin bin. Und das Mittendrin liebe ich. Das ist genau mein Ding.

Gerade bin ich mittendrin, Blueberry Pancakes zu backen. Ich stehe in unserer Küche, die ich mit meiner ehemaligen besten Freundin Esmé damals rot gestrichen habe. Wir dachten, das wäre eine gute Idee, um die bräunlichen Flecken an der Wand zu überdecken. Doch die Flecken sieht man bis heute. Denn die Wand hat die Farbe an diesen Stellen nicht so recht annehmen wollen. Aus meiner kleinen Bluetooth-Box singt Skeeter Davis, meine liebste Country-Sängerin und Heldin meiner Jugend, He called me Baby. Den Refrain schmettere ich lautstark mit.

Blueberry Pancakes, das habe ich von meiner Mutter gelernt, sind ein guter Begleiter von schlechten Nachrichten. Bei uns zu Hause gab es Blueberry Pancakes, als meine Kaninchen allesamt von einem Fuchs gefressen wurden, als mein liebster Farmmitarbeiter uns verließ, und seltsamerweise auch, als meine Eltern mir verkündeten, dass meine Mom mit meinem kleinen Bruder schwanger war. Am Tag seiner Geburt – ich war gerade zwölf Jahre alt – machte ich Blueberry Pancakes, weil ich mir sicher war, Nicky würde absolut hässlich werden. So hässlich wie all die anderen Babys, die ich bislang gesehen hatte. Ich sah die Enttäuschung meiner Eltern schon vor mir. Wie sie versuchten, dieses knallrote, verknautschte Ding zu lieben. Aber es stellte sich heraus, die Pancakes waren völlig unbegründet, denn Nicky sah überhaupt nicht aus wie die anderen hässlichen Babys. Er war wunderschön. Wenn ich mir heute Fotos vom Tag seiner Geburt ansehe, weiß ich, dass er genauso rot und verknautscht war wie jeder andere auch, der sich gerade mit dem Kopf voraus stundenlang durch einen extrem engen Gang gequetscht hat. Da sieht man mal, was Liebe mit der Wahrnehmung macht.

Heute habe ich schlechte Nachrichten für meinen Mitbewohner Curtis. Wobei ich mir nicht einmal sicher bin, ob es wirklich schlechte Nachrichten sind. Vielleicht sind es einfach nur Nachrichten. Trotzdem will ich mit den Pancakes auf Nummer sicher gehen.

»Morgen«, sagt eine vom Schlaf noch ganz kratzige Stimme in meinem Rücken. »Kannst du das ausmachen?«

Ich drehe mich um. Da steht er, meinen rot getigerten Kater Hilbert auf dem Arm. Er runzelt die Stirn und zeigt auf die Bluetooth-Box. Niemand in meiner näheren Umgebung teilt meine Begeisterung für Skeeter Davis, aber das ist okay. So habe ich sie ganz für mich allein.

Curtis trägt ein schlabbriges weißes T-Shirt über seinen Boxershorts. Seine hellbraunen Haare stehen in alle Richtungen ab. Er sieht ganz und gar bezaubernd aus, finde ich. Morgens ist er immer am schönsten, wenn die Last seiner Gedanken noch keine Zeit hatte, seine Laune zu drücken. Wenn der Tag noch frisch und alles voller Verheißung ist.

Er räuspert sich, und Hilbert macht sich lang, legt seine Pfoten auf Curtis’ Schultern und reibt den Kopf an seinem Kinn.

»Morgen«, erwidere ich und wünsche mir im Stillen, Hilbert möge mit seinen Liebesbekundungen aufhören. Denn es gibt kaum etwas Heißeres als einen Mann mit Katze. In meinen Augen schlägt es sogar einen Mann mit Baby um Längen.

»Was machst du da?«, fragt Curtis und lässt Hilbert auf den Boden plumpsen. Er tritt zu mir an die Anrichte und linst in die Pfanne.

»Blueberry Pancakes.«

»Ist jemand gestorben?« Er runzelt die Stirn.

»Nein«, sage ich lachend, merke aber, dass ich ein bisschen nervös werde. »Kaffee?«

Curtis setzt sich an den Tisch und gießt sich Kaffee aus unserer French Press ein. Ich gebe den letzten Rest Teig in die Pfanne und stelle einen Teller mit Pancakes vor Curtis. Dann nehme ich ihm gegenüber Platz.

»Ich muss mit dir reden«, sage ich, nachdem ich ebenfalls einen Happen gegessen habe. Hilbert streicht um meine Beine und maunzt leise. Er will auf meinen Schoß, aber meine Konzentration gilt dem kommenden Gespräch.

»Okay?« Curtis legt seine Gabel auf den Teller und verschränkt die Arme vor der Brust. »Was habe ich angestellt?«

»Nichts. Du hast nichts angestellt«, beeile ich mich zu sagen. »Es ist vielmehr …«

Der von mir abgewiesene Hilbert versucht es jetzt bei Curtis. Natürlich hat er dort mehr Erfolg. Er springt auf Curtis’ Schoß und beginnt gleich zu schnurren. Auf einmal habe ich das Gefühl, in der Unterzahl zu sein.

»Es geht um Richard«, beginne ich, während ich beobachte, wie Curtis’ Finger Hilberts Kopf massieren. Das ist nicht fair.

»Um diesen Langweiler?«, fragt Curtis desinteressiert.

