E-Book, Deutsch, 353 Seiten
Engelmann Zwischen den Wellen glitzert das Glück
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-98690-745-7
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Vier Frauen. Vier Sehnsuchtsorte. Vier Lebensträume.
E-Book, Deutsch, 353 Seiten
ISBN: 978-3-98690-745-7
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Gabriella Engelmann, geboren 1966 in München, lebt in Hamburg. Sie arbeitete als Buchhändlerin, Lektorin und Verlagsleiterin, bevor sie sich ganz dem Schreiben zu widmen begann - und mit ihren Romanen nun regelmäßig auf den Bestsellerlisten steht. Die Autorin im Internet: gabriella-engelmann.de Die Autorin auf Facebook: facebook.com/AutorinGabriellaEngelmann Die Autorin auf Instagram: instagram.com/gabriellaengelmann Als eBook veröffentlichte Gabriella Engelmann bei dotbooks bereits die vier Kurzromane der Glücksglitzern-Serie - »Ein Kuss, der nach Lavendel schmeckt«, »Zeit der Apfelrosen«, »Inselglück und Friesenkekse« und »Der Duft von Glück und Friesentee« -, die auch als Sammelband unter dem Titel »Zwischen den Wellen glitzert das Glück« erschienen sind, die Romane »Nur Liebe ist schöner« und »Schluss mit lustig« sowie die Kurzromane »Eine Liebe für die Ewigkeit«, »Verträumt, verpeilt und voll verliebt«, »Te quiero heißt Ich liebe dich«, »Kuss au chocolat« und »Dafür ist man nie zu alt«. Als Hörbuch sind bei dotbooks die folgenden Titel von Gabriella Engelmann erschienen: »Ein Kuss, der nach Lavendel schmeckt«, »Zeit der Apfelrosen« und »Dafür ist man nie zu alt«
Autoren/Hrsg.
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Kapitel 2
Meine Beine fühlen sich an, als wären sie aus Blei. Aber ich will mir nicht anmerken lassen, wie sehr mich das Gespräch – und die kurze Begegnung mit dem neuen Superstar der Romance-Unterhaltung – mitgenommen hat. Also ziehe ich die Schultern nach hinten und marschiere mit hocherhobenem Kopf durch die langen Flure, grüße hier und da einen Mitarbeiter und schaffe es so, mit größtmöglicher Haltung am Empfang vorbei nach draußen zu kommen.
Kaum bin ich aus dem Verlagsgebäude heraus, halte ich einen Moment inne, um mich wieder zu sammeln. Was für ein Albtraum! Wie soll ich das schaffen? Wenn die Peters wirklich Anwälte einschaltet … bin ich dann am Ende vorbestraft? Und das alles nur wegen meines gebrochenen Herzens?
Nachdenklich betrachte ich den vor mir liegenden Hamburger Hafen, einen Ort, den ich ganz besonders liebe. Aber selbst dieser Anblick kann mich gerade nicht trösten.
Schräg gegenüber befinden sich die Docklands, um mich herum Restaurants der Spitzenklasse. Dieser Teil des Hafens ist keineswegs urig, sondern denjenigen vorbehalten, mit denen das Leben es gut meint. Autorinnen, die gerade ins Straucheln geraten sind, haben an diesem Ort genauso wenig verloren wie dunkle Regenwolken am strahlend blauen Sommerhimmel.
Tief seufzend, den Kopf voller düsterer Gedanken, lehne ich mich ans Geländer und schaue Containerschiffen dabei zu, wie sie sich von Lotsen und Schleppern durch die Elbe navigieren lassen. Ein Anblick, der mir normalerweise das Herz wärmt, mich aber diesmal innerlich bibbern lässt.
Jetzt hilft nur noch eins.
»Paula, ich brauche deine Hilfe, kann ich vorbeikommen?«, frage ich, nachdem ich mein Handy aus der Beuteltasche gefischt und meine beste Freundin angerufen habe.
Ich brauche jetzt dringend jemanden, der mich durch die Untiefen meiner akuten Krise navigiert. »Frau Dr. Peters droht, mich zu verklagen, wenn ich nicht pünktlich liefere.«
Paula tut genau das, was beste Freundinnen in Momenten wie diesen tun sollten: Sie lädt mich zu sich nach Hause ein. »Was du jetzt brauchst, sind die drei Ts!«, sagt sie. Ich weiß genau, was gemeint ist: ein Trost-Gespräch, dazu Trost-Essen und Trost-Rotwein.
Dass ich zu allem Überfluss gerade drohe auch in körperlicher Hinsicht aus den Fugen zu geraten, weil ich versuche, meine Krise durch Unmengen Chips und gesalzene Erdnüsse zu kompensieren, ignoriere ich. Denn Paulas Moules frites sind ein Traum! Auf diese Kalorien kommt es nun auch nicht mehr an.
Paula hegt eine große Sympathie für alles, was mit Frankreich zu tun hat, wohingegen ich seit einem Besuch in Paris nicht mehr ganz so begeistert bin. Was aber in erster Linie daran liegt, dass Stefan mir den Urlaub vermiest hat, weil er ständig über die Arroganz der Franzosen schimpfte. Genau wie über deren Politik, Filme und Lebensart. Savoir vivre und laissez faire sind eine Bedrohung für einen Mann, der nichts dem Zufall überlässt. Eigentlich sollte ich froh sein, dass ich ihn los bin.
Und das bin ich auch, irgendwie. Ich brauche keinen Mann, der mir beim Anblick des Eiffelturms erklärt, dass er sich ganz sicher nicht mit mir davor fotografieren lassen wird, weil er das kitschig und abgeschmackt findet. (Auf die Idee hätte ich vor fünf Jahren kommen können, da wäre mir einiges erspart geblieben.) Ich brauche einen Mann, der mich so nimmt, wie ich bin, der mir meine kleinen – jawohl! – kitschigen Wünsche nicht übel nimmt, sondern von den Augen abliest. Ohne Stefan bin ich besser dran, jawohl.
Leider weiß das vor allen Dingen mein Kopf.
Ich seufze und schüttle mich. Weg mit den trüben Gedanken – auf zu den drei Ts!
***
»Bon?«, fragt Paula anderthalb Stunden später.
»Merveilleux!«, lobe ich das leckere Essen, das meine beste Freundin mal eben so aus dem Ärmel gezaubert hat. Die frischen Miesmuscheln in Kräuter-Weißwein-Sud und die Pommes frites sind der Hit!
Paula ist eine absolute Genießerin und leidenschaftliche Köchin. Doch das ist nicht das Einzige, worin sie gut ist: Im Gegensatz zu mir nimmt sie die Dinge viel leichter, viel optimistischer. Und das ist erstaunlich, weil sie als freiberufliche Grafikerin auch von den Launen ihrer Auftraggeber abhängig ist und, wie sie manchmal lachend sagt, mit einem Fuß immer vor dem drohenden Konkurs steht. Trotzdem kann ich mich gar nicht daran erinnern, wann ich sie zuletzt wirklich deprimiert oder gar verzweifelt erlebt hätte.
»Was hältst du davon, die Idee deiner Lektorin aufzugreifen und tatsächlich Urlaub zu machen?«, schlägt sie nun vor. »Du könntest zum Beispiel endlich mal deinen Traum verwirklichen und nach Südfrankreich fahren, was du ja leider nie geschafft hast, weil Stefan dir bei deinen Plänen im Weg war.«
Stimmt! Nach dem Paris-Debakel brauchte ich nur das Wort Frankreich zu erwähnen, und mein Freund ging ab wie eine Rakete.
»Das mache ich auf gar keinen Fall!«, platzt es aus mir heraus. »Ehrlich, ich schwör’s dir – eher sterbe ich!«, versichere ich und versuche, so auszusehen, als ob mich ein Urlaub in Südfrankreich tatsächlich umbringen könnte.
»Spreche ich gerade mit meiner Freundin oder ihrem blöden Ex?«, will Paula provokant wissen. »Vielleicht ist das ja wirklich die Lösung deines Problems, Caro! Wäre eine Extraportion Frankreich und Sonne vielleicht die beste Therapie, um Stefan endgültig aus deinem System zu schwitzen?«
Ich beschließe, mir ab sofort eine neue beste Freundin zu suchen.
»Ich kann das nicht.«
»Vielleicht entspannt dich dieser Urlaub ja ein bisschen. Und wer weiß? Womöglich erlebst du dort so viel, dass sich dein nächstes Buch wie von selbst schreibt.«
»Ich. Kann. Das. Nicht.«
»Ach, Caro …« Paula schüttelt den Kopf. »Das Einzige, was du nicht kannst, ist, jetzt zur Köhlbrandbrücke zu fahren und runterzuspringen – denn das würde ich dir nie verzeihen. Alles andere kannst du sehr wohl. Also, mach endlich!«
Wenn das mal so einfach wäre … Obwohl ich 42 bin, war ich noch nie, noch nie in meinem Leben alleine im Urlaub. Der Gedanke macht mir richtig Angst. Und darum habe ich auch nicht vor, jetzt mit solchen Sperenzchen anzufangen.