Ich könnte Richard verteidigen. Könnte sagen, dass er alles andere als ein Langweiler ist, sondern ein fähiger Mathematiker mit vielen Hobbys. Dass er leidenschaftlich gerne bouldert, sich für gesunde Ernährung interessiert. Dass er im Gegensatz zu anderen in der Lage ist, eine normale Beziehung zu führen. Aber ich schlucke es als meinen persönlichen metaphorischen Blueberry Pancake hinunter.

»Das mit Richard und mir könnte was Ernstes werden«, sage ich stattdessen. Die nüchterne Wahrheit. »Er hat mich letzte Woche gefragt, ob wir offiziell zusammen sein wollen.« Jetzt ist es raus. Ich sehe Curtis erwartungsvoll an. Ist er enttäuscht? Eifersüchtig? Gleichgültig?

»Offiziell zusammen, hm?«, fragt er, und sein Gesicht bleibt vollkommen ausdruckslos. »Das klingt so richtig nach Romantik und Leidenschaft.«

Okay, anscheinend ist es ihm doch nicht gleichgültig. »Sei kein Arsch«, erwidere ich. »Ich mag ihn eben. Und ich will es mit ihm versuchen.«

»Ja, klar, versteh schon. Er ist Heiratsmaterial. Wird bestimmt ein ganz wundervoller Daddy. Und wenn er dann seinen schlaffen Schwanz einmal im Monat in dich steckt und du deinen Fake-Orgasmus herausstöhnst …«

»Curtis! Er hat keinen –« Doch er lässt mich nicht ausreden.

»Und so ganz allgemein, nur damit ich das richtig verstehe, ist das meine Angelegenheit, weil …?« Curtis kaut demonstrativ gelangweilt auf seinen Pancakes herum.

»Es ist nicht deine Angelegenheit«, sage ich, »sondern Richards und meine. Aber du bist mein Freund und Mitbewohner. Du wirst ihn jetzt öfter zu Gesicht bekommen. Ich will, dass du nett zu ihm bist. Und vielleicht musst du ihm nicht gleich auf die Nase binden, dass wir eine Affäre hatten.«

»Eure Beziehung fängt ja toll an. Mit richtig viel Vertrauen und so.«

»Ich werde es ihm erzählen«, sage ich. »Wenn ich weiß, dass … er mich nicht dafür verurteilt.« Es wird Blueberry Pancakes geben, so viel steht fest.

»Dass er dich nicht verurteilt? Wow.« Curtis schnaubt verächtlich. »Hätte ich gewusst, dass die Sache mit uns etwas ist, das andere verurteilen, hätte ich mich nie auf dich eingelassen.« Sein Tonfall verändert sich. Er äfft mich nach.

»Gibst du mir dein Wort?«, frage ich und übergehe seine Aussage.

»Dass wir nichts mehr machen, das Saint Richard verurteilen könnte? Oder dass ich ihm nichts sage?«

»Offensichtlich beides.«

»Du hast mein Wort«, antwortet er. »Wurde mir, ehrlich gesagt, eh ein bisschen langweilig mit dir. Ist also eine Win-win-Situation. Und wer weiß, vielleicht würde Saint Richard mich auch dafür verurteilen, dass ich mich von dir habe sexuell ausbeuten lassen. Das ist das Letzte, was ich will. Wie stehe ich dann da! Vor ihm!« Seine Stimme trieft vor Sarkasmus.

Ich weiß, dass er das sagt, um mich zu verletzen. Aber damit macht er es mir nur leichter.

»Das zwischen uns war von Anfang an nichts weiter als Spaß«, erinnere ich ihn. »Das waren sogar deine Worte, wenn ich mich richtig erinnere.«

»Also ist doch alles gut, oder?« Er klingt giftig.

Ich hatte absolut erwartet, dass es so läuft. Deshalb die Pancakes. Dennoch geht es mir jetzt auf die Nerven.

»Kannst du bitte ein bisschen weniger Wichser und ein bisschen mehr Freund sein?«, frage ich. »Du bist mir wichtig, Curtis.« Und das meine ich vollkommen ernst. Curtis ist eigentlich einer der besten Freunde, die ich habe. Er ist ein toller Mensch, wenn er es zulässt. Viel zu oft versteckt er sich hinter seiner Wut.

Er schnaubt. »Dein Freund, hm? Na, klar kann ich das. Und als dein Freund sage ich dir, dass ich deinen festen Freund für einen langweiligen Lackaffen halte. Trotzdem wünsche ich dir viel Erfolg bei diesem …« Er hält inne und tut so, als würde er nachdenken. »… Abenteuer. Halt mich auf dem Laufenden. Erzähl mir alles. Welche Farbe haben seine Augen? Was hatte er heute zum Frühstück? Wie groß ist sein Penis?« Er fängt an, mit den Fingern abzumessen. Langsam vergrößert er den Abstand zwischen ihnen. »Echt jetzt?«, fragt er, weil ich nichts sage. »Größer?« Als seine Finger ungefähr sechzig Zentimeter auseinander sind, lässt er sie wieder sinken. »Dann eben nicht«, mault er.

»Ich meine es ernst, Curtis«, sage ich. »Wir wohnen zusammen. Wir sind Freunde. Und du benimmst dich ein bisschen blöd.«

»Hör zu, Amory. Du bist diejenige, die Blueberry Pancakes gemacht hat. Offenbar dachtest du, mich würde diese Sache interessieren oder treffen oder sonst irgend so einen Scheiß. Glaub mir, es könnte mir nicht egaler sein, mit wem du wann vögelst oder Händchen hältst. Also alles gut.«

Es tut mir weh, dass er so mit mir...



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