Nein, ich werde brav in Hamburg bleiben, mir eine neue Bleibe suchen und dann gaaaanz tief durchatmen. Durchatmen und endlich den Roman schreiben, den der Verlag von mir erwartet. Über eine Frau, die sich verliebt, dann ganz gemein betrogen wird und am Ende zur Köhlbrandbrücke … aber nein, rufe ich mich zur Ordnung, das ist vermutlich nicht das, was Dr. Lina Peters unter einem Happy End versteht.
»Was ist dein Problem, Caro? Wenn’s das Geld ist, kein Problem, das leihe ich dir.«
»Ganz ehrlich? Ich habe kein gutes Gefühl dabei, alleine essen zu gehen und mit niemand anderem reden zu können als mit mir selbst. Gerade jetzt, wo mir die Decke auf den Kopf fällt und ich Angst habe, später mal mutterseelenalleine zu sterben. Dann dieses Gefühl, dass alle anderen sehen, dass ich allein unterwegs bin. Was die sich dann denken: Hmmm, so alt und ohne Mann an ihrer Seite, mit der stimmt ja sicher irgendetwas nicht? Und ich habe Panik vor allem, was mir auf Reisen passieren könnte so ganz allein. Mein Französisch ist ziemlich eingerostet, und der Franzose an sich spricht ja nun eher wenig Englisch. Angenommen, ich werde krank, was dann?«
Paula grinst, weil sie genau weiß, dass ich zu einer gewissen Form von Hypochondrie neige.
»Sollte dieser unwahrscheinliche Fall eintreten, du kleine Memme, gibt es auch in der Provence Ärzte, und notfalls sogar ein Krankenhaus. Außerdem muss es ja auch gar nicht Südfrankreich sein, wenn dir der bloße Gedanke daran schon Bauchschmerzen macht. Du könntest auch ein paar Tage nach St. Peter-Ording fahren oder nach Föhr. Dort ist es auch schön. Andererseits … mhhmmmm, ist dieser Bordeaux nicht köstlich?« Paula leckt sich mit ihrer hübschen, hellrosa Zunge genüsslich über die Lippen. »Wenn ich du wäre, würde ich keine Sekunde zögern und meine Koffer packen. Wirklich schade, dass ich momentan nicht hier wegkann, sonst würde ich dich begleiten.«
»Das finde ich auch, gemeinsam wäre das alles nämlich viel netter«, seufze ich. »Aber ich kann so oder so erst losfahren, wenn ich den Umzug hinter mir habe. Und das schaffe ich auch nur, wenn ich blitzschnell eine neue Wohnung finde.«
Wirklich zu blöd, dass ich damals zu Stefan in dessen Eigentumswohnung nach Uhlenhorst gezogen bin und dafür mein schnuckeliges Apartment in Ottensen aufgegeben habe.
»Es ist also vor allem das Problem mit dem Umzug, das dich hier hält?«, sagt Paula so leichthin, als wüsste sie nicht, wie kompliziert es ist, eine neue Bleibe zu finden. Ich wittere die ultimative Entschuldigung, gegen die auch meine Freundin mit ihrem Optimismus nicht ankommt, und sage: »Ja, genau. Ich kann erst wegfahren, wenn ich weiß, wohin ich danach zurückkommen kann – und Uhlenhorst ist das ganz sicher nicht.«
»Was hältst du davon, erst mal für eine Weile zu mir zu ziehen?«, schlägt Paula mit einem herausfordernden Lächeln vor. »Natürlich müsstest du einen Teil deiner Sachen irgendwo zwischenlagern, aber ich kann durchaus mal für eine Weile auf mein Arbeitszimmer verzichten und es für dich freiräumen. Dann wärst du schon mal eine Sorge los und kannst dir ganz in Ruhe etwas Passendes suchen – wenn du aus dem Urlaub zurückkommst.«
Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Einerseits wird mir gerade die tonnenschwere Last von den Schultern genommen, auf der Straße zu landen … andererseits habe ich nun wirklich keine Entschuldigung mehr, mich nicht...